Kind will nicht - weggehen oder mitnehmen?

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Ranas
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Kind will nicht - weggehen oder mitnehmen?

Beitrag von Ranas »

Mir ist leider kein sinnvoller kurzer Titel eingefallen. Es geht um Folgendes: Eine Freundin (selber kinderlos, aber sie arbeitet viel mit Kindern) meinte, dass sie es schlimm fände, wenn Eltern ihren Kindern androhen weg zu gehen, wenn ihre Kinder sich z.B. auf dem Spielplatz nicht vom Spiel lösen können. Das erschüttere die Kinder in ihrem Urvertrauen. Sie fände es besser, die Kinder dann einfach hoch- und mitzunehmen. In dem Moment sei man eh der Ar*** und das sei besser, als anzudrohen, sie zu verlassen. Mich würde interessieren, wie ihr das seht.
Wir "drohen" unserem Großen ziemlich oft, dass wir ohne ihn irgendwo hinfahren, wenn er sich nicht langsam mal anziehen lässt. Sonst wären wir seit Wochen nicht bei der Tagesmutter, beim Kinderturnen, beim Schwimmen ... gewesen. Mal davon abgesehen, dass ich nicht wüsste, wie ich ein schreiendes, sich windendes und um sich tretendes Kind wickeln, anziehen und in den Kindersitz verfrachten sollte, kommt mir das einfach "netter" vor. Ich möchte mich nicht über die körperlichen Grenzen meines Kindes hinwegsetzen (außer es geht um seine Gesundheit. Zum Zähneputzen halte ich ihn z.B. immer mal wieder fest.)
Ist die "Erpressung" wirklich schlimmer als der Schraubstockgriff?
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Zweierlei
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Re: Kind will nicht - weggehen oder mitnehmen?

Beitrag von Zweierlei »

Puh, ich finde ja beides hat seine Berechtigung.
Meine Kleine mag oft nicht, und ich mache es im Prinzip so wie du, ich sagen ihr halt das wir nicht fahren können, wenn sie sich nicht fertig macht.....natürlich betone ich das wir dann halt auch die schönen Dinge nicht machen können (z.B. im Auto ihre LieblingsCD hören). Oder ich "besteche" sie irgendwie (wenn du jetzt schnell mitmachst, kann ich noch ein Buch lesen, oder es gibt für unterwegs einen Keks o.ä.).
Ich finde körperliches wegreissen deutlich schlimmer, aber vielleicht nötig wenn die Kinder noch Kleiner sind.

Und wie du schon sagst, wie soll ich ein strampelndes, bockendes, weinendes Kind anziehen oder rumtragen (ich schaff das bei 20 kg nicht mehr).
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MelliL
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Re: Kind will nicht - weggehen oder mitnehmen?

Beitrag von MelliL »

Hm, spätestens wenn das Kind älter ist und man die Drohung umsetzen muss, wird es zum Problem. Mir geht's da tatsächlich genau wie deiner Freundin und ich finde das Androhen, das kind alleine zurück zu lassen irgendwo, wenn es nicht mitkommt, sehr schlimm. Ich mache es normal wie Zweierlei beschreibt.
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Re: Kind will nicht - weggehen oder mitnehmen?

Beitrag von Zweierlei »

Ich denke mir halt auch, das ich nichts androhen sollte, dass ich dann nicht umsetzen kann. Das verliert ja auch irgendwann an Glaubwürdikeit. Mache das übrigens mit meine Grossen immer noch so. Also Aktion und Reaktion Prinzip..
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Missy
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Re: Kind will nicht - weggehen oder mitnehmen?

Beitrag von Missy »

Eine Ur-Angst meines Kindes als Druckmittel zu benutzen zeigt meine eigene Hilflosigkeit. Das Kind lernt also, dass es mir nicht bedingungslos vertrauen kann, denn ich würde es ja ohne zu zögern wegen einer Kleinigkeit auf dem Spielplatz zurücklassen.
Wenn meine kommunikativen Strategien nicht weiterhelfen und/oder ich es sehr eilig habe würde ich daher tatsächlich mein Kind lieber mitnehmen. Allerdings auch das nur mit Vorankündigung und begleitenden Worten. Nie würde ich es einfach so wortlos 'wegreissen", sondern im Kontakt mit meinem Kind eine Entscheidung treffen.
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Elena
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Re: Kind will nicht - weggehen oder mitnehmen?

