blueberry hat geschrieben: 08.09.2022, 17:10
Schade, dass Du da anfangs so schlecht beraten wurdest

. Selbstverständlich lohnt sich das in jedem Alter noch, zu versuchen, was am Stillen zu verbessern: der größte Teil der natürlichen Stillzeit liegt doch noch vor Euch.
(Die WHO-Empfehlung für Stillkinder weltweit ist: 6 Monate vollstillen, danach neben Beikost mind. bis zum zweiten Geburtstag weiterstillen, und darüber hinaus, solange Mutter und Kind das möchten)
Die Beikost ändert anfangs an der Milchmenge eigentlich nicht nennenswert was (klar, viele Kinder werden schneller und effektiver, aber deshalb Schmerzen nicht nochmal ursächlich anzugehen, finde ich, öhm, befremdlich

?).
Fünf Monate dauerhaft wunde Brustwarzen und nur "das verwächst sich" bzw. "das lohnt jetzt nicht mehr" als professionellen Rat... Wow.
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Also, ich versuch mal einen Rundumschlag

, damit Du hoffentlich möglichst schnell was findest, das hilft. Das alles gilt unter der Voraussetzung grundsätzlich
guten Gedeihens.
Hier erstmal umfassende,
evidenzbasierte Hinweise zur Behandlung wunder Brustwarzen vom Europäischen Institut für Laktation und Stillen:
EISL (06/2022): Wunde Mamillen in der Stillzeit
Und
zum Zungenband (auch mit vielen Fotos für einen ersten Eindruck und weiterführenden Links):
EISL (03/2021): Das zu kurze Zungenband ... llberatung.
Ja, manche (Kinder-)Zahnärzt:innen und Logopäd:innen kennen sich damit auch ohne Spezialisierung aus. Manchmal aber auch nur mit dem anterioren Zungenband (das, was oft die typische Herzform macht), nicht aber mit dem posterioren. Ich würde mich nach jemandem umhören, der auch posteriore Zungenbändchenprobleme erkennt/behandelt. Und v.a. auch "schon" bei Stillproblemen, nicht erst wenn später Kieferorthopädische Behandlungen offensichtlich nötig werden/Sprach-/Schluckstörungen bei fester Kost auftraten.
Wichtig natürlich:
bei Stillproblemen (wenn irgend möglich) grundsätzlich keinerlei künstliche Sauger (Stillhütchen, Flasche, Schnuller, Trinklerntassen mit Silikonschnabel, ... [Ausnahme vielleicht: kurz Schnuller zum Autofahren]).
Sonst kann man sich mit besserer Technik an der Brust meist abmühen, wie man will - am künstlichen Sauger ist die Zungentechnik anders, der Mund weiter zu, der Saugreiz am Gaumen stärker, kommt keinerlei Reaktion bei Kieferklemmen oder beißen... [Ein Erwachsener macht Fahrschule ja auch nicht abwechselnd auf Automatik- und Schaltgetriebe].
Nötiges
Zufüttern oder Überbrücken von Mamas Abwesenheit sollte
immer stillfreundlich erfolgen, um
Saugverwirrung keine Chance zu geben.
Gut ist auch, möglichst oft
schon bei frühen Stillzeichen/Hungerzeichen anzulegen (auch wenn diese sich nach ca. dem 5. Monat graduell verlieren und das Baby z.B. irgendwann auch einfach so seine Händchen in den Mund nimmt, Gegenstände gezielt mit dem Mund erforscht u.ä.). Grundregel: möglichst
nicht erst anlegen, wenn das Baby schon weint (bzw. bei einem "aufgelösten Baby" erstmal kurz versuchen, anders zu beruhigen (aufrecht tragen, schuckeln, Hautkontakt, ...) dann anlegen. Ein bereits weinendes Baby ist oft zu hektisch, um sauber anzudocken und die Technik ist oft generell schlechter, das Saugen vor Einsetzen des ersten Milchspendereflexes der Mahlzeit ungeduldiger/heftiger und für die BW oft strapazierender als bei einem früher/häufiger angelegten Baby (Richtwert: ca. 8-12x in 24h).
Manchmal ist auch eine
besondere Gaumenform das Problem. Bei einem
