Stillstreik und Verzweiflung

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Calissa
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Stillstreik und Verzweiflung

Beitrag von Calissa »

Hallo zusammen,

ich bin die letzten Tage total verzweifelt, da es mit dem Stillen mal wieder nicht richtig funktionieren möchte. Aber am besten beginne ich von Anfang an mit unserer Still Odyssee.

Vor 15 Wochen wurde unsere Tochter mit 55cm und 3870g geboren. Die Geburt verlief bis auf den Einsatz einer Saugglocke komplikationslos. Im Kreißsaal legte ich bereits unter Anleitung der Hebamme an, was gut klappte. Im Nachhinein muss ich sagen, dass sich hier nicht viel Zeit genommen wurde. Das ganze dauerte maximal 15 Minuten wahrscheinlich wegen Zeitdruck der Hebamme und ruckzuck war ich auf dem Zimmer. Dort erklärte man mir nochmal das Anlegen und Stillen nach Bedarf und, dass meine Tochter wahrscheinlich erstmal viel schlafen wird. So war es und am Abend wurde sie mit großem Hunger munter. Die Nachschwester hatte gefühlt keine Zeit und so hatte ich sehr schnell ein Hütchen und zwei Stunden später die erste Flasche in der Hand. Ich sollte zufüttern, da meiner Tochter bereits der Magen knurrte und mein Milcheinschuss noch auf sich warten ließ. Zu Hause verfuhren wir erstmal in Absprache mit meiner Hebamme so weiter, dass ich zuerst anlege und danach zufüttere. Die Hebamme stellte fest, dass meine Tochter eine Saugschwäche hatte ubd wir vereinbarten einen Termin beim Osteopathen. Wir besorgten außerdem eine Milchpumpe aus der Apotheke und ich pumpte ab und zu zusätzlich ab. Leider wurde mir nicht erklärt, dass es sehr wichtig ist nach jedem Stillen/Zufüttern abzupumpen. Ich ging davon aus, dass wenn die Saugschwäche behoben ist meine Tochter einfach mehr an der Brust trinken wird und sich die Menge an Pre automatisch verringern würde. Irgendwann belaß ich mich selbst im Internet und ich begann als meine Tochter ca. 7 Wochen alt war regelmäßig abzupumpen. Als ich hiermit nach einer Woche keine Erfolge erzielte machte ich jeden Abend eine Session Powerpumpen. Aber meine Tochter trank weiterhin 90-130ml PRE pro Mahlzeit bzw. abgepumpte Muttermilch. Beim Abpumpen kamen oft nur 40ml zustande außer früh morgens, da waren es 100-120ml. Hier war ich schonmal sehr verzweifelt, denn außer füttern, abpumpen und Kind zum Schlafen bringen, konnte ich nichts machen. Der Durchbruch kam als meine Tochter 10 Wochen alt war. An einem Morgen beschloss ich ihr keine Flasche im Anschluss anzubieten, da sie nach dem Stillen zufrieden schien. Es folgte ein Tag mit fast ununterbrochen Stillen auch den Tag danach stellte ich noch fast stündlich. Aber meine Tochter war bis auf eine Flasche (50-100ml Muttermilch) zufrieden. Seitdem pumpte ich nur noch 1x nachts ab, da sie da oft nur an einer Seite trinkt. Wir hatten es also geschafft zwar mit viel Tränen meinerseits, aber der Kampf hatte sich vorerst gelohnt.
Das Ganze ging jetzt gut 4 Wochen gut. Letzte Woche Montag waren wir zur Impfung Meningokokken B und die zweite Rota-Viren Impfung und seit dem Tag danach verweigert meine Tochter plötzlich die Brust. Nur nach sehr langem überzeugen trinkt sie an der Brust schläft dann aber schnell dabei ein. Sie trinkt nur noch nachts sehr effektiv. Tagsüber tribkt sie wenn sie trinkt sehr unruhig und dockt ständig ab. Ich habe nun Angst, dass sie abnimmt und dass meine Milch weniger wird. Was ich beim abpumpen auch schon festgestellt habe. Statt 100-120ml nachts pumpe ich plötzlich nur noch 60-70ml ab. Am Abend habe ich sonst nachdem sie schläft und abends zusätzlich die Flasche bekommt sonst 70-80ml erhalten seit 3 Tagen nur noch 40-50ml.
Meine größte Sorge ist jedoch, dass meine Tochter hunger. Also habe ich ihr mittlerweile auch Tagsüber ab und an eine Flasche angeboten. Hier trinkt sie zwischen 30 und 70ml. Ich spiele zurzeit mit dem Gedanken abzustillen, da ich nicht weiß, ob ich dem Druck nochmal Stand halte, habe aber Angst, dass ich es bereue, falls ich abstillen sollte. Bei jeder Flasche die ich ihr zusätzlich gebe (bis jetzt waren es maximal 3 pro Tag) muss ich vor Verzweiflung weinen. Der Gedanke ans abstillen macht das gleiche mit mir. Mein Kopf sagt zwar, dass abstillen für mich stressfreier ist und für meine Tochter wahrscheinlich auch, aber mein Herz sagt ich soll es weiter versuchen. Ich bin allerdings mit meinem Latein am Ende und weiß einfach nicht, wie lange ich das noch aushalte. Denn wenn ich nochmal kämpfe heißt das wieder viel pumpen, viel anlegen und dadurch soziale Isolation, weil das ganze so viel Zeit in Anspruch nimmt. Wüsste ich, dass ich jetzt nur noch einmal dadurch muss würde ich mich nochmal 1-2 Wochen da durch kämpfen, wenn ich aber jeden Monat wieder mit einem Stillstreik rechnen muss, weiß ich nicht, ob ich das schaffe.
Ich habe übrigens sämtliches Equipment zu Hause: Medela Symphony mit Doppelpumpset, Ardo Melia Handsfree, Lansinoh Wärmepack für beide Brüste und Femaltika.

