Wütendes und verzweifeltes Schulkind

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Nuala
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Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Nuala »

Meine Große ist sieben und seit September in der Schule, die sie sehr mag.
Sie war schon immer ein impulsives emotionales Kind - im positiven Gefühlszustand zeigt sich dies durch eine extrem hohe Begeisterungsfähigkeit, starker freundlicher Zuwendung (zu kleinen Kindern, großen Kindern und Erwachsene) und lauter Fröhlichkeit.
Ja aber der negative Gefühlszustand... der bringt uns echt an die Grenzen: schimpfen (echt, es ist WIRKLICH schlimm!), hauen (auch auf kleinere), Anfälle... Und es wird unangenehmer je älter sie ist.
Sie macht es meistens nicht absichtlich, sie ist einfach so stark in ihren Gefühlen gefangen, es geht ihr schlecht, sie ist wütend... Aber sie ist dann echt SO drin, SO negativ und man kann ihr nicht helfen. Ich schmeiß dann leider viel zu schnell die Nerven und klar denken geht dann auch nicht mehr und dadurch sind wir viel zu oft in echt unguten Situationen gefangen. Meistens will ich am liebsten nur noch schreiend weglaufen. Ich bin verzweifelt weil mein Kind derart unempathisch, unsympathisch und echt krass ungut rüber kommt, dass es mir körperlich weh tut.
Schlimm ist auch, dass sie sich so unverstanden fühlt (ich kenn das aus meiner eigenen Kindheit) und dann oft in den "Jetzt-erst-recht"-Modus wechselt. Auffallend ist außerdem, dass sie anscheinend ein Programm abspult, das beinhaltet: wenn es mir nicht gut geht, dann darf es auch sonst keinem gut gehen, und dann wird so lange gereizt und getriggert, bis ECHT keiner mehr kann. Das ist fast ein bissl wie Rache... nur wenn dann ALLE fertig sind und/oder wütend/traurig... dann geht's ihr ja auch nicht besser.
Was kann ich tun? Was fehlt ihr?
Ich bin echt am Ende, weil dieser Herbst mit beiden Kindern SO intensiv ist und ich mag einfach nimmer. Ich habe viel Hilfe, aber es mag langsam KEINER mehr.
Was ist los mit ihr?
Sie ist teilweise so anders als andere Kinder - auch anders als die Kleine. Bei der Kleinen helfen die meisten herkömmliche Tipps und Tricks, bzw. ist sie eben so ein typisches "durchschaubares" Kind.
Die Große nicht... manchmal habe ich das Gefühl sie legt es drauf an unglücklich zu sein. Als wollte sie sich beweisen, dass keiner sie mag... Oder ist das nur eine eigene Kindheitserinnerung? Ich hatte als Grundschulkind auch immer das Gefühl, dass mich keiner versteht und ich immer nur funktionieren muss... Ja, das mag auch bei meiner Tochter stimmen, nur dass "funktionieren" müssen nur beinhaltet in die Schule zu gehen (die sie eigentlich echt mag und die auch nur wenig Leistungsdruck macht) plus was da halt noch dazu gehört (HÜ, nur vier Mal pro Wochenzbd echt leicht/wenig, trotzdem Kampf), ja und halt andere nicht hauen oder beschimpfen. Ist doch nicht zu viel verlangt, oder? Aber sie sieht es als persönlichen Affront wenn sie nicht sofort bekommt was sie will oder man sie um etwas bittet...
Ich glaub irgendwo mach ich irgendwas total falsch, aber ich komm nicht drauf... :(
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
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Sabina
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Sabina »

In welchen Situationen reagiert sie so? Ist es dann besonders laut? Hat sie zu wenig geschlafen? Schlägt das Wetter um? Könnte sie im einen oder anderen Bereich evt. hochsensibel sein und deshalb Dinge stärker/anders wahrnehmen?


Zwei Lieblingskinder (*Mai 2010 und *Januar2013)
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KaHaLi
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von KaHaLi »

Hallo,

ich wollte dich nicht wegdrücken, das liest sich sehr anstrengend.
Was ich dir sagen kann, ist, dass du dadurch, dass du dich mit der Situation auseinander setzt, schon mal was richtiges machst.
Ich fühle mich ein bisschen an meinen Mann erinnert und wünschte, seine Eltern hätten mehr für ihn getan.
Er ist auch ein ähnlicher Charakter und wir waren mal in einer Paarberatung, weil ich nicht mehr konnte. Wenn er was schief lief, wurde ich von ihm dumm angemacht und mit voller Absicht bis zur Weißglut gereizt.
Er hat dann in der Beratung sogar zugegeben, dass er es "braucht" andere so zu reizen und dass er sich erst besser fühlt, wenn er es geschafft hat, dass ich auch die Fassung verliere.
Seit ich das weiß, versuche ich ihn möglichst abzuholen, bevor es richtig losgeht und wenn das mal nicht klappt, dann warte ich, bis er wieder runtergefahren ist um mit ihm später in Ruhe zu reden und zu erinnern, dass das Mist war, dann kann man auch gut mit ihm reden, nur in der Situation selbst nicht und auch wenn ich versuche ruhig zu bleiben, provoziert er bis zum Äußersten. Da hilft nur die Situation zu verlassen, bis er sich beruhigt hat.
Mein Mann geht seit einem Jahr in Therapie (u.a. deshalb) und ihm wurde dort auch gesagt, dass er Probleme hat empathisch zu sein.
Ihm wäre sehr geholfen gewesen, wenn sich jemand früher seines Problems angenommen hätte.

