Nähe und Distanz - ein Teufelskreis? (auch @johana)

Wiege oder Familienbett? Allein oder zusammen? Wie schlafen wir alle am besten?

Moderator: Giraeffchen

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Capesider
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Nähe und Distanz - ein Teufelskreis? (auch @johana)

Beitrag von Capesider »

Hallo,

gerade habe ich in einem anderen Thread einen Satz von johana gelesen, der ganz genauso auch hier auf mich und Becci zutrifft:
johana hat geschrieben:Weißt du was ich denke? Eure Tochter spürt, dass ihr Distanz sucht. Sie ist dadurch verunsichert und sucht umso mehr Nähe. Daher wird es aus deiner Perspektive immer nerviger...
Meine Frage ist jetzt: was kann ich tun, damit ich die Situation trotzdem so lösen kann, dass wir beide da heil rauskommen?

Bei uns ist es gerade so extrem, Becci fordert mich den ganzen Tag, jede freie Minute muss ich mir erkämpfen, ich hab tagsüber null Auszeit für mich. Sie rennt überall mit hin, will bei allem mitmachen, ganz oft kuscheln. Und beim Einschlafen, hängt sie regelrecht an mir dran und will ganz extremen Körperkontakt. Vor allem an meinen Händen und Armen krabbelt und kratzt sie mich ganz intensiv, und das kann ich einfach nicht mehr!

Mir geht's gerade so schlecht, und mein Körper wehrt sich unter anderem auch gegen diese Einschlafkrabbelei von ihr. Ich hab so schlimm Neurodermitis an den Händen wie noch nie im Leben, und seit gestern fängt es auch am Hals an, das hatte ich noch nie. Ich kann ihr einfach im Moment nicht mehr das geben, was sie verlangt, weil ich meine Kraft für mich selber brauche, sonst klappe ich völlig zusammen.

Also, ich will unbedingt Distanz, und im Gegenzug klammert sie sich noch mehr an mich.

Was tun??

Müsste ich dann theoretisch alle Nähe, die sie fordert, zulassen, damit sie sich wieder sicher fühlt und aus diesem sicheren Zustand heraus dann wieder langsame Schritte "von mir weg" machen kann?

Aber ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob ich das in meinem Zustand schaffe. :(
Liebe Grüße
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isyisy
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Re: Nähe und Distanz - ein Teufelskreis? (auch @johana)

Beitrag von isyisy »

Puh, hört sich mega-anstrengend an!

Gibt sie dir die Gelegenheit, dass du mal auf sie zugehen kannst? Also dass du ihr zeigen kannst: Ich mag deine Nähe und kuschel gerne mit dir? Ich könnte mir vorstellen, dass ihr das mehr bedeuten würde als eine positive Reaktion deinerseits auf ihr Nähesuchen.
Ansonsten halt auch die verbale Ebene stark nutzen aber das tust du bestimmt sowieso schon.
Vielleicht auch was unternehmen, was für euch beide schön ist? Zoo vielleicht? Dass sie etwas mit dir erlebt und dich ganz für sich hat aber eben ohne die körperliche Klammerei.
Liebe Grüße
isy mit Großer (09/07) und Kleiner (04/10)


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Capesider
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Re: Nähe und Distanz - ein Teufelskreis? (auch @johana)

Beitrag von Capesider »

isyisy hat geschrieben:Gibt sie dir die Gelegenheit, dass du mal auf sie zugehen kannst? Also dass du ihr zeigen kannst: Ich mag deine Nähe und kuschel gerne mit dir?
Ja, wir kuscheln oft. Sie mag es zum Beispiel total, wenn ich sie seitlich auf den Hals küsse, und ich mag das auch total, weil sie sooo gut duftet! :lol: :D
Dann hält sie immer ganz still und sagt: "Mama, ganz viel und ganz langsam küssen!" oder "Ooooh, ist das schön!"
Vielleicht auch was unternehmen, was für euch beide schön ist? Zoo vielleicht? Dass sie etwas mit dir erlebt und dich ganz für sich hat aber eben ohne die körperliche Klammerei.
Witzig, dass Du das sagst. Gerade gestern hatten wir einen wunderwunderschönen Tag im Zoo und Becci war sooo lieb, wie ausgewechselt!
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isyisy
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Re: Nähe und Distanz - ein Teufelskreis? (auch @johana)

