Kann ich mich auf Hungersignale verlassen?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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ShinyCheetah
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Kann ich mich auf Hungersignale verlassen?

Beitrag von ShinyCheetah »

Hallo allerseits.

Ich stille meinen Sohn F seit Geburt Ende September voll, nach Bedarf. Ich habe bisher nie abgepumpt oder zugefüttert. Abgesehen von einer unangenehmen Nacht beim Milcheinschuss läuft es auch total rund und ich hatte noch keinerlei Schwierigkeiten. F wächst bisher prima (Geburtsgewicht 3250 g, 3100 bei Entlassung aus dem Krankenhaus, jetzt 6 kg, wir wiegen einmal die Woche auf einer Personenwaage für uns aus Interesse:) ). Nach ca. 3 Wochen haben wir ihm das erste mal in einer Notsituation einen Schnuller angeboten (unsere Stillbeziehung kam mir da schon sehr eingespielt vor), den er seitdem sporadisch in Ausnahmesituationen bekommt (zwischendurch auf sehr langen Autofahrten, wenn es noch 10 min bis zu nächsten Raststätte dauert oder so). Manchmal bekommt er auch kurz meinen kleinen Finger, wenn er gerade panisch wird und ich ihn schnell runterholen möchte.

Vor einer Woche hat F seinen Daumen entdeckt - wir sind mitten im dritten Wachstumsschub (passt auch zeitlich, er ist 10 Tage vor ET geboren). Seitdem ist Daumenlutschen seine absolute Lieblingsbeschäftigung, wenn nicht etwas anderes spannender ist (wenn er sich z. B. mit jemandem "unterhält" :) ). Ich bin darüber gar nicht glücklich, weil ich selbst bis ins Grundschulalter rein am Daumen gelutscht habe :/ Aber ich will ihm den Daumen auch nicht einfach aus dem Mund ziehen und einen Schnuller reinstecken - er soll ja schließlich die Chance haben, seine Hände kennenzulernen. Außerdem kann er jetzt das erste Mal in seinem Leben selbst wirklich etwas bewirken: Wenn er diese bestimmte Bewegung macht kann er auf einmal nuckeln und das fühlt sich gut an. Das muss für ihn doch einfach toll sein :)

Jetzt kommt das "aber" ;)

Während der Entwicklungsschübe trinkt F eher schlecht und schläft viel. Diesmal kommt aber erschwerend hinzu, dass er sein Saugbedürfnis ganz eigenständig am Daumen stillt. In der ersten Nacht habe ich tatsächlich noch mehrfach seinen Daumen aus seinem Mund gezogen, wenn er geschlafen hat, und alternativ die Brust angeboten. Brustnuckeln kann er nämlich eigentlich seit kurzem auch ziemlich gut. Aber er hat immer protestiert und sich doch wieder den Daumen genommen. Mir war vorher überhaupt nicht klar, dass er so ein großes Saugbedürfnis hat, weil er sonst gar nicht so viel genuckelt at. Da er den Tag davor fast nichts getrunken hatte, lag ich fast die ganze Nacht wach neben ihm (Familienbett) und habe auf meine Chance gelauert, ihn doch noch irgendwie zu stillen (was mir dann auch irgendwann gelungen ist).
Normalerweise waren wir in letzter Zeit gegen 10 im Bett und F ist ein oder zweimal zum Stillen gekommen und dann wieder morgens um 6. Jetzt habe ich das Gefühl, dass er eigentlich die ganze Nacht mit seinem Daumen zufrieden wäre. Aber er ist doch erst drei Monate alt und sollte noch gar nicht so lange am Stück nichts trinken! Letzte Nacht habe ich gegen 11 gestillt. Gegen 4 ist ihm der Daumen aus dem Mund gefallen und ich habe die Chance ergriffen. Morgens um 8 dann wieder. Aber ist das noch Stillen nach Bedarf? In den ersten zwei Monaten konnte ich wirklich einfach auf Hungersignale reagieren (Schmatzen, Hand zum Mund). Mit dem zweiten Wachstumsschub sind Hungerzeichen dann immer öfter ausgeblieben - wahrschenlich weil auf einmal alles so spannend ist - und ich habe angefangen, ihm nach längeren Pausen auch mal auf gut Glück die Brust anzubieten (oft mit Erfolg). Andererseits ist es auch ab und zu vorgekommen, dass er angefangen hat zu weinen und wir erst nach ein paar min verstanden haben, dass er an die Brust wollte, weil er keine entsprechenden Zeichen gegeben hatte.

Ich hoffe, das mit dem Daumen ist nur eine Phase. Aber mal davon abgesehen: Mache ich noch alles richtig? Entwickelt sich unsere Stillbeziehung in eine gefährliche Richtung? Ist das noch Stillen nach Bedarf? Wann muss ich mir wirklich Sorgen machen, ob er noch genug trinkt (abgesehen von ausreichend viel Pipi-Produktion ;) )? Ab wann kann ich ihn mit gutem Gewissen 8h am Stück daumennuckelnd neben mir schlafen lassen?

