Mein Kind ist so unemphatisch

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Cecily
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Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

....kann man das üben?

Mir ist dieses Wochenende wieder aufgefallen wie unemphatisch mein Grosser (6) ist.

Das fällt ja besonders im Vergleich mit anderen Kindern auf, und zwar negativ / merkwürdig für andere Kinder und Erwachsene.

Typisches Beispiel: der kleine Bruder fällt von der Schaukel, hat eine schlimme Beule und weint. Alle anderen Kinder unterbrechen das Spiel und kommen zum trösten, bringen Eis, Süssigkeiten, streicheln etc. Maxi guckt nur zu und man sieht in seinem Gesicht (und er sagt es auch) dass er ärgerlich über die Unterbrechung des Spiels ist.

Er hat auch kein Gespür für Höflichkeit. Bedanken fällt ihm schwer.

Er weiss auch nicht, wann Schluss ist, da braucht er sehr sehr deutliche Ansagen.

Irgendwie alles, bei dem man sich in andere hineinversetzen müsste.

Das macht ihm total das Leben schwer und es ist keine "Absicht".

Er versucht es schon, aber es ist total gespielt. Z.B. umarmt er seinen Bruder gerne mal, wenn alle zugucken und süss schreien.

Sein Gefühl für Gerechtigkeit geht eher nach Zahlen: gleich viel, immer abwechselnd, gleich gross. Sowas kann man ihm erklären. Aber dass es unfair ist, jemanden aus Spass zu ärgern, versteht er nicht. Abstrakt "unlogisches" versteht er dagegen gut und erklärt es auch anderen. Also wenigstens keine Diskriminierung durch mein Kind, weil ihm klar ist wie ungerecht es ist, andere wegen irgendeiner Unterschiedluchkeit anders zu behandeln.

Wie immer komme ich zu dem Ergebnis, dass er emotional echt hinterherhinkt. Haben die mir im Kindergarten ja auch gesagt.

Was kann man denn da machen? Das ist in allen Bereichen so und führt zu schiefen Blicken bei den Erwachsenen und (manchmal) Unwillen bei den anderen Kindern.

Im Moment ist er aber gut eingebettet in eine nette Clique, wird auch zu Geburtstag eingeladen etc..

Ach ja, er hat bei Tula und Tim mitgemacht(das ist so ein Gefühl"lehrgang" für Kindergartenkinder) und hat Cds und Bücher über Gefühle. In unserer Familie geht es (meiner Meinung nach) auch gefühlig zu. Er will das auch alles selbst, also getröstet, ermuntert, bedankt etc.werden.

Uff, lang geworden. Ich schick mal ab. Vielleicht hat ja auch jemand die Erfahrung gemacht, dass es sich noch ändert?
Lösche Benutzer 14500

Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

Keine eigenen Erfahrungen, leider, nur, was ich aus dem Entwicklungspsychologiestudium und meiner wahnsinnig erfolgreichen "Macht Lesen empathischer?"-Projekzeit* als wissenschaftliche Mitarbeiterin noch weiß: Mit sechs Jahren finde ich das noch nicht so ungewöhnlich. Damit ist er noch in der Phase, wo er lernt, zwischen eigenen und den Gefühlen von anderen zu differenzieren bzw. einzusehen, dass andere Menschen ggf. andere Emotionen haben. (Hier gibt es dazu einen schönen Text inkl. Literaturangaben: https://www.familienhandbuch.de/babys-k ... fangan.php). Vielleicht ist er da einfach ein wenig spät dran, so wie manche Kinder halt erst bißchen später laufen oder bißchen später sprechen?

Grundsätzlich scheint er Emotionen ja schon zu erkennen, nicht? Also, er nimmt schon wahr, dass jemand anderes gerade traurig, ärgerlich etc ist? Er geht nur nicht drauf ein? Und offenbar kann er soziale Beziehungen ja auch ausgestalten, jedenfalls hat er Freunde und ist eingebunden? Dann würde ich wohl nichts machen, außer beobachten und schauen, ob sich da was tut. Alles, was mir sonst noch einfiele, also: Emotionen (und deren Ursachen) thematisieren und benennen ""XY ist gerade traurig, weil..."), offener Umgang mit Gefühlen in der Familie etc., das macht ihr ja bereits. Wenn du keine Entwicklung erkennst, könnte man ggf. mal mit dem KiA darüber reden bzw. schauen, ob im SPZ ein Termin zu bekommen ist, aber erstmal würde ich wohl weiter beobachten.