Beitrag von isyisy »

Ich erlebe auch oft bei unserer Tochter, dass in anstrengenden Zeiten ein Tapetenwechsel enorm für Entspannung sorgt - auf allen Seiten. Ich bin aber auch nicht so pinglig im Haushalt, der kann dann ruhig warten.
Bei uns gibt es aber auch Oma und Opa, die dann gerne mal für ein Stündchen einspringen. Und da die Lütte sich da sauwohl fühlt habe ich auch kein Problem damit, sie mal abzugeben.

Wenn ich das richtig weiß ist Becci sprachlich ziemlich fit, oder? Könnt ihr Absprachen treffen im Sinne von "Bis der Wecker klingelt spielst du alleine, dann gehen wir spazieren" oder so?

Am belastendsten ist wohl die Einschlafsituation. Dafür fällt mir nix ein außer: Lass sie länger auf, damit sie totmüde ins Bett fällt :mrgreen:
Liebe Grüße
isy mit Großer (09/07) und Kleiner (04/10)


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Re: Nähe und Distanz - ein Teufelskreis? (auch @johana)

Beitrag von Capesider »

isyisy hat geschrieben:Bei uns gibt es aber auch Oma und Opa, die dann gerne mal für ein Stündchen einspringen. Und da die Lütte sich da sauwohl fühlt habe ich auch kein Problem damit, sie mal abzugeben.
Ich würde Becci mit Freuden bei meinen Eltern lassen, die drei lieben sich abgöttisch, und das wäre für Becci überhaupt kein Problem. Leider sind meine Eltern ja gerade wieder 500 km weit weg, und das haut mich um, diese Entlastung nicht zu haben. :(
Wenn ich das richtig weiß ist Becci sprachlich ziemlich fit, oder? Könnt ihr Absprachen treffen im Sinne von "Bis der Wecker klingelt spielst du alleine, dann gehen wir spazieren" oder so?
ja, sprachlich fit ist sie, aber solche Absprachen werden von ihr leider nicht eingehalten. Entweder wehrt sie sich von vornherein schon dagegen, ("aber Mama, ich will doch bittebitte, lass mich doch mit Dir kommen"...) oder sie kommt dann nach ein paar Minuten schon wieder zu mir.
Am belastendsten ist wohl die Einschlafsituation. Dafür fällt mir nix ein außer: Lass sie länger auf, damit sie totmüde ins Bett fällt :mrgreen:
Das haben wir bei meinen Eltern ein paar Mal gemacht, da ist sie dann mit uns um Mitternacht schlafen gegangen, obwohl sie den ganzen Tag auch keinen Mittagsschlaf gemacht hatte. Das pack ich echt nicht, ich brauch abends ne Pause, sonst brüll ich irgendwann nur noch rum. :?
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isyisy
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Re: Nähe und Distanz - ein Teufelskreis? (auch @johana)

Beitrag von isyisy »

Leider sind meine Eltern ja gerade wieder 500 km weit weg, und das haut mich um, diese Entlastung nicht zu haben. :(
Sowas hatte ich mir schon gedacht, du Arme!
ja, sprachlich fit ist sie, aber solche Absprachen werden von ihr leider nicht eingehalten. Entweder wehrt sie sich von vornherein schon dagegen, ("aber Mama, ich will doch bittebitte, lass mich doch mit Dir kommen"...) oder sie kommt dann nach ein paar Minuten schon wieder zu mir.
*Schulterzuck*

ich brauch abends ne Pause, sonst brüll ich irgendwann nur noch rum. :?
Geht mir auch so. Abends bin ich nach so einem Tag auch wirklich auf Anschlag.

