Ballengänger hat geschrieben:Ob es Brosius geholfen hat? Wahrscheinlich nehr als nur Fast Food mit viel zu viel unnatürlichen Zucker.
Aber hatte er wirklich "metastasierenden Lungenkrebs im Endstadium", wie er es im Fernsehen behauptet und in seinem Buch schreibt, das Spitzenplätze in der Amazon-Bestsellerliste zum Thema Krebs erreicht? Nein, sagt sein Hausarzt. Den aggressivsten, den es gibt? Wieder nein. Er zeigt die Diagnose aus dem Jahr 2006: großzelliges Bronchialkarzinom. Häufig bildet diese Lungenkrebs-Art Metastasen an Leber, Gehirn und Knochen. "Brosius aber hatte Glück, nur zwei Lymphknoten waren befallen, die wurden entfernt."
Und:
Ein entscheidendes Wort sei falsch in Brosius' Erzählung. Er sei nicht im Endstadium, sondern in einem deutlich früheren Stadium seiner Krebserkrankung gewesen, er hatte ein lokal fortgeschrittenes Lungenkarzinom, sagt Rudolf Hatz. "Es war die Operation, die ihn geheilt hat. Punkt. Kein Zweifel." Hätte er wirklich Lungenkrebs im Endstadium gehabt, so der Chirurg weiter, wäre die OP gar nicht möglich gewesen. Wir holen eine Zweitmeinung von Professor Thorsten Walles ein, Thoraxchirurg am Universitätsklinikum Würzburg. Der bestätigt: "Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Patient dieses Tumorstadium überlebt, das war also keine Wunderheilung." Studiendaten, die er uns vorlegt, zeigen: Mehr als jeder vierte Lungenkrebspatient im "Stadium III A" überlebt die entscheidenden fünf Jahre nach Diagnosestellung. Brosius hatte also einen günstigen Verlauf. Seine Wildkräuter mögen gesund sein, entscheidend aber war die OP. Dass Brosius hinterher die Chemotherapie verweigert habe, falle hier nicht ins Gewicht, deren Einfluss auf die Heilung sei bei dieser Krebsart oft gering. Dass Brosius jetzt nachweislich angreifbare Fakten zu seiner Heilungsgeschichte verbreitet und daraus ein Geschäft macht? "Scharlatanerie", findet Professor Walles.
Aus dem hier mehrfach angeführten link.
Es bestreitet wahrscheinlich niemand, dass zuviel Zucker generell ungesund ist, dass gesunde Ernährung ganz viel Wertigkeit hat und sich positiv auswirkt, aber anhand der Faktenlage ist vor allem deutlich zu ersehen, dass er ein Aufschneider ist- positiv formuliert. Und darum geht es. Nicht um das Abwerten von gesunder Ernährung an sich.
Wenn ihm grüne Smoothies geholfen haben, sich besser zu fühlen, dann ist das prima und erlaubt und es ist sicher auch nicht falsch, die Bedeutung der Ernährung für den Menschen immer wieder zu bedenken, aber ein spekulatives darauf- hoffen, dass es ihm mehr geholfen habe als eine minderwertigere Ernährung, das ist einfach deplatziert. Vor allem, da es auch hier Frauen gibt, die von Krebs betroffen und gerade in Behandlung sind, die liebe Verwandte haben, die sie durch die schwere Zeit begleiten. Die liebe Menschen verloren haben. Da wirken hochnäsige Behauptungen a la:
"Es gibt solche, die den Weg verlassen haben und dafür gibt es dann eine sehr sehr schnelle Quittung: ein bisschen Cappuccino hier und ein bisschen Kuchen da – mit Krebs ist eben nicht zu spaßen."
so überheblich und verachtend, dass es schon beim Lesen schmerzt.
By the way:
Ballengänger hat geschrieben: Krebs lebt vom Zucker
. Auch das ist ja nicht so schwarz- weiß, wie es da geschrieben aussieht. Die Studienlage dazu ist noch vollkommen ungenügend und man weiß schlicht noch nichts genaueres darüber, ob Menschen, die viel Zucker konsumieren wirklich häufiger von Krebs betroffen sind. Man weiß wohl, dass Krebszellen aus Zucker Bausteine für neue Krebszellen gewinnen. Und das, im Labor, Krebszellen absterben, wenn man ihnen den Zucker entzieht, was aber nicht 1:1 auf den Menschen übertragbar ist, denn der Blutzuckerspiegel sinkt nicht auf null. Trotzdem ist es ein wichtiger Anhaltspunkt, der ja auch Möglichkeiten der Eigeninitiative bietet durch Ernährungsumstellung und dem Gefühl, sich damit etwas Gutes zu tun.
Es wird noch viel zu diesem Thema geforscht, aber alle Komplexität und alle Faktoren, lassen sich schlicht nicht auf 'Krebs lebt vom Zucker' reduzieren. Sachlich diskutieren geht anders. Wenn es tendenziös sein soll, dann passt es so natürlich prima.