Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Serafin
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von Serafin »

Ich finde es absolut in Ordnung, bewusst nicht zu stillen oder früh abzustillen.

Was ich nicht in Ordnung finde, ist die Informationsweitergabe.
Ich denke, es muss wirklich ganz klar kommuniziert werden, stillen ist die Norm, Flasche ist eine schlechte Alternative. Auch die Nachteile der Flasche. Ich kann mich nicht informiert entscheiden, wenn mir Nachteile oder auch Vorteile aus Gründen falscher Rücksichtnahme vorenthalten werden.
Es muss eine deutlich bessere Unterstützung der Frauen geben, egal in welche Richtung. Weder zum stillen drängen noch zum abstillen. Und wenn eine Frau stillen möchte und Probleme hat, soll sie wirklich absolut kompetente Beratung erhalten.
Auch über die natürliche Länge der Stillzeit und das natürliche Verhalten eines Neugeborenen sollte klar berichtet werden.
Ebenso wie über eine schöne und erfüllte Stillzeit mit der Verwendung des BES.
Auch über die anstrendenden Seiten des Stillens (NÄchte können nicht geteilt werden etc).
kleiner Maulwurf 12/15
kleiner Schildkröterich 05/19
Lösche Benutzer 21900

Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von Lösche Benutzer 21900 »

nido56 hat geschrieben:Und hier sehe ich ein grosses Problem: Weil so viele Frauen sich nicht trauen, zuzugeben, dass sie freiwillig abgestillt haben, und behaupten, nicht stillen zu koennen, ergibt sich das Bild, dass Stillen etwas sehr Kompliziertes ist, das nur in den wenigsten Faellen problemlos gelingt. Das wiederum fuehrt dazu, dass auch viele Frauen, die eigentlich gerne stillen wuerden, schon im Vorfeld Angst bekommen und dann auch schnell aufgeben, wenn es nicht gleich 100% rund laeuft.
Absolut! Mein Milcheinschuss kam wegen des Kaiserschnittes erst am 6. Tag! Was hatte ich eine Panik, dass meine Milch nicht reicht. Schließlich scheint das ja oft der Fall zu sein.
Geholfen hat mir meine Hebamme im Krankenhaus, die mir sagte, zu wenig Milch tritt bei nur 3-5% der Frauen auf, und natürlich das Stillforum hier.
Das Bild war für mich echt total verzerrt!
Carlotta
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von Carlotta »

Serafin und Nido, das finde ich absolut richtig. Wie ihr denke ich ganz oft, dass Frauen nicht zugeben wollen, nicht stillen zu wollen und dann Gründe vorschieben. Von daher denke ich schon dass es einen Druck in Richtung Stillen wollen gibt.
Und richtige Informationen, ja da sagst du was. ich finde da beides wichtig, leider machen da beide Lager viele Fehler. Und das verhärtet leider eher die Fronten als dass es wirklich hilft!
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seelenkind
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von seelenkind »

So sehr ich Nora sonst für ihren "Jeder, wie er mag"-Ansatz schätze- diesen Artikel finde ich sehr unangenehm zu lesen. Außerdem fehlt mir der Hinweis darauf, dass man mit der Flasche auch stillähnlich füttern kann. Ich komme gerade nicht darauf, wie man das nennt, aber ich denke, ihr wisst was ich meine- Flasche möglichst waagerecht, Baby nah beim Erwachsenen, Baby nicht mit der Flasche allein lassen usw.
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FloppyDisc
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Re: RE: Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von FloppyDisc »

chennai hat geschrieben: Letztlich stört mich also, dass die Nazivergleiche nur so oberflächlich angebracht sind und daher wirklich wie 'die Nazi-Keule' funktionieren. Eine wirkliche Untersuchung, ob die Mütterolympiade in Deutschland anders ist als in anderen Ländern, ob da evtl. die Geschichte mit reinspielt, wie sich das vor und direkt nach der NAzizeit entwickelte, das wäre sicher interessant, wird aber in diesem Artikel nicht geleistet, und von daher sind die Vergleiche für mich deplatziert.
Besonders irritiert mich, dass in dem Artikel zwar die "Pflicht zur Flasche" in den 60ern/70ern erwähnt wird, aber keinerlei Erklärung dazu erfolgt, warum dann gerade die heutige "Stillpflicht" auf die Nazizeit zurück zu führen sein soll.

