Guter Stillbeginn trotz Abpumpens möglich? - Tipps gesucht!!

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teresa2013
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Guter Stillbeginn trotz Abpumpens möglich? - Tipps gesucht!!

Beitrag von teresa2013 »

Hallo Ihr Lieben,
ich bin mit dem 2. Kind in der 37. SSW und wünsche mir sehr, dieses stillen zu können. Bei meiner älteren Tochter hat es damals leider nicht geklappt und ich möchte möglichst nicht die gleichen Fehler wiederholen. Bei uns besteht aufgrund einer AB0-Blutgruppenunverträglichkeit ein erhöhtes Risiko für eine stark ausgeprägte Neugeborenengelbsucht. Meine heute 2jährige Tochter musste damals über 7 Tage immer wieder für 12 h unters Fotolicht und wurde in dieser Zeit bereits stark zugefüttert (weil bei mir nichts kam), da über den Stoffwechsel das Bilirubin ausgeschieden werden sollte. Falls es wieder so kommt, möchte ich vorbereitet sein und würde mich freuen, wenn Ihr mir Tipps geben könntet, wie das Stillen trotzdem klappen kann. Hier der Reihe nach die Probleme von damals:
1. Die Kleine wurde mir direkt nach der (spontanen) Geburt angelegt, allerdings hatte ich nicht den Eindruck, dass irgendetwas (Kolostrum) aus der Brust gekommen ist.
2. Ab dem Tag nach der Geburt war die Kleine abwechselnd 12 h unter der Fotolichttherapie und 12 h bei mir. Sie war die ganze Zeit über extrem schläfrig.
3. Ich habe sie zwar ca. alle 2 - 3 h angelegt, wenn sie bei mir war, aber sie hat aufgrund der Schläfrigkeit nicht gut gesaugt. Ich hatte nicht den Eindruck, dass schon Milch aus der Brust kommt.
4. Wenn sie weg war, habe ich gepumpt, aber wahrscheinlich nicht so oft, wie es nötig gewesen wäre (ca. alle 3-4 h). Außerdem hat man mir damals geraten, immer nur einseitig wechselseitig zu pumpen für jeweils 2 - 5 und 7 Minuten. Erst viel später habe ich gelesen, dass doppelseitiges Pumpen viel effektiver ist.
5. Grundsätzlich habe ich auch nachts gepumpt, das war aber schwierig, weil ich völlig übermüdet war nach 2 Nächten ohne Schlaf (1. Nacht = Blasensprung, 2. Nacht = Geburt). Bin dabei immer wieder eingeschlafen.
6. Auf der Station gab es nur ca. 3 Pumpen, aber ungefähr doppelt so viele Frauen, die gepumpt haben, sodass man sich vor dem Pumpen immer erst eine Pumpe organisieren musste, was Zeit gekostet hat, vor allem nachts.
7. Generell war ich seelisch sehr mitgenommen, weil ich mir Sorgen wegen der Neugeborenengelbsucht gemacht habe und darunter gelitten habe, dass die Kleine nicht bei mir sein konnte.
8. Sie wurde ab dem Tag nach der Geburt zugefüttert. Ich fand das nicht besonders toll, aber angeblich war es notwendig, damit das extrem hohe Bilirubin schnell vom Körper abgebaut wird und Milch kam ja bei mir nicht...
9. Am 2. Tag nach der Geburt hatte ich offenbar den Milcheinschuss, denn ich hatte einen riesigen "Atombusen", der sogar mit Weißkohlblättern behandelt wurde. Trotzdem kam beim Pumpen nichts raus (habe mit einer Medela Symphony und Brusthauben Gr. M gepumpt).
10. Ca. 4 Tage nach der Geburt kam in der Klinik dann eine Stillberaterin vorbei und hat das richtige Anlegen etc. mit mir geübt, hat aber trotzdem nichts gebracht.
11. Ich habe übrigens sehr flache Brustwarzen (bei gleichzeitig großer Brust). Ich fand das richtige Anlegen damals sehr schwierig, kann das heute aber besser.
12. Zu Hause habe ich dann tags und nachts gepumpt und das Kind angelegt und außerdem Bockshornkleekapseln genommen. Hat aber alles nichts genutzt, aus der Brust kam fast nichts raus. Ich habe trotzdem noch fast 5 Monate so weitergemacht und die 20 ml oder so, die ich pro Tag gepumpt habe, verfüttert.