Vielen Dank an alle, die sich diesen Erguss durchgelesen haben ;) Ich hoffe, dass ich mir zu viele Sorgen mache und nicht zu wenige... Aber als F vorgestern wirklich nur 2 mal oder so tagsüber getrunken hat (nur ca. 4 oder 5x in 24h), habe ich mir wirklich Gedanken gemacht. Zumal wir gerade auf Verwandtschaftsbesuch sind und dann natürlich alle immer versuchen, hilfreiche Vorschläge zu liefern - und so das Problem zum Tagesmittelpunkt wird... Noch eine letzte Anmerkung: Gestern hat F insgesamt eigentlich gut getrunken - ich denke, so 9x in 24h. Allerdings konnte ich das gemütliche Stillen auf dem Sofa vergessen. Er ist ständig wieder abgedockt (und es war kein Harndrang, wir sind Teilzeit-windelfrei :) ), bis ich mit ihm alleine in ein abgedunkeltes Zimmer gegangen bin und ihn im Laufen gestillt habe, während ich ihm was vorgesungen habe. Sowas musste ich bisher noch nie machen :?
mit Sohn F (Ende September 18)
und Tochter V (Ende Juni 21)


The trick to happiness wasn't in freezing every momentary pleasure and clinging to each one, but in ensuring one's life would produce many future moments to anticipate. Shallan Davar/Brandon Sanderson
Lösche Benutzer 22277

Re: Kann ich mich auf Hungersignale verlassen?

Beitrag von Lösche Benutzer 22277 »

Bei mir haben in dem Alter alle drei Kinder unruhig getrunken, konnten am besten im halb dunklen Schlafzimmer im Liegen stillen und haben außer Haus miserabel getrunken. Kommt mir alles sehr bekannt vor!

Den Daumen haben auch alle drei entdeckt, die Große hat das Daumenlutschen mit knapp einem Jahr wieder von alleine bleiben lassen. Daher lasse ich das die Kinder selbst entscheiden.

Liebe Grüße
Raya
fridalenka
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Re: Kann ich mich auf Hungersignale verlassen?

Beitrag von fridalenka »

Ich kenne Deine Situation auch allzu gut. Während der Entwicklungsschübe hat mein Sohn auch fast nur geschlafen und seeehr wenig getrunken, oftmals nur ein paar Schlucke pro Mahlzeit. Zuerst war ich sehr besorgt, aber es hat mich beruhigt dass er danach alles wieder eingefordert hat bzw. habe ich während des Schubs immer kurz vorm einschlafen oder kurz vorm aufwachen gestillt. Das heisst im Halbschlaf hat er dann immer ganz gut getrunken bzw. nachts im Schlaf habe ich ihn manchmal einfach angelegt und er hat alleine begonnen zu trinken. Und den Tipp von Raya kann ich unterschreiben und im eigenen abgedunkelten Schlafzimmer im Halbschlaf ging sehr gut. Und am besten ist es dass Du entspannt bleibst (so schwer es auch ist), versuche Dich abzulenken und an etwas schönes zu denken, lass Dich verwöhnen und tue Dir etwas Gutes.
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fridalenka
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Re: Kann ich mich auf Hungersignale verlassen?

Beitrag von fridalenka »

Ach so und ganz viel kuscheln, möglichst mit nackter Haut . Kannst Du Dich vielleicht mit ihm auch tagsüber mit ins Bett legen und Euch beide zurückziehen?
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Regenbogen3141
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Re: Kann ich mich auf Hungersignale verlassen?

Beitrag von Regenbogen3141 »

Hier: gleiches Alter, gleiches Verhalten.
Denke, das ist kein seltener Zufall, sondern normal in dem Alter und du brauchst dir keine Sorgen machen.

Hier wurde eben nach knapp 3h Stillpause die Brust verweigert, das gab es zuvor auch noch nie.
Dafür wurde aber letzte Woche teilweise halbstündlich gestillt, da ist der Vorrat wohl aufgefüllt ;)

Die Hand ist hier auch teilweise beliebter als die Brust, als die Motte vor 1-2 Wochen abends erstmals nicht an die Brust wollte zum einschlafnuckeln, sondern stattdessen ihre Hand bevorzugte, war ich kurz etwas beleidigt (naja, nur ein kleines bisschen).
Aber hey, sie schafft es, sich selbst zu beruhigen, das ist ein wichtiger Entwicklungsschritt und ich versuche es nun zu genießen.
Nachts schläft sie auch schonmal 7h am Stück und da genieße ich es einfach, wenn eine Nacht so entspannt läuft.
Im Halbschlaf zum stillen "zwingen" tue ich nur, wenn meine Brust zu prall wird.

Warum denkst du, dass es kein stillen nach Bedarf wäre, wenn dein Kind am Daumen nuckelt?
Du zwingst es wohl kaum dazu und hältst es damit vor.