Ich habe mich persönlich auch sehr unter Druck gesetzt zu stillen. Mir ist natürlich auch klar, dass Muttermilch das Beste für mein Kind ist, stillen wollte und will ich jedoch aus dem völlig egoistischen Grund, dass es das Einzige ist, wo ich als Mutter eine einzigartige Position einnehme und damit eine ganz spezielle Bindung zu meinem Kind aufbauen kann. Nachdem ich schon durch den Kaiserschnitt nicht das Gefühl hatte, mein Kind auf die Welt gebracht zu haben, so wollte ich unbedingt stillen, um mich richtig als Mutter zu fühlen. In meiner Umgebung gibt es mehr Kaiserschnittkinder als Vaginalgeburten und etwa so viele Flaschenkinder wie Stillkinder. Es wäre damit also auch bei mir beides akzeptiert worden. Den Druck habe ich mir ganz allein gemacht.

Was meines Erachtens in dem Artikel Erwähnung finden sollte, ist dass der "Stilldruck" nach den ersten sechs Monaten dem Abstilldruck nach Breifahrplan weicht, der nach meinem Wissen ebenfalls bereits in der Nazizeit existierte. Das scheint für die Autorin aber wohl in Ordnung zu sein [emoji6]

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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von MaMa »

Was Maja schrieb finde ich absolut unterstreichenswert.
Auch chennai schreibt ja Ähnliches.
Dieses konsequente Zurückstecken, wenn es nötig/geboten ist, auch wenn es vielleicht manchmal einfacher gelingt und manchmal nicht - das ist schon ein großer Punkt. Wenn man Eltern wird ganz allgemein, aber auch zum Thema Stillen.
Endlich kann auch mal der Papa (nachts?) ran - endlich kann ich ausgehen - endlich kann das Kleine zur Oma (die sich mit Flasche ggf dann sicherer fühlt?) - endlich muss ich nicht mehr 'auspacken' - diese vielen "Endlich-Beispiele" habe ich jetzt alle schon (und noch einige mehr) in den letzten Monaten gebetsmühlenartig aus verschiedenen Ecken gehört. Und auch aus Ecken, aus denen ich sie nicht vermutet hätte ....

Soda, toll, wie natürlich du damit umgehst!!
Genau das sollte sich meiner Meinung nach such durchsetzen. Ein natürlicher, ungezwungener Umgang mit stillenden Müttern und Kindern.
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von MaMa »

Oh und was nido schreibt, dass viele Frauen sich das nicht trauen, offen zu kommunizieren, dass sie nicht mehr stillen wollten.... das glaube ich auch.
Also doch eigentlich Druck, dass stillen "richtiger" wäre ..... mhm [emoji52] in meinem Umfeld sind auch Mütter mit zu wenig Milch und selbst abgestillten Kindern.
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IdieNubren
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von IdieNubren »

Das mit den "Ausreden" ist so ne Sache. Wenn die Frau selbst dran glaubt ("zu wenig Milch" "Kind selbst abgestillt") dann finde ich das traurig und schade, denn die Wahrscheinlichkeit dass sie bei einem zweiten Kind wieder stillt, sinkt meiner Meinung nach dadurch (so ein mühsamer Start für nur ein paar Wochen/Monate?). Stillen muss ja auch nicht so starr und unflexibel sein, hier im Forum habe ich gelernt, dass stillen die Mutter nicht an Haus und Herd fesselt. Das hat sich aber im allgemeine Gedankengut noch nicht durch gesetzt.

Wenn aber jemand nicht so gern stillt, es aber dennoch tut (oder zumindest versucht) weil es da beste ist und "man halt heutzutage eben so macht" und dann nach 3-4 Monaten abstillt, dann finde ich das dennoch beachtenswert. Das dieser jemand nicht jedem die wahren Gründe verrät (noch weniger einer Mutter die noch stillt) sondern sich lieber einer Notlüge bedient, finde ich auch veständlich (tue ich bei anderen Themen auch) ist zwar nicht ehrlich und vermittelt oft ein falsches Bild aber für den Eigenschutz manchmal wichtig.