Was ich dieses Mal anders machen will, wenn das Kind wieder unters Fotolicht muss:
- In kürzeren Abständen (alle 2 h) pumpen
- doppelseitig pumpen (auf der Stufe kurz bevor es wehtut). Wie lange denn ungefähr? 10 min.?
- Ich überlege, mir eine Medela Freestyle zu kaufen und in die Klinik mitzunehmen. Ist zwar teuer, aber ich kann sie später ggf. wieder gebraucht verkaufen und bin dann unabhängig von den Pumpen in der Klinik.
- Möglichst gleich am Tag der Geburt darum bitten, dass eine Stillberaterin vorbeikommt. Für die Zeit danach habe ich in der Nähe unserer Wohnung bereits eine Stillberaterin bzw. einen Stilltreff ausfindig gemacht.
Was kann ich sonst noch tun?

Und wenn das Kind ausnahmsweise gesund ist, wie läuft es dann? Ca. alle 2 h anlegen? Bei jeder Stillmahlzeit beide Brüste oder einmal die eine und bei der nächsten Mahlzeit die andere? Wie lange sollte das Kind ungefähr angelegt werden?

Sorry für das lange Posting, hoffe sehr, Ihr könnt mir helfen! Es wäre wunderbar, dieses mal stillen zu können.

LG Teresa
reiskorn
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Re: Guter Stillbeginn trotz Abpumpens möglich? - Tipps gesuc

Beitrag von reiskorn »

Hallo.
Mein Sohn ist jetzt 14 Wochen und wir hatten auch einen schweren Start.

Nach der Geburt kam er mit Infekt auf die Intensivstation und wurde später auch gelb. Insgesamt waren wir 7 Tage in der Klinik, die letzte Nacht in einem Zimmer, davor auf verschiedenen Stationen!

Nach der Geburt habe ich ihn auch angelegt, obwohl eher nichts raus kam. In der Klinik wurde die medela Symphonie benutzt. Mir wurde gesagt insgesamt 8x täglich für 15 Minuten pro Seite!

Wir haben Stillversuche (mit wiegen) gemacht. Ebenfalls 15 Minuten und anschließend sollte ich noch 7-8 Minuten pro Seite nachpumpen.

Die Milchmenge entsprach selbst bei nur pumpen dem errechneten Soll.

Zu Hause war ich dann ängstlich, ohne genaue Waage und Überwachung. Kurz danach "durften" wir zum glück zum Kinderarzt, bei dem Gewicht und Blutwerte kontrolliert wurden. Ausserdem hatte ich eine tolle Nachsorgehebamme.

Zuerst haben wir das Stillhütchen, das uns in der Klinik empfohlen wurde weggelassen. Das war total anstrengend, da er eine beginnende saugverwirrung hatte.

Nachdem ich gesehen habe, dass er gut zunimmt und ich genug Milch habe, habe ich einfach beschlossen, es zu riskieren und nach dem anlegen nicht mehr zu pumpen. Falls er abgenommen hätte, hätte ich es schnell gemerkt, da wir eine Waage ausgeliehen hatten. War aber zum Glück nicht der Fall.

Die Pumpe und die Waage hatten wir ausgeliehen. Für die Pumpe gibt es vom Kinderarzt ein Rezept.

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frau schneider
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Re: Guter Stillbeginn trotz Abpumpens möglich? - Tipps gesuc

Beitrag von frau schneider »

hallo teresa,

du hast schon einiges dafür getan, dass es diesmal klappt mit dem stillen, indem du hindernisse von damals erkannt hast und dir wege suchst, sie diesmal zum umgehen.
wie du selbst herausgefunden hast, kamen bei euch zu den medizinischen gegebenheiten und der notwenigen therapie noch andere umstände dazu, die es dir schwer gemacht haben, z.b. dass sich viele mütter die pumpsets teilen mussten.
wirklich toll, dass du trotzdem so lange für deine tochter abgepumpt hast!!!

