Mittelalterliche Gewandung für die Familie

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Myeskathry
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Re: Mittelalterliche Gewandung für die Familie

Beitrag von Myeskathry »

Also entweder du setzt rechts und Links zwei trapetzförmige schmale Geren unter den Achseln ein, oben so 2 cm + Nahtzugabe und unten vielleicht 5 - 10 cm. Dafür müsstest du aber auch die Ärmel noch mal abtrennen. Dann würde es wohl passen.
Oder du nähst die Ärmel etwas kürzer und vom Handgelenk aus trapetzförmig zur Achsel ab, ohne diesen Bereich noch mal anzutasten, dann hast du was für deine kleine Tochter. Der Umfang am Handgelenk sollte dann noch locker über die Hand gehen.
Liebe Grüße
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amantedealmeria
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Re: Mittelalterliche Gewandung für die Familie

Beitrag von amantedealmeria »

Ja, irgendwie so...werd da morgen wohl mal basteln.

Jetzt hab ich meinen Plan für mich nochmal umgeworfen und es sollte doch lieber was mit Schlupfärmeln werden (die Ärmel beim Unterkleid sind grenzwertig, wäre schön, wenn man die nicht unbedingt sieht)...tadaaaaaa, der Stoff reicht nicht. Andersfarbige Geren sind blöd, oder? Ich hab roten Stoff und hätte den gleichen Stoff noch in braun da (der vom Kinderbild auch).
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Myeskathry
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Re: Mittelalterliche Gewandung für die Familie

Beitrag von Myeskathry »

Andersfarbige Geren hat was von Mi-Parti. Das ist aber eher eine Variante um die Zugehörigkeit zu einem Ritter oder anderen Adligen zu zeigen. Ich kann mir eine solche Mischung von Stoffen auch bei Stoffknappheit in den unteren Schichten Vorstellen. Man hat schließlich das genutzt, was man hatte. Ich weiß aber leider keinen Beleg dazu. Das wären dann umfangreichere Recherchen. Die könnte man sich ans Bein binden, wenn es um wertvolleren Wollstoff oder noch hochwertigeres Material geht.
Vom optischen her sieht das sicherlich schon nett aus.... dann würde ich aber vier Geren an den Seiten, vorne und hinten verteilen. Oder du nähst richtig Mi-Parti, also Hälfte-Hälfte, falls die Stoffe dafür reichen? Aber dafür scheint mir braun eher eine ungeeignete Farbe. Das wirkt doch eher einfach, als wie der Farbcode eines Ritters....

Ich würde an deiner Stelle wahrscheinlich die andersfarbigen Geren wählen.
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Louet
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Re: Mittelalterliche Gewandung für die Familie

Beitrag von Louet »

Hallo in die Runde!

Also zur Frage, was "geht" und was nicht, halte ich mich mal ganz vornehm zurück ;-) ich bin sehr in der A-Ecke unterwegs (A wie Authentisch, das sind die ganz pingeligen :mrgreen: ) und ich setze da gaanz andere Maßstäbe ;-)
Zur Stilltauglichkeit: Das kommt auf mich im nächsten Jahr ja auch zu: zu Saisonbeginn im April/Mai ist die kleine Raupe ja erst 3-4 Monate alt!
Ich bin noch am recherchieren, leider gibt es für meine Zeit (um 1250) nicht allzuviele Abbildungen und wenn, dann lässt sich die Konstruktion nicht so richtig nachvollziehen.
Meine Überlegungen gehen aber in die Richtung, die Myeskathry angesprochen hat: Cotte mit Schlupfärmeln und die unterm Arm schön tief ausgeschnitten. Das Unterkleid werde ich wahrscheinlich vorne tief runter schlitzen und den Schlitz dann schnüren. Das muss ich aber erst ausprobieren, ob das wirklich klappt.