Abschätzige Blicke Richtung Flasche kenne ich nicht, aber die abschätzigen und wertenden Kommentare zum noch-stillen (:roll:). Ich kenne übrigens alle Fälle, abgestillt im Kreissaal, gar keine Milch, wenig Milch, 1. Kind gestillt, zweites nicht, erstes Kind Flasche, 2.kind gestillt ...
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von Totoli »

Ich könnte hier alle bisherigen Beiträge nur zustimmend nickend kommentieren und habe beim Lesen immerzu gedacht " okay, dass hätte ich auch so geschrieben " :-D um also nicht vieles zu wiederholen und aus Mangel an Zeit, möchte ich kurz noch meine Erfahrungen mit euch teilen.

Ich Blicke auf eine stillzeit zurück und bin bei einer mitten dabei und das einzige was mir tatsächlichen Druck gemacht hat zu stillen, war mein eigener Instinkt und der eigene Ehrgeiz das unbedingt für meine Kinder machen zu wollen. Dieses "Pflichtgefühl" und Mangel an Austausch und positiven Feedback, Stillvorbildern und diese " Abstillbreikost"Mühle haben mich in der ersten stillzeit schon ziemlich überfordert und nach knapp einem Jahr, war ich sehr froh" es geschafft zu haben " weil ich tatsächlich dachte, dass 1 Jahr doch wirklich mal reichen muss und dieses eingepflanzte Gefühl von " Es ist etwas verwerfliches so lange zu stillen " ganz präsent hatte. Ich bin auch sehr empfänglich für unterschwellige Botschaften usw, so dass ich mir einmal mehr Sachen zu Herzen nahm. Heute stehe ich über viel mehr.

Also " stillen ja bitte - aber bitte so knapp wie nötig um dann rasch Mahlzeiten zu ersetzen ", dass finde ich eher als NS Erziehungsstil a la Johanna Harmer, als das es eine " Stillpflicht" gäbe. Alles streng nach Plan und Uhr und wenn man in die Vergangenheit guckt, versteht man warum"Die Deutschen" für alles einen Plan brauchen. Warum das eigene Vertrauen fehlt und ml Angaben und leere Fläschchen eben manche so viel mehr beruhigen als es 2 "leergezutschte" Brüste und eine satte Muttermilchschnutte es jemals könnten. Wir fangen teilweise erst an wieder auf unser Gefühl zu hören und durch gewisse Bestärkungen von diesem Plan abzuweichen. Es braucht eine Idee und aus dieser Idee können viele Sachen reifen, zb eben auch die beikostsache. Ich habe mich die letzten Wochen immer wieder mit blw beschäftigt, in der Schwangerschaft schon was dazu gelesen, aber einen Plan gab es dort eben nicht, ich musste umdenken und eine Idee haben, wie ich es selbstverständlich ins Familienleben integriere.
Ich muss gestehen, dass es in mir auch mit den Augen rollt, wenn jemand nicht mal versucht zu stillen, trotzdem habe ich - wie gesagt- stets nur den selbstgemachten Druck und den abstillbeikostdruck erlebt.

Es fehlt wirklich massivst an Informationen und es grasieren so viele Mythen rund ums Thema Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit, dass es dennoch nicht verwundert, dass es eben doch noch so viele mit zu wenig Milch und selbstabgestillten Babys gibt.
Ich hoffe, das war jetzt nicht zu wirr.
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von miss_undercover »

Huhu, ich wusste doch, dass mein Artikel hier diskutiert werden würde - auf das SuT ist Verlass [emoji16][emoji16][emoji16]

Zwei kurze Hinweise möchte ich da lassen:

1. Ich gehe explizit darauf ein, wie das Flasche füttern besonders bindungsfreundlich verlaufen kann (Info-Box: Geborgene Flaschenbabys)

2. Ich habe keine 'Nazi-Keule' ausgepackt, sondern nachgezeichnet, dass die Haarer'sche Härte Babys gegenüber heute zurecht in Verruf geraten ist, die Müttern gegenüber jedoch immer noch existiert. Dabei geht es nicht nur ums Stillen oder Nichtstillen, sondern darum, dass in D nach wie vor der Gedanke weit verbreitet ist, dass eine (werdende) Mutter nicht das Recht hat, frei über ihren eigenen Körper zu entscheiden.

Dass stillende Mütter auch diskriminiert werden, stimmt, und ist mal ein Thema für einen eigenen Artikel. Dass es in diesem Text um den Stilldruck - und nicht um den ebenso schlimmen Abstill-Druck - gehen sollte, war eine Vorgabe der Redaktion.

Liebe Grüße
Nora


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