Tut mir leid, keine hilfreichen Tipps von mir :(
Liebe Grüße
isy mit Großer (09/07) und Kleiner (04/10)


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jusl
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Re: Nähe und Distanz - ein Teufelskreis? (auch @johana)

Beitrag von jusl »

Vor allem an meinen Händen und Armen krabbelt und kratzt sie mich ganz intensiv, und das kann ich einfach nicht mehr!
Das erstaunt mich!! Warum lässt Du DAS denn mit Dir machen??

Gegen uneingeschränkte Nähe und Körperkontakt hat keiner was (ich am allerwenigsten, wie jeder weiß, der meine Postings kennt!), aber für mich liest sich das, als würde Dein Kind Dich "verletzen" (Deine Grenzen, Deine Gefühle, Deine Haut...).
Übernimm die Führung! Nähe - immer gerne, aber OHNE Gekratze! Wickel sie in eine Schmusedecke, halte ihre Händchen (knibbel Du doch an ihren oder so ;-)), aber mach deutlich, dass das, was sie tut, AUF KEINEN FALL GEHT.

(Ehrlichgesagt würde ich sogar so weit gehen und sagen: diese Begrenzung bist Du IHR schuldig! Es ist nicht fair, ein kleines Kind in einer Situation zu belassen, in der es andere Menschen verletzt - sie kann dies doch nicht selbst überblicken und sagen: "Mama mag das nicht, also lass ich das lieber". Aber wenn Du sowas weiter zulässt, dann schiebst Du ihr die fiktive(!) Haltung zu: "Mama mag das nicht, aber ich gemeines Kind mach das trotzdem". Schnell ändern, würde ich sagen!)

LG;
Julia
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Re: Nähe und Distanz - ein Teufelskreis? (auch @johana)

Beitrag von Meli 307 »

kann es sein, daß sie Angst hat, du könntest wirklich weggehen?
zeitenweise innere Distanz, weswegen sie körperliche Distanz nicht ertragen kann?du bist da, aber nicht wirklich "da"? fluchtgedanken?
welche Funktion hat ihr Verhalten für dich?aufrechthalten, dich-durchschleppen damit du nicht in eine Ecke fällst und ne Weile nicht mehr aufstehst?
Deine Neurodermitis spricht eine deutliche Sprache.Becci allerdings auch.auf welches Problem will sie dich aufmerksam machen?
Dieses Tauziehen bringt euch beide nicht weiter, denn mit dem Ergebnis seid ihr ja beide nicht zufrieden/glücklich.
warum läßt du das Kratzen zu- um dich zu spüren?
wie soll sie sich von dir lösen, wenn du nicht die Grenze ziehst, wo Becci aufhört und Mama anfängt?
in eurem Gespann hast du die Führung, die kannst du nicht an Becci abgeben.
geht es bei den nicht eingehaltenen Absprachen nicht eher darum, überhaupt Verhandlungen zu führen und damit im Gespräch mit dir zu bleiben?
nur so ein paar gedanken, die mir beim Lesen kamen.
Gruß Meli
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Johana
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Re: Nähe und Distanz - ein Teufelskreis? (auch @johana)

Beitrag von Johana »

Hallo liebe Danny,

Du hast mich ja zitiert, darauf gehe ich direkt mal ein: Ich denke, dass dieser Satz überhaupt nicht auf euch zutrifft :wink: !
Du formulierst es selbst ganz prima: Du KANNST nicht mehr Nähe geben!
Meine Idee, wie ihr da beide heil rauskommt ist eher etwas anderes...Lies es dir in Ruhe durch, vielleicht ist etwas für dich dabei :wink: :

Geh bitte in die Küche und koch dir einen Kaffee. Nimm Zettel und Stift und schreibe auf, was dir im Alltag wichtig ist. Zum Beispiel:
-Beim "ins Bett bringen" nicht gekratzt werden

Dem Kind Nähe geben bedeutet nicht, sich aufzuopfern. Ich stille meine Tochter gern in den Schlaf. Irgendwann fing sie an, mir dabei ihre niedlichen, scharfen Babyfingernägel in die freie Brustwarze zu bohren (autsch!!). Ich habe ihr erklärt, dass ich sie gern stille, aber ohne dass es mir weh tut. Zweimal habe ich mich von ihr weg gedreht, nochmal erklärt wo meine Grenze ist, danach haben wir gestillt wie früher auch; ohne "bohren".