Achtung, Verwechslungsgefahr: Schlupfärmel sind nicht das gleiche wie Höllenfenster. Eigentlich sogar ganz im Gegenteil ;-)
Bei ersteren werden die Ärmel nur hinten am Kleid angenäht, so dass man rausschlüpfen kann und die Ärmel dann leer am Rücken hängen. Das ist besonders für arbeitende Frauen praktisch, weil man die empfindlichere Wolle von Dreckarbeiten fernhält und maximal die Unterkleidärmel einsaut, aber die sind ja aus Leinen, die kann man besser waschen. Außerdem ist es im Sommer angenehm, nicht so lange Ärmel anzuhaben.
Auf Abbildungen sieht man diese Art Kleider bei arbeitenden Frauen und auffällig oft bei Hebammen. Ich habe solche Ärmel an meinem einfachen Arbeitskleid dran
Guck mal, hier siehst du das Kleid einmal mit angezogenen und einmal mit ausgezogenen Ärmeln:
https://diehandmaid.files.wordpress.com ... 080765.jpg
https://farm9.staticflickr.com/8833/173 ... e6f191.jpg

Ein Höllenfensterkleid hingegen hat erst gar keine Ärmel ;-) Es handelt sich um einen so genannten Surcot, also ein Kleidungsstück, dass noch über dem eigentlichen Kleid getragen wird. Gerne mit bombastischen Saumweiten und äußerst schick aber auch äußerst unpraktisch ;-) Das ist also tatsächlich ein Kleidungsstück für den Adel und ein äußerst repräsentatives dazu.
Das hat aber mit stilltauglichkeit leider gar nix zu tun, weil noch das eigentliche Kleid (die Cotte) und das Unterkleid zwischen Brust und Kind liegen ;-) Das dürfte der adligen Dame aber herzlich wurscht gewesen sein, denn in den meisten Fällen wird die nicht selbst gestillt haben. ;-)
Hier die junge Dame rechts trägt einen (wenn ich das so sagen darf -rattenscharfen-) Höllenfenster Surcot :
https://de.pinterest.com/pin/404057397794427595/
Da kriegt man doch glatt noch mal Lust auf ne Hochadelsdarstellung *hüstel* :mrgreen:

Und Myeskathry: nein, gar kein Problem, du darfst mich sehr gerne verlinken! :-)

Habe ich jetzt für genügend Verwirrung gesorgt? Oder sind noch Fragen? :lol:
Bild




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amantedealmeria
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Re: Mittelalterliche Gewandung für die Familie

Beitrag von amantedealmeria »

Dass Höllenfenster und Schlupfärmel was ganz anderes sind, hab ich schon verstanden! Deshalb reichte der Stoff auch fast nicht aus ;)
Ich hab heut und gesteen so vor mich hingenäht (und geschummelt und improvisiert ohne Ende) und bin für mich fast fertig. Aaaaaber: Wenn ihr von großen Armlöchern redet, sind dann nur die Armausschnitte sehr groß, oder auch die Ärmel oben?

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Louet
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Re: Mittelalterliche Gewandung für die Familie

Beitrag von Louet »

Ach sorry, da habe ich whl etwas oberflächlich gelesen! :oops:

Ich habe damals bei meinen Ärmeln so lange rumprobiert, bis die Ausschnitte groß genug waren, dass ich mit den Armen gut rein und raus komme, ohne mir die Schulter auszukugeln ;-).
Wenn ich das Kleid jetzt auf stilltauglich pimpen werde, dann denk ich, dass ich einfach die Naht unter dem Arm, wo Vorder- und Rückenbahn aufeinandertreffen ein Stück auftrennen werde. An der Öffnung so wie an den Ärmeln werde ich also gar nichts wirklich ändern.
Aber wie gesagt: bisher alles graue Theorie, ich muss das erst mal austesten.
Allerdings scheint es zu funktionieren! Gabriele Klostermann hat hier etwas darüber geschrieben (ganz unten), dass sie eine ähnliche Konstruktion wohl ausprobiert und für praktikabel befunden hat. Und sie liefert auch gleich Abbildungen als Beleg! :-)
http://www.gewandung.de/mode_gewandform ... iges.shtml
Bild




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amantedealmeria
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Re: Mittelalterliche Gewandung für die Familie

Beitrag von amantedealmeria »

Das hab ich schon gelesen, aber bei dem Bild sieht man leider nicht wirklich, wie groß die Öffnung ist. Aber nur die Öffnung vergrößern, indem man die Naht auftrennt, scheint mir gut, den Ärmel vergrößern geht nicht mehr, bin dank puzzlen grad noch so hingekommen mit dem Stoff und musste die Ärmel vorhin nochmalnstückeln, weil sie minimal zu eng waren mit Unterkleid drunter.
Ich zeig dann nachher mal mein Erstlingswerk. Mein Mann muss mir beim Saum abstecken noch helfen. Knapp überm Boden müsste passen als Länge, oder?