(Und schlimmes Bekenntnis meinerseits: ich bin manchmal auch einfach nur genervt, wenn KollegIn XY krank ist, weil ich (= muss dann mehr Arbeit machen) mir mehr leid tue als besagte/r Kollege/in :oops: Ich kann es nur besser sozial adäquater verstecken als Maxi... Sprich: ich sag dann eher "Oh je, arme/r XY!" als "Mist, ich hab eh schon viel zu tun!", aber denken tue ich eher letzteres... Vieles sind ja eher soziale Gepflogenheiten, z.B. auch Bedanken oder Höflich sein - gerade da habe ich immer erlbt, dass Kinder sehr unterschiedlich weit darin sind, wie sehr man sich an solche Konventionen halten sollte oder nicht.)




*Ja, übrigens. Also, zumindest gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Lesen literarischer Texte und der kognitiven Empathie, also dem "Verstehen-wie-sich-jemand-fühlt".
Franzi175
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Franzi175 »

Kann er in anderen Gesichtern die emotionale Lage erkennen. Vielleicht kannst du das mit ihm mal üben und dann gemeinsam überlegen, wie er sich in der Lage fühlt.
Wir erörtern das immer und versuchen dann eine Lösung für alle zu finden. Meine sind da oft dann sehr erfinderisch im suchen von gemeinsamen Lösungen. Sind aber als Zwillinge ja immer gemeinsam aufgewachsen, da mussten sie früh üben.
Ansonsten glaube ich hilft nur das vormachen / vorleben.
Gute Nerven, man entwickelt da ja dann auch oft eigene blöde Gedanken bei egomanischen verhalten des anderen.
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Sabina
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Sabina »

Bei meinem Grossen (und evt. auch bei mir) geht das auch alles über den Kopf. Er fühlt es nicht hat aber in den letzten Jahren in vielen Situationen gelernt sich angepasst zu verhalten. Nur der direkten Schwester gegenüber nicht...🙄

Ist ein anstrengender und nicht endender Lernprozess.
Signaturen sind halt doch praktisch für die Mitleser:innen…

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Cecily
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

Miffi hat geschrieben: 13.07.2020, 09:46 Keine eigenen Erfahrungen, leider, nur, was ich aus dem Entwicklungspsychologiestudium und meiner wahnsinnig erfolgreichen "Macht Lesen empathischer?"-Projekzeit* als wissenschaftliche Mitarbeiterin noch weiß: Mit sechs Jahren finde ich das noch nicht so ungewöhnlich. Damit ist er noch in der Phase, wo er lernt, zwischen eigenen und den Gefühlen von anderen zu differenzieren bzw. einzusehen, dass andere Menschen ggf. andere Emotionen haben. (Hier gibt es dazu einen schönen Text inkl. Literaturangaben: https://www.familienhandbuch.de/babys-k ... fangan.php). Vielleicht ist er da einfach ein wenig spät dran, so wie manche Kinder halt erst bißchen später laufen oder bißchen später sprechen?

Grundsätzlich scheint er Emotionen ja schon zu erkennen, nicht? Also, er nimmt schon wahr, dass jemand anderes gerade traurig, ärgerlich etc ist? Er geht nur nicht drauf ein? Und offenbar kann er soziale Beziehungen ja auch ausgestalten, jedenfalls hat er Freunde und ist eingebunden? Dann würde ich wohl nichts machen, außer beobachten und schauen, ob sich da was tut. Alles, was mir sonst noch einfiele, also: Emotionen (und deren Ursachen) thematisieren und benennen ""XY ist gerade traurig, weil..."), offener Umgang mit Gefühlen in der Familie etc., das macht ihr ja bereits. Wenn du keine Entwicklung erkennst, könnte man ggf. mal mit dem KiA darüber reden bzw. schauen, ob im SPZ ein Termin zu bekommen ist, aber erstmal würde ich wohl weiter beobachten.

(Und schlimmes Bekenntnis meinerseits: ich bin manchmal auch einfach nur genervt, wenn KollegIn XY krank ist, weil ich (= muss dann mehr Arbeit machen) mir mehr leid tue als besagte/r Kollege/in :oops: Ich kann es nur besser sozial adäquater verstecken als Maxi... Sprich: ich sag dann eher "Oh je, arme/r XY!" als "Mist, ich hab eh schon viel zu tun!", aber denken tue ich eher letzteres... Vieles sind ja eher soziale Gepflogenheiten, z.B. auch Bedanken oder Höflich sein - gerade da habe ich immer erlbt, dass Kinder sehr unterschiedlich weit darin sind, wie sehr man sich an solche Konventionen halten sollte oder nicht.)




