Kommentare zum Stillen...

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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erdbeerbrot
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von erdbeerbrot »

Serafin hat geschrieben: 06.05.2022, 07:58 Mein Gefühl ist, dass Ärzte ein großes Problem damit haben, zu sagen, dass sie etwas nicht wissen. Mir als Patient wäre das deutlich lieber und würde auch mein Vertrauen in den Arzt stärken.
Ich glaube, dass das ein allgemeines Problem ist und nicht nur Ärzt:innen betrifft. Es ist den meisten Menschen (mich eingeschlossen) oft einfach nicht so bewusst, wie wenig man sich mit etwas auskennt, bis man sich nicht näher damit beschäftigt.
Bei Menschen, die andere Menschen beraten, ist es nur besonders ärgerlich bis fahrlässig.
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ShinyCheetah
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von ShinyCheetah »

splischsplasch hat geschrieben: 06.05.2022, 08:02
delfinstern hat geschrieben: 06.05.2022, 01:46 Gibt doch mittlerweile (Still) saft, Riegel, Tabletten für Mama etc damit verdienen die ja auch....
😂😂meine Mama bringt mir immer mal wieder solche Riegel mit. Hat selber zwei Kinder länger gestillt (naja heutzutage durchschnittlich, früher galt das wohl als länger), ist aber offensichtlich der festen Überzeugung eine stillende Mutter bräuchte solche Riegel.
Ach, ich seh sowas eher als "Ich weiß, dass du stillst, und denke daran und an dich. Hier eine gesunde Süßigkeit. Ich weiß ja, wie anstrengend 'das' sein kann." :)
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von splischsplasch »

ShinyCheetah hat geschrieben: 06.05.2022, 08:51
splischsplasch hat geschrieben: 06.05.2022, 08:02
delfinstern hat geschrieben: 06.05.2022, 01:46 Gibt doch mittlerweile (Still) saft, Riegel, Tabletten für Mama etc damit verdienen die ja auch....
😂😂meine Mama bringt mir immer mal wieder solche Riegel mit. Hat selber zwei Kinder länger gestillt (naja heutzutage durchschnittlich, früher galt das wohl als länger), ist aber offensichtlich der festen Überzeugung eine stillende Mutter bräuchte solche Riegel.
Ach, ich seh sowas eher als "Ich weiß, dass du stillst, und denke daran und an dich. Hier eine gesunde Süßigkeit. Ich weiß ja, wie anstrengend 'das' sein kann." :)
Klar, es ist definitiv mit einer guten Intention dahinter. Aber dann tut es auch eine gesunde selbstgekochte Mahlzeit.
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Alpaka »

ShinyCheetah hat geschrieben: 06.05.2022, 07:29
Maikäferchen19 hat geschrieben: 05.05.2022, 22:54 Schöne Ausführung, blueberry! Interessant, dass "Stillen ist das Beste" von den Herstellern erwähnt werden muss. Und logisch, dass das nun irgendwie ins Werbekonzept integriert wird oder werden muss. Morgen bin ich beim Kinderarzt, da werde ich auch mal Ausschau nach Still-Flyern halten. Etwas schwierig momentan, da es kein Wartezimmer mehr gibt, aber vielleicht sehe ich ja trotzdem was. Ich kenne 2 Ärzt:innen auch so halb privat, vielleicht ergibt sich mal die Gelegenheit zu erwähnen, dass ich mir mehr Unterstützungsangebote zum Stillen wünschen würde.
Kennt jemand eine Alternative zur Broschüre mit dem Breifahrplan? Also etwas offenere Infos zur Beikosteinführung.
blueberry hat geschrieben: 05.05.2022, 16:47 Und was sollte eine kostenlose Produktprobe fürs Stillen sein? Stillen zu fördern ist personalintensiv...)
Gibt's doch schon. Z.B. Stilleinlagen, Lanolin, Mullwindeln, Muttermilchbeutel (aber klar, letztendlich verschenken die die Sachen natürlich nicht, weil sie nett sind sondern weil sie was verkaufen wollen)
https://www.afs-stillen.de/wp-content/u ... eikost.pdf

Die AFS-Alternative zum Breifahrplan. Irgendwie fürchte ich, dass die meisten Kinderärzte die nicht haben wollen...
Interessant, da steht nicht Brei sondern pürierte Nahrung ;) da wollten die sich wohl durch die Wortwahl nochmal abgrenzen
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blueberry
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von blueberry »

Landliebe88 hat geschrieben: 06.05.2022, 07:38 Das mag ja alles stimmen, ich finde halt, es entschuldigt Ärzte nicht.
Ausgehend von der Aussage, dass es traurig und ärgerlich ist, dass man sich von Ärzten immer wieder so etwas anhören muss, klingt das nämlich für mich so nach dem Motto: Die können dafür nichts, die werden ja mit Werbung bombardiert und sind den großen Konzernen quasi hilflos ausgeliefert.

