Fehlendes Vertrauen in das Stillen - wie kriege ich es zurück?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Noname488
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Fehlendes Vertrauen in das Stillen - wie kriege ich es zurück?

Beitrag von Noname488 »

Hallo zusammen,

Erstmal vielen Dank für das tolle Forum! Ich habe beim stillen mitlesen viel Lernen können. Heute wende ich mich an euch mit der Bitte um Hilfe.

Möglichst kurz unsere Geschichte:
Meine Tochter ist 6.5 Monate alt und wird voll gestillt. Sie ist allerdings am Anfang nie von allein zum Stillen wach geworden, sodass ich sie alle 4h geweckt habe (zu langer Abstand, wie ich nun weiß...). Meist trank sie dann 1 Seite "gierig" etwa 10min lang, dann ging das Weinen los und hörte bis zum Einschlafen nicht mehr auf. An Weiter-Stillen war nicht zu denken. So lief das weiter mit dem "sie holt sich schon was sie braucht/ meldet sich wenn sie Hunger hat" Gedanken fest im Hinterkopf, obwohl sie häufig schon vor dem Stillen oder nach 1 Minute Stillen weinte. Nach 4 Wochen war sie dann von Perzentile 90 auf 70 gerutscht- also immer zugenommen, aber immer zu wenig. Großer Schock auf meiner Seite. Dann fing das große Eingreifen an: häufiger die Brust anbieten, aber da sie die Brust wieder und wieder wie ihren größten Feind anschrie, nutzen wir auch alle Tricks zum Stillstreik: Füttern im Halbschlaf, Stillen auf dem Pezziball, gepuckt im abgedunkelten Raum stillen, vor dem Stillen beruhigen, und da das tagsüber so schwierig war, stellte ich mir nachts alle 2h den Wecker um das schlafende Baby auf die Seite zu Rollen und im liegend 1 Spendereflex zu Stillen (bis wieder der Tiefschlaf einsetzt). Tja, und so leben wir seit 5.5 Monaten. Inzwischen liegt sie wieder auf Perzentile 80 - ein Erfolg, finde ich. Aber wie finde ich den Weg zurück aus diesem "übergriffigen" Stillen in ein durch mein Kind reguliertes Stillen? Wie finde ich das Vertrauen zurück, dass ich nachts die Wecker weglassen kann? Wie traue ich mich am Tag wieder mit ihr länger weg, mit dem Gedanken, sie wird schon trinken wenn sie Hunger hat? Es ist nämlich immernoch so, dass sie die Brust häufig ganz schrecklich findet (z.b. während jedes Schubes...), sie im Wohnzimmer nicht trinken will aber 5 Minuten später im Schlafzimmer dann doch. Habe ich es komplett versaut, oder habt ihr Tipps?

Vielen Dank fürs Lesen und Gedanken machen :-)
Nona mit Mini-Pups (04/2019) und Mäusezahn (05/2022)
Sommermama2017
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Re: Fehlendes Vertrauen in das Stillen - wie kriege ich es zurück?

Beitrag von Sommermama2017 »

Herzlich Willkommen. :)


6,5 Monate, d.h. du solltest schon Beikost zumindest anbieten. Wie nimmt sie die an? Wenn sie ab und zu was knabbert, könnte das die Situation ja schon entspannen, sie hätte dann schon mal die Auswahl zwischen stillen oder essen bei Hunger.
Liebe Grüße von Sommermama mit L. 07/17 und A. 01/21
Lösche Benutzer 27615

Re: Fehlendes Vertrauen in das Stillen - wie kriege ich es zurück?

Beitrag von Lösche Benutzer 27615 »

Hallo noname,

was du machst, ist nicht übergriffig! Wenn dein Baby im Schlaf oder in ruhiger Umgebung gerne und gut stillt, ist das völlig ok. Natürlich ist ein Baby "praktischer", wenn es sich regelmäßig selbst meldet und auch mit Ablenkung gut stillt, aber die Kleinen sind verschieden und als Mama muss man sich da anpassen. Ich denke nicht, dass man da viel beeinflussen kann. Nachts stillen ist sinnvoll, auch wenn sie älter sind. Da sind sie immer ruhiger und zappeln nicht so rum. Und für die Milchbildung ist es auch gut.
Beikost anbieten ist sicher richtig und entspannt die Situation vielleicht sogar, hier hat das die Zufriedenheit bei beiden erhöht. Das kannst du auch auswärts nutzen. Wenn du was findest, was gerne gegessen wird, musst du dir nicht auswärts einen ruhigen Ort suchen, sondern kannst das mit Beikost überbrücken. Klar, man sollte eigentlich immer vor der Beikost stillen, aber ich denke, man muss sich das Leben auch nicht unnötig schwer machen.

