Qualitätszeit mit dem Kind

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bertilla
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Qualitätszeit mit dem Kind

Beitrag von bertilla »

Hallo zusammen,

heute habe ich mich mit einer Mutter unterhalten, deren Kind gerade Abitur macht und bald zum Studium auszieht. Die Mutter fürchtet sich jetzt schon ein bißchen vor der Umstellung. Auf meine Frage, was sie denn konkret beschäftige, antwortete sie, sie würde nachts so schlecht schlafen, weil ihr sooo viele Dinge einfielen, die sie gerne noch mit ihrem Kind gemacht hätte. "quality time" war das Stichwort.

Mir hat das zu denken gegeben und ich würde mich gerne dazu austauschen. Mein Kind ist ja erst drei, aber bis 18 geht's dann ja doch schneller als man gucken kann.
Was ist für euch "Qualitätszeit" mit euren Kinder? Wie definiert ihr das? Wie oft erlebt ihr das? Was macht ihr in dieser Zeit zu zweit (oder zu mehreren)?

Die betroffene Mutter hat aus meiner Sicht übrigens enorm viel mit ihrem Kind unternommen und braucht sich eigentlich nichts vorzuwerfen, die beiden haben ein sehr gutes Verhältnis. Sie werden sich nur tatsächlich nicht mehr so viel sehen, da das Kind zum Studium ins Ausland geht...
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miracle
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Re: Qualitätszeit mit dem Kind

Beitrag von miracle »

Ich würde für mich "quality time" nicht an besonderen Erlebnissen / Ausflügen / Urlauben festmachen (wobei sich das nicht ausschließt), sondern an bewusst erlebtem Alltag - eben kein Nebeneinander-her-Leben, sondern ein miteinander ganz bewusst Zeit verbringen (und eben auch genießen).
Ein Beispiel: Mein Baby war ein Frühchen und obwohl die Zeit in der Klinik sehr kräftezehrend war und alles andere als zum Genießen, so war das Känguruhn für mich "quality time". Ich erlebte dieses kleine 1000g-Wunder ganz bewusst auf mir und erinnere mich noch gut daran zurück. Es war eine Bereicherung für mein Baby und mich.
Wunder gescheh'n ... wir dürfen nicht nur an das glauben, was wir seh'n!

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Weltenbummlerin
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Re: Qualitätszeit mit dem Kind

Beitrag von Weltenbummlerin »

Ich bin ja eine Vollzeit-arbeitende Mama und für mich ist Qualitätszeit ganz einfach Zeit, die ich meinem Kind widmen kann ohne nebenher arbeiten oder Haushalt machen zu müssen - und Zeit, die ich schenke, ohne dass ich dann was für mich mache (z.B. lesen oder surfen). Zeit, die mein Kind bestimmen darf und bei der er die Nr. 1 ist:
Wenn wir abends um die Häuser ziehen und er einfach dortlang darf, wo er hin will und ich folge ihm, sehe die Welt quasi mit seinen Augen, auch wenn es schon wieder eine Sackgasse ist oder wieder 10x ums gleiche Haus laufen.
Wenn ich neben ihm sitze und konzentriert mit ihm Duplo baue.
Wenn ich ihn getragen habe, als er ganz klein war, einfach nur so.
Wenn ich auf dem Sofa liege, damit er weiterschlafen kann anstatt zu arbeiten.

Aber natürlich auch die Zeit auf reisen oder auf dem Spielplatz.. wobei quality time wirklich für mich "geschenkte" Zeit ist, in der ich mal zurückstecke.

Die Quintessenz ist wirklich, dass ich ganz achtsam im Jetzt und auf mein Kind konzentriert bin.

Leider kommt das alles zu selten vor :(.
Weltenbummlerin mit dem Wirbelwind (gestillt und getragen seit 8/13) und dem Sternengeschwisterchen (5/16)
Kattirina
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Re: Qualitätszeit mit dem Kind

Beitrag von Kattirina »

Mich bedrückt das auch total, dieser Gedanke, dass es irgendwann vorbei sein wird, ja, dass vieles schon vorbei ist, unwiederbringlich.... Mir wird mein Kind langsam zu schwer zum Tragen und das finde ich unendlich traurig... ich versuche dagegen auch immer wieder, mich aufs Hier und Jetzt zu konzentrieren, und schreibe regelmäßig abends auf (allerdings nicht so oft, wie ich sollte, weil ich einfach zu platt bin (oder hier...)), was das Schönste war, das wir an diesem Tag zusammen erlebt haben. So kann ich die Bilder und Stimmungen vielleicht ein bisschen festhalten...

Quality time - dazu zählen für mich auch die seltenen Momente, wo wir nichts direkt zusammen machen, sondern einfach in Harmonie nebeneinander herleben, und jeder mit seiner Beschäftigung gerade ganz erfüllt und ausgeglichen ist (fand ich übrigens früher auch mit Partner immer gut), und die Anwesenheit des Anderen nur im Hintergrund als warmes geborgenes Gefühl wahrnimmt. Also wenn ich mich z.B. der Gartenarbeit hingebe und das für mich total genieße, während mein Kind in der Nähe ein Schlammbad herrichtet oder ganz versunken mit seinen Autos spielt. Dann sind wir zusammen und doch hat jeder Seins ohne Kompromisse/Zurückstecken - und dazu die Gewissheit, dass man dem Anderen jederzeit auch was fragen oder zeigen könnte, wenn man es wollte.
Kattirina mit Sommersohn 2011
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Re: Qualitätszeit mit dem Kind

Beitrag von Kattirina »

PS ...und wenn ich es mal gar nicht schaffe, für Qualitätszeit zu sorgen (meistens wegen eigener Erschöpfung, Krankheit o.ä.), dann macht mir dieser Gedanke noch ein extra schlechtes Gewissen... nach dem Motto "wieder so ein einzigartiger Tag im Leben mit dem Kind, den ich ungenutzt verloren habe". Ich wünschte, mir würden diese ganzen gutgemeinten und wichtigen Imperative (Carpe diem! Sorge Dich nicht, lebe! Mach es wie die Sonnenuhr... usw.) nur dann in Erinnerung kommen, wenn die Situation eh schon Sonnenuhr-Qualität besitzt. Anstatt zusätzlichen Druck auszuüben, wenn man nun mal gerade nicht in der Lage ist, die eigenen Qualitätsstandards einzuhalten...
Kattirina mit Sommersohn 2011
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