3,5 Jahre - Willkommen im Irrenhaus

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IdieNubren
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Re: 3,5 Jahre - Willkommen im Irrenhaus

Beitrag von IdieNubren »

Meine 18er ist auch so, die ähnlichkeit mit floppys großen haben wir vor Ostern erst wieder festgestellt 😉
Im Gegensatz zur großen nutzt sie das emotionsspektrum in allen Intensitäten aus und wechselt ziemlich schnell. Als sie 3,5 war (mit ähnlich kleinem Bruder) hatte sie ne krasse Phase, sie zog keine Schuhe und Strümpfe an, im Oktober/November. Am 11.11. Beim laternenlaufen saß sie barfuß ohne jacke im Fahrrad Anhänger - anders ging nicht. Es war tatsächlich wie im Irrenhaus 🙈 gleichzeitig hat sie massiv den kiga verwehrt.
Bei ihr hab ich einen Satz den ich mir immer wieder vorsagen muss wenns zwischen uns knallt "Liebe mich am meisten, wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann habe ich es am nötigsten" und das hilft ihr tatsächlich viel.

Ich wünsche dir gutes durchhalten, der Samstag klang schon mal gut. Wir haben bei kind 2 auch mit 2,5 den mittagschlaf abgeschafft und sie lag nach dem kiga dann 30 min brüllend unterm tisch jeden Tag. Im auto einschlafen tut sie mit 4 noch manchmal aber mittagsschlaf ist echt keine Option, das aufwecken ist erst seit kurzem relativ okay, vorher bedeutete aufwecken 30-45 min Gebrüll.
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Re: 3,5 Jahre - Willkommen im Irrenhaus

Beitrag von Nala85 »

FloppyDisc hat geschrieben: 24.04.2022, 20:08 Das klingt doch ganz gut, auch wenn man das Programm ja schwer wiederholen kann - oder wollt ihr jeden Tag einen Raum streichen? 😅

Ich drücke die Daumen, dass früher ins Bett ein bisschen Explosivität nimmt 🤞
Tatsächlich hat sie gleich am nächsten Morgen egfragt ob wir wieder Malen können :lol: haben wir dann an dem Nachmittag auch noch.
Die Küchenbaustelle war echt ne Nervenprobe für alle aber jetzt steht sie ... Meine Tochter hatte mich 3 Tage gefragt ob wir Muffins machen können (ohne Küche) und war natürlich immer sehr enttäuscht. Kaum stand die Küche wollt sie Muffins machen ... haben wir dann auch ... naja ich eher allein, sie wollt nur Schoko schlecken und Zuckerstreusel essen :roll:
IdieNubren hat geschrieben: 25.04.2022, 07:39 Als sie 3,5 war (mit ähnlich kleinem Bruder) hatte sie ne krasse Phase, sie zog keine Schuhe und Strümpfe an, im Oktober/November. Am 11.11. Beim laternenlaufen saß sie barfuß ohne jacke im Fahrrad Anhänger - anders ging nicht. Es war tatsächlich wie im Irrenhaus 🙈 gleichzeitig hat sie massiv den kiga verwehrt.
Ja das haben wir auch seit einem halben Jahr. Keine Jacke, keine Mütze, keinen Schal, keine Hose, keine Socken, nur kurzärmlig ... alles braucht ewige Verhandlungen oder halbnackt vor die Tür gehen. Ja sie spürt dann dass es kalt ist aber wills nicht zugeben, also schnupft und hustet sie im Wochentakt :?
IdieNubren hat geschrieben: 25.04.2022, 07:39 Bei ihr hab ich einen Satz den ich mir immer wieder vorsagen muss wenns zwischen uns knallt "Liebe mich am meisten, wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann habe ich es am nötigsten" und das hilft ihr tatsächlich viel.
Sie fordert mich grad so extrem und ich weiß dass umso genervter ich werd sie sich noch mehr versichern muss dass ich da bin, aber aus dem Teufelskreis komm ich nicht raus. Wenn der Papa merkt ich bin am Limit will er mit ihr raus, was unternehmen, aber sie will natürlich ur bei mir bleiben obwohl ich keine Zeit habe und viel zu erledigen (1. Geburtstag stand an). Ich erklär ihr, dass sie draussen mit Papa mehr Spaß haben kann, weil ich nicht mit ihr spielen kann. 2 Minuten später jammert sie mich an "Du musst mit mir spielen!!!" Sie konnts noch nie akzeptieren dass ich mal was zu tun habe. Also seit 3,5 Jahren keine Computerarbeit, kein Mailschreiben, kein Nähen, kein Lesen, kein Musik hören, wenn sie da ist. Jeder Versuch beginnt nach 2 Minuten zuschauen mit "Kann ich dir helfen?" - was meist dann mehr arbeit bedeutet. Ich lasse sie trotzdem helfen aber kurz darauf lässt sie alles fallen und ich soll spielen.Wenn ich nicht kann und der Papa sich anbietet großes Geheul.