Viel Glück!
Badewannennilpferd
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Re: Fehlendes Vertrauen in das Stillen - wie kriege ich es zurück?

Beitrag von Badewannennilpferd »

Hallo, Ich habe ein Kind das nur in Ruhe mit mir stillen kann. Im Wohnzimmer auf der Couch stillen ist seit dem 4. Monat undenkbar. Er deckt immer ab und muss ich umgucken, er könnte ja was verpassen. Wenn ich rede oder mein Mann mich anspricht dockt er sofort empört ab und guckt denjenigen der gesprochen hat vorwurfsvoll an. Wir stillen fast ausschließlich im Bett im Schlafzimmer. Manchmal wenn er richtig Hunger hat geht es in der Trage oder mal auf der Couch.
Er hat keine Stillzeichen. Entweder er knatscht direkt oder ist sowie so müde und wird in den Schlaf gestillt.
Du bist also nicht alleine.

Es ist so das man ein Kind nicht zum Stillen zwingen kann. Soweit ich weiß muss das Kind die Brust aktiv einsaugen. Wenn es nicht will dann tut es das nicht. Du darfst also gerne vertrauen das du deiner Tochter das stillen nicht aufzwingst.
Weint Sie denn jetzt immernoch die Brust an?
J 03/2022
Noname488
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Re: Fehlendes Vertrauen in das Stillen - wie kriege ich es zurück?

Beitrag von Noname488 »

Vielen Dank für eure aufmunternden Worte der Unterstützung :-)

An die Leidensgenossen- wie schafft ihr es, cool zu bleiben? Ich erwische mich immer mal bei einem "ach Mädchen, jetzt mach doch bitte nicht so ein Theater! " Gedanken. Und bin oft genervt von meinen dunklen Schlafzimmer, zumal sie selbst dort super ruhig und entspannt sein muss.

Thema Beikost: bisher nichts für sie. Beim füttern bleibt der Mund einfach zu. Hat sie selbst den Löffel in der Hand, wird der Brei fein säuberlich runter gewischt (ob zufällig oder mit Absicht weiß ich nicht) und dann der leere Löffel in den Mund gesteckt ;-) für Fingerfood muss ich noch Mut sammeln - ich finde z.B. die gern gegebene Gurke viel zu hart?! Aber ja, hier erhoffe ich mir Entspannung für Ausflüge.

Sie muss absolut entspannt sein (oder schlafen), sonst stillt sie nicht. Egal ob quer sitzender Pups, Übermüdung, aufregender Tag, eine etwas zu volle und ggf schnell auslaufende Brust.... es gibt sooooo vieles, was sie vom Stillen abhält. Sie dockt noch immer regelmäßig an/ab. "Hintereinander weg stillen" ist hier Fehlanzeige. Auch deswegen fällt es mir schwer, "satt" von "Hilfe, ich hab nicht die Ruhe zum Trinken" zu unterscheiden:-/
Nona mit Mini-Pups (04/2019) und Mäusezahn (05/2022)
Traeumi
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Re: Fehlendes Vertrauen in das Stillen - wie kriege ich es zurück?

Beitrag von Traeumi »

Hab hier ein gleichaltriges Baby, das auch nicht sonderlich gern stillt (von komplett Theater sind wir weg, seit sie so 12 Wochen ist, aber gibt immer mal wieder nervige Tage). Wenn die Zunahme inzwischen passt und du ihr Beikost anbietest (unsere isst zB gerne Himbeeren, Avocado & Brot/Brötchen), würde ich schon denken, dass du dich entspannen kannst und sie zumindest nachts schlafen lassen kannst. Ich würde an deiner Stelle vielleicht mal die Gewichtsdaten hier reingeben, dass die Stillmods draufschauen können, ob die Zunahme ok ist. Vielleicht kannst du dich dann auch etwas mehr auf ihre Signale einlassen?
... mit (02/2015) & (12/2016) & (06/2022).
Casinova
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Re: Fehlendes Vertrauen in das Stillen - wie kriege ich es zurück?