Das Kinderteil werd ich für die Lütte anpassen und der Große kriegt was deutlich größeres. Das ist mir sonst zu viel Stückelei.

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Louet
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Re: Mittelalterliche Gewandung für die Familie

Beitrag von Louet »

Zur Rocklänge: Ja, so, dass er mindestens auf den Schuhen aufliegt. Achtung: Zum Abstecken Unterkleid mit anziehen und den BH, den dazu tragen (oder auch nicht tragen) willst und einen Gürtel ummachen. Das frisst sonst alles Länge ;-)
Ich weiß grad nicht, ob du eine erfahrene Näherin bist, dann ist das ja Eulen nach Athen tragen, aber ich hab da am Anfang nicht drüber nachgedacht und endete fast mit einem Hochwasserkleid :mrgreen:
Bild




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amantedealmeria
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Re: Mittelalterliche Gewandung für die Familie

Beitrag von amantedealmeria »

Jain, ich nähe seit ca. 2 Jahren, aber zu 80% Jersey, also gar nicht mal so erfahren und ich hätte an alles nicht gedacht ;)

von unterwegs gesendet
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Re: Mittelalterliche Gewandung für die Familie

Beitrag von Myeskathry »

Super, danke Louet. Besagte Seite zum Schlupfätmelstillen hatte ich schon mal (vor zwei Jahren?) gelesen, aber jetzt nicht gewusst, wo suchen. Ich gehöre zu denen, die zwar auch auf Authentizität streben, aber Anfängern eine gewisse Schnupperzeit zugestehen. Und ganz ehrlich, finde ich auf "Mittelalter"märkten Bettlakenkleider nach historischen Schnittmetoden auch um Welten besser als Leon*ardo Car*bone. Aber ich verstehe, wenn du aus deiner Position nichts sagen willst, was geht und was nicht. Bewegt sich ja momentan noch eher in der Verkleideecke. Wir sprechen ja auch nicht von Museumsbelebung :wink: .
Diu Minnezit sind der Wahnsinn! Da staune ich auch immer wieder gerne. Ich fürchte für so nen Hochadel fehlt uns einfach das Geld. Aber es gab ja eh nicht so viele Adlige. Allein der Stoff: Seidensamt/Seidendamast/Seidenbrokat.... und davon dann mal eben ca. 4 m. Und das ganze Zubehör, etc.
Naja, wenn ich zu viel Geld hätte, würde ich ende 12. Jh machen und mir ein Seidendamastbliaut nähen mit allem Pipapo. *Träum*

Momentan überlegen wir aber in welche Richtung wir uns als Familie weiterentwickeln wollen. 1400 machen wir ja eher zufällig und sind da als Handwerkerfamilie Kleidertechnisch ganz gut dabei. Aber das reicht uns irgendwie nicht. Mein Liebster mag Maciejowski, oder thüringer Landgrafen, würde sich aber wohl auch für Ende 12. Jh begeistern lassen. Das wäre so meins irgendwie....
Jetzt mag ich mir auch mal ein neues Kleid nähen, das soll ebenfalls stilltauglich sein, weil Möhrchen noch stillt und wir mit zwei Kindern auch nur ne Pause machen - ein drittes soll es schon noch sein. Aber ich finde für ca. 1180 nichts stilltaugliches für Mittelschicht und Schlupfärmel scheint es da noch nicht gegeben zu haben. :(
Was mach ich denn nur? Dabei haben wir gerade am Sonntag eine Gruppe kennen gelernt, die zwar nicht sehr nahe bei uns Zuhause ist, dafür alle meine Ansprüche voll erfüllt und 1180 macht.....
Liebe Grüße
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