lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

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arwen
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von arwen »

Ich hätte gedacht, dass es reines Lesen durch Schreiben nicht mehr gibt.
Sowohl in Heidelberg als auch Berlin haben meine Kinder möglichst schnell alle Buchstaben mithilfe von Anlauttabellen gelernt, aber richtige Rechtschreibung wird/wurde von Anfang an z.B. durch das Zerlegen von Wörtern in Silben gefördert.
In der zweiten Klassen kamen dann Ableitungsregeln dazu, z. B. Hund mit "d", weil es im Plural "Hunde" heißt.

Vor zwei Jahren habe ich in HD einen Vortrag dazu gehört, und da erzählte die Lehrerin, sie hätten reines Lesen durch Schreiben nur ganz kurz gemacht, weil es nicht funktioniert hat. Als Methode, Kinder zu motivieren, wird es meiner Erfahrung nach immer noch gerne genutzt, auch in Berlin.
Ach ja, die in HD genutzte Methode ist FRESCH (irgendwas mit Freiburger Rechtschreib...), und das jetzt in Berlin scheint sehr ähnlich zu sein.
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Ginevere
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von Ginevere »

Nur kurz weil müde:
Die Methode ist tatsächlich aus verschiedenen Gründen umstritten obwohl der Grundgedanke wirklich gut ( und sehr sutig) ist, nämlich freies, individuelles Lernen.

Man muss nur irgendwann die Kurve kriegen (meiner Meinung nach irgendwann in der 2. Klasse) und Rechtschreibregeln vermitteln.

Heute hat die Methode Eingang im verschiedene Lehrwerke gefunden, wird aber meist nur optional bzw zur Differenzierung/Förderung stärkerer Schüler eingesetzt.

Hoffe das habe ich jetzt in meiner geistigen Umnachtung richtig zusammengefasst, die Kolleginnen dürfen gerne ergänzen. [emoji6]


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SchneFiMa
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von SchneFiMa »

Schaut mal, es gab schon Threads dazu, da wurden schon viele Erfahrungen gesammelt und diskutiert:

http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... 9&t=143461

http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... 9&t=171764
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von Nelly2012 »

Altraia hat geschrieben:Hessen war damals Vorreiter und ist nun dabei, es wieder abzuschaffen. Meine Tochter, zweite Klasse, lernt wieder Buchstabe für Buchstabe, wie wir früher.

Mit der neuen Methode lernen wohl gute Schüler tatsächlich schneller Lesen und Schreiben und beherrschen das dann auch gut. Schüler, die sich sowieso schwer tun, haben durch die Methode offenbar Nachteile, wie sich herausgestellt hat. Ich kann das anhand meiner eigenen Kinder nur bestätigen.

Mir erscheint der Ansatz im ersten Moment reizvoll, nur leider ist die Phonetik des Deutschen nicht besonders deckungsgleich mit der Schriftsprache, und da liegt auch schon das Problem. Kommen dann noch regionale Varianten hinzu, wird es richtig chaotisch.

Rückblickend würde ich mit meinen Schulkind, das nach dieser Methode lernen soll, zu Hause parallel konventionellen Schrifterwerb betreiben.

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Ja, wird es wieder abgeschafft? Das wäre ja mal was...
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swimfan
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von swimfan »

ich les mal mit. Letztens kam die Diskussion im Büro auf, da die Tochter einer Kollegin nähstes Jahr in die Schule kommt. Bei ihr ist es so, dass sie das System nicht gut findet und daher eine Schule gewählt hat, wo nach der alten Methode unterrichtet wird.
mit dem großen Strahlemann (07/12) und der kleinen Strahlemaus (12/15)
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von Altraia »

Auf der Suche danach, wie es nun in Hessen offiziell ist und sein wird, bin ich auf einen guten zusammenfassenden Artikel zur Methodik gestoßen: http://www.vbe-he.de/LUS0514.pdf (Seite 8 ).

Nelly, ich konnte leider nichts dazu finden, was Hessen plant, und ob das überhaupt landesweit geregelt wird. Vielleicht können Lehrerinnen aus Hessen hier dazu etwas sagen? An unserer Schule scheint es jedenfalls derzeit ein Mix zu sein, es wird mit klassischen Fibeln gearbeitet, und die Lehrerin schiebt wohl ab und zu Elemente der neueren Methodik ein. Überwiegend wird aber, wie gesagt, Buchstabe für Buchstabe erlernt und vom ersten Tag an eingehend korrigiert (und auch bewertet, mit einem vierstufigen Smiley-System - was mich aufregt, denn was soll das anderes sein als Noten? Kinder sind doch nicht blöd :?).
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von Sakura »

swimfan hat geschrieben:. Bei ihr ist es so, dass sie das System nicht gut findet und daher eine Schule gewählt hat, wo nach der alten Methode unterrichtet wird.
Würde ich auch gern, leider gibt es in unserer Stadt NUR diese Methode, an allen Schulen :evil:
Sakura mit zwei tollen Mädels 04/11 und 05/13

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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von Snowwhite »

Mein Bruder war eines der ersten Kinder, die nach dieser Methode das Lesen und Schreiben lernen sollten. Er hatte damals sehr große Schwierigkeiten beim Schreiben. Er ist Legastheniker, was die Lehrer nicht erkannt haben. Erst in der 5. Klasse auf dem Gymnasium ist das aufgefallen und er bekam die entsprechende Hilfestellung. Er hat lange gebraucht, bis er fehlerfrei schreiben konnte.
Ich bin der Meinung, er wäre viel schneller aufgefallen, dass er Legastheniker ist, wenn er nach der alten Methode gelernt hätte. Dann hätte er früher Hilfe bekommen und weniger Schwierigkeiten gehabt.
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von sari popari »

Ich habe noch keine abschließende Meinung, da meine Tochter erst in die 2. Klasse geht.

In meinem Umfeld sind nahezu alle negativ eingestellt. Ich seh das nicht ganz so.

Sie hat die Buchstaben nach der Anlauttabelle gelernt und wirklich seh schnell gutes und flüssiges Lesen gelernt. Sie hatte auch schon sehr schnell angefangen eigene Texte zu schreiben (die natürlich fast kein richtig geschriebenes Wort enthielten). Aber ich habe nichts korrigiert, ich hatte Herzchen in den Augen. :-) Jetzt mache ich das anders und weise sie auf Fehler hin. Aber ehrlich gesagt konnte ich in der 2. Klasse auch nicht besser schreiben. Und natürlich steht es jedem Elternteil frei zu korrigieren.
Unterstützend zur Anlauttabelle gibt es an unserer Schule noch Hefte zur Rechtschreibung und Schönschrift.
Liebe Grüße,
sari, glücklich alleinerziehend mit zwei 🌈 Teenies (07/09)
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von taschi »

Meine Tochter,in der 2.Klasse einer Berliner Schule lernt das auch so...:-/

Sie fangen aber langsam mit einigen Regeln an.Den Grundgedanken finde ich auch gut, aber die Angst ist doch unterschwellig da das sie sich die falschen Worte so einprägt das es dann schwierig wird.

Kenne aber andere Kinder die haben das auch in der 5.Klasse noch nicht "richtig" gelernt.

Am 26.11. Haben wir Elternsprechtag, da werde ich das nochmal erfragen.
LG Taschi

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