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Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 30.09.2011, 17:48
von TinaundCJ
vicci hat geschrieben:Mohnblume hat geschrieben:puh, was soll ich da schreiben? ich finde unter einem jahr abstillen absolut unangemessen. wo bist du denn stillberaterin, wenn du deinen ersten sohn nur 14 monate gestillt hast? bei LLL zum beispiel dauert die ausbildung ne weile und bei einem solchen frühen abstillen (also damit meine ich jetzt 14 monate) müsste ich mir von meinen ausbilderinnen ganz schöne nachfragen gefallen lassen..
hmm, das finde ich jetzt aber schon harten Tobak...
ich hab keine Ahnung von den verschiedenen Ausbildungen zur Stillberaterin. Aber ich dachte, beim Stillen geht es immer noch um die BEZIEHUNG zwischen Mutter und Kind. Und die muss halt mal gegenseitig sein, also auch von der Mutter aus gewünscht. Sooo viele Mütter stillen ihre Kinder gar nicht oder nur 3-4 Monate... da finde ich 11 Monate doch super! Was heißt denn in dem Zusammenhang "unangemessen"?
Damit keine Mißverständnisse entstehen, ich bin absolut dafür, das Stillen und auch das LANGE Stillen zu fördern... aber da so einen Leistungsdruck aufzubauen à la Je länger desto besser, halte ich nun doch für den falschen Weg. Das zeigt mir auch, dass die LLL, so ehrenwert ich ihre Ziele doch finde, für mich einfach einen Tick zu ideologisch ist.
Ich als Mitglied liebe die LLL

