Gefahr von Eisenmangel bei veganem Baby

Was kommt nach dem Vollstillen?

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schnitz
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Gefahr von Eisenmangel bei veganem Baby

Beitrag von schnitz »

Hallo,

ich hoffe, es gibt dieses Thema nicht schon allzu oft. Aber ich bin mir gerade wieder unsicher und ärger mich auch so über die Kinderärztin...

Meine Tochter ist nun etwas über 6 Monate alt und isst seit einigen Wochen - mal mehr, mal weniger, mal gar keine - Beikost.
Es freut mich, wie interessiert sie am Essen ist, wie gerne sie Verschiedenes probiert und über die Menge muss ich mir ja wirklich noch keine Gedanken machen.
Dazu möchte ich sagen, dass ich mich seit vielen Jahren vegan ernähre und in meinem Leben Essen einen sehr großen Stellenwert hat. Eigentlich bin (und war) ich mir immer sicher, dass es - einige Ernährungsgrundregeln beachtet - problemlos möglich ist ein Kind vegan zu ernähren, solange es B12 substituiert bekommt.
Zudem ist meine Tochter eine begeisterte Stillerin und stillt mindestens 12x pro Tag, wir möchten auch weiter nach Bedarf stillen.

Trotzdem hat mich jetzt die Kinderärztin leider sehr verunsichert. Laut ihr ist es nämlich nicht möglich, ein Kind im ersten Lebensjahr fleischlos zu ernähren, ohne dass es einen ordentlichen Eisenmangel ausbildet. Die Bioverfügbarkeit von Eisen in Getreide (auch im Babygetreidebrei) gab sie mit „gleich Null“ an, egal ob mit oder ohne Vitamin C. Und laut ihr kann ich mich darauf einstellen, dass meine Tochter so ab dem 8. Monat deswegen dauerkränkeln wird (sie hatte bisher noch gar nichts). Ich soll ihr Fleisch oder zumindest Eier geben, oder auch Milch und Fisch, was ich natürlich nicht möchte. Ich befürchte, dass ich mich, sobald mein Kind im Herbst mal krank ist, sehr unwohl beim Arztbesuch fühlen werde, da ich das Gefühl habe, ich hätte die Krankheit ja provoziert (zumindest aus Sicht der Ärztin). Und natürlich möchte ich nicht, dass meine Tochter krank sein muss, die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich im Herbst/Winter mal irgendwas einfängt ist aber wohl groß.

Nun weiß ich, dass Eisenmangel bei Babys ein reales Problem sein kann. Einen solchen erkennt man, soweit ich weiß, an blassen Schleimhäuten und Apetitmangel, würde sich der nur bei Beikost zeigen oder wäre dann nicht auch die Stillfrequenz niedriger? Treten solche Symptome erst bei schwerem Mangel auf? Reicht es nicht, wenn mein Kind gerne Hirse und Hafer, in Kombination mit Obst oder Vitamin-C-reichem Gemüse isst? Sind Babys mit Eisenmangel so oft krank?

Ich denke, es haben hier einige Menschen Erfahrungen mit vegetarischen und/oder veganen Babys gemacht. War Eisenmangel da ein Problem?

Vielen Dank für eure Antworten,
schnitz
Mochi 2/2015
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emm
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Re: Gefahr von Eisenmangel bei veganem Baby

Beitrag von emm »

Hi!

Mein Grosser (ein spaetes Fruehchen) hatte mit etwas ueber einem Jahr einen leichten Eisenmangel, die Kleine wird jetzt 2 und hat ganz normale Blutwerte.
Ich koche und backe vegan, ausserhalb von zuhause bekommen die Kinder auch vegetarisch angeboten, essen aber nicht alles. Nach Beheben des Eisenmangels beim Grossen hatten wir keine Probleme mehr, da duerfte der fruehere Geburtstermin mehr mit reingespielt haben.
Ich achte aber auch weiterhin sehr darauf, wann und wie ich eisenhaltige Lebensmittel anbiete.
Es scheinen also noch mehr Faktoren mit reinzuspielen, es lohnt sich aber sicher, das Ganze im Auge zu behalten.
das emm mit Löwenkind (08/2012), Fräulein Igel (09/2013) und kleinem Geheimniskrämer (11/2017)
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Morgaine47
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Re: Gefahr von Eisenmangel bei veganem Baby

Beitrag von Morgaine47 »

Im Unterforum Fachfragen zum Stillen müsste es einen Thread zum Thema Eisen geben. Dort sind 2 links enthalten zu Eisen in Breikost insbesondere in Fleischglaeschen. Die Infos da finde ich sehr aufschlussreich. Kann nur leider am Handy nicht verlinken.