IdieNubren hat geschrieben: 25.04.2022, 07:39 Ich wünsche dir gutes durchhalten, der Samstag klang schon mal gut. Wir haben bei kind 2 auch mit 2,5 den mittagschlaf abgeschafft und sie lag nach dem kiga dann 30 min brüllend unterm tisch jeden Tag. Im auto einschlafen tut sie mit 4 noch manchmal aber mittagsschlaf ist echt keine Option, das aufwecken ist erst seit kurzem relativ okay, vorher bedeutete aufwecken 30-45 min Gebrüll.
Am Samstag wirkte sie so als würde sie krank werden. Ringe unter den Augen, platt, saß nur im (Baby)wagen. Mittags wollte ich sie überreden zu schlafen. Abgedunkelt, in meinem Bett, Kuscheln, Arme streicheln ... aber sie wehrt sich total. Der Papa kam dann von Kind 2 und nahm sie auch in die Trage :lol: das klappte dann nach 5 Minuten auch wirklich. Aber keine Lösung fürs tägliche.

Die letzten Tage ist es hier wieder so oft eskaliert. Manches triggert mich so ungemein ... gestern hab ich geschrien ... einfach nur Waaaahhh weil ich dachte ich fahr gleich aus der Haut. Wir waren bei der Oma und es regnete. Ich wollte schon was zum Wagen bringen und sie wollte mit. Ich erklärte es regnet. Sie wollte trotzdem. Ich zog ihr die Jacke an und zieh ihr vor dem Rausgehen noch die Kapuze drüber und sie pfeffert sie gleich wieder weg. Wir gehen zum Auto (keine 10m) -
ES REGNET!!! plärrrrr
Ja, steig schnell ein.
Meine Haare sind nass plärr
Ich wollte dir deshalb die Kapuze aufsetzen, aber du wolltest nicht.
Meine Hoseeeeee plärr
Ja aber ist ja nur Wasser, es trocknet gleich wieder.
Neeein du musst es ausziehen!
Du kannst nicht nackig hier im kalten Auto sitzen. Das sind nur paar Tropfen, die trocknen schnell.
Neeeeein du musssstt plärr
E*! Es geht jetzt nicht. Ich muss die Sachen jetzt reinräumen (ich stand übrigens die ganze Zeit im Regen, um einzuräumen ...)

Meine Mama und mein Mann kommen mit den restlichen Sachen und wir müssen rasch los zum Zug.
Ich sag: Komm setz dich hin, ich schnall dich an.
Neeeein, mein T-Shirt ...!
E* setz dich jetzt hin wir müssen los.
Mein Sitz ist auuuuuuch nass !!! plärr (3 Tropfen ... von meiner nassen Stirn runtergetropft) ... da kam nurnoch Waaaaaahhhh aus mir raus. Mein Mann sah mich entgeistert an, aber der hat ja auch nicht die 5 min Geplärre davor mitbekommen.