Das Gewicht von meiner Tochter die letzten 4 Wochen:
03.10. 5870g
10.10. 5955g
17.10. 6165g
20.10. 6280g
22.10. 6320g
24.10. 6335g

Im Grunde nimmt sie gut zu nur die letzten Tage machen mir Sorgen, da sie tagsüber wirklich sehr wenig trinkt und schnell quenglig wird. Was sonst noch auffällt ist, dass sie immer wieder versucht sich aufzurichten und sie schon anfängt zu weinen, wenn ich sie auf meinem Arm in eine horizontale Lage bringe. Sie hatte auch davor schon oft Probleme mit Luft im Bauch und fing an unruhig zu trinken, was sich aber durch zwischenzeitliches bäuern beheben ließ. Die letzten Tage kann ich ihr auch kaum ein Bäuerchen entlocken.

Ansonsten ist sie ein sehr aktives Kind. Sie dreht sich von Rücken in Bauchlage seit 20.09. und ist sehr interessiert an ihrer Umwelt.

So was erhoffe ich mir von diesem Post? Ein bisschen Zuspruch, Erfahrungsaustausch und vielleicht der ein oder andere Tipp und vor allem Motivation noch einmal zu kämpfen
Herbstkind202520
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Re: Stillstreik und Verzweiflung

Beitrag von Herbstkind202520 »

Liebe Calissa,

zunächst einmal tut es mir sehr Leid, dass du einen so schwierigen Stillstart hattest und nicht genügend Unterstützung bekommen hast! Du wirst bestimmt bald auch Rückmeldung von einer Moderatorin bekommen.

Wir haben einige Stillstreiks hinter uns und ich weiß wie belastend und anstrengend das ist. Mich hat das wirklich zum Verzweifeln gebracht. Das Gefühl, dass mein Kind hungrig ist und ich es aber nicht füttern kann, hat zu vielen Tränen hier geführt. Deswegen erst einmal: Du bist nicht alleine!

