Ich habe mich hier angemeldet, um fragen zu können und damit wirklich alles versucht zu haben. Ich vermute aber dass ihr mir hier vermutlich dieselbe Antwort geben werdet wie es mein Bauchgefühl auch tut: Alles gut, jedes Kind ist anders, deins stillt eben einfach sehr häufig.
Viel Text (Sorry!!!) drum die wichtigen Bereiche gefettet.
Situation
Wir stillen also sehr häufig. Tagsüber alle 60-90min außer einmal über den Mittagsschalf dann ist mal 2-3h Pause, aber auch nur selten, so an 2 von 10 Tagen, sonst ist sie rasch wieder wach und wir stillen wieder.
Nachts kommt sie meistens einmal so über 3h ohne Stillen, danach in den Morgenstunden sind wir bei alle 90min plus minus 30min, also fast wie tagsüber.
Merle ist mit vergleichsweise niedrigem Geburtsgewicht termingerecht auf die Welt gekommen (2886g), war von Anfang an aber sehr kräftig und hat sehr stark und ausdauernd getrunken. Jetzt mit 14 Wochen ist sie sicher über 6kg und sher schön speckig.
Weil meine Brustwarzen schnell sehr schmerzhaft wurden, gab es dann in Absprache mit der Stillberatung Stillhütchen. Es hat schon geblutet, mehr brauchte ich nicht.
Bis zur 5. Woche haben wir vollgestillt, Baby war leicht, hat aber zugenommen im Rahmen, weiterhin kräftig. Dabei aber exzessives Clustern. Praktisch rund um die Uhr. Ich hatte unter 4h Schlaf. Und den auch nie am Stück. Wir haben dann in Absprache mit Gynäkologin und Hebamme zugefüttert, damit ich schlafen und Geburtsverletzungen heilen konnte.
Merle hat die Pre-Milch nicht gut vertragen (unruhiger Schlaf, starke Blähungen, sehr wund), aber zumindest dann gut zugenommen und ordentlich aufgeholt mit einmal fast einem halben Kilo in der Woche. Auch war sie endlich mal zufrieden nach dem Fläschchen. Da ich aber von Pre-Milch nicht überzeugt bin, habe ich alles daran gesetzt wieder vollzustillen und das hat auch geklappt.
Seit Woche 11 sind nun auch die Stillhütchen weg. Ohne Stillhütchen trinkt sie noch mal effektiver und ist jetzt nach grob 10min eigentlich immer fertig, machmal schneller, außer wenn sie kuscheln und einschlummern will, bleibt sie länger dran, dann wird aus Trinken aber Nuckeln.
Meine Vermutung: Ich hatte wenig Milch und meine Brüste haben lange gebraucht, um dem Bedarf meiner Tochter wirklich gerecht werden zu können. Gedeihstörung ausgeschlossen durch Hebamme und KiÄ, sie war einfach "nur" unleidlich, weil eben nie wirklich ganz satt. Auch wenn alle 60-90min anlegen viel ist, ist das für uns ein enormer Fortschritt. Wir kommen von alle 10-20min tagsüber. Seit wir vollstillen und die Hütchen weg sind, schläft sie auch endlich mehr (etwa 15h in 24h, vorher zu übelster Clusterzeit 9-11h). Es besteht also Hoffnung, dass die Intervalle sich noch ausdehnen.
Merle dockt selbstständig und entspannt mittlerweile ab. Zu Anfang war da immer noch die Faust und sie hat nach 40min denke ich dann eher pausiert als abgedockt, weil sie satt war. Mittlerweile ist sie zufrieden und nimmt nach 10min Hochdrucksaugen auch die andere Brust nicht. Ist dann satt. (Wir kommen von 4x hintereinander beide Brüste leerziehen und damit einer Gesamtstilldauer von etwa 2h, zwischendurch mit Wickeln). Jeder, der das bisher gesehen hat sowohl Freunde und Familie als auch Profis wie Hebamme, Gyn und Stillberatung, hat gesagt: Oha, dass das weh tut, das glauben sie. Und dass das Energie abzieht auch. Merles Spitznamen wurden "Schnappschildkröte, weil sie so kräftig andockt und "Dyson". Ohne Saugkraftverlust. Haha.
Mein Bauchgefühl sagt: Weitermachen, bei uns dauert einfach alles länger. Und Merle trinkt einfach echt viel. Ich bin auch sehr schlank und muss SEHR viel essen, um mein Gewicht zu halten oder gar zuzunehmen. Ich futtere derzeit locker 4000kcal am Tag weg (habe getrackt) und mein Gewicht stagniert nun. Merle ist kerngesund. Kinderärztin ist sehr zufrieden mit ihr und wir waren auch bei der Osteopathin, um alles auszuschließen. Aussage der Osteopathin: "95% der Kinder, die hier hin kommen, haben eine Blockade. Ihres nicht." Sie ist auch spezialisiert auf Babys und Kleinkinder. Wir hatten ja ein bisschen auf Wunderheilung
Die Kinderärztin sagt allerdings zum so häufigen Stillen: Das ginge so nicht, das könne ja niemand durchhalten. Ich solle ihr mal was anderes anbieten als die Brust und immer weiter rauszögern.
Ich kann versichern: das tun wir. Ich lege sie an, wenn sie mit dem Kopf sucht oder die Faust im Mund hat. Der Übergang zum Hungerrufen ist nämlich extrem kurz. Vielleicht so... 2 Minuten? Ich trage sie, ich mache Fingerspiele, zeige ihr die Welt aus dem Fenster, wir singen, tanzen,... you name it. Einfach ablegen und fertig war bei ihr noch nie. Wir sind dabei immer ruhig und freundlich. Dass wir mal hektisch oder genervt geworden wären, ist echt selten. Macht es wenn auch definitiv nicht besser.