Und was mich grad am meisten nevt ist das Abendessen. Ich hab bald keine Lust mehr was zu kochen oder mich auch nurnoch an den Tisch hier zu setzen. 2 von 3 Abendessen eskalieren. Ja auch schon vor 18 Uhr. JEDEN Abend gibt es x Diskussionen und Geplärre welchen Sessel sie will, welchen Teller, welche Gabel, nein doch die andere, nein doch den Sessel wo der Papa sitzt, nein nicht den Becher sondern die Flasche, nein den Sessel wo der Bruder drinsitzt ... Ich hab extra für ihn den identen Hochstuhl gekauft!!! Nein nicht die Kartoffeln, das Fleisch, nein die Kartoffel muss vom Teller verschwinden!, sie will das Fleisch nicht (von dem sie vorhin sagte dass sie NUR Fleisch will), nein da ist noch ein Brösel Kartoffel auf ihrem Teller, ich schnipps es weg, ... Du musst mich füttern! :evil:
Entweder ich explodiere oder was eher meinem Typus entspricht ich schweige dann und starre nur vor mich hin, esse und versuch nix unüberlegtes zu sagen. An einem gewissen Punkt merkt sie das dann und will meine Beachtung "Schau Mama ich hab aufgegessen" - Ja - ... "schau auf meinen Teller" - ja ich sehs, aber warum muss es davor immer so einen Zirkus geben? Warum jeden Abend diese Diskussionen und Schreiereien?
Heute meinte sie dann "Ich weiß ich schreie manchmal - ich werde nichtmehr schreien" --- (das hört sie wohl auch im Kindergarten als Feedback)
ich versuch ihr dann zu erklären, dass ich nur dahinterkommen will warum hier jeden Abend solche Diskussionen entstehen. Bei Oma, bei der Tante, überall setzt sie sich einfach hin und isst wenn es Essen gibt. Aber daheim wird jeden Abend Sesselrücken und Bestecktauschen und Schreikonzert draus. Und jedesmal wenn ich denke ich hab durchschaut was sie möchte und das "richtige" Besteck und den "richtigen" Sessel hingestellt habe, ist wieder alles anders und es endet in Schreierei.
Am Schluss brüllt sie so viel rum (egal ob man alles nach ihrem Wunsch richtet oder nicht) dass der Bub auch brüllt (ich verstehs ich würd da auch nimmer sitzen wollen!).
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FloppyDisc
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Re: 3,5 Jahre - Willkommen im Irrenhaus

Beitrag von FloppyDisc »

Oh man, das klingt so krass anstrengend 😭

Habt ihr es mal mit weniger Entscheidungen/Entscheidungsfreiheit versucht? Also dass sie entweder garnicht entscheidet, welchen Sessel/Gabel etc es gibt (das wäre wohl die hardcore Variante, die sicherlich nicht leicht umzusetzen ist) oder dass sie die Entscheidung zB mittags oder zu einem sonstigen unstressigen Zeitpunkt und vielleicht auch für die nächsten 2 Tage im Voraus oder so treffen soll. In meiner verklärten Vorstellung gibt es dann nur alle zwei Tage Geschrei. Oder - wahrscheinlicher - die bereits getroffene Entscheidung ist nicht mehr genehm 🙊

Dieses "nur die Mama" ist soo anstrengend, das kenne ich auch sehr gut seit 5 Jahren... es wird allmählich ein bisschen besser, dafür wächst der kleine Bruder da rein 😅
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Re: 3,5 Jahre - Willkommen im Irrenhaus

Beitrag von Serafin »

Könnte unser kleiner sein. Ich bin auch für weniger entscheiden lassen. Es wird immer am gleichen Stuhl gesessen. Punkt. Essen ausgewählt, das wird auf den Teller gelegt. Passt es nicht lass ivh ihm brüllen. Er wird eh brüllen, Recht werde ich es ihm nicht machen können. Dann kann ers auch gleich tun.
Zum Regen: genau so hätte es bei uns auch laufen können. Ich sag nur noch: hättest halt folgen müssen. Und lange erklären hilft nix. Ich stopfe ihn dann auch ohne viel federlesen in den Sitz. Und denke mir in solchen Situationen, dass a Watschn dem Kind nicht schaden würde. Dann würde es Mal raus geholt aus seinem Brüllkreisch.

