Kommentare zum Stillen...

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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andallthatjazz
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von andallthatjazz »

Oh Allfein, das freut mich total, dass ihr euch da erklären könntet und deine Schwiegermama vielleicht gar nicht in die Unbelehrbar-Fraktion gehört☺️
andallthatjazz mit Zauberelfchen 👧🏼 (Herbst '19) und Wunderwichtel 👦🏼(Spätsommer '22) an der Hand und Glücksengelchen 👶🏻(Winter '26) im Arm
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Allfein »

andallthatjazz hat geschrieben: 12.01.2025, 18:02 Oh Allfein, das freut mich total, dass ihr euch da erklären könntet und deine Schwiegermama vielleicht gar nicht in die Unbelehrbar-Fraktion gehört☺️
Ja, ich hoffe es. Sie meint es ja nur gut und sorgt sich. Ich möchte ja auch eine gute Beziehung zu ihr haben/diese aufrecht erhalten, von daher war das klärende Gespräch definitv gut. 😊
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blueberry
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von blueberry »

Da es im "kurze Frage - kurze Antwort" nicht passt, aber keinen eigenen Thread braucht, packe ich die Antwort mal hier rein. Ich hoffe, das stört nicht (oder gibt es einen Still-Plauderthread hier irgendwo?)
Juli90 hat geschrieben: 13.01.2025, 08:04 Ich hatte schon das Internet bemüht, aber nicht wirklich eine Antwort gefunden. Warum genau flacht eigentlich die WHO-Gewichtskurve nach den ersten zwei Monaten ab? Liegt es am veränderten Trinkverhalten der Babies oder der Veränderung im Stoffwechsel oder an der Milchproduktion/-zusammensetzung oder an was ganz anderem? Das würde mich einfach mal interessieren. Weiß das jemand?
Das ist noch unbeantwortet, oder?

Ich glaube, Deine Frage ist eigentlich sowas wie "Warum wachsen Säugetiere (und insbesondere Menschen) eigentlich nicht linear, sondern in einer zunächst steilen und dann kontinuierlich flacher werdenden Kurve?" (nicht nur nach zwei Monaten, sondern überhaupt im weiteren Verlauf flacht die Kurve ja ab.

Ich bin da kein Fachmensch und habe auch nichts Konkretes zu dieser Frage gefunden, aber ich versuche mich mal an einem "educated guess":

Zunächst: Es ist evolutionär sinnvoll, wenn ein junges Säugetier erstmal zügig Gewicht und Größe zulegt: mehr Fettpolster, schnellere Organentwicklung, mehr Muskeln und Kraft - sprich: mehr Widerstandskraft, vor allem gegen Kälte und Krankheiten

Gerade Menschenbabys werden relativ unreif geboren. Das hat sich evolutionär vermutlich so entwickelt, weil das Becken des Erwachsenen relativ eng ist (das liegt am aufrechten Gang auf zwei Beinen), aber der Mensch auch eine Spezies mit großem Gehirn ist, also einen großen Kopf hat. Der Zeitpunkt der Geburt ist also eine Art Kompromiss.

Wenn Babys nach der Geburt zügig wachsen, ist das also sinnvoll - sie haben ja auch vergleichsweise viel Energie "übrig" für Wachstum und das Anlegen von Fettreserven, weil sie sich noch nicht selbst um ihre Nahrung kümmern müssen (und Muttermilch zudem ideal verdaulich ist), ihre Körpertemperatur noch nicht komplett selbst regeln durch Zittern, Schwitzen, ... (sondern evolutionär durch ausdauernden Körperkontakt mit Mutter/Vater/Anverwandten), sich nicht selbst fortbewegen müssen, und auch noch nicht übermäßig viel Energie ins Immunsystem investieren müssen durch den "Nestschutz" (also von der [idealerweise gegen viele Krankheitserreger bereits geimpften oder genesenen] Mutter "geliehene" Antikörper, die das Baby zum Ende der Schwangerschaft übertragen bekommt) und durch weitere Antikörper in der Muttermilch.

Also: Schneller Stoffwechsel. Schnelles Wachstum. Kickstart. Prima.

Wenn Babys in dem Tempo weiterwachsen würden, kannst Du gern mal schauen, wie schwer sie dann wären nach einem Jahr. Das dürften bei Jungen auf der 75. Perzentile um die 19 kg sein, wenn ich da mal an meinem Bildschirm ein Lineal dranlege.

Menschen sind evolutionär aufs Nomadenleben optimiert. Ihre relativ unreif geborenen Nachkommen sind Traglinge, die auch nach dem Laufenlernen mit 9-18 Monaten noch längere Zeit darauf angewiesen sind, für täglich lange Wegstrecken getragen zu werden. Es ist also schonmal nicht sinnvoll, wenn sie zu schnell zu schwer werden.

