Baby verweigert Brust komplett

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rocketita
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Baby verweigert Brust komplett

Beitrag von rocketita »

Hallo,

Ich schreibe diesen Beitrag, da ich etwas verzweifelt bin. Mein Sohn ist 4 Wochen alt und er verweigert die Brust.

Im Krankenhaus musste er die Flasche bekommen, da ich noch keine Milch hatte. Zu Hause angekommen konnte ich die ersten beiden Tage recht gut stillen.
Leider weigerte er sich immer mehr die Brust anzunehmen. Er schrie teilweise so lang, dass seine Wachphasen 4-5h waren, er nur wenig getrunken hat und aus Erschöpfung dann einschlief. Meine Hebamme war der Meinung auf keinen Fall die Flasche zu geben "er nimmt dann nie wieder die Brust". Da es mein ersten Kind ist, habe ich auf ihre Meinung vertraut. Leider führte dies nach einer Woche dazu, dass ich ihn nur noch schlecht wecken konnte und er so schwach war, weil er kaum getrunken hat, dass wir 2 Tage im Krankenhaus waren und er Infusionen bekam. Seitdem pumpe ich ab und gebe ihm meine Mumi per Flasche.

Das war mir eine große Lehre und eigentlich habe ich mir gesagt es ist egal wie er die Milch bekommt, Hauptsache er trinkt sie. Inzwischen muss ich sagen wurmt es mich, dass es mit dem Stillen noch immer nicht klappt. Ich habe verschiedenste Sachen probiert, ab und an klappt es mit dem Stillhütchen (jeden zweiten Tag ein Mal...). Da er sehr ungeduldig ist, muss ich erst die halbe Flasche geben und versuche ihn dann anzulegen.

Ich habe ihn gepuckt, war beim Osteopathen (er zieht seine Unterlippe stark ein und saugt sich daher nicht gut fest), habe vor dem Anlegen leicht angepumpt um ihm die Arbeit zu erleichtern, Stillgruppe, Stillberatung ... Ich weiß einfach keinen Rat mehr.
Die Kinderärztin hat uns heute eine Überweisung zum Orthopäden gegeben mit Verdacht auf KISS. Evtl. könnte es auch damit zusammenhängen...

Mit der Flasche trinkt er tagsüber alle 2 Stunden um die 100, manchmal bis zu 160 ml. Stuhl und Urin sind sehr regelmäßig. Manchmal hat er etwas mit dem Bauch zu kämpfen, aber prinzipiell klappt es alles. Nachts lasse ich ihn manchmal bis zu 5h schlafen, da er tagsüber viel schreit und wenig schläft. Ist das ok oder zu lang ohne Nahrung? Ab wann kann man denn auf Bedarf umstellen? Er wog zur Geburt 2990g, jetzt 4190g.

Wie könnten wir es das Stillen doch noch schaffen? 6 Monate abpumpen möchte ich gern umgehen. Allerdings will ich auch nichts erzwingen... Es wäre nur schön, wenn es wenigstens ab und zu klappen würde, wenn auch nur zur Beruhigung. Er kommt sehr schwer in den Schlaf und ist generell sehr quengelig und unruhig.

Danke für Meinungen und mögliche Tipps.
Viele Grüße!
rocketita
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Re: Baby verweigert Brust komplett

Beitrag von rocketita »

Und hier noch die benötigten Infos:

* Wird oder wurde Euer Baby zugefüttert, bekommt es abgepumpte Milch oder auch mal ein Fläschchen, schreibt bitte die Mengen auf (wie oft wieviel täglich) und womit zugefüttert wird oder wurde.

--> er bekommt ausschließlich abgepumpte Milch, keine weitere Zugfütterung

* Bitte beschreibt, wie Euer Stillalltag für gewöhnlich aussieht: wie oft und wie lange wird üblicherweise gestillt? Wie lang sind die Schlafpausen?