Ja, vielleicht bin ich radikal, dogmatisch und ideologisch, vielleicht lehrmeisterhaft oder aufopfernd, intolerant und militantisch aber ist das nicht jeder irgendwo, bei irgendeinem Thema? Und welches Thema wäre wichtiger, als die physische und psychische Gesundheit unserer Kinder?
Ja, es ist eine Beziehung, nur leider sitzt ein Partner dieser Beziehung am deutlich kürzeren Hebel! Von einer erwachsenen und gesunden Frau kann ich erwarten, daß sie sich einschränkt, geduld übt, nachgibt. Von einem 11 Monate alten BABY nicht.
Wir alle erleben Phasen, in denen wir einfach nicht mehr wollen und weiß Gott, bei meiner über 2-jährigen hatte ich dieses Gefühl mit drei durchbrechenden Backenzähnen und unerfülltem Kinderwunsch meinerseits mehr als ein Mal in letzter Zeit! Aber wenn ein Kind einfach nicht ohne die einzigartige Nähe des Stillens leben will, dann hat es als GLEICHWERTIGER Partner meiner Ansicht nach ein Recht auf zumindest einige wenige Stillzeiten. Man könnte tagsüber abstillen oder die Stillzeiten deutlich verkürzen. Aber über den Kopf eines Kindes hinweg abzustillen finde ich ungerecht. Das wäre kein Kompromiß sondern ein Zwang. Das Kind kann einige Stillmahlzeiten aufgeben und die Mutter einige schenken.
Ich denke, daß Frau sich gut beobachten sollte, wenn sie eine arge Abneigung gegen das Stillen hat. Was steckt dahinter? Oft muß ein ganz anderes Problem behoben werden um der Frau Besserung zu verschaffen. Denn wie wird sich eine Mutter wohl fühlen, die mit schlechtem Gewissen abstillt......? WIR können ihr die Absolution nicht geben. Und sollten das auch nicht. Das muß ihr Kind tun.
Ganz Liebe Grüße und an die Fragestellerin viel Kraft und Geduld, Verständnis und Liebe, egal wie sie sich entscheidet!
Also die Aussage kommt mir jetzt übelst heftig vor
So macht man ja den Müttern,die sowieso schon unglücklich mit der momentanen Situation ist noch ein schlechtes Gewissen
Ganz nach dem Motto:
Du hast dein Kind gefälligst so lange zu stillen,wie das Kind es will,Du hast dabei gar nix zu melden!
(so kommt es zumindest für mich als aussenstehende rüber)
Meiner Meinung nach muss es von beiden Seiten passen,sonst ist weder dem einen noch dem anderen geholfen.
Wenn es nicht mehr klappt oder läuft,dann ist das halt so.
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 30.09.2011, 18:40
von tania
ja, das stimmt. wenn es nicht mehr geht, dann geht es nicht mehr.
es ist nur so - ganz ehrlich: stillen nervt einfach hin und wieder. ich bin eine große stillliebhaberin, ich stille gerne, von ganzem herzen, zutiefst überzeugt. und trotzdem: es nervt einfach oft. es ist MEIN körper und mein kind hat so gar keine geduld bezüglich des stillens. es ist einfach ZU wichtig. und nur ich kann es leisten. davon werde ich nie nie auch nur mal kurz entbunden. es ist ganz klar, dass sich so gut wie alle stillenden mütter irgendwann (und immer wieder) an dem punkt finden, dass stillen nervt, dass sie nicht mehr stillen wollen. dieses "es muss für beide schön sein" negiert einfach die realität von stillen. stillen passt mir weißgott nicht immer in den kram, stillen kann weh tun, stillen zehrt, stillen nervt, stillen kann sich sogar übergriffig anfühlen. und stillen kann auch zu viel werden. und dann ist abstillen die richtige lösung. natürlich! aber es ist eine weitreichende entscheidung.
ich muss weg, mein kind zupfelt mir beständig am ärmel..
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 30.09.2011, 18:52
von Kerstin
Für mich klingt das nach heftiger Stillkrise. Was könnte man denn machen, um es dir angenehmer zu machen? Warum stillst du nachts im Sitzen? Habt ihr kein Familienbett? Ich kriege das nächtliche Stillen oft kaum mit.
Ich habe bzw. hatte auch schon Phasen, in denen das Stillen genervt hat. Aber dann kamen immer wieder schöne Momente. Gerade das Stillen am Abend oder in der Nacht finde ich wichtig. Je größer die Kinder werden, hat man ja manchmal tagsüber eher wenige innige Momente. Gerade in der "TerribleTwo"-Phase fand ich es immer schön, nachts wieder auf ein Level zu kommen.
Ich wünsche dir, dass du die schönen Dinge am Stillen wieder entdecken kannst. Ein Kleinkind stillen ist was anderes wie ein Baby zu stillen. Vielleicht musst du dir das mal bewußt machen, dass es jetzt anders weitergeht. Und dass es auch schön sein kann und wichtig für beide.
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 30.09.2011, 20:51
von Jägerin
Ich habe es immer so gemacht, dass wenn ich arg genervt vom Stillen war, ich mir Gedanken gemacht habe, ob ich wirklich abstillen will. Ich habe mir dafür immer ein paar Wochen gegeben. Danach hatte ich meistens keine Gedanken mehr ans Abstillen.
Ich habe die Große "nur" 12 Monate gestillt. Sie hatte auch gut gegessen und nur noch morgens gestillt und dabei immer so schlimm gehampelt... Als wir dann mit 16 Monaten mit Durchfall im Krankenhaus waren, habe ich mich darüber geärgert. Mit Stillen wäre sie höchstwahrscheinlich nicht in ein kritisches Flüssigkeitsdefizit gerutscht.
Den Kleinen habe ich 3 Jahre und 1 Monat gestillt. Ich habe hauptsächlich wegen Kinderwunsch abgestillt, das war vor 4 Wochen. Mit ihm hatte ich einige "Nicht-stillen-wollen-Phasen" meinerseits durch...
Er ist aber auch ein ganz anderes Kind gewesen und hat mit 12 Monaten noch nichts gegessen.
Ich denke aber, wenn du wirklich nicht mehr magst, ist das Abstillen in Ordnung. Und das sollte man auch als Stillberaterin dürfen.
Ich selbst bin keine Stillberaterin

Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 30.09.2011, 20:52
von Jägerin
Noch vergessen: wenn ich nachts im Sitzen hätte stillen müssen, hätte ich nie und nimmer so lange gestillt...
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 30.09.2011, 21:06
von JUST-ME
Jägerin hat geschrieben:
Ich denke aber, wenn du wirklich nicht mehr magst, ist das Abstillen in Ordnung. Und das sollte man auch als Stillberaterin dürfen.
Das kann ich nur unterschreiben... Ich denke auch eine Stillbeziehung soll beide Partner glücklich machen, und auch wenn das Kind eindeutig am kürzeren Hebel sitzt muss ich trotzdem nicht an meinem schlechten Gefühl vorbeistillen.... vlt einige Zeit lang, aber wenn es zum Dauerzustand wird ist es einfach nicht mehr richtig!!
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 30.09.2011, 21:19
von kiska
ich kann dich soo gut verstehen!! ich hatte, als meine tochter 11 monate alt war, die gleichen gedanken. das stillen war mir physisch auch unangenehm, ich hatte plötzlich das gefühl, ich müsse weglaufen. ich dachte schon, ich sei schwanger