Ein Arzt muss zu dem Thema auch gar nichts sagen, wenn er nichts darüber weiß. Die Infos aus Werbematerial an Patienten weiterzugeben, ohne mal den Wahrheitsgehalt zu prüfen, ist dumm und fahrlässig.

Und dass so etwas wie "Stillen ist das Beste" nicht freiwillig dabei steht, sollte auch jedem klar sein.
Dass Kinderärzt:innen sich bei U-Untersuchungen dauerhaft zum Thema Stillen/Babyernährung ausschweigen können, indem sie sagen "damit kenne ich mich nicht aus" wage ich zu bezweifeln.

Es soll auch keine Entschuldigung sein, nur ein Erklärungsversuch.

Und die Frage ist auch, wen genau man "angreift" bzgl. des Problems: Den einzelnen Arzt, der es halt in (sicherlich übermäßig stressigen) Studien- und Berufseinstiegsjahren macht "wie alle", oder die Grundstrukturen, die es begünstigen, dass das Wissen zu so grundlegenden Themen viel zu oft aus babynahrungsindustrie-gesponserten Fortbildungen kommen.

Im Endeffekt ist es ein Problem der universitären Ausbildung und später der Anforderungen, wieviele Fortbildungen zum Thema Stillen in welchem Turnus erforderlich sind und welche Träger/Anbieter dafür zulässig, oder?

Also ich sprach mal mit einem Kinderarzt im Bekanntenkreis, der sagte, in seinem Studium sei das Thema Stillen im Rahmen EINER Vorlesung vorgekommen. Ich dachte erst, er meine einmal wöchentlich ein Semester lang (das wäre ja gar nicht wenig), wurde aber korrigiert: nein, eine Doppelstunde in EINER Woche im Rahmen einer Vorlesungsreihe zu wechselnden anderen Themen.

Aus dem Studium kam für ihn zum Thema Stillen also das Wissen von 90 Minuten :shock: .
erdbeerbrot hat geschrieben: 06.05.2022, 08:21 Es ist den meisten Menschen (mich eingeschlossen) oft einfach nicht so bewusst, wie wenig man sich mit etwas auskennt, bis man sich nicht näher damit beschäftigt.
Das ist halt der entscheidende Punkt. Das betrifft uns ja alle auf so ziemlich jedem Gebiet, in dem wir nicht grad einigermaßen eingelesen und up to date sind. Da ist niemand vor gefeit.

Es reicht ja eine kleine (veraltete oder falsche) Information, die man sich mal irgendwann abgespeichert hat, und man zieht vielleicht lebenslang in der Beratung falsche Schlüsse draus. Nicht alles lernt man ja auswendig, sondern man speichert Grundprinzipien ab und leitet dann für den Einzelfall was draus ab.


Mir fällt da z.B. die Sache mit den "Milchseen" in der Brust ein, von denen man lange(!) Zeit fälschlicherweise ausging.
Daher kommt die Vorstellung, dass die Brust sich nach dem Stillen wieder "füllen" müsse, damit genügend Milch da ist, die das Baby "heraussaugen" kann.

Dass es diese ominösen "Milchseen"
(i.e. Milchgangserweiterungen, die [in dieser Vorstellung "weiter hinten" in der Brust produzierte] Milch speichern, wie die Blase den Urin, der von der Niere kommt, speichert),
gar nicht gibt, ist manchen Fachleuten heute noch unbekannt.
Die wissen dann nichts von "Milch bildet sich beim Stillen, der Milchspendereflex befördert die Milch aktiv nach draußen, das Baby kann den MSR selbst aktiv auslösen durch den Wechsel seiner Saugmuster und dadurch beeinflussen, wie viel Milch es bekommt" etc.
Prompt ist diese Fachperson (allein ableitend von ihrem Wissen um "Milchseen") bei einem Tipp wie:
"Verlängern sie die Stillabstände, wenn ihr Baby nicht satt wird, damit die Brust vor der nächsten Mahlzeit wieder schön voll ist" (was Mütter verunsichert [spätestens, wenn sich die Milchbildung eingepegelt hat und die Brüste wieder weicher werden: haben sie jetzt plötzlich keine Milch mehr?!?] und auch körperlich genau das Gegenteil bewirkt, da Übervölle der Brust signalisiert: "Bitte weniger produzieren!")

Klar könnte jemand sich fortbilden: wenn er dafür Notwendigkeit sieht.
Wenn so ein "anatomischer Fakt" wie das Vorhandensein von "Milchseen" aber z.B. von 1840 bis Anfang der 2000er als gesichert galt: woher wird jemandem bewusst, dass sich da was geändert hat?