*Ja, übrigens. Also, zumindest gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Lesen literarischer Texte und der kognitiven Empathie, also dem "Verstehen-wie-sich-jemand-fühlt".
Uah, da steht, dass es zwischen 6-12 auf dem Stand bleibt. Hoffentlich nicht. Vielleicht ist er tatsächlich ein Spätzünder, ich glaube da einfach mal dran.

Und, genau, er erkennt das schon wie jemand drauf ist, er reagiert halt nicht oder nicht "adäquat". Als z.B. Flo oder auch ich mal mit dem Notarzt abgeholt und ins Krankenhaus gebracht wurden, war er nicht etwa traurig / verzweifelt oder irgendwas, sondern interessiert, was da so passiert. Gefühle verbal äußern macht er gar nicht. Da bin ich immer erstaunt über den 2-jährigen (der ist ganz anders), der z.B. sagt "Ich bin jetzt ganz ganz traurig, weil...".

Er zeigt auch schon Freude und dass er uns liebhat, er kommt kuscheln und umarmt Oma und Opa wenn sie kommen. Ängstlich ist er auch. Mir fällt das immer so auf. Z.B. als er sich nicht getraut hat ohne Stützräder zu fahren, sind meine Patenkinder gekommen und haben ihn ermuntert, von sich selbst erzählt, und dann hat das Fahrradfahren geklappt. Sowas würde er nie machen.

Über Gefühle vorlesen machen wir auch viel. Bei allem macht es aber eher ratterratter im Kopf (pathetisch gesagt: nicht im Herzen).

Und, wo du es sagst, ich bin ja auch eher lösungsorientiert. Die Kinder tröste ich natürlich. Und lobe. Und alles andere. I

Freunde hat er zum Glück (da hat er sich am Anfang auch sehr schwer getan). Es ist auch besser geworden, seine eigenen Bedürfnisse zurückzustecken. Aber alles ist irgendwie ein Lernprozess, der vom Kopf ausgeht. Sprich: Wenn er immer nur bestimmen will, wollen die anderen Kinder nicht mit ihm spielen, also steckt er da zurück.

Er isst nicht gerne Fleisch, weil er die Zustände in den Schlachthöfen so schlimm findet (nicht, weil ihm Tiere leid tun). Biofleisch isst er also. Er hat sich schrecklich über Hitler aufgeregt, aber nicht, weil er so viel Leid verursacht hat und ihm die Menschen leid taten, sondern weil er ein Diktator war und Kriege schrecklich sind.

Keine Ahnung.
Franzi175 hat geschrieben: 13.07.2020, 09:48 Kann er in anderen Gesichtern die emotionale Lage erkennen. Vielleicht kannst du das mit ihm mal üben und dann gemeinsam überlegen, wie er sich in der Lage fühlt.
Wir erörtern das immer und versuchen dann eine Lösung für alle zu finden. Meine sind da oft dann sehr erfinderisch im suchen von gemeinsamen Lösungen. Sind aber als Zwillinge ja immer gemeinsam aufgewachsen, da mussten sie früh üben.
Ansonsten glaube ich hilft nur das vormachen / vorleben.
Gute Nerven, man entwickelt da ja dann auch oft eigene blöde Gedanken bei egomanischen verhalten des anderen.
Das fehlt ihm glaube ich. Er hat auch nie unsere Gesichter "beobachtet" wie ich es von dem Kleinen kenne (der auch total verstört auf die Masken reagiert). Wir sagen es inzwischen, was los ist. Gemeinsam besprechen machen wir auch. Wenn er es logisch nachvollziehen kann, ist es okay. Er ist z.B. nicht traurig, wenn es zum Geburtstag vom Kleinen kein Geschenk für ihn gibt (er hat ja nicht Geburtstag). Seine Sachen teilen dagegen würde er nicht. (Z.B. was vom Eis abgeben). Teilen macht er, wenn die beiden was zusammen kriegen. Oder wenn er was bekommt, bittet er auch um etwas für den kleinen Bruder. Damit es gerecht ist.