Rauszögern über das Schreien hinaus ist nicht möglich. Nicht bei Hungerschreien. Warum sollte sie sich da auch beruhigen lassen mit Spielzeug oder tragen? Hat ja Durst. Bei anderem Gequengel (Langeweile, Pipi o.ä.) lässt sie sich ja auch nicht durch die Brust beruhigen, sondern nur durch das, was ihr eben fehlt.
Was noch...? Also den Tipp, dass Papa bzw. jemanderes allgemein sie nehmen soll, um sich mit ihr zu beschäftigen und damit die Intervalle rauszuzögern, den haben wir schon bekommen und ausprobiert. Im Sinne von: Ich rieche eben nach Milch, bei mir will sie dann ran. Nö. Bei ihm wird genauso emsig nach der Brust gesucht und bei Nichterfolg dann auch geschrien. Daran liegt es also nicht. Sie hat also wohl wirklich Durst/Hunger. Ich werde auch nicht als Nuckel gebraucht, das macht sie nur beim Einschlafen und das finde ich voll ok. Da schlafe ich dann auch oder lese.
Was wäre noch interessant? Ach ja. Sie trinkt effektiv. Das merke ich allein schon daran wieviel Pipi und Kacka sie macht. Trotz abhalten (da sieht man die Mengen ja auch schön) noch etwa 6 volle Windeln am Tag. Und zwar voll voll. Erfolgreiches abhalten... ich zähle das alles nicht, sonst würde ich irre, hab ich anfangs gemacht... aber so etwa 8-10x am Tag. Öfter, weil nicht immer was kommt, dann mag Merle auch einfach nur ihre Füße betrachten.
Man hört auch beim Schlucken, dass sie da viel Milch hat. Klingt mittlerweile genauso "nass" wie zu Zufütterungszeiten am Fläschchen und da lief es ja so ins Kind, quasi...
Soooo... Ja. Also meine empfindlichen Brustwarzen sind okay, Zufüttern erledigt, Stillhütchen weg, kein Problem mit Saugverwirrung, Stillintervalle schon deutlich besser aber immer noch sehr dicht. Ich bin nicht so weit gekommen, um jetzt die Flinte ins Korn zu werfen, nur weil es immer noch so anstrengend ist. Die härteste Zeit haben wir gepackt. Ich würde mir nur einfach so wünschen, dass ich unsere Stillbeziehung wirklich genießen könnte. Ab und an bekomme ich eine Idee davon, wie schön es sein könnte. Aber meist macht es mich einfach müde.
Frage also schlussendlich: Kann ich noch irgendwas machen, damit wir zumindest mal so auf alle 2h kommen?
Ist okay für mich, dass sie so oft an mir hängt und auch, dass ich nur mit ihr das Haus verlassen kann. Aber ich bin körperlich ganz schön arg gefordert durch den wenigen Schlaf und so häufiges Stillen. Ich merke, dass mein Körper massiv arbeitet, um die Milch bereitzustellen. Fühlt sich - blöder Vergleich - ein bisschen an wie Durchfall haben. Da geht auch so viel Energie bei ab.
Wenn ihr hier auch sagt: Nun, jedes Kind ist anderes, deins trinkt einfach offensichtlich viel, ihr geht es ja sonst quietschfidel gut und ärztlich ist auch alles abgesichtert, nun, dann sei es so.
Aber ich mag einmal fragen, weil es eben doch wirklich super anstrengend ist und ich nicht in einem halben Jahr oder so herausfinden mag, dass ich es uns (mir) doch hätte leichter machen können.
Was mir vorgeschlagen wurde, was ich aber irgendwie nicht nachvollziehen kann (und deshalb auch nicht gemacht habe):
Von der Gyn oder der Kinderärztin eine elektrische Milchpumpe verschreiben lassen, damit beide Brüste gleichzeitig leerpumpen und das dann auf einmal in das Kind per Fläschchen. Das würde dann schneller gehen. Verstehe ich nicht. Merle ist ja nach einer Brust satt und wenn die Pumpe noch effektiver zieht als meine Tochter, dann werde ich am Stück in das Gerät gesaugt.
Derzeit sehne ich die Beikostphase herbei, denn jede Kalorie, die in Merle reingeht, ohne vorher durch mich durch zu müssen, entlastet mich. Würden wir wenigstens seltener (dafür mehr auf einmal) stillen, könnte ich zwischendurch vielleicht besser erholen so mein rosaroter Traum.
Ich erwarte keine Wunderlösung. Bestätigung ("War bei uns auch so!" denn bisher kenne ich da niemanden sondern immer nur Mütter die etwas entsetzt oder bestenfalls mitfühlend gucken bei der Schidlerung) reicht mir völlig oder wenn es noch den einen oder anderen Kniff oder Trick geben könnte, nehme ich den auch. Unnötig zu sagen, dass ich literweise Stilltee trinke, Stillkugeln, Nüsse, Datteln, Bockshornklee und genrell sehr hochkalorisch esse, vermute ich.
Vielen Dank fürs Lesen, Sorry für so viel Text... hab 20h gebraucht, um ihn zu schreiben. *Hust* Musste stillen zwischendurch. Und schlafen und so.
Liebe Grüße, Heike mit Merle