Dass sich bei Muttermilchersatz und/oder Babygläschen ab und an "Innovationen" auftun, scheint (auch durch das tolle Marketing der Firmen, bei denen ja ständig irgendwas neu, noch besser, unbekannt, ... ist) intuitiv doch viel logischer, als dass man über sowas "schon immer so gewesenes" wie das Stillen noch Neues erfahren könnte.
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Reh »

splischsplasch hat geschrieben: 06.05.2022, 09:02
ShinyCheetah hat geschrieben: 06.05.2022, 08:51
splischsplasch hat geschrieben: 06.05.2022, 08:02
😂😂meine Mama bringt mir immer mal wieder solche Riegel mit. Hat selber zwei Kinder länger gestillt (naja heutzutage durchschnittlich, früher galt das wohl als länger), ist aber offensichtlich der festen Überzeugung eine stillende Mutter bräuchte solche Riegel.
Ach, ich seh sowas eher als "Ich weiß, dass du stillst, und denke daran und an dich. Hier eine gesunde Süßigkeit. Ich weiß ja, wie anstrengend 'das' sein kann." :)
Klar, es ist definitiv mit einer guten Intention dahinter. Aber dann tut es auch eine gesunde selbstgekochte Mahlzeit.
Das ist dann halt wieder kein Süßkram... ich bekomme viel lieber einen Riegel gesunde Süßigkeit als eine gesunde selbstgekochte Mahlzeit.
Letzteres mache ich nämlich auch selbst, ersteres gönne ich mir dann doch nicht, weil diese Riegel ja schon recht teuer sind. Und kaufe mir dann doch nur einen Schokoriegel, der die selbstgekochte Mahlzeit dann ergänzt.
Im Wochenbett ist das natürlich was anderes, da ist eine Gekochte und gebrachte Mahlzeit super und wohl wirklich hilfreicher als so ein Riegel.
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Sommermama2017 »

ShinyCheetah hat geschrieben: 06.05.2022, 07:29 https://www.afs-stillen.de/wp-content/u ... eikost.pdf

Die AFS-Alternative zum Breifahrplan. Irgendwie fürchte ich, dass die meisten Kinderärzte die nicht haben wollen...
Oh, das finde ich toll! :lol:
Liebe Grüße von Sommermama mit L. 07/17 und A. 01/21
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Polarfuchs »

Kein wirklicher Kommentar, aber ich bin irgendwie erstaunt und daher muss ich es „irgendwo“ loswerden.

In unserer WhatsApp Gruppe vom Geburtsvorbereitungskurs gab es gerade die Diskussion zum Thema abstillen. Ich bin erstaunt, dass 6 von 10 Mütter nicht mehr stillen oder abstillen wollen. „Ewig möchte ich nicht mehr stillen“.

Irgendwie war ich bei der Großen scheinbar in einer Blase, da haben in der Spielgruppe bis auf 2 alle gestillt und das auch relativ lange…

Ach doch noch ein Kommentar: eine Freundin meiner Mutter guckte Minimo letztens an und sagte: „Wahnsinn, dass ein Kind nur mit Muttermilch so proper werden kann.“
Ich wusste gar nicht was ich sagen soll, war auch nicht sicher ob das jetzt positiv gemeint war…
Polarfuchs
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GemeineEsche
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von GemeineEsche »

Lustig, dazu höre ich ständig das Gegenteil, die Kleine sei ja so proper weil ich stille...
Irgendeine Erklärung für Andersheit muss man ja finden...
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Kleiner 06/23
Donnerdrummel
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Donnerdrummel »

blueberry hat geschrieben: 06.05.2022, 12:27
Landliebe88 hat geschrieben: 06.05.2022, 07:38
Also ich sprach mal mit einem Kinderarzt im Bekanntenkreis, der sagte, in seinem Studium sei das Thema Stillen im Rahmen EINER Vorlesung vorgekommen. Ich dachte erst, er meine einmal wöchentlich ein Semester lang (das wäre ja gar nicht wenig), wurde aber korrigiert: nein, eine Doppelstunde in EINER Woche im Rahmen einer Vorlesungsreihe zu wechselnden anderen Themen.

Aus dem Studium kam für ihn zum Thema Stillen also das Wissen von 90 Minuten :shock: .
Da möchte ich nur zur Verteidigung sagen: in der Universität müssen alle Themen von allen Fachbereichen angeschnitten werden. Eine Spezialisierung erfolgt ja erst danach in der Facharztausbildung. Und ein angehender Radiologe oder auch Kardiologe muss (finde ich) nicht ein ganzes Semester Vorlesungen zum Thema Stillen hören. Im Studium muss die Grundlage gelegt werden (und beim Thema stillen reicht da ggf auch eine Doppelstunde) und wenn das Thema in der späteren Spezialisierung relevant ist wird von den Ärzten erwartet dass sie sich in der Facharztausbildung mehr oder weniger selbst drum kümmern dass sie darüber fortgebildet werden. Die Uni ist also glaube ich nicht das Problem :)
Aber das nimmt vielleicht jetzt auch ein bisschen Überhand :D
Donnerdrummel mit Räuberhauptmann 05/19 und Räubertochter 02/22
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