Ich mag langsam nicht mehr. Das Leben ist gefühlt ein Eiertanz. Ich stehe immer unter Spannung, wann der nächste losschreit.
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Re: 3,5 Jahre - Willkommen im Irrenhaus

Beitrag von schneebesen »

Das ist echt anstrengend. Wir hatten sowas auch Mal ne zeitlang bei der Großen. Müsste auch so in dem Alter gewesen sein. Wir haben uns dann eine Zeitlang "aufgeteilt". Ich habe Tisch und essen gerichtet und mein Mann hat sie direkt vor dem Essen 5 Minuten ausgepowert. Treppe hoch und runter rennen lassen, durchkitzeln, rumhopsen, schnell und laut singen, ... Das hat etwas geholfen. Ich kann mich erinnern, das ich zu der Zeit das Mittagessen mit zwei Kindern allein entspannter fand, als das gemeinsame Abendessen mit allen. Irgendwie war sie mittags vom kiga erledigt.
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Re: 3,5 Jahre - Willkommen im Irrenhaus

Beitrag von Jia »

Uff, das klingt wirklich sehr anstrengend! Und vieles davon wirkt sehr, sehr vertraut...
Nala85 hat geschrieben: 02.05.2022, 19:46 Ja das haben wir auch seit einem halben Jahr. Keine Jacke, keine Mütze, keinen Schal, keine Hose, keine Socken, nur kurzärmlig ... alles braucht ewige Verhandlungen oder halbnackt vor die Tür gehen. Ja sie spürt dann dass es kalt ist aber wills nicht zugeben, also schnupft und hustet sie im Wochentakt :?
Nur zur Beruhigung: man wird krank durch Viren, nicht durch Kälte. Dass sie einen Infekt nach dem anderen heimbringt, ist altersgemäss und hat nichts damit zu tun, wie sie angezogen ist. Und das ist eine Phase, das bessert von alleine. Zwar haben gefühlsstarke Kinder u.U. wirklich eine etwas andere Kälte-Wahrnehmung (meine Kleine trägt NIE Socken, weil die ihr zu heiss sind, auch nicht bei 6 Grad in den Gummistiefeln). Aber mit zunehmender Erfahrung können sie das schlicht besser einschätzen. Es lohnt sich, da wenig Theater drum zu machen und dem Kind diesen Lern-Spielraum einfach zu geben. Und vielleicht dem Kind die Anzeichen beibringen, woran man sieht, dass es wirklich kalt ist. Ich hatte einen ganzen Winter lang mit der Grossen (im selben Alter übrigens) die Diskussion, ob es jetzt tatsächlich kalt ist oder ob die heissgeliebte Übergangsjacke nicht doch reicht. Schliesslich habe ich mit ihr die Abmachung getroffen, dass wir jeden Tag auf dem Weg zur Kita schauen, ob der Teich schon am Zufrieren ist. Eis = kalt = Winterjacke hat sie dann begriffen und umgesetzt. Aber ja, es kostet Nerven...
Nala85 hat geschrieben: 02.05.2022, 19:46Die letzten Tage ist es hier wieder so oft eskaliert. Manches triggert mich so ungemein ... gestern hab ich geschrien ... einfach nur Waaaahhh weil ich dachte ich fahr gleich aus der Haut. Wir waren bei der Oma und es regnete. Ich wollte schon was zum Wagen bringen und sie wollte mit. Ich erklärte es regnet. Sie wollte trotzdem. Ich zog ihr die Jacke an und zieh ihr vor dem Rausgehen noch die Kapuze drüber und sie pfeffert sie gleich wieder weg. Wir gehen zum Auto (keine 10m) -
ES REGNET!!! plärrrrr
Ja, steig schnell ein.
Meine Haare sind nass plärr
Ich wollte dir deshalb die Kapuze aufsetzen, aber du wolltest nicht.
Meine Hoseeeeee plärr
Ja aber ist ja nur Wasser, es trocknet gleich wieder.
Neeein du musst es ausziehen!
Du kannst nicht nackig hier im kalten Auto sitzen. Das sind nur paar Tropfen, die trocknen schnell.
Neeeeein du musssstt plärr
E*! Es geht jetzt nicht. Ich muss die Sachen jetzt reinräumen (ich stand übrigens die ganze Zeit im Regen, um einzuräumen ...)

