Ich bin seit Langem schon sehr kritisch mit Lebensmitteln, kaufe bevorzugt Bio, versuche aber andererseits auch, dabei nicht verkrampft zu werden - Essen soll auch noch Spaß machen. Man trifft uns also schon gelegentlich (okay, SEHR gelegentlich
Wir haben einen für uns sehr guten Weg gefunden, wir fühlen uns wohl mit unserer Ernährung. Ich kaufe viel im kleinen Bioladen einen Ort weiter, viel aber auch von Alnatura. Was nicht bio ist, dann wenigstens regional, am besten wenn ich weiß, woher die Sachen kommen (betrifft z.B. Fleisch, das es hier eh nur selten gibt).
So weit so gut. Gerade aktuell haben wir aber eine arge finanzielle Dürreperiode. Deren Ende ist GsD absehbar, aber in den nächsten zwei Wochen müssen wir halt schauen, wie wir mit wahnsinnig knappen Mitteln hinkommen.
Also war ich seit Ewigkeiten mal wieder im Kaufland einkaufen. Wollte einige saisonale Produkte und einige Vorräte, unter anderem Kartoffeln.
Meine laienhafte (und ich nehms vorweg auch reichlich naive) Meinung war: was kann man bei Kartoffeln schon groß falsch machen? Ja, am liebsten Bio, damit auch der Bauer und die Umwelt was davon haben. Aber wenn das mal ausnahmsweise nicht geht, dann gehts halt mal nicht.
Ich fand dort also Kartoffelsäcke unterschiedlicher Größe, fast alle offenbar zumindest vom gleichen Vertrieb. Alle Säcke hatten oben eine schmale Plastikbanderole mit Aufdruck, teils verwischt und kaum lesbar. Ich wollte das aber lesen, und auf dem zweiten Sack konnte ich dann entziffern "Nach der Ernte behandelt".
Aha? Sahen aus wie normale Kartoffeln eben. Ich hab kurz nachgedacht, konnte mir nix Böses vorstellen und habe den Sack dann in den Wagen gelegt.
Daheim meinem Mann erzählt, der hat gleich das Internet befragt. Zunächst landete er beim hessischen Verbraucherschutz und fand so heraus, dass es sich dabei um einen Keimhemmer namens Chlorapharm handelt. Dieser ist kennzeichnungspflichtig, jedoch nicht namentlich, das "nach der "Ernte behandelt" reicht also aus. Örks, nicht so schön... Weitergelesen bei Wikipedia und so herausgefunden, wie lange der Stoff in Wasser bzw. Boden zum Abbau braucht und dass er eben durchaus giftig ist für den Menschen, Allergien und Krämpfe auslösen kann und sogar im Verdacht steht, krebsauslösend zu wirken. Dass außerdem die zulässige Rückstandsmenge für Kartoffeln um das 500fache höher liegt, als bei Getreide. Und dass der Stoff eben nicht auf der Schale bleibt, waschen und schälen somit nicht ausreicht. Auch in gekochten und sogar in frittierten Kartoffeln kann das Chlorapharm noch nachgewiesen werden.
Das war der Punkt, an dem der Sack in den Biomüll wanderte. Ich möchte nicht, dass meine Kinder das essen.
Ich finde es einfach unglaublich (mal wieder, neu ist das ja nun wirklich nicht), dass man für wenig Geld nicht bloß qualitativ schlechtere Lebensmittel bekommt (damit rechne ich ja, ist ja logisch). Sondern dass ich hier Sachen auf den Teller bekomme, die ich da nie und nimmer haben will. Damit habe ich noch nicht mal mit berücksichtigt, dass ein ganz wichtiger Grund für mich bio zu kaufen eben auch der ist, dass es für die Umwelt und für die Produzenten besser ist. Meistens zumindest, Skandale und schwarze Schafe gabs ja in der Biobranche auch schon genug
Echt, da kommt mir das Brechen. Und schuld soll immer "der Verbraucher" sein, der das so will? Frage in die Runde: denkt ihr auch, dass die Mehrheit der Verbraucher das wollen? Gift im Essen weil man sich Bio eben mal nicht immer leisten kann? Oder ist das eine billige Ausrede vom Handel (??), der die Produzenten einerseits unter Druck setzt und den Verbraucher andererseits gerne über seine Methoden im Unklaren lassen möchte?
Ich war dann noch im Bioladen, wo ich außerdem noch Brokkoli und Wirsing kaufen konnte, die ich erstaunlicherweise im riesigen Kaufland nicht bekommen habe. Wahrscheinlich glücklicherweise, jetzt mache ich mir beim Kochen und Essen wenigstens keinen Kopf.
Und zum Schluss noch eine lustige Rätselfrage. Wenn das Fass Rohöl heute weniger als die Hälfte dessen kostet, was es heute vor einem Jahr gekostet hat (so zumindest kommt es heute andauernd in den Nachrichten) - wieso ist der Sprit dann zwar billiger geworden, hat sich aber einer 50%-Marke noch nicht mal grob angenähert? Im Gegenteil kostet der Diesel heute Abend exakt 10 Cent mehr, als beim letzten Tanken vor knapp vier Wochen? Fragen über Fragen
Mögt ihr auch Frust abladen? Was nervt euch beim Einkaufen? Ich bin gespannt.
Liebe Grüße Alex