weil es einfach überall ziepte und zuppelte und ich immer wieder dachte: "nun hör doch mal auf, da kommt schon lang nichts mehr!!" ende unserer geschichte: ich hatte wohl das erste mal wieder meinen eisprung... sowas wirds bei dir wohl nicht sein, wenn es schon drei wochen so läuft. wie langer hast du denn schon den gedanken, abstillen zu wollen?
ich finde es in ordnung, sich einzugestehen, dass man nicht mehr mag. und ich finde auch, völlig egal, ob du stillberaterin bist oder nicht, dass du das recht hast, abzustillen, wann du es möchtest. natürlich sollte man das wohl des kindes berücksichtigen.
ist vllt ein blödes beispiel, aber wenn ich bei zb. bei ford arbeite, heißt das nicht, dass ich keinen vw fahren darf. wenn eine stillberaterin ihrem neugeborenen fertigmilch zusammenrührte, wäre das für mich befremdlich, aber nach 11 monaten darf sie auch entscheiden, dass es ihr reicht.
meine meinung
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 30.09.2011, 21:32
von Sakura
hi weepie,
die meisten frauen in der westlichen welt stillen ihre kinder - WENN ÜBERHAUPT - nur ein paar wochen oder wenige monate. du hast also schon sehr sehr viel länger als die allermeisten frauen in D gestillt. das ist super. aber stillen ist eine beziehung, etwas zwischen zwei menschen, und die WHO betont nicht umsonst, dass solange gestillt werden sollte, wie baby UND mutter das wünschen (über den zweiten geburtstag hinaus). gut. du hast nun schon ein jahr vorher keine lust mehr. trotzdem denke ich, dass es dein gutes recht ist, zu einer sache keine lust mehr zu haben.
ich denke, wichtiger ist "the big picture". das gesamtbild. was du sonst für dein kind tust, wie du sonst mit deinem kind umgehst. nur stillen allein wird kein kind glücklich machen, und behutsames abstillen wird ein kind, dem attachment parenting zugute kommt, nicht traumatisieren. ich denke, wichtig ist vor allem, dass du ganz langsam und behutsam vorgehst, ich habe gelesen, dass abruptes abstillen ein kind traumatisieren kann, und das glaube ich sofort. ich denke, es nützt keinem was, wenn du missmutig weiterstillst, und darüber die gesamte beziehung zu deinem kind verschlechterst, weil du innerlich immer mit ihm und dir haderst.
liebe grüße
S.

Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 30.09.2011, 21:51
von vicci
Nö, so habe ich das garnicht gemeint. Mir fällt nur immer auf, daß auf die Mutter verwiesen wird, wenn es heißt "Es muß für beide stimmen". Ja, es muß eben für beide stimmen, deshalb ist ganz abstillen, wenn das Kind das nicht möchte falsch. Ein Kompromiß erscheint mir da fair für alle Seiten!
Das hat nichts damit zu tun irgendwem ein schlechtes Gewissen zu machen. Das hat was damit zu tun an ein Kind zu denken, das seine Gefühle selbst kaum verbalisieren kann.
Das Leben in einer Familie sollte IMMER ein Komromiß sein. Seine eigenen Bedürfnisse durchzuziehen und andere zu übergehen, weils für einen selbst nicht mehr paßt ist nicht sonderlich demokratisch. Wir reden hier nicht über irgendein Objekt, das eben nach und nach abgestillt wird, so einfach ist das nicht. Kinder haben eben soviel Mitspracherecht in dieser Partnerschaft. Und offensichtlich paßts für ihr Baby noch nicht
Schönen abend

Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 30.09.2011, 21:57
von vicci
JUST-ME hat geschrieben:Jägerin hat geschrieben:
Ich denke aber, wenn du wirklich nicht mehr magst, ist das Abstillen in Ordnung. Und das sollte man auch als Stillberaterin dürfen.
Das kann ich nur unterschreiben... Ich denke auch eine Stillbeziehung soll beide Partner glücklich machen, und auch wenn das Kind eindeutig am kürzeren Hebel sitzt muss ich trotzdem nicht an meinem schlechten Gefühl vorbeistillen.... vlt einige Zeit lang, aber wenn es zum Dauerzustand wird ist es einfach nicht mehr richtig!!
Hmmm, ich sollte aber einen Kompromiß eingehen, bei dem JEDER etwas gewinnt. Und richtig ist nicht zwangsläufig, was einen befriedigt oder glücklich macht. Kinder sind uns hilflos ausgeliefert, da ist es doch selbstverständlich, daß ich phasenweise lieber ein schlechtes Gewissen beim Stillen habe als mein Kind gegen seinen Willen abzustillen!
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