Ja, ich entwickele blöde Gedanken, weil ich ihm ein wunderbartollperfektes Leben wünsche. Und ich glaube, dass er es sich schwer macht (auch wenn er offenbar noch nicht anders kann).
Sabina hat geschrieben: 13.07.2020, 10:39 Bei meinem Grossen (und evt. auch bei mir) geht das auch alles über den Kopf. Er fühlt es nicht hat aber in den letzten Jahren in vielen Situationen gelernt sich angepasst zu verhalten. Nur der direkten Schwester gegenüber nicht...🙄

Ist ein anstrengender und nicht endender Lernprozess.
Das ist ehrlich gesagt auch meine Befürchtung.

Meine Frage: Fühlt ihr euch "schlecht"? Also, eckt ihr an? Oder seid traurig? Oder irgendwie sowas?

Ich will ja nur, dass es ihm gut geht. :(
Jadzia
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Jadzia »

Mein Arbeitsgebiet sind Kinder die diese intuitiven sozialen Fähigkeiten nicht, oder weniger oder spät entwickeln.

Kann dein Sohn denn die Perspektive wechseln ? Also weiß er daß jemand anders anders fühlt, anders denkt, andere Interessen hat kurzum eine eigene Wahrnehmung und Persönlichkeit hat. Oder sieht er alles absolut und in Skalen ?

Erkennt er Gefühle nur dann wenn sie explizit, laut und deutlich gesagt oder ausgedrückt werden, oder spürt er auch Stimmungen ( die man nicht so einfach zuordnen kann)


Wenn er diese Dinge nicht wahrnimmt, dann braucht er mMn eine Karte die ihm die Feinheiten des sozialen und emotionalen Miteinander darstellt, damit er das verstehen kann, was emotional und spontan nicht bei ihm ankommt.
Alles kann, Liebe muss

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samoe
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von samoe »

Es ist ja alles immer individuell.
Mein Großer war sozial-emotional ein extremer Spätzünder. Er hat im letzten Jahr so einen Sprung gemacht, richtig krass. Ich würde die Beziehung zum Bruder jetzt nicht überbewerten. Mein Sohn ist zu seiner Schwester so ein Herzl und zum Bruder auch oft, aber da gibt es ganz klar deutlich mehr Eifersucht und Rivalität. Das ist unter Brüdern auch irgendwo normal.
Beobachte, hole dir auch Hilfe, wenn es dir zu extrem vorkommt, aber gerade Kinder, die in einen Bereich sehr weit sind, hinken ja oft an anderer Stelle umso mehr hinterher. Ich habe das erst sehr spät gesehen, dass das bei uns der emotionale Teil ist...
Mit den zwei Jungs (04/2012, 06/2015) und der kleinen Püppi (01/2018)

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Cecily
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

Jadzia hat geschrieben: 13.07.2020, 12:11 Mein Arbeitsgebiet sind Kinder die diese intuitiven sozialen Fähigkeiten nicht, oder weniger oder spät entwickeln.

Kann dein Sohn denn die Perspektive wechseln ? Also weiß er daß jemand anders anders fühlt, anders denkt, andere Interessen hat kurzum eine eigene Wahrnehmung und Persönlichkeit hat. Oder sieht er alles absolut und in Skalen ?

Erkennt er Gefühle nur dann wenn sie explizit, laut und deutlich gesagt oder ausgedrückt werden, oder spürt er auch Stimmungen ( die man nicht so einfach zuordnen kann)


Wenn er diese Dinge nicht wahrnimmt, dann braucht er mMn eine Karte die ihm die Feinheiten des sozialen und emotionalen Miteinander darstellt, damit er das verstehen kann, was emotional und spontan nicht bei ihm ankommt.
Was für schwierige Fragen.

Ganz selten mal möchte er einen Rollenwechsel spielen, dann ist er z.B. der Papa und der Bruder die Mama und wir die Kinder. Dann macht er uns schon sehr gut nach und will schnell wieder tauschen. Ist das ein Perspektivenwechsel? Dass andere Leute nicht so denken / fühlen / andere Interessen haben, ist ihm schon klar. Er sagt auch manchmal, wenn ich motzig bin: "Du hattest heute bestimmt einen stressigen Tag, willst du darüber reden?" Also das, was wir auch sagen würden. Er merkt also schon Gefühle bei anderen Leuten.

Doch, ja, ich glaube schon, dass ihm klar ist, dass es anderen Leuten anders geht als ihm. Er reagiert nur nicht so, wie man / ich das "erwarten" würde (das hört sich so blöd an, ich erwarte ja gar nichts bestimmtes, es fällt vor allem auf, wenn in einer Gruppe alle reagieren und er da eher interessiert am Rande steht).