Die Milchmenge der Mutter/Trinkmenge des Babys nimmt auch über die ersten zwei Monate hinaus weiter zu. Die Milch wird auch nicht weniger nahrhaft. Daran liegt es also nicht.

Aber zur anfänglichen Priorität "Gewichtszunahme" kommen halt im Laufe des ersten Lebensjahres andere Energiefresser hinzu:
- der Grundumsatz steigt, je größer das Baby wird und je mehr Muskeln es hat
- Gehirnentwicklung (Lernen, Lernen, Lernen: Motorik, Sprache, ...)
- eigenes Mobilwerden und Muskelaufbau
- unabhängig werdende Temperaturregulation
- aufwendigere Verdauung (Beikost)
- komplett das eigene Immunsystem fordernde Erkrankungen (es ist erstaunlich, wie viel Energie das Immunsystem und Fieber verbrauchen können, wenn wir richtig krank sind - die geborgten Antikörper der Mutter reichen ja nicht ewig).


Das wäre jetzt mal so meine Vermutung. Zumindest so in diese Richtung wird es gehen.
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von WuselSusl »

Sprüche, die ich mir auf der Wochenstation anhören durfte (aufgrund meiner Bemühungen, stillfreundlich zuzufüttern)...

Kinderarzt: "Was soll denn das Geklecker, haben Sie Angst vor der Flasche?" (als ich Bechern versuchte)

Hebamme, welche auch Stillberaterin ist! (als das Bechern nicht so klappte und ich deshalb um Spritze und Sonde zum zufüttern an der Brust bat...):
"Kein Wunder, dass das Kind Stress hat, Sie schütten ihm die Milch ja in den Mund" (sie hat mich beim Stillen und zufüttern nie beobachtet, muss ich dazu sagen)
Als ich erklärte, dass ich ja nicht schütte, sondern mein Baby die Milch mit der Zunge aufleckt:
"Das ist doch ein Kind und keine Katze!"
"Das trinken aus der Flasche ist der Brust noch am ähnlichsten"
"Ich habe auch zwei Kinder gestillt und mit der Flasche gefüttert und es gab nie Probleme" (ich dachte nur: ja, ist ja schön für dich...)
"Und das mit der Saugverwirrung, also ob es das überhaupt gibt..."

Eine weitere Stillberaterin der Station (als ich dann mit Spritze und Knopfkanüle zufütterte):
"Das ist doch unphysiologisch"
"Versuchen Sie doch mal zu essen, wenn Ihnen jemand ständig einen Strohhalm in den Mundwinkel steckt!"
"Denken Sie auch mal an Ihr Kind und nicht nur an Ihre eigenen Wünsche "
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Pirouge »

((WuselSusl))
Das klingt schlimm 😥.
Wie ging es dir damit?
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von GemeineEsche »

Uff... Da fragt man sich, wann und wie die die Lizenz bekommen haben...
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von RegenbogenSchweinchen »

Das hört sich echt schrecklich an.
Lieben Gruß vom RegenbogenSchweinchen
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blueberry
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von blueberry »

:shock:

Tut mir leid, dass Du da so gegen Widerstände kämpfen musstest! :(
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von WuselSusl »

Danke ihr Lieben,
Es war eine sehr belastende Zeit auf der Wochenstation...
Mir wurde sehr viel Druck gemacht. Als wolle ich mein Kind verhungern lassen, als würde ich mich gegen das Zufüttern ansich sträuben (hat niemand so formuliert, aber mir wurde das Gefühl vermittelt). Dabei ging es mir ja nur um das WIE!
Ich war (zumindest bei einem Teil des Personals, nicht bei allen!) unten durch, als ich meinen eigenen Kopf hatte und nicht nach deren Vorstellung mitgespielt habe.
"Wenn Sie jetzt nicht die Kurve bekommen und er noch richtig gelb und schläfrig wird und unter die Lampe muss, dann wird das morgen ein schlimmer Tag... wenn Sie nicht schon eine schlimme Nacht haben werden!" Mit diesen Worten wurde mir widerwillig die Spritze zum Zufüttern in die Hand gedrückt.
Eine ältere Hebamme war die Einzige, die sich das Anlegen angeschaut hat und mir Mut machte.

Und meine Vor- und Nachsorgehebamme stand auch voll hinter mir ❤️. Sie konnte mich am Telefon etwas beruhigen. Sie hätte auch eine Entlassung auf Revers mit getragen, wäre es hart auf hart gekommen...
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blueberry
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von blueberry »

Wie gut, dass Du auch Leute hast, die Dir den Rücken stärken!
WuselSusl hat geschrieben: 24.02.2025, 13:39 Mir wurde sehr viel Druck gemacht. Als wolle ich mein Kind verhungern lassen, als würde ich mich gegen das Zufüttern ansich sträuben (hat niemand so formuliert, aber mir wurde das Gefühl vermittelt). Dabei ging es mir ja nur um das WIE!
Ganz wichtiger Unterschied!
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