--> alle 2-3 h ein Fläschchen (mal 60, mal 100 und auch mal mehr ml), zwischen drin (1-2 Mal täglich) versuche ich ihn per Stillhütchen zu stillen - meist erfolglos, wenn es mal klappt, trinkt er auch mal 2 min, mal 15 min an einer Seite

* Wie oft pro Tag scheidet das Baby aus? Wie häufig Stuhlgang?
ca 3-4 mal nur Urin, 3-4 mal Urin + Stuhl

* Berichtet auch von Eurem Stillstart und den ersten Wochen nach der Geburt, v.a.: Wie klappt(e) das Stillen? Unruhiges Baby? Andocke-Probleme?

--> im Krankenhaus 1. Flasche nach 24h, da keine Milch Stillversuche, zu Hause nach Milcheinschuss 2 Tage voll gestillt, dann traten Probleme auf und er drückte sich von der Brust, schrie sie an und das mehrere Stunden, sodass er kaum dran war. Andockprobleme durch eingezogene Unterlippe
Osteopath machte Dysfunktionen im Kopf und Brustkorb aus (keine Veränderung merkbar nach Behandlung)

* Kennt es künstliche Sauger, also z.B. Flaschen, Hütchen, Schnuller?

--> er kennt Sauger von NUK und AVENT sowie Stillhütchen, Nuckel spuckt er nach kurzer Zeit aus bzw. versuche ich aufgrund Stillprobleme ganz zu vermeiden

* Seid Ihr (bzw. Ist Euer Kind) bereits woanders in Behandlung/Beratung? Stillberatung, Kinderarzt, Hebamme, Osteopath, Krankengymnastik...?
Kinderarzt (Überweisung an Orthopäden wegen Verdacht auf KISS + Unruhe+Trinkprobleme), Hebamme, 1x Osteopath

* Gibt es medizinische Besonderheiten, die das Stillen betreffen können? Z.B. Orthopädische Auffälligkeiten, Frühgeburt, Gelbsucht beim Baby? Brust-Operationen, Schilddrüsen- und andere chronische Erkrankungen (Übergewicht, Diabetes, PCOS,...) bei der Mutter? Medikamenteneinnahme?

--> während der Schwangerschaft nahm ich L-Thyrox 50, schnelle Geburt (4h) mit längerer Austreibungsphase (Wehentropf wurde gegen Ende gegeben), grünes Fruchtwasser
Schädelform schief (ausgeprägter nach rechts hinten), Unterlippe häufig komplett eingezogen

23.07. 2990 g Geburt KH
26.07. 2790 g Entlassung KH
05.08- 3250 g Hebamme
07.08. 3500 g Hebamme
14.08. 3620 g Kinderarzt
26.08. 4180 g Kinderarzt
jusl
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Re: Baby verweigert Brust komplett

Beitrag von jusl »

Hallo und herzlich willkommen hier!

Da hattet Ihr ja einen ganz schön heftigen Start - darauf würde ich zunächst gerne noch einmal eingehen:
Meine Hebamme war der Meinung auf keinen Fall die Flasche zu geben "er nimmt dann nie wieder die Brust". Da es mein ersten Kind ist, habe ich auf ihre Meinung vertraut. Leider führte dies nach einer Woche dazu, dass ich ihn nur noch schlecht wecken konnte und er so schwach war, weil er kaum getrunken hat, dass wir 2 Tage im Krankenhaus waren und er Infusionen bekam. Seitdem pumpe ich ab und gebe ihm meine Mumi per Flasche.
Die Idee Deiner Hebamme war in folgendem Sinne durchaus richtig: Ihr Ratschlag zielte auf die Beobachtung ab, dass junge Säuglinge leider tatsächlich manchmal schwere Stillprobleme entwickeln (oder bereits bestehende Probleme sich verstärken), wenn sie per Flasche gefüttert werden. Der Grund dafür liegt in den unterschiedlichen Trinktechniken, die man fürs Brust- und fürs Flaschetrinken braucht: Saug-Schluck-Rhythmus, Zungen- und Kieferstellung und Mundgefühl unterscheiden sich zwischen Brust und Flasche so stark, dass einige Babys nicht einfach hin und her wechseln können. Wenn ein Baby z.B. mit "Flaschentechnik" versucht, an der Brust zu saugen, klappt das NICHT - es bekommt kaum was raus, der Mama schmerzen die BW und evtl. klappt sogar nicht mal das Andocken. Viel Gezappel und Geschrei. Dieses Problemfeld nennt man "Saugverwirrung". In unserer Linksammlung Stillwissen findest Du ausführlichere Info zum Stichwort "Saugverwirrung".