Puh, Stimmungen "spüren"... Er merkt es an unserem Verhalten. Wenn ich also kurz ab und motzig bin, kann er sich denken, dass ich Stress habe. Wir als Erwachsene weinen sehr selten. Nach meiner Fehlgeburt habe ich sehr schlimm geweint, da habe ich dann doch gemerkt, dass ihn das total verstört / mitgenommen hat. Er merkt auch, wenn wir als Eltern nicht im reinen sind, dann wird er "komisch".

Im Ergebnis sind, glaube ich, vor allem die Reaktionen merkwürdig. Ihm ist schon klar, dass, wenn der Bruder von der Schaukel fällt und weint, der Bruder Schmerzen hat.

Es ist so schwierig zu beschreiben, das sind so Momentaufnahmen. Wenn er sich ein Zelt baut, will er nicht, dass sein Bruder reinkommt, weil der alles kaputt macht. Er baut daher dem Bruder - fair - ein eigenes Zelt. Er schläft auch gerne bei seinem Bruder, aber auch das ist so "eigennützig". Nicht wirklich zum kuscheln, sondern, wie er uns erklärt hat, damit die Monster zuerst den Bruder fressen. :shock:

Aber bitte nicht falsch verstehen: Er ist fröhlich und lustig und maulig und ängstlich, er schmust und spielt mit anderen zusammen, er redet den ganzen Tag und ist auch "nett" zu seinem Bruder (wenn es dem Bruder nicht gut geht, darf er auch mal auf dem besten Platz am Sofa sitzen und er holt ihm was zu trinken - genau das, was wir auch machen, wenn es ihm nicht gut geht). Er ist nicht - wie nennt man das denn? - verhaltensoriginell (?).

Um es mit meiner besten Freundin zu sagen "Er ist nerdig". Ich finde, wir haben einen guten Umgang miteinander und, soweit ich das beurteilen kann, ist er ziemlich glücklich.

Aber in Gruppen hat er Probleme - auch nicht schlimm, aber problematisch. Ich hab Angst vor der Schule. Er würde (glaube ich) nicht anderen was erklären, was die / der andere nicht versteht, sondern sich langweilen und den anderen zum spielen oder Quatsch machen animieren. Oder selbst Quatsch machen. Er hat ja auch eine geringe Frustrationstoleranz, weshalb er noch 1 Jahr im Kindergarten bleiben sollte. (Ist angeblich besser geworden).

Ach Mensch, immer, wenn was mit meinen Kindern sein könnte / ist, drehe ich voll durch. Ich versuche, meinen Kindern beizubringen, wie man sich selbst die Hindernisse aus dem Weg räumt und glücklich sein kann. Sie sollen ein perfektes Leben haben. Ist klar, dass das nicht geht.
Cecily
Prof. Dr. SuT
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

samoe hat geschrieben: 13.07.2020, 13:41 Es ist ja alles immer individuell.
Mein Großer war sozial-emotional ein extremer Spätzünder. Er hat im letzten Jahr so einen Sprung gemacht, richtig krass. Ich würde die Beziehung zum Bruder jetzt nicht überbewerten. Mein Sohn ist zu seiner Schwester so ein Herzl und zum Bruder auch oft, aber da gibt es ganz klar deutlich mehr Eifersucht und Rivalität. Das ist unter Brüdern auch irgendwo normal.
Beobachte, hole dir auch Hilfe, wenn es dir zu extrem vorkommt, aber gerade Kinder, die in einen Bereich sehr weit sind, hinken ja oft an anderer Stelle umso mehr hinterher. Ich habe das erst sehr spät gesehen, dass das bei uns der emotionale Teil ist...
Jaaaa, bitte. Dein Sohn ist ja 1 Jahr älter. Das nehme ich auch dieses Jahr, den Sprung! Die Beispiele mit dem Bruder sind halt am häufigsten, bei anderen Kindern ist das aber auch so. Bei Tieren auch. Er hat keinerlei Interesse daran z.B. der Schnecke mit dem kaputten Haus zu helfen (meine Patenkinder sind Schneckenretter). Er piesackt Tiere nicht, da er weiß, dass es den Tieren weh tut, er hat aber keinerlei Interesse am "helfen".
Lösche Benutzer 14252

Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Lösche Benutzer 14252 »

Du könntest von meinem Großen schreiben... ich lese also auch gespannt mit. Aber es wird besser! Zwar laaaangsam, aber es wird besser. Aber zugegeben bin ich mehr und mehr genervt davon, wenn er der 2-jährigen mal wieder versehentlich weh tut weil er immer gleich SO überdüber wird... :-/
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