Meine Mama und mein Mann kommen mit den restlichen Sachen und wir müssen rasch los zum Zug.
Ich sag: Komm setz dich hin, ich schnall dich an.
Neeeein, mein T-Shirt ...!
E* setz dich jetzt hin wir müssen los.
Mein Sitz ist auuuuuuch nass !!! plärr (3 Tropfen ... von meiner nassen Stirn runtergetropft) ... da kam nurnoch Waaaaaahhhh aus mir raus. Mein Mann sah mich entgeistert an, aber der hat ja auch nicht die 5 min Geplärre davor mitbekommen.
Das ist ein ähnliches Thema wie oben bei temperaturgerechter Kleidung. Gefühlsstarke Kinder spüren Dinge viel stärker. Da können nasse Hosen wirklich ein Grund für ein Drama sein. Oder eine Kapuze über den Ohren. Oder eine störende Socken-Naht. Oder ein Pullover mit Pailletten, weil die kratzen. Oder... Und da ist es völlig egal, warum sie nass geworden ist, es ist im Moment furchtbar störend für sie, sie kann sich dann schlicht nicht zusammenreissen.
Nala85 hat geschrieben: 02.05.2022, 19:46Und was mich grad am meisten nevt ist das Abendessen. Ich hab bald keine Lust mehr was zu kochen oder mich auch nurnoch an den Tisch hier zu setzen. 2 von 3 Abendessen eskalieren. Ja auch schon vor 18 Uhr. JEDEN Abend gibt es x Diskussionen und Geplärre welchen Sessel sie will, welchen Teller, welche Gabel, nein doch die andere, nein doch den Sessel wo der Papa sitzt, nein nicht den Becher sondern die Flasche, nein den Sessel wo der Bruder drinsitzt ... Ich hab extra für ihn den identen Hochstuhl gekauft!!! Nein nicht die Kartoffeln, das Fleisch, nein die Kartoffel muss vom Teller verschwinden!, sie will das Fleisch nicht (von dem sie vorhin sagte dass sie NUR Fleisch will), nein da ist noch ein Brösel Kartoffel auf ihrem Teller, ich schnipps es weg, ... Du musst mich füttern! :evil:
Entweder ich explodiere oder was eher meinem Typus entspricht ich schweige dann und starre nur vor mich hin, esse und versuch nix unüberlegtes zu sagen. An einem gewissen Punkt merkt sie das dann und will meine Beachtung "Schau Mama ich hab aufgegessen" - Ja - ... "schau auf meinen Teller" - ja ich sehs, aber warum muss es davor immer so einen Zirkus geben? Warum jeden Abend diese Diskussionen und Schreiereien?
Heute meinte sie dann "Ich weiß ich schreie manchmal - ich werde nichtmehr schreien" --- (das hört sie wohl auch im Kindergarten als Feedback)
ich versuch ihr dann zu erklären, dass ich nur dahinterkommen will warum hier jeden Abend solche Diskussionen entstehen. Bei Oma, bei der Tante, überall setzt sie sich einfach hin und isst wenn es Essen gibt. Aber daheim wird jeden Abend Sesselrücken und Bestecktauschen und Schreikonzert draus. Und jedesmal wenn ich denke ich hab durchschaut was sie möchte und das "richtige" Besteck und den "richtigen" Sessel hingestellt habe, ist wieder alles anders und es endet in Schreierei.
Am Schluss brüllt sie so viel rum (egal ob man alles nach ihrem Wunsch richtet oder nicht) dass der Bub auch brüllt (ich verstehs ich würd da auch nimmer sitzen wollen!).
Abends eskaliert es bei uns auch immer. Das liegt schlicht daran, dass sie müde und erschöpft ist, ausgelaugt nach einem Tag, an dem sie so oft funktionieren musste. Ein Wutanfall ist eine zuverlässige (unbewusste) Strategie, um diesen Druck abzubauen. Nicht sehr sozialkompatibel, aber fürs Kind effizient. Dazu passt auch, dass es bei der Oma besser läuft. Dort reisst sie sich nochmals zusammen und funktioniert. Du hingegen bist ihr sicherer Hafen, da "darf" sie explodieren, da kann sie sein, wie sie ist. Langfristig hilft nur, dem Kind langsam beibringen, seinen inneren Spannungszustand zu spüren und sich bessere Strategien zum Runterkommen zu suchen. Aber das ist ein langer Prozess. Als die Grosse in die Schule kam, ist sie jeden Mittag nach dem Nach-Hause-kommen explodiert, wegen nichtiger Kleinigkeiten. Erst nach 2-3 Monaten hat das gebessert, schlicht weil sie sich an die neue Situation gewöhnt hatte und es nicht mehr so anstrengend war für sie. Vernünftige Strategien im Umgang mit Stress zu lernen, ist eine Aufgabe, die Jahre bis Jahrzehnte dauert (und die viele Erwachsene auch nicht richtig beherrschen).

