Hallo,
da mir alle Erfahrungsberichte zum Thema windelfrei am meisten geholfen haben, den ersten Schritt zu machen, möchte ich meine (bisher noch recht kurze) Erfahrung auch weitergeben. Ich bin zu einem echten Fan von Windelfrei avanciert und kann nur jedem wärmstens empfehlen das zu probieren!
Meine Tochter ist mein erstes Kind und in den ersten 2-3 Wochen war ich eindeutig überfordert, um auch noch an windelfrei zu denken. Ich hatte genug mit stillen, hoppern und Schlaf nachholen zu tun. Allerdings ist mir da schon immer aufgefallen, dass sie meistens bevor sie käckert die Beine etwas anzieht und herumdrückt und zwar ein, zwei Minuten lang. Danach ging das dann mit einem gut hörbaren Rums in die Www.
Ich habe versucht sie nackt strampeln zu lassen, aber ich hatte das Gefühl, das es ihr zu kalt ist und die Pausen zwischen den Pipis waren über eine halbe stunde. Also hab ich das nach 1-2 Versuchen gelassen. Allerdings hat sie einmal während so einem Versuch gepiselt und ich hab "pssss" gesagt. Als ich sie dann nach einem langen Schlaf mal abgehalten habe und den Schlüssellaut gemacht habe, hat sie gleich Pipi gemacht
Dann ist mir aufgefallen, dass sie sich morgens im Bett immer so windet, obwohl sie eigentlich noch schläft und nicht gestillt werden will. Da hab ich sie dann auch mal ins Bad getragen, www ausgezogen und abgehalten und sie hat gleich gekäkert. Seitdem hab ich sie auch während dem Stillen, wenn sie so herumgedruckt hat auch ins Bad getragen.
Das mit dem großen Geschäft hatte ich also relativ bald und relativ sicher heraußen. Währenddessen trug sie immer noch www. Aber Pipis hab ich gar keine erwischt, außer wenn sie auch groß musste zur gleichen Zeit.
Ich versuchte einen Pipi-Ausdruck in ihrem Gesicht zu erkennen. Aber durch die www wusste ich ja nie, ob sie wirklich zu dem Zeitpunkt was gemacht hat oder schon vorher. Also hab ich ihr die Windel mal ausgezogen und bin dann auch prompt innerhalb einer halben Stunde 2x angepinkelt worden
Ich hab so weitergemacht, dass ich sie auf Verdacht ins Bad getragen habe und alles ausgezogen und dann wieder alles an. Das hat sich aber auch für meine Tochter als frustrierend herausgestellt. Vor allem Abends, wenn sie auch schon müde war.
Der nächste große Durchbruch waren Babylegs. Ich habe ihr Babylegs und dicke Socken angezogen und sie obenrum schön warm eingepackt und hab ihr eine Stoffwindel unter den Hintern gehalten. So konnte ich sie einfach über eine Schüssel abhalten, die ich mir zwischen die Beine geklemmt habe. Und wenn nix kam, hab ich sie ein paar Minuten später noch mal abhalten können, ohne mir wie ein Kinderschänder vorzukommen. Vor allem aber hab ich gleich gemerkt wenn sie gemacht hat, hab den Schlüssellaut machen können und bin selber nicht nass geworden. Das hab ich vorerst nur beim Stillen gemacht und hab ihr danach wieder www angezogen. Doch mit Babylegs ist auch www abmachen einfacher.
Der nächste Schritt war, dass ich mich erst mal weniger auf ihre Zeichen verlassen hab, sondern versucht habe ihr Timing herauszufinden. Also morgens nach dem aufwachen abgehalten, Stoffwindel unter den Hintern und nach 15 Min noch mal abgehalten. Siehe da, es hat funktioniert.
Bin dann draufgekommen, dass sie nach dem stillen 2-3 Mal im Abstand von 15-20 Min muss und dann länger nicht mehr. Hab sie dann nach 2x abhalten ins Tragetuch gegeben, wo sie dann meist eingeschlafen ist. So war sie den Vormittag schon meist windelfrei. Im Tragetuch bin ich draufgekommen, dass sie sich richtig wehrt und kräftig protestiert, wenn sie muss. Ich hatte dann noch Zeit sie auszuwickeln und ins Bad zu tragen. Bin dann draufgekommen, dass das Tragetuch eigentlich der sicherste Ort ist, um keine Pannen zu haben, weil sie da recht deutliche Zeichen gibt. Wenn ich Sie im Arm gehalten habe und versucht habe nach dem Pinkel-Gesicht Ausschau zu halten, bin ich entweder zu oft oder zu spät mit ihr ins Bad gegangen.