Beitrag von Elena »

Missy hat geschrieben: 24.02.2019, 09:37 Eine Ur-Angst meines Kindes als Druckmittel zu benutzen zeigt meine eigene Hilflosigkeit. Das Kind lernt also, dass es mir nicht bedingungslos vertrauen kann, denn ich würde es ja ohne zu zögern wegen einer Kleinigkeit auf dem Spielplatz zurücklassen.
Wenn meine kommunikativen Strategien nicht weiterhelfen und/oder ich es sehr eilig habe würde ich daher tatsächlich mein Kind lieber mitnehmen. Allerdings auch das nur mit Vorankündigung und begleitenden Worten. Nie würde ich es einfach so wortlos 'wegreissen", sondern im Kontakt mit meinem Kind eine Entscheidung treffen.
So mache ich es auch. Wobei ich wichtig finde, das rüberkommt, dass es meine Entscheidung ist, die ich treffe, und dass das Kind deswegen sauer sein darf, aber trotzdem mitkommen muss. Ich finde es in solchen (und anderen) Situationen nicht in Ordnung, dem Kind scheinbar die Entscheidung zu überlassen ("Mach wie du willst, ICH gehe jetzt!"). Dann lieber ehrlich sein, ankündigen, dass man gleich los muss und es nicht anders geht - und gegebenenfalls das Theater aushalten.

Ich finde, das zahlt sich auch langfristig aus. Wenn ich ständig entweder besteche oder erpresse, erschleiche ich mir das Funktionieren des Kindes, muss das dann aber immer weiter so tun. Wenn ich aber wichtige Entscheidungen als meine eigenen treffe, dem Kind das gut kommuniziere und es dann durchziehe, lernt das Kind, dass ich es nicht willkürlich, sondern gut begründet aus dem Spiel hole, und dass es solche Ansagen ernst nimmt. Außerdem fühlt es sich selbst ernst genommen, weil ich ihm die Sache erkläre, es wütend sein darf und ich es auch in seiner Wut begleite.

Nach meinem Empfinden begründet man mit solchen "gut" gehandhabten Konfrontationen eine belastbare Beziehung zum Kind. Wenn man der Konfrontation häufig aus dem Weg geht, indem man lieber besticht oder erpresst, erwächst darauf nichts Positives.
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IdieNubren
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Re: Kind will nicht - weggehen oder mitnehmen?

Beitrag von IdieNubren »

Ja ich finde androhen ohne das Kind zu fahren ziemlich schlimm - und ziemlich blöd weil es (zum Glück) selten durch gezogen wird. Ich sehe es wie Missy.

Ich erkläre mein Kind dass wir gehen müssen, ich stell auch mal den Wecker oder mache mit ihr aus noch 3 mal rutschen. Und wenn das alles mal nicht hilft, dann kündige ich an dass ich sie jetzt weg trage.
Aber ich würde mein Kind NIE alleine irgendwo lassen und möchte auch nicht dass sie das ernsthaft in Erwägung zieht 😢

Ein sehr lesenswerter Thread dazu ist mMn
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Elena
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Re: Kind will nicht - weggehen oder mitnehmen?

Beitrag von Elena »

Zweierlei hat geschrieben: 24.02.2019, 08:54 Puh, ich finde ja beides hat seine Berechtigung.
Meine Kleine mag oft nicht, und ich mache es im Prinzip so wie du, ich sagen ihr halt das wir nicht fahren können, wenn sie sich nicht fertig macht.....natürlich betone ich das wir dann halt auch die schönen Dinge nicht machen können (z.B. im Auto ihre LieblingsCD hören). Oder ich "besteche" sie irgendwie (wenn du jetzt schnell mitmachst, kann ich noch ein Buch lesen, oder es gibt für unterwegs einen Keks o.ä.).
Das sind aber doch eher sachliche Erklärungen als leere Drohungen. Das finde ich durchaus berechtigt. Ich sage meinen Kindern heute noch (sie sind zwischen 5 und 10 :lol: ), dass nicht mehr viel Zeit zum Vorlesen bleibt, wenn sie abends beim Ausziehen wieder anfangen zu spielen, statt mal hinne zu machen. Okay, das mit dem Keks ist schon eher eine klassische Bestechung, weil sich da nicht wirklich ein kausaler Zusammenhang mit dem Losfahren herleiten lässt. :wink:

Ich erlebe bei meiner Nachbarin und ihrer pubertierenden Tochter, dass sich die Mechanismen aus Drohen, Belohnen, Bestechen locker ins höhere Alter fortsetzen. Dann gibts halt Fernseh- und Handyverbot. Ich sehe da auch viel Unehrlichkeit auf beiden Seiten, Machtkämpfe, fehlendes Verständnis füreinander. Das geht sicher nich jedem so, der zu seinem Kind mal sagt "Dann gehe ich eben alleine". Aber wenn sich solche Drohungen als Mittel der Wahl etablieren, wird es vielleicht irgendwann schwer, anders zu kommunzieren. Denn auch wenn bockende Kleinkinder eine besondere Voraussetzung sind - Konflikte wird es dauerhaft geben. :wink: Das ist nichts, was man mit einigen Monaten Augen zu und durch und zweifelhaften erzieherischen Methoden irgendwie hinter sich bringt. Und die Konflikte mit einem Teenager sind sicher nicht einfacher als mit einem Kleinkind - wer bis dahin gute Konfliktstrategien eingeübt und eine belastbare Beziehung aufgebaut hat, ist sicher im Vorteil (so hoffe ich...).
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dingsda
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Re: Kind will nicht - weggehen oder mitnehmen?

Beitrag von dingsda »

Ranas hat geschrieben: 24.02.2019, 08:46 Wir "drohen" unserem Großen ziemlich oft, dass wir ohne ihn irgendwo hinfahren, wenn er sich nicht langsam mal anziehen lässt. Sonst wären wir seit Wochen nicht bei der Tagesmutter, beim Kinderturnen, beim Schwimmen ... gewesen. Mal davon abgesehen, dass ich nicht wüsste, wie ich ein schreiendes, sich windendes und um sich tretendes Kind wickeln, anziehen und in den Kindersitz verfrachten sollte, kommt mir das einfach "netter" vor. Ich möchte mich nicht über die körperlichen Grenzen meines Kindes hinwegsetzen (außer es geht um seine Gesundheit. Zum Zähneputzen halte ich ihn z.B. immer mal wieder fest.)
Ist die "Erpressung" wirklich schlimmer als der Schraubstockgriff?
also ihr droht ernstaft, dass ihr zum kinderturnen ohne kind fahrt? oder zur tagesmutter? das ist doch schon allein total unlogisch.
im ersten Kita-winter hatte ich häufig das problem, dass mein sohn sich nicht an- oder umziehen wollte zum losgehen. ich hab ihn auch schon mit windel im warmen wintersack im kinderwagen bis dahin gebracht (wirklich warm, mein kind musste nie frieren!). oder mit schlafsack. dort hat er sich immer problemlos anziehen lassen. jetzt ziehe ich ihn auch oft vor der tür erst die jacke an. an 2 minuten kälte wird er nicht erfrieren.
neben kind drohen, dass man es alleine zurück lässt und im schraubstockgriff gibt es noch mehr relativ gewaltlose möglichkeiten.

das einzige wo wir sagen, dass er sonst nicht mit kann ist wenn mein mann nur schnell zum supermarkt/bäcker/ect will, wo g. eigentlich gerne mit hin will. wenn er mit will soll er sich anziehen, ansonsten bleibt er mit mir zusammen zuhause. wenns ihm wichtig genug ist, dann geht das einziehen am ende super schnell (nachdem mein mann schon vollangezogen an der tür steht).
mit kleinem rabauken seit 2/2016
Linda81
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Re: Kind will nicht - weggehen oder mitnehmen?

Beitrag von Linda81 »

Genau mein Thema. Mein Großer reizt es nämlich seit Jahr und Tag bei mir voll aus, bei jedem Abholen aus dem Kindergarten und oft auch von Freunden gibt es Streit. Die gewaltfreien Ideen zwischen Drohungen und Schraubstock würden mich sehr interessieren. Abmachungen (noch dreimal schaukeln und dann gehen wir, ok? - Nein Mama, noch fünf mal schaukeln! Ok, dann noch fünf mal!) klappen oft auch nicht. Mitnehmen bedeutet dann, ihn körperlich von der Schaukel abzumontieren, Hände zu öffnen etc, während ich den Rest vom Gepäck noch auf dem Buckel habe. Ich nehme gerne Ideen entgegen. Seufz.
Linda mit Sohnio (10/2014), dem Freudenstrahl (01/18) und der Überraschung (01/21)
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