hohen, schmalen Gaumen z.B. kann das manchmal schubbern, bis das Kind größer ist und die BW da besser "reinpasst". [Manchmal hilft es dann, eher gerade, mit zwischen Daumen und restlichen Fingern wie ein "Sandwich" flacher geformter Brust anzulegen, statt "sehr" asymmetrisch. Gerader zeigt die BW etwas mehr vom engen Gaumen weg. Muss man ausprobieren.]
Manchmal liegt auch
irgendwas sonst beim Kind vor
(KISS, sehr hoher/sehr niedriger Muskeltonus, ...).
Manchmal hilft es auch, doch
nochmal gezielt verschiedene Stillpositionen durchzuprobieren (jede in Ruhe und häufiger als einmal "üben").
Bei meinem einen Kind ging aufgrund (weder von KiA noch Hebamme zunächst bemerkten körperlichen Besunderheiten) z.B. im ersten LJ ausschließlich(!) Stillen im Liegen (neben mir auf Sofa, Picknickdecke, Autkofferraum ...) bzw. (seltener) auf einem supergut zwischen meinem Bauch und angehockten/aufgestellten Beinen postierten (kleinen, nicht zu nachgiebigen) Stillkissen. Das änderte sich erst im zweiten LJ irgendwann mit zunehmender Muskelkraft, aufholender motorischer Geschicklichkeit des Kindes und vor allem: nach erfolgter KISS-Behandlung beim Spezialisten). Wiegehaltung, Football, ... das führte alles zu schlechtem Anlegen und zu wenig Brust im Mund (und Schmerzen bei mir).
Manche Babys kommen auch schlicht mit Stillen "gegen die Schwerkraft" (also z.B. in der Wiegehaltung, wo die Schwerkraft das Kind ja quasi vom der Brust wegzieht oder das Stillkissen wegrutscht) nicht gut zurecht:
Da hilft dann
"Intuitives Stillen"/"Zurückgelehntes Stillen"/"Laid Back Breastfeeding", wo die Mutter halb-aufrecht zurückgelehnt sitzt/liegt, und das
Baby kaum halten muss, weil es
von der Schwerkraft zur Brust hin bewegt wird und leichter einen Mundvoll Brust im Mund behalten kann (Kinn schön an/in die Brust gelehnt, Nase frei, wie man es beim asymmetrischen Anliegen ja auch macht).
Da gibt es zahlreiche YT-Videos mit ganz verschiedenen Variationen im Detail. Allen gleich ist, dass das Baby nicht von der Brust wegrutscht und in (halber) Bauchlage seine angeborenen Reflexe zum Positionieren besser nutzen kann (dieses typische "Ärmchenrudern/Brust wegschubsen/Brust boxen" bei Neugeborenen ist z.B. eigentlich der Versuch des Kindes, sich bäuchlings AUF der Mutter liegend selbst anzulegen.)
Bonus: das Stillen mit dem Baby in Bauchlage (bzw. tendenziell zur Bauchlage kippender Seitenlage) hilft auch, wenn der
Milchspendereflex zuweilen (sehr) stark ist, dem Baby die Milch zu schnell/zu stark in den Mund/Rachen sprudelt (besonders ungünstig in Rückenlage) und das Baby sich deshalb "umpositioniert", weil es so versucht kann, die Brust bisschen "abzuklemmen" oder den Strahl vom "in den Rachen spritzen" bisschen umzulenken/sich nicht zu verschlucken.
Gute Besserung und möglichst bald eine fortan entspannte Stillzeit!
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ZAHNEN ansich kann auch völlig unabhängig von bisheriger Anlegetechnik zu wunden BW führen - hatte ich fast jedesmal zumindest leicht. Der Speichel des Kindes ist dann auch "aggressiver" (das hilft m.W. beim Durchtritt der Zähne durchs - dann etwas "angegriffene" Zahnfleisch und verursacht wohl auch diese typischen Zahnungsdurchfälle bei manchen Kindern). Und wenn die Zähne erstmal da sind, ist das für das Kind ja auch total ungewohnt. Da muss sich die beste neue Haltung oft auch erstmal wieder finden.
(Und je nachdem, wo die ersten Zähne durchkommen, also beim Stillen unter der Zunge schubbernd, wo das Kind es merkt oder zuerst oben, und damit auf der BW schubbernd, wo das Kind es nicht fühlt - die Mutter aber umso mehr, ist die Lernkurve des Babys auch unterschiedlich.)