Nun war aber das Problem die Wickeltechnik. Ich habe die Wickelkreuztrage mit ihr verwendet. Das heißt aber
-Tuch schleift immer am Boden beim Wickeln
- Man muss das Kind ablegen, um das Tuch zu wickeln
- bei Fehlalarm ist das ein ziemliches Rumgewurschtel für das Kind, um das dann womöglichst 5 Min später zu wiederholen.
Bin dann auf den Sling gekommen. Sling ist perfekt zum Einkaufen gehen, oder durch die Stadt zu gehen, auch wenn man öfters aus dem Auto aus und einsteigen muss und nicht jedes Mal rumwickeln will, oder für leichte Hausarbeit, bei der man sich nicht viel bücken muss, sondern nur beide Hände oder besser noch nur eine Hand freihaben muss.
Zu dem Zeitpunkt war meine Maus ca. 7 Wochen. Wir haben mit 2-3 Ausnahmen alle Kakas relativ mühelos erwischt und ziemlich viele Pipis und sie war zu dem Zeitpunkt zu Hause windelfrei. 3-4 nasse Stoffwindeln am Tag gab es, die aber einfach unterm Hintern raus gezogen wurden und gewechselt.
Als nächstes bin ich die Nächte angegangen. Hab mir 2 Moltonunterlagen gekauft und 2 Stoffwindeln drüber gelegt. So zusammen gefaltet, dass eine Windel unter der unteren Körperhälfte liegt und eine unter der oberen. So kann ich, wenn Mausi ins Bett macht, einfach die nasse Windel unterm Po rausziehen und eine trockene unterschieben. Die windelfreien Nächte sind eigentlich viel einfacher, als ich mir das vorgestellt habe.
Ich hab versucht sie vor und nach dem Stillen in der Mitte der Nacht abzuhalten. Da kam aber nix, sondern 10 Min später. Also hab ich in der darauf folgenden Nacht, sobald ich gemerkt habe, dass sie nach dem Stillen unruhig wird, noch mal versucht sie abzuhalten und es hat funktioniert. Die meisten Nächte muss sie aber gar nicht in der Mitte sondern erst morgens. Daher hab ich dann wieder aufgehört sie abzuhalten. Manchmal ist eine Windel nass, aber das ist vielleicht 1x die Woche. Es kommt auch darauf an, wieviel sie abends noch getrunken hat und um welche Uhrzeit sie das letzte Mal war. Wenn sie so gegen 21 Uhr einschläft, dann kann es sein, dass sie noch mal muss, wenn sie erst so gegen 23 Uhr einschläft, dann kann sie meist durchschlafen (mit Stillunterbrechung) bis 6 ohne zu müssen. Somit waren die Nächte also auch windelfrei
Die nächste große Hürde war beim unterwegs sein. Erstens kann man das Kind ja nicht mit nacktem Hintern durch die Gegend schleppen und zweitens war mir das immer total peinlich sie irgendwo abzuhalten, wenn das Leute sehen können.
Als das Wetter jetzt wieder kühler wurde musste ich mir allerdings wieder was neues einfallen lassen. Bin mittlerweile ein Meister im Modifizieren von Bodies. Das Problem bei Shirt und Babylegs ist ja auch, dass das Shirt die ganze Zeit hoch rutscht. Mittlerweile schneide ich bei den langbeinigen Bodies den Schritt aus und leg dann die Gummiband-Windelkonstruktion drüber. Somit kann man das Baby warm anziehen und hat es trotzdem schnell ausgepackt.
Das mit dem schnell Auspacken hat eigentlich weniger damit zu tun, dass Babies nicht warten können, wenn sie müssen. Bin schon mal im Bus gefahren und meine Maus hat noch ganze 3 Stationen gewartet und dann noch ca. 100m gehen bis ich aus dem Gedrängel heraus war und dann noch aus dem Tuch auspacken und abhalten. Der Grund, warum es schnell gehen muss ist der, dass die Mama manchmal einfach zu doof oder zu ängstlich ist und die Maus abhält wenn sie gar nicht muss. Und dann muss man sie halt bald mal schon wieder abhalten. Und dieses ewige an und ausziehen verhindert, dann das man es noch mal versucht und genau dann hätte sie aber wirklich gemusst.