Und auch wenn du mit dem Begriff "gefühlsstark" wenig anfangen kannst: schau dir wirklich Nora Imlaus Buch an, ihr seid dort zu 100% richtig. Und es hilft sehr dabei, sich klarzumachen, was bei diesen explosiven Kindern "normal" ist (also Hirnentwicklung, die man nicht beschleunigen kann) und wo sich der Konflikt überhaupt lohnt. Ich bin viel gelassener geworden, seit ich weiss, dass meine Kinder in vielen Situationen nicht extra "Drama machen", sondern aus ihrer Sicht wirklich ein Drama erleben.
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Serafin
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Re: 3,5 Jahre - Willkommen im Irrenhaus

Beitrag von Serafin »

Unserer explodiert schon regelmäßig am Frühstückstisch. Da war echt noch nicht viel los.

Ich glaube, was mich am meisten stresst mit dem kleinen im Vergleich zum Großen ist folgendes:
Die sind beide oft hoch gegangen/gehen oft hoch. Teils wegen den gleichen Sachen, teils wegen anderen. Aber: Der große hat gewütet, musst auch allein wüten um überhaput mal runter zu kommen, jedes Eingreiffen von mir hat das noch angefacht. Aber danach war er erschöpft, kam an und wir haben zusammen gekuschelt und dann konnte die Situation besprochen werden und er hat auch was mitgenommen.
Der kleine ist ganz anders. Den kann man manchmal raus holen, mein Mann besser als ich. Aber ich habe keinen Bock mehr dazu. Wenn der fertig gewütet hat, sitzt er sich zufrieden hin und tut genau das, was ich vorgeschlagen habe bzw das, wogegen er gerade gewütet hat. Und er ist danach ausgeglichen und hat aus der Wüterei, die mich so viel Kraft kostet, Energie gezogen. Auch kann man mit ihm nicht darüber sprechen und somit kein Lerneffekt.
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Re: 3,5 Jahre - Willkommen im Irrenhaus

Beitrag von Lösche Benutzer 7240 »

Ich hab ja mal als Strategie absichtlich kleinere, für mich emotional nicht belastende Konflikte angefangen, damit das Kind den Wutausbruch haben konnte, den es nach der Schule brauchte. So hat das Kind nicht immer weiter und immer krasser provoziert, bis es irgendwann einen Riesenstreit gab, sondern wir haben das quasi schnell hinter uns gebracht, ohne dass ich komplett am Ende war. Das hat funktioniert :oops:
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Re: 3,5 Jahre - Willkommen im Irrenhaus

Beitrag von Jia »

carolina hat geschrieben: 03.05.2022, 09:09 Ich hab ja mal als Strategie absichtlich kleinere, für mich emotional nicht belastende Konflikte angefangen, damit das Kind den Wutausbruch haben konnte, den es nach der Schule brauchte. So hat das Kind nicht immer weiter und immer krasser provoziert, bis es irgendwann einen Riesenstreit gab, sondern wir haben das quasi schnell hinter uns gebracht, ohne dass ich komplett am Ende war. Das hat funktioniert :oops:
Das habe ich in ähnlicher Form auch schon gemacht, wenn ich gemerkt habe, dass die Grosse eine Explosion "braucht". Ich habe dann nicht versucht, geduldig zu sein, sondern bin auf eine ihrer ersten Provokationen eingegangen. Manchmal geht es wirklich nur darum, Druck abzubauen.
Mit Maikäfer (2014) und Junikäferchen (2016)
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Re: 3,5 Jahre - Willkommen im Irrenhaus

Beitrag von Lösche Benutzer 7240 »

Genau das meinte ich! "Anfangen" war mißverständlich ausgedrückt. Ich bin einfach auf die erste Kleinigkrit angesprungen und habe tendenziell eskaliert anstatt die Situation zu beruhigen, damit es den Knall, den Streit geben konnte, ohne dass erst das Baby gehauen werden muss.
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