Der große Fehler Deiner Hebamme war aber offenbar, Dich mit Eurem Stillproblem einfach allein zu lassen, bis Dein Baby wegen Nahrungsmangels im KH behandelt werden musste! Sie hätte Dich stattdessen über STILLFREUNDLICHE Zufüttermethoden aufklären müssen und Dich dabei begleiten, die für EUCH passende Methode auszuwählen. Dies ist auch jetzt noch ein sinnvoller nächster Schritt: Die Flaschenernährung auf eine stillfreundliche Zufüttermethode umstellen. Das erhöht die Chancen ganz erheblich, dass Dein Baby wieder korrektes Stillen lernt.
Das war mir eine große Lehre und eigentlich habe ich mir gesagt es ist egal wie er die Milch bekommt, Hauptsache er trinkt sie.
Kann ich absolut verstehen!
Inzwischen muss ich sagen wurmt es mich, dass es mit dem Stillen noch immer nicht klappt.
Das auch!
Ich habe verschiedenste Sachen probiert, ab und an klappt es mit dem Stillhütchen (jeden zweiten Tag ein Mal...). Da er sehr ungeduldig ist, muss ich erst die halbe Flasche geben und versuche ihn dann anzulegen.
Toll, dass Du drangeblieben bist! Tatsächlich können Hütchen in Eurem Fall bei der Umgewöhnung hilfreich sein. In der Linksammlung Stillwissen findest Du gleich ganz oben einige Beispiele zum Thema "zurück zum Vollstillen" - dort kamen zur Überbrückung ebenfalls oft Hütchen zu Einsatz. Wenn Du magst: Stöbere in der Linksammlung ein wenig. Dann bekommst Du einen ersten Eindruck, wie so eine Umgewöhnung typischerweise ablaufen kann.
Ich habe ihn gepuckt, war beim Osteopathen (er zieht seine Unterlippe stark ein und saugt sich daher nicht gut fest), habe vor dem Anlegen leicht angepumpt um ihm die Arbeit zu erleichtern, Stillgruppe, Stillberatung ... Ich weiß einfach keinen Rat mehr.
Das glaube ich Dir gern. Wurdest Du in der Stillgruppe/Stillberatung zu oben verlinkten stillfreundlichen Zufüttermethoden beraten?
er bekommt ausschließlich abgepumpte Milch, keine weitere Zugfütterung
Ui, klasse! Das beweist ja eindeutig, dass Du definitiv kein grundsätzliches Milchmengenproblem oder sowas hast, sondern dass es an technischen Schwierigkeiten liegt, dass Dein Baby derzeit noch nicht richtig stillen kann.
Mit der Flasche trinkt er tagsüber alle 2 Stunden um die 100, manchmal bis zu 160 ml. Stuhl und Urin sind sehr regelmäßig. Manchmal hat er etwas mit dem Bauch zu kämpfen, aber prinzipiell klappt es alles. Nachts lasse ich ihn manchmal bis zu 5h schlafen, da er tagsüber viel schreit und wenig schläft. Ist das ok oder zu lang ohne Nahrung? Ab wann kann man denn auf Bedarf umstellen?
Die Trinkmenge scheint mir recht hoch zu sein: Von morgens 6 Uhr bis Mitternacht alle 2 Stunden durchschnittlich 100 ml - das sind 10 Mahlzeiten, also ein ganzer Liter Muttermilch. Normalerweise trinken Babys in dem Alter zwischen 580 und 920 ml (alles dazwischen gehört zum Normalbereich), d.h. durchschnittlich ca. 750 ml (Quelle).
Auch die Gewichtszunahme ist mit rund 350 g/Woche im ersten Lebensmonat ungewöhnlich hoch. Eine normale Gewichtszunahme liegt im Bereich zwischen 170 und 330 g/Woche (Quelle). Bei Stillbabys gibt es zwar manchmal solch sehr hohe Gewichtszunahmen in den ersten Lebenswochen, und das ist auch nicht weiter schlimm - allerdings ist die Situation bei "Muttermilchernährung ohne Stillen" ja eine besondere, in der Überfüttern keineswegs ausgeschlossen ist.
Bei Euch weist die Kombination aus ungewöhnlich hoher Gewichtszunahme plus ungewöhnlich hoher Trinkmengen auf Überfütterung hin.
Lass uns darauf in der nächsten Zeit mal genauer schauen. ;-)
Wie könnten wir es das Stillen doch noch schaffen? 6 Monate abpumpen möchte ich gern umgehen. Allerdings will ich auch nichts erzwingen... Es wäre nur schön, wenn es wenigstens ab und zu klappen würde, wenn auch nur zur Beruhigung
Also ich sehe da im Wesentlichen 2 Möglichkeiten:
1. Du machst so weiter wie bisher, versuchst Dein Baby ab und zu (vermutlich mit Hütchen) anzulegen und hoffst, dass es manchmal klappt.
2. Du gehst eine richtige "klassische" Umgewöhnung an. Diese hat zum Ziel, dass Dein Baby den Weg von der Flasche zurück zur Brust findet und korrekt stillen lernt. Bei diesem Lernprozess wird Dein Baby Deine Unterstützung brauchen. Und Du wirst vermutlich Unterstützung aus Deinem Umfeld brauchen: Fachlich begleiten wir Dich gerne hier im Stillforum dabei. Wie sieht das in Deiner Familie aus? Was sagt Dein Partner dazu? Falls Du Dir eine klassische Umgewöhnung vorstellen kannst, erkläre ich Dir gerne, wie die für gewöhnlich abläuft und was Dich und Dein Baby dabei konkret erwartet.