Was mir auch geholfen hat, war die Angst vor dem Babypipi zu verlieren. Wenn sie noch so klein sind, dann riecht das fast gar nicht. Und schon überhaupt nicht, wenn es an der Luft trocknet. Als ich mit der Timing-Methode nicht mehr wirklich weiter kam, weil es dann doch öfters passiert ist, dass ich mit ihr 3x ins Bad gerannt bin und nix raus kam, hab ich mir gesagt, es ist jetzt egal, ob ich angepinkelt werde, ich warte jetzt einfach, bis sie mir ein klares Zeichen gibt oder ich werde halt nass. Und siehe da, sie wurde merkbar unruhig und hat heftig mit Armen und Beinen gezappelt.
Zum Thema Autositz: ich habe eine wegwerfbare Wickeltischunterlage in Autositz große Teile zerschnitten. Da hab ich sie zuerst mit nacktem Hintern draufgesetzt. Mittlerweile lass ich die Windel aber drauf. Ich halte sie einmal ab bevor wir losfahren und dann sobald wir ankommen (wenn die Fahrt so zwischen 20 und 40 Min dauert) Bei längeren Fahrten bleibe ich manchmel stehen, wenn ich glaube, dass sie muss. Wenn wir zu zweit im Auto sind nehme ich sie kurz aus dem Sitz und lasse sie in ein Tupperware pinkeln, dass ich dann verschließe. Manchmal setzte ich sie dann auch mit nacktem Hintern auf die Wegewerfunterlage und wenn sie gemacht hat, wechsle ich die einfach unterm Hintern aus, dann muss ich sie nicht aus dem Sitz nehmen.
Zur Zeit brauche ich immer noch 3-4 Stoffwindeln pro Tag im Schnitt (Manchmal 8 und manchmal keine). Jeder Erfolgstreffer ist ein schönes Erlebnis und jede Panne macht eigentlich auch nicht viel, außer dass ich wieder was dazulerne. Hab inzwischen aufgehört auf die Uhr zu schauen und bin gerade dabei die Intuition kennen zu lernen und ihr zu vertrauen.
Ich verwende jetzt auch oft die Doppelte Kreuztrage wenn ich unterwegs bin. Die kann man am Körper lassen und das Kind einfach rausnehmen zum Abhalten oder Stillen und danach wieder reinstecken.
Einkaufen ist eigentlich kein Problem. Ich halte sie einmal davor ab und dann hält sie das locker aus, bis wir wieder heraußen sind. Mein größtes Hindernis ist immer noch es skeptischen Leuten zu erklären und dann womöglichst vor lauter Vorführeffekt total aus dem Takt zu kommen. Aber je selbstsicherer ich bin und mich nicht beirren lasse, desto besser klappt es. Ich lasse mich durch windelfrei gar nicht mehr einschränken. Ich gehe Freunde besuchen, übernachte auch bei denen oder in Hotels, gehen in Restaurants oder Cafes, zum Einkaufen oder Spazieren, zum Wandern oder zur Babymassage. Das letzte www Paket habe ich in ihrer 6. Woche gekauft und es steht immer noch halbvoll in unserem Bad.
Mein Mann macht mittlerweile auch mit und ist total froh, dass wir das so machen. Nicht nur für unsere Maus sondern auch für seinen leicht empfindlichen Magen. Eine verschissene Windel war schon nicht so sein Ding, aber der Windeleimer oder der Windelmüllsack, die konnten ihm echt das Fürchten lehren.
Und sogar die Oma ist ganz hin und weg wie "intelligent" ihre 2 Monate alte Enkelin ist. Sie hält sie jetzt auch schon ab und freut sich wie ein Schneekönig, wenn es klappt.
So, puh, also danke, wer sich bis hierher durchgeackert hat. Ich hoffe es war informativ für jemanden, der damit anfangen möchte, aber noch nicht genau weiss, wie. Ich kann jedem wirklich nur aufs herzlichste dazu raten. Es ist wirklich schön seinem Baby beim Ausscheiden zu helfen und den Hintern nur mit etwas Klopapier abzutupfen, falls das überhaupt nötig ist, anstatt den eingetrockneten Kot mit Feuchttüchern vom Hintern zu schrubben und zu versuchen alle Bröckchen aus allen möglichen anderen Öffnungen und Falten herauszuwischen.
Viel Spaß und nur Mut, es zahlt sich auf alle Fälle aus!
Liebe Grüße
Tatjana