Beitrag von Casinova »

Bei uns ist das ähnlich, meine Kleine ist jetzt fast 4 Monate alt. Das Stillen ist die meiste Zeit ein riesen Drama und jede Ablenkung davon ist ihr nur recht. Müdigkeit oder der quersitzende Pups sind hier auch immer wieder ein Grund die Brust furchtbar anzuschreien, obwohl der Hunger da ist. Sie dockt ebenfalls immer wieder an und ab und ich muss ihr meistens die Brust fest halten :roll:

Deine Gedanken kann ich gut nachvollziehen und ich spreche sie tatsächlich auch manchmal laut aus ;-) das "Theater" ist aus Erwachsenen Sicht einfach schwer nachzuvollziehen. Eine Hebamme hat mal zu mir gesagt, da hilft nur radikale Akzeptanz. Die Brust mit Milch ist da, das Baby darf trinken, also ist alles gut. Ich empfinde das in manchen Situationen als hilfreich. Wenn sie wieder ganz schlimm die Brust anschreit, hilft mir dieser Gedanke oft dabei, nicht zu verzweifeln. Aber immer hilft das natürlich nicht. Ich hab auch schon weinend im dunklen Zimmer gesessen und hatte verdammt noch mal die Schnauze voll davon, den halben Tag in der Dunkelkammer zu hocken. Ich finde das ist durchaus erlaubt. Wenn das Stillen eine durchweg schöne und gute Erfahrung ist, gönne ich das jedem. Die Realität sieht in den meisten Fällen aber anders aus. Sonst gäbe es ja auch dieses Forum nicht.

Du bist jedenfalls ganz und gar nicht allein mit Deinem Problem und manchmal hilft es ein kleines bisschen, das zu wissen. Einen guten Tipp oder Rat hab ich leider nicht für Dich. Ich schlag mich auch so durch. Aber eins kann ich Dir versichern: Dein Baby und Du, ihr seid genau richtig. Halt die Ohren steif!
Der Große P 05/13
Die Kleine E 08/22
Casinova
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Re: Fehlendes Vertrauen in das Stillen - wie kriege ich es zurück?

Beitrag von Casinova »

Noch ein Nachtrag:

Ich habe immer die Zeiten wann und wie lange ich gestillt habe aufgeschrieben, sogar nachts. Dadurch war ich beim Stillen immer sehr auf die Uhr fixiert. Vor Kurzem habe ich mich getraut, das wegzulassen. Seit dem funktioniert das Stillen auf jeden Fall besser, da ich mehr auf die Kleine und ihre Bedürfnisse schaue, als nach der Uhr. Wenn Dein Schatz gut gedeiht, trau Dich, den Wecker mal nachts auszulassen und taste Dich langsam vor, das Vertrauen in Euer Stillen wieder zu fassen. Es wird besser klappen als Du jetzt glaubst, davon bin ich fest überzeugt.
Der Große P 05/13
Die Kleine E 08/22
Glyzinie
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Re: Fehlendes Vertrauen in das Stillen - wie kriege ich es zurück?

Beitrag von Glyzinie »

Da dein Kind jetzt nicht gerade ein zartes Baby ist, würde ich mir keine so großen Sorgen machen. Wenn sie in ein paar Wochen vielleicht krabbelt, kann sich das alles nochmal ändern mit der Perzentille. Spätestens beim Laufen geht Speck verloren. Die entwickeln sich eher selten bis zur Einschulung auf einer Perzentille.
Was sagt denn der Kinderarzt?

Ich würde ihr nicht nur Brei anbieten. In dem Alter können sie einen Löffel ohnehin nicht wirklich zum Mund führen. Mal ein gekochtes Gemüse oder Obst, Nudel etc.
Mit eiligem Piffi (11/2016)
Noname488
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Re: Fehlendes Vertrauen in das Stillen - wie kriege ich es zurück?

Beitrag von Noname488 »

Vielen Dank für eure lieben Zeilen der Aufmunterung und des Verständnisses :) tatsächlich hilft es ein klein wenig, nicht ganz allein mit diesem "Still-Stil" zu sein. Im Bekanntenkreis kennt das niemand... Selbst meine (sehr junge) Hebamme war etwas ratlos.

"Radikale Akzeptanz" - das klingt passend. Daran muss ich jetzt arbeiten :wink: am Anfang habe ich immer gedacht, dass es sich schon bald bessern wird: wenn sie erstmal den Wachstumsschub geschafft hat, wenn das Verdauungssystem gereift ist, wenn sie gelernt hat das Schlucken und Atmen zu koordinieren, wenn sie ihre eigenen Bedürfnisse besser zuordnen kann und sich merkt, dass die süße Milch ein wohliges Gefühl im Bauch erzeugt... die Realität scheint so auszusehen, dass wir bis zum Ende unserer Stillbeziehung so leben werden. Schade, ich hätte gerne ein Baby, welches sich an der Brust tatsächlich beruhigt :lol:

Ja, zum Glück ist mein Baby nicht ganz furchrbar zart. Aber von der Körperlänge her liegt sie >99% Perzentile, also ist sie auch nicht super speckig auf der Gewichtsperzentile von etwa 80 - die Relation hätte ich vielleicht erwähnen sollen :oops:
Nona mit Mini-Pups (04/2019) und Mäusezahn (05/2022)
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