Alles Gute für dich und deine Tochter!!
Liebe Grüße
KaHaLi

mit Septemberkind 2014 & Julibaby 2018
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Nuala
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Nuala »

Sabina hat geschrieben:In welchen Situationen reagiert sie so? Ist es dann besonders laut? Hat sie zu wenig geschlafen? Schlägt das Wetter um? Könnte sie im einen oder anderen Bereich evt. hochsensibel sein und deshalb Dinge stärker/anders wahrnehmen?


Zwei Lieblingskinder (*Mai 2010 und *Januar2013)
Absolut gute Fragen... mir geistert das auch schon lange im Kopf rum, ich hab auch viele Bücher gelesen... über ADS, sensorische Integration, Hochsensibilität... da scheint immer GANZ viel zu passen, aber die entscheidenden Punkte (als Erklärung) dann oft irgendwie doch nicht.
Ich glaub aber schon dass da irgendwas sein muss... ich komm nur einfach nicht drauf was.
Das "Gute" ist - sie muss es von mir haben, da sind soooo viele Parallelen. Gut an der Sache müsste ja sein, dass ich sie dann ja besser verstehen und ihr helfen könnte. Leider ist das Gegenteil der Fall. :(

Sie hat einen starken Willen. Sie kombiniert sehr schnell. Sie braucht viel Widerstand und Reibung - ist sehr körperbetont (da ist sie anders als ich) also hat gerne Köperkontakt, bewegt sich gerne und sehr geschickt... Sie ist gescheit, aber nicht fokussiert. Je kombiniert schnell, aber sie ordnet nicht ein, speichert nicht ab. Emotionen sind extrem stark in ihr.
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
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Nuala
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Nuala »

KaHaLi, danke für dein Post. Wow, das liest sich ja auch ganz schön hart mit deinem Mann.
Was ich mich nur immer frag: was ist Charakter? Und was ist Bestätigung/Erziehung in die "falsche" Richtung? Verstehst du wie ich das meine? Man kann doch auch unbewusst sein Kind so bestätigen, dass es Empathie nicht ausbaut... indem man zB. selbst wenig empathisch ist? Das geistert halt auch voll viel in meinem Kopf rum, denn ich hab sicherlich auch extrem viel Falsches vorgelebt (weil nicht anders können)... :(
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
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Nuala
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Nuala »

Ich bin grad an was hängen geblieben, was ich grad selbst geschrieben habe, weil es mir so in den Sinn kam. Aber bis jetzt hab ich das gar nicht so klar formuliert... doch es stimmt glaub ich, und es stimmt auch bei mir: dieses schnelle Denken und Kombinieren, jedoch das schlechte anerkennst Abspeichern. Es ist so als müsste man DAUERND neu lernen... Fällt dazu jemanden was ein?
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
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Nuala
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Nuala »

Hier noch mal der korrigierte Post:
Nuala hat geschrieben:Ich bin eben an was hängen geblieben, was ich grad selbst geschrieben habe, weil es mir so in den Sinn kam. Aber bis jetzt hab ich das gar nicht so klar formuliert... doch es stimmt glaub ich, und es stimmt auch bei mir: dieses schnelle Denken und Kombinieren, jedoch das schlechte Merken und Abspeichern. Es ist so als müsste man DAUERND neu lernen... Fällt dazu jemanden was ein?
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Muminmama
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Muminmama »

Ich hab jetzt nicht alle Posts gelesen, aber das klingt wie mein Kind. Es war wirklich phasenweise ganz, ganz schlimm. Ich weiss, er hat einen stressigen Tag mit früh aufstehen etc. und er ist sehr sensibel und einfühlsam - das heisst, er spiegelt auch sehr meine Gefühlslage wider. Habe ich Stress, schreit er es für mich heraus usw. Was uns aber immens hilft momentan, ich hätte das wirklich nicht gedacht und bin wirklich kein Kind-ruhigsteller - Bachblüten und Vitamin D als Tropfen.