Sind diese ersten Hinweise hilfreich für Dich?

Rückfragen jederzeit gern und
LG
Julia
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Re: Baby verweigert Brust komplett

Beitrag von jusl »

Hallo rocketita,

möchtest Du hier noch beraten werden?

LG
Julia
rocketita
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Re: Baby verweigert Brust komplett

Beitrag von rocketita »

Hallo Julia,

vielen Dank für die Hinweise und deine ausführliche Antwort.
Gern möchte ich weiter beraten werden und werde mir die Tage alle genannten Links genauer ansehen.

Ich habe die Trinkmenge nun mal genauer protokolliert. Meist kommen wir per Flasche nun auf 650 bis max. 900 ml. pro Tag. Das sollte ok sein, oder?
Da er nun 4650kg wiegt gehe ich ab jetzt voll auf Bedarf, auch in der Nacht.

In den letzten zwei Woche konnte ich das Anlegen gar nicht mehr probieren, da ich einen Pilz an der Brust habe... Wie auch immer das passiert. Ich koche Pumpst und Fläschchen zwei Mal am Tag aus, zwischendurch spüle ich alles mit NUK Spülreiniger. Jetzt habe ich eine Salbe gegen den Pilz und versuche nach Heilung wieder ihn anzulegen. Sicher hat er dann die Brust schon wieder komplett vergessen...

Seit zwei Tagen nimmt er auch (ich muss ein wenig 'leider" sagen) den Nuckel. Konnte ihn ein Mal nicht anderes beruhigen und merke aber nun auch, wie sich alles etwas erleichtert. Er will saugen und ich muss ihn zum einschlafen keine zwei Stunden mehr durch die Wohnung tragen. Sicher macht das das Stillproblem nicht leichter...

Gern würde ich deine Tipps zur klassischen Umgewöhnung lesen.

Lieben Dank!
VG, Ariane
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