Kurz vom Handy
LG
Morgaine

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jusl
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Re: Gefahr von Eisenmangel bei veganem Baby

Beitrag von jusl »

Hallo und herzlich willkommen hier! :D

Eigentlich bin (und war) ich mir immer sicher, dass es - einige Ernährungsgrundregeln beachtet - problemlos möglich ist ein Kind vegan zu ernähren, solange es B12 substituiert bekommt.
MÖGLICHT definitiv. Aber es ist falsch zu sagen: "JEDES Stillbaby kann vegan ernährt werden, solange es Vit B12 substituiert bekommt." Denn manche entwickeln trotzdem Nährstoffmangel, aus unterschiedlichen Gründen.
Laut ihr ist es nämlich nicht möglich, ein Kind im ersten Lebensjahr fleischlos zu ernähren, ohne dass es einen ordentlichen Eisenmangel ausbildet.
Das ist nachweislich falsch. Meine Kinder haben alle (allerdings nur aus Zufall, nicht aus Ideologie) im ersten LJ kein Fleisch gegessen, sondern wurden in dieser Zeit neben dem Stillen quasi-"vegan" ernährt. Es hatte definitiv keines von ihnen einen Eisenmangel, nicht mal ansatzweise.
Und ich kenne sehr viele Familien, die ihre Stillbabys ebenso ernährt haben und die Kinder sind ebenso hervorragend gediehen.

Die Bioverfügbarkeit von Eisen in Getreide (auch im Babygetreidebrei) gab sie mit „gleich Null“ an, egal ob mit oder ohne Vitamin C.
"Gleich null" stimmt nicht - und die Frage, was es NOCH gibt zum Getreide (z.B. Saft versus Milch) spielt eine erhebliche Rolle. In der Tat, bei Lebensmitteln, die viel Calcium, Magnesium, Oxalsäure, Phytate enthalten, wird die Bioverfügbar des Eisens sehr schlecht. Zusammen mit Vitamin C (und bestimmten anderen Säuren) und Fruchtzucker verbessert sie sich deutlich.
laut ihr kann ich mich darauf einstellen, dass meine Tochter so ab dem 8. Monat deswegen dauerkränkeln wird (sie hatte bisher noch gar nichts). Ich soll ihr Fleisch oder zumindest Eier geben, oder auch Milch und Fisch, was ich natürlich nicht möchte. Ich befürchte, dass ich mich, sobald mein Kind im Herbst mal krank ist, sehr unwohl beim Arztbesuch fühlen werde, da ich das Gefühl habe, ich hätte die Krankheit ja provoziert (zumindest aus Sicht der Ärztin). Und natürlich möchte ich nicht, dass meine Tochter krank sein muss, die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich im Herbst/Winter mal irgendwas einfängt ist aber wohl groß.
Naja "mal was einfangen" ist aber ganz was anderes als dauerkränkeln. Und wegen "mal krank" (also Rotznase und bissl Husten) muss man ja nun nicht gleich zum Arzt gehen, wenn das Baby gut trinkt.
Einen solchen erkennt man, soweit ich weiß, an blassen Schleimhäuten und Apetitmangel,
Die klassischen Symptome einer Eisenmangelanämie bei kleinen Kindern sind:
* Blässe, auch bei Schleimhäuten (Innenseiten der Augenlider und Lippen),
* erhöhte Infektanfälligkeit,
* Müdigkeit,
* Appetitlosigkeit,
* Entwicklungs- und Wachstumsverzögerungen.

Liegt Eisenmangel vor, müssen dennoch nicht alle Symptome gleichzeitig auftreten, vielleicht sind's auch nur ein oder zwei.
würde sich der nur bei Beikost zeigen oder wäre dann nicht auch die Stillfrequenz niedriger?
Das ist unterschiedlich. Manche Kinder mit Eisenmangel stillen unverändert häufig weiter, bei manchen sinkt die Stillfrequenz.

Treten solche Symptome erst bei schwerem Mangel auf?
Es gibt keine wissenschaftliche Abgrenzung zwischen Mangel/leichtem Mangel/schwerem Mangel. Relevant ist ja letztlich auch nicht der Zahlenwert, der bei einer Blutuntersuchung herauskäme, sondern relevant sind doch gerade die Symtome selbst, siehe oben.