Ich habe hier derzeit Vitamin D (Sterogyl) weil er zwar viel raus geht, aber er wohl wie ich ( ;) ) sehr empfindlich auf Vit D Mangel mit Gereiztheit, Abgeschlagenheit, schlechte Laune und allgemeine Unlust und alles-ist-doof-Laune reagiert. Dazu noch Rescue Tropfen und Bachblüten "Chestnut Bud" [Chestnut Bud steht ganz im Zeichen des Lernens aus Erfahrungen. Um aus den Erfahrungen des Lebens lernen zu können, muss man aufmerksam wahrnehmen, was genau einem widerfährt. Wenn es unerfreuliche Erlebnisse sind, dann ist es wichtig, hinzuschauen, was für Fehler man selbst bei dem Erlebten gemacht hat. Damit einem die gleiche Erfahrung beim nächsten Mal erspart bleibt, hilft es, wenn man sich die eigenen Fehler eingesteht und analysiert, in wiefern man sein diesbezügliches Verhalten ändern kann. ]
und "Willow" [Willow steht in Verbindung mit der Selbstverantwortung. Im negativen Willow-Zustand fühlen sich Menschen als Opfer ihres unerfreulichen Schicksals.
Für alles, was ihnen im Leben missfällt, wird der Aussenwelt die Schuld gegeben. Wenn sich kein schuldiger Mensch dafür findet, wird das Schicksal oder Gott angeklagt.
Blockierte Willow-Typen sind die ewig Zu-kurz-Gekommenen, die über das ungerechte Leben verbittert sind. ].


Ich bin kein Arzt oder Heilpraktiker und habe das in Rücksprache gegeben und es funktioniert enorm. Das in Kombination mit überhaupt kein Fernsehen (das war auch ein großer Faktor, jede Minute war zuviel für ihn) wirkt derzeit Wunder. Ich tropfe ihm die Sachen in heissen Tee, damit der Alkohol verdampft aber die Wirkung bestehen bleibt. Ich hätte wirklich nicht geglaubt, dass das funktioniert aber ich sehe hier wirklich dass er um 180 Grad besser gelaunt ist.

Was ich damit sagen will, eventuell steckt da was tiefer drin und ihr könnt das mit einem guten Heilpraktiker aufarbeiten? Vielleicht ist es etwas total simples, das man aber im hektischen Alltag einfach nicht sieht.

Alles Gute!
Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“

Liebe Grüße, Muminmama mit Muminbub (02/08) und Muminmädchen (06/17).
Lösche Benutzer 8492

Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Lösche Benutzer 8492 »

Nuala hat geschrieben:Was ich mich nur immer frag: was ist Charakter? Und was ist Bestätigung/Erziehung in die "falsche" Richtung? Verstehst du wie ich das meine? Man kann doch auch unbewusst sein Kind so bestätigen, dass es Empathie nicht ausbaut... indem man zB. selbst wenig empathisch ist? Das geistert halt auch voll viel in meinem Kopf rum, denn ich hab sicherlich auch extrem viel Falsches vorgelebt (weil nicht anders können)... :(
Aus eigener Erfahrung wuerde ich sagen nein... Meine Kinder sind zwar noch etwas juenger, aber der 5-jaehrige ist eher unempathisch, die 3,5-jaehrige dagegen schon. Erzogen habe ich beide gleich, im Kindergarten ist es auch bei beiden aehnlich. Ich denke es ist eine Mischung zwischen Charakter und Erziehung...

Mein Sohn rastet immer dann aus, wenn es ihm zu viel ist. Im Kindergarten ist dann alles gut, bis ich vor ihm stehe. Dann fuehrt auch schonmal die Tatsache, dass ich erst den linken und er erst den rechten Schuh anziehen will zu einem ueblen Wutanfall, er steigert sich da auch gern rein. Ich stell ihn mir immer als kleinen Staubsauger vor, der den Tag ueber alles aufsaugt und dann irgendwann explodiert :mrgreen: . Den Kindergarten mag er auch, er nimmt da gar nicht so wahr, dass der Laerm und das Gewusel Stress fuer ihn sind.
Vielleicht geht es auch in die Richtung?
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Nuala
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Nuala »

Danke für dieses wirklich schöne Post!!!
Erstens tut es immer wieder gut zu hören, dass es auch andere Kinder gibt die so sind. Das nimmt diesen Alien-Faktor, der mir oft so unangenehm aufstößt.
Zweitens für die Tipps... die Bachblüten klingen spannend. Gerade dieses sich-als-Opfer fühlen... Manchmal glaube ich echt, dass sie davon überzeugt ist, das wir danach trachten ihr das Leben schwer zu machen. Egal wie weit man die (persönlichen, im Alltag machbaren, natürlichen usw.) Grenzen steckt, wenn sie daran ankommt, dann ist sie der Meinung, dass wir das absichtlich machen, dass wir sie ärgern wollen. :shock:
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
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