Mein Kind ist so unemphatisch

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lalelu2
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von lalelu2 »

Das war bei meinem HB Kind auch lange so. Mir wurde erklärt, dass es ein haeufig vorkommt, dass der Intellekt sich sehr schnell entwickelt und das Sozialverhalten weit hinterherhinkt. Also meinKind war angepasst und ist nicht negativ aufgefallen, konnte aber in sozialen Situationen nicht angemessen reagieren. Oft hat es auch so aufgesetzt gewirkt, so als ob sie tut als ob sie sich freut, oder so. Z.B. konnte sie sich bei Besucherkindern nie hineinversetzen, was diese brauche, möchten o.a. Sie konnte auch nicht mit dem Hund angemessen umgehen, war z.B. zu grob oder wild oder konnte nicht erkennen, wann er genug hatte. Dieses Unhöflich sein zu anderen kenne ich auch, eben wenig Interesse zeigen, dann aber auf der anderen Seite Menschen über ihr augenblickliches Spezialthema zu Texten, ohne zu erkennen, wann der gegenüber is h langweilt. Selbst wenn ich gesagt habe, ich habe davon jetzt genug gehört, wurde damit nicht aufgehört..
Mit dem heranwachsen ist das besser geworden und kommt heute nur noch normal häufig vor. ( ich dachte zwischenzeitlich auch, sie hat vielleicht eine Autismus Spektrum Störung, wir waren auch bei Therapeuten deswegen, aber letztlich wurde nie etwas diagnostiziert und es hat sich mit der Zeit gegeben.)
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Meerhuhn
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Meerhuhn »

Lalelu2, das könnte in vielem mein Kind sein. Er ist schon oft emphatisch - und dann an anderen Stellen gar nicht. Höflichkeitsfloskeln konnte er definitiv mal besser. ASS kann ich aber so ziemlich ausschließen, ich hatte schon auch für ihn und mich in die Richtung gelesen, aber es passt einfach an wichtigen Stellen gar nicht. Wir sind eher HS und er eben HB dazu. Meine Mutter ist seine Lieblingsoma, das kommuniziert er so. Und dennoch begrüßt er sie manchmal mit: "Hast du/Wo ist das Geschenk?" Und nein, sie ist nicht (nur) die Lieblingsoma wegen der Geschenke.
Danke/Bitte/Hallo, vergisst er oft. Er ist in Gedanken meist einfach schon weiter - bei seinem "Vortrag" zu dem, was er gerade gelesen hat, beim gemeinsamen Spiel, ... Oder er sieht den Sinn halt nicht, wenn es um Nachbarn geht, mit denen man nix zu tun hat. Da bin ich halt hartnäckig, damit er das lernt. Also ich erinnere ihn immer wieder. Ich kann nur hoffen, dass das irgendwann Erfolg hat.
Er wirkt halt unglaublich reif, seine Stärke ist auch die Sprache. Aber emotional und sozial ist er an einigen Stellen nicht so weit, wie intellektuell. Die Diskrepanz wirkt aber durch den intellektuellen Vorsprung noch größer. Ist trotzdem manchmal schwer auszuhalten, auch wenn ich das weiß und an einigen Stellen nachempfinden kann. Ich bin eigentlich ein sehr emphatischer Mensch, aber dennoch ein furchtbar schlechter Gastgeber. Ich erinnere mich oft erst spät daran, etwas zu trinken anzubieten z.B. :oops:
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Cecily
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

lalelu2, das kenne ich so auch, dieses zutexten und, bei Themen, die ihn interessieren, auch ständige fragen, ohne andere zu Wort kommen zu lassen.

Das iegt allerdings auch an unserer für Außenstehende schwierigen Kommunikation zu hause (alle reden gleichzeitig miteinander, stört uns meistens nicht, für andere aber sehr schwierig).

Pluschwuschel, ja, genau, ihm geht alles ab. Aber "wahre Empathie" (Oma z.B.) zeigt er auch eher selten - er fragt auch nie nach seiner Oma, wann sie wieder kommt etc. Das sind so Sachen, die mir Sorgen machen. :( Das "unhöfliche" könnte ich noch eher abwinken.

Nö, besonders unglücklich scheint er im Moment nicht und auch sonst eher selten. Allerdings umgekehrt extrem glücklich auch nicht. Da muss schon was gigantisches Geschehen - Sonntag = Phantasialand = er darf das erste Mal auf die großen Achterbahnen.
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Nachtblau
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Nachtblau »

Ich hatte hier irgendwann mal ein Abo gesetzt, weil es mit dem Sprotterich auch lange so war. Inzwischen eher nicht mehr. Ob das jetzt "von selbst" so gekommen ist oder unser/mein Weg, damit umzugehen, funktioniert hat, weiß ich nicht. Ich hatte ihn zwischenzeitlich auch mal auf ASS testen lassen, er konnte aber Gefühle klarbenennen und erkennen und in den Geschichten des Screenings auch nachvollziehen. Sie haben es daher ausgeschlossen

Was ich oft gemacht habe, ist, dass ich ihm tatsächlich erklärt habe, wie sich der andere fühlt. Also dass ich verstehen kann, wenn er der Uroma nicht die Hand geben mag (war mal Thema) dass sie aus seinem Verhalten jedoch schließt, dass er sie nicht mag oder sie ihm egal ist. Bewusst ohne schlechtes Gewissen machen, sondern wirklich nur erklären, wie sein Verhalten wirkt, und dabei betont, dass er dabei bleiben kann, ich aber gerne mit ihm überlege, was er vielleicht stattdessen machen kann, falls er der Uroma das Gefühl nicht geben möchte. Ihm eat das schlichtweg nicht klar.

Auch im Sozialkompetenz-Training, an dem er teilgenommen hat, ging es um Perspektiv-Wechsel (der ihm aufgrund seiner neurologischen Besonderheit schwerfällt) und Wege, wie man besser mit anderen kommunizieren kann, damit die Leute eher geneigt sind, einem das zu geben, was man möchte. (Hat die Sozialpädagogin so ausgedrückt. 😅) Ich könnte mir halt vorstellen, dass das wirklich ein Knackpunkt ist und dass man da eventuell mit Intellekt aufwiegen kann, was im Instinkt fehlt. Also nachverstehen, wie es dem anderen geht, und dann nachfühlen, statt gleich nachzufühlen.
Sprotterich (09/12), Krabbe (03/15)
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