Wir hatten Stillstreiks in Woche 6, Woche 8 und Woche 12. Manchmal nur ein paar Tage, manchmal sogar zwei Wochen am Stück. Frag mich nicht, wie wir das überlebt haben. Wir haben nie eine Flasche oder einen Schnuller verwendet, eine Saugverwirrung konnte ich also ausschließen. Ob das bei dir ein Thema sein könnte, kann ich nicht sagen, da kenne ich mich leider zu wenig aus. Bei uns läuft es mittlerweile (Monat 4) viel besser. Das heißt aber nicht, dass wir problemlos stillen. Mein Baby ist wie deins, super aktiv, dreht sich und ist motorisch super fit und etwas voraus. Um zu stillen braucht man aber eine gewisse Ruhe, die mein Baby an manchen Tagen einfach nicht hat. Mittlerweile wird aber nicht mehr die Brust angeschrien, sondern nur noch wie wild gezappelt. Das kann ich besser ertragen (wunde Brustwarzen mal abgesehen). Von mehreren professionellen Seiten (Stillberatung, Kinderarzt) wurde mir gesagt, dass es einfach Kinder gibt, die so sind.

Was uns im Stillstreik geholfen hat:

- Viel Hautkontakt, Bauch an Bauch liegen und viel schmusen

- Keinen Zwang oder Druck aufbauen, dass das Baby jetzt trinken muss, das funktioniert sowieso nicht und führt nur zur Verzweiflung. Lieber immer mal wieder anbieten.

- Im Halbschlaf stillen - Das haben wir in der schlimmsten Phase zwei Wochen am Stück gemacht. Das schränkt extrem ein, weil man immer die Schläfchen abpassen muss, aber damit hatte ich mich dann arrangiert.

- Viel im Schlaf Stillen, damit das Baby da ein bisschen aufholt

- Im dunklen Zimmer mit weißem Rauschen stillen

Ich lasse den Tipp: Ruhe bewahren und tief durchatmen mal weg, weil das nur jemand sagen, der noch nie einen ordentlichen Stillstreik erlebt hat. Wichtig ist für dich, dass du dich an der Anzahl der nassen Windeln orientierst und an dem Allgemeinzustand deines Babys. Die Gewichtszunahme sieht ja ordentlich aus.

Du musst für dich entscheiden, ob du weiter stillen möchtest und kannst oder nicht. Es lohnt sich nicht sich psychisch kaputt zu machen, um zu stillen. Es ist schließlich immer eine Stillbeziehung in der beide, Mutter und Kind, in den Blick genommen werden müssen. Das war meine Erkenntnis der letzten Monate. Falls es dir nicht gut damit geht, dann steig auf die Flasche um. Deswegen bist du keine schlechtere Mutter. Falls du noch durchhalten kannst, dann probier es weiter.

Ich wünsche dir alles, alles Gute!
LittlePolarbear
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Re: Stillstreik und Verzweiflung

Beitrag von LittlePolarbear »

Liebe Calissa,
da hattet ihr ja wirklich einen schwierigen Start und keine stillfreundliche Unterstützung. Das tut mir sehr leid! Es klingt nach einer sehr herausfordernden Zeit und ich kann gut verstehen, dass du hin- und hergerissen bist wie du es mit Stillen/Abstillen halten möchtest. Wäre denn auch eine Zwischenlösung für dich denkbar (Stichwort Zwiemilch)? Letztlich ist es ja wichtig, dass du einen Weg findest, der für dich und euch passt. Wo der lang geht, kann dir von außen niemand sagen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es sich mit einer professionellen Begleitung anders anfühlen könnte. Bisher hast du dich ja ziemlich alleine da durch gekämpft.

Falls du es doch nochmal angehen möchtest und eine Rückmeldung und Unterstützung von den Stillmods wünschst, dann lies dir am besten den Thread „So funktioniert Stillberatung im SuT“ durch und beantworte die dort gestellten Fragen ( viewtopic.php?p=5340956#p5340956 )
Einiges was dafür relevant ist, hast du ja auch schon geschrieben. Ganz wichtig sind aber auf jeden Fall alle Gewichte, beginnend mit dem Geburtsgewicht.

Alles Gute für dich und ganz viel Kraft sende ich dir 🧡
mit dem nicht mehr so kleinen Bär (2018) und dem Minibär (2025) + zwei Bonustöchtern (2008 & 2011)
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