Aber ich verstehe dein Problem mit den Hungerzeichen, die sind hier auch nicht mehr so eindeutig. Sonst konnte man immer gut testen, ob sie hungrig ist, indem man ihr einen Finger anbot. Wurde dran gesaugt, war sie hungrig.
Jetzt saugt/lutscht sie aber IMMER. Orale Phase oder so.
Ich biete ihr einfach regelmäßig die Brust an, wenn ich glaube, sie könnte hungrig sein.
Was ich gegen die Unruhe machen soll beim stillen, weiß ich jedoch noch nicht. Ich musste nun auch schon mehrfach mit ihr beim stillen rumlaufen. Oder gestern Abend im Stehen mit laufenden Föhn :roll:
Hoffe, das auch hier das berühmte Mantra gilt:
Es ist alles nur eine Phase!
mit Motte 09/2018 und Raupe 02/2021
Lösche Benutzer 22277

Re: Kann ich mich auf Hungersignale verlassen?

Beitrag von Lösche Benutzer 22277 »

Es gibt Apps mit White Noise, das hilft bei manchen Kindern.
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soda
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Re: Kann ich mich auf Hungersignale verlassen?

Beitrag von soda »

Das mit den Apps kann ich nur empfehlen. Kind 1 blieb davon unbeeindruckt, aber bei Kind 2 war und ist es sehr hilfreich.

Ich spiele oft Kaffeehaus- bzw. Restaurant-Geräusche ab (YouTube). Super.
Wir haben auch eine App (Sound Sleeper), die solche Geräusche macht, aber die ist für längere Spieldauer (über 30Min) kostenpflichtig. YouTube kommt bei längerem Bedarf zum Zug.
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ShinyCheetah
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Re: Kann ich mich auf Hungersignale verlassen?

Beitrag von ShinyCheetah »

Vielen Dank für den ganzen Zuspruch und die Tips! ☺ Da bin ich direkt wieder ruhiger :)

Was das Stillen nach Bedarf angeht: Ich frage mich einfach, ob es im Sinne der Sache ist, wenn ich F "austricksen" muss, damit er trinkt (also Brust rein, wenn der Daumen rausfällt, oder von mir aus immer wieder anbieten). Sollte ich nicht darauf warten, dass er Bedarf anmeldet? Aber irgendwie denke ich mir auch andererseits, dass ich ihn ja nunmal nicht zwingen kann, wenn er partout nicht will. So schlimm ist es also wohl nicht.

Gerade gab es ein paar Schluck im Liegen im abgedunkelten Schlafzimmer...
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Lösche Benutzer 25726

Re: Kann ich mich auf Hungersignale verlassen?

Beitrag von Lösche Benutzer 25726 »

Naja, aber Stillen nach Bedarf bezieht sich ja nicht nur aufs Baby. Wenn dir die Brust spannt, dann hast du ja Bedarf und dann darfst und solltest du natürlich anbieten, auch wenn dein Kind vielleicht gerade zufrieden ist.
Und du kannst dein Baby an der Brust nicht zum Trinken zwingen, wenn es nicht will, dann will es nicht, auch nicht im abgedunkelten Schlafzimmer :D
Freshi
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Re: Kann ich mich auf Hungersignale verlassen?

Beitrag von Freshi »

ShinyCheetah hat geschrieben: 30.12.2018, 15:21 Vielen Dank für den ganzen Zuspruch und die Tips! ☺ Da bin ich direkt wieder ruhiger :)

Was das Stillen nach Bedarf angeht: Ich frage mich einfach, ob es im Sinne der Sache ist, wenn ich F "austricksen" muss, damit er trinkt (also Brust rein, wenn der Daumen rausfällt, oder von mir aus immer wieder anbieten). Sollte ich nicht darauf warten, dass er Bedarf anmeldet? Aber irgendwie denke ich mir auch andererseits, dass ich ihn ja nunmal nicht zwingen kann, wenn er partout nicht will. So schlimm ist es also wohl nicht.

Gerade gab es ein paar Schluck im Liegen im abgedunkelten Schlafzimmer...
Ich hab mein Kind wochenlang im Halbschlaf "ausgetrickst" damit er überhaupt 7-8x/24h gestillt hat, am besten bin ich dazu noch auf dem Pezziball gehopst - du siehst also, nicht nur du stillst nach "diesem Bedarf". Wenn er wirklich nicht möchte lehnt er sicher strikt ab und wenn ich das bisher richtig verstanden habe, heißt stillen nach Bedarf ja auch nicht nur nach dem Bedarf des Kindes, sondern auch nach deinem. Halte durch, es wird sicher wieder einfacher oder eben anders! Wir stillen heute noch fast ausschließlich "unter vier Augen" :wink: im Schlafzimmer, das ist inzwischen aber ok weil wir unterwegs mit Beikost überbrücken können, was unsre situation ungemein entspannt hat...
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