Du bist bereit Becci in den Schlaf zu begleiten. Wie könnte es deiner Meinung nach ablaufen? Was würde dir Spaß machen?
Für mich klingt es übrigens nicht danach, dass du Distanz suchst, sondern einfach deine Grenzen "verloren" hast. Du möchtest nicht gekratzt werden. Steh auf, setz dich neben das Bett, lies ein Buch, sing ein Lied, was auch immer. Aber lass dir nicht weh tun! Das in den Schlaf begleiten muss (wie auch das Stillen) beiden Seiten Spaß machen. Macht man es widerwillig, verliert es seinen Wert ein bisschen.


Mir ist irgendwann mal aufgefallen, das ich aufgehört habe zu lesen. Tagsüber hatte ich weder Ruhe noch Zeit; abends war ich zu kaputt...Entschlossen habe ich mir einen Krimi aus dem Regal gezogen und meinen Kindern feierlich erklärt, dass das ein Mama-Buch ist und ich es ab jetzt jeden Tag ein bisschen lesen werde. Mit Kaffee und in aller Ruhe! In den ersten Tagen habe ich oft nur eine Seite geschafft (meine Jüngste war da etwa ein Jahr). Mittlerweile kommen meine beiden Großen (6 und 4) ab und zu (wenn sie merken, dass ich genervt bin :wink: ), bringen mir mein Mama-Buch und sagen: Wie wäre es mit nem Kaffee und deinem Buch 8) ?

Ich höre auch gern Kindermusik, Märchen und 3FRagezeichen (kids), aber nicht ausschließlich. Ab und zu möchte ich auch meine Musik hören. Das tut mir gut!

Was ich meine ist, dass man als Mutter UNBEDINGT auf sich achten muss! Du gibst dir so unglaublich viel Mühe auf Becci einzugehen! Sie wird davon profitieren wenn du ab jetzt deine Grenzen aufzeigst. Das tut mir gut, das mache ich gerne! Das tut mir weh, das mache ich nicht mehr! Manchmal findet man einen Kompromiss, mit dem beide echt glücklich sind. Manchmal muss aber eben auch einer eine liebgewonnene Gewohnheit aufgeben!

So, nun habe ich mich hier ziemlich ausgelassen... :lol: ; vielleicht war ja etwas für dich dabei (der Kaffee konnte in keinem Fall schaden :mrgreen: )!

Gaaaaanz liebe Grüße
Maja
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Re: Nähe und Distanz - ein Teufelskreis? (auch @johana)

Beitrag von Maja »

Bei uns "hilft" der Kindergarten. Wenn wir hier am Wochenende oder in den Ferien die ganze Zeit aufeinanderhocken, dann kann ich abends auch nicht mehr eine Stunde Nähe und rumwühlen ertragen, das geht gar nicht, und es eskaliert fast immer.
Wenn jeder am Tag seine Stunde für sich selbst hatte - die Kinder und ich auch - dann kann ich abends das Einschlafkuscheln wieder richtig genießen, und zwar auch dann, wenn ich ansonsten einen irre anstrengenden Tag hatte.

Zuviel Nähe und ständiges Aufeinanderhocken tut keiner Beziehung gut, nicht der zwischen den Eltern und nicht der zwischen Eltern und Kindern. Zuviel Distanz natürlich auch nicht, aber dafür sorgt das Kind schon :wink:
2004/2006/2014
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