Luzia hat geschrieben:Und wenn diese Eventualität doch eintrifft, dann muss ich eben improvisieren. Es muss nicht alles perfekt sein.
Für mich ist das eine ganz wichtige Erkenntnis gewesen, also dass nicht alles perfekt sein muss. Ich würde mich eigentlich nicht zu den Perfektionisten zählen und hier geht es auch in vielen Bereichen oft provisorisch zu, aber gerade in Bezug auf Gäste, hatte ich ne Weile schon perfektionistische Standards. Also zum Beispiel für alle Alkoholika, die wir haben auch immer das richtige Glas - und zwar eigentlich nur für die Gäste, damit die Gäste es schön perfekt haben.
Wir haben Bekannte, bei denen ist es wirklich _immer_ perfekt. Immer die jahreszeitlich passende Tischdeko, immer perfekt gekocht, perfekt gedeckt, immer noch ein sehr leckeres Tröpfchen im passenden Glas parat ... Ich glaube, das habe ich mir irgendwie zum Vorbild genommen. Ich fand das auch immer nett, aber letztlich hab ich mich nie so 100%ig wohlgefühlt, also wirkliche Freunde werden das nie, einfach weil ich mich nicht traue, einfach bei denen in die Küche zu gehen oder so.
Letztens waren wir aber eingeladen bei Kindergarten-Freunden vom Kind und die Eltern haben für uns und Freunde von uns gekocht und da gab es den Nachtisch aus Tassen, weil sie nicht genug Schälchen hatten

Die perfektionistische Bekannte hätte das sicher doof gefunden, weil es ihren Standards eben nicht genügt hätte (vielleicht aber auch nicht, wer weiß das schon), aber ich fand das total sympathisch und ich hab mich dort viel wohler gefühlt und mir auch irgendwas aus der Küche geholt

, obwohl ich das erste Mal da war. Das hat mir noch mal zustätzlich gezeigt, dass ich mich auch mit Leuten wohler fühle, die eben auch nicht so perfekt sind und die nehmens einem auch nicht übel, wenn es Wein ausm Wasserglas gibt. Letzlich fühlt sich das für mich studentisch-provisorisches an statt gediegen-bürgerlich. Und ich glaube, dass es ganz viele Leute gibt, für die ihr Studium ne tolle Zeit war, nicht zuletzt weil es eben oft provisorisch und imperfekt war und die es durchaus begrüßen ihre mittlerweile entstandene bürgerliche Gediegenheit mal ein wenig zu verlassen ...
Also, genau: Es muss nicht alles perfekt sein!