Andersherum ergibt es Sinn: Wenn beobachtbare Symptome eines Eisenmangels (oder auch anderen Nährstoffmangels!) auftreten, sollte dies unbedingt medizinisch abgeklärt und ggf. behandelt werden. Und dies gilt selbstverständlich auch schon im ersten Lebenshalbjahr, nicht erst nach dem Beikoststart.
Reicht es nicht, wenn mein Kind gerne Hirse und Hafer, in Kombination mit Obst oder Vitamin-C-reichem Gemüse isst?
Dies kann definitiv nicht pauschal beantwortet werden. Mein Kind hat so gegessen und war kerngesund. Mein Nachbarskind hat genauso gegessen und einen behandlungsbedürftigen Eisenmangel entwickelt.
Sprich: Da muss man individuell auf jedes einzelne Kind schauen.
Und Kinder, die bereits ein erhöhtes Risiko für Eisenmangelanämie haben (z.B. Frühchen, SGA-Babys, Kinder mit bestimmten Erkrankungen, Kinder, deren Nabelschnur nicht auspulsieren konnte, wie z.B. nach Kaiserschnitt), sollten diesbezüglich besonders beobachtet werden, z.B. mit einer zusätzlichen U zwischen der U5 und U6.
Sind Babys mit Eisenmangel so oft krank?
Siehe oben. Kinder mit Eisenmangel sind i.A. infektanfälliger. Das heißt aber nicht, dass ein bestimmtes Kind mit Eisenmangel besonders oft krank sein müsste.

Helfen Dir diese Hinweise weiter?

LG
Julia
schnitz
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Re: Gefahr von Eisenmangel bei veganem Baby

Beitrag von schnitz »

Danke für die tollen Antworten,

dass das nicht pauschal gesagt werden kann habe ich mir eh gedacht (ist ja eigentlich bei ziemlich allem so).
jusl hat geschrieben:und die Frage, was es NOCH gibt zum Getreide (z.B. Saft versus Milch) spielt eine erhebliche Rolle. In der Tat, bei Lebensmitteln, die viel Calcium, Magnesium, Oxalsäure, Phytate enthalten, wird die Bioverfügbar des Eisens sehr schlecht. Zusammen mit Vitamin C (und bestimmten anderen Säuren) und Fruchtzucker verbessert sie sich deutlich.
Meinst du da jetzt rein Kuhmilch oder auch Muttermilch? Kuhmilch hemmt die Eisenaufnahme ja sehr, hat aber auch deutlich mehr Calcium als Muttermilch. Ich habe irgendwo (wo genau habe ich leider nicht mehr parat) gelesen, dass die in der Mumi enthaltene Amylase dabei hilft, das Getreide aufzuschließen da ein Baby die noch nicht ausreichend herstellt. Und das (wenige) Eisen in der Mumi selber gilt als sehr gut aufnehmbar.
Und Kinder, die bereits ein erhöhtes Risiko für Eisenmangelanämie haben (z.B. Frühchen, SGA-Babys, Kinder mit bestimmten Erkrankungen, Kinder, deren Nabelschnur nicht auspulsieren konnte, wie z.B. nach Kaiserschnitt), sollten diesbezüglich besonders beobachtet werden, z.B. mit einer zusätzlichen U zwischen der U5 und U6.
Dass das nicht auspulsieren lassen ein Problem ist ist zwar logisch, war mir bis jetzt aber gar nicht präsent, danke dafür! Die Nabelschnur ist nämlich bei der Geburt leider beschädigt worden und musste dann ganz schnell abgeklemmt/abgeschnitten werden.

Momentan ist meine Tochter auf jeden Fall sehr propper (9 kg hat sie schon :D ), sehr lebendig und meistens quietschfidel obwohl grad Zahn 3 und 4 unterwegs sind!
Mochi 2/2015
jusl
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Re: Gefahr von Eisenmangel bei veganem Baby

Beitrag von jusl »

Ich habe irgendwo (wo genau habe ich leider nicht mehr parat) gelesen, dass die in der Mumi enthaltene Amylase dabei hilft, das Getreide aufzuschließen da ein Baby die noch nicht ausreichend herstellt. Und das (wenige) Eisen in der Mumi selber gilt als sehr gut aufnehmbar.
Das ist richtig. Das Eisen der Muttermilch hat eine sehr hohe Bioverfügbarkeit und hemmt auch die Eisenaufnahme aus anderen eisenhaltigen Lebensmitteln nicht.
Momentan ist meine Tochter auf jeden Fall sehr propper (9 kg hat sie schon :D ), sehr lebendig und meistens quietschfidel obwohl grad Zahn 3 und 4 unterwegs sind!
Prima. :D

LG
Julia
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