aber jetzt wollen wir den blick nach vorne richten. :D

wenn ein baby zur welt kommt, hat es einen sehr kleinen magen, wenige milliliter milch reichen also anfangs aus. schon in der schwangerschaft bildet die brust milch, das kolostrum. diese neugeborenenmilch ist reich an proteinen, vitaminen und mineralien. sie enthält viele antikörper und wirkt abführend. dadurch werden das mekonium und damit das bilirubin schneller ausgeschieden.

da ihr mit einer stark ausgeprägten neugeborenengelbsucht rechnet, könntest du noch in der schwangerschaft (ab jetzt :wink: ) damit anfangen, täglich 1-2 ml kolostrum zu gewinnen. das machst du mit einer brustmassage von hand. das kolostrum ziehst du in eine spritze auf, in der du es einfrieren und später direkt verfüttern kannst.
weitere infos dazu findest du in diesem thread.


es gibt ein paar dinge während/nach der geburt, die sich positiv auf deine künftige stillbeziehung auswirken:
- eine interventionsarme geburt.
- frühes anlegen, innerhalb der ersten 30 minuten nach der geburt, falls das kind möchte.
- ganz viel hautkontakt. also nacktes baby auf die nackte brust, decke über euch beide.
- ruhe und geborgenheit für mutter und kind, möglichst kein stress.
- regelmäßiges anlegen von anfang an (siehe unten) + regelmäßig pumpen, falls das nicht immer geht (photolichttherapie)
- falls nötig unbedingt stillfreundlich zufüttern, kolostrum direkt aus der spritze, muttermilch (und falls nötig pre) z.b. aus dem becher.

für den fall, dass eine photolichttherapie nötig ist:
- vor dem milcheinschuss weiterhin kolostrum von hand (!) gewinnen
(das entleeren der brust von hand ist ohnehin eine sehr nützliche fertigkeit)
- ab dem milcheinschuss solltest du die milchproduktion während der therapie regelmäßig anregen; wenn du gut zurecht kommst von hand, ansonsten mit einer milchpumpe.
tipps zum pumpen findest du hier.
- auch abgepumpte milch stillfreundlich füttern.
sollte in der ersten zeit auch ein zufüttern von pre nötig sein, so ist das vorübergehend. behalte im hinterkopf, dass die milchmenge beim pumpen nichts über die tatsächliche milchmenge aussagt.

wenn dein baby bei dir bleiben kann (was ich euch wünsche), wären das meine tipps:
- auf erste hungerzeichen reagieren, baby anlegen
- gegebenenfalls auch wecken um auf 10-12 stillmahlzeiten in 24 stunden zu kommen
- ansonsten stillen nach bedarf
- auf bequeme stillposition achten
- auf korrektes anlegen achten
- beide seiten anbieten und wechseln, wenn die intensität des saugens merklich nachlässt

kannst du damit etwas anfangen?

glg vom see
frau schneider (mod-team stillberatung)
teresa2013
hat viel zu erzählen
Beiträge: 158
Registriert: 10.12.2013, 18:31

Re: Guter Stillbeginn trotz Abpumpens möglich? - Tipps gesuc

Beitrag von teresa2013 »

Hallo frau schneider,

herzlichen Dank für die Antwort :-). Ich wollte das mit der Brustmassage zur Gewinnung des Kolostrums ausprobieren und habe mir die Links angescvhaut. Ich bin aber verwirrt von der Vielzahl der Massagetechniken. Es gibt dort Massagetechniken nach Marmet, Plata Rueda und oxytocinstiegernde Massage. Welches ist denn die richtige Technik zur Gewinnung von Kolostrum schon in der Schwangerschaft?

Herzlichen Dank!!

Viele Grüße
teresa
frau schneider
Dipl.-SuT
Beiträge: 4694
Registriert: 01.03.2010, 18:32

Re: Guter Stillbeginn trotz Abpumpens möglich? - Tipps gesuc

Beitrag von frau schneider »

hallo teresa,

die brustmassagetechniken nach plata rueda und marmet bereiten die brust auf das anschließende entleeren vor. die entleerung selbst ist hier auf seite 3/4 beschrieben. für das aufziehen in die spritze ist eine zweite person hilfreich.

glg vom see
frau schneider (mod-team stillberatung)
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