Verwöhnen wir unsere Kinder?

Moderatoren: Toony, Momolina

Sonya
schreibt ganz schön oft
Beiträge: 133
Registriert: 08.11.2014, 19:39

Verwöhnen wir unsere Kinder?

Beitrag von Sonya »

Hallo,

ich bekomme oft den Vorwurf, meine Kinder zu sehr zu verwöhnen. Besonders von der Schwiegerfamilie, aber auch von meiner eigenen und auch von völlig fremden.

Sicher, meine Kinder haben mehr Möglichkeiten, als das Durchschnittskind, mehr Möglichkeiten als man Mann oder ich. Aber wir sind nunmal in der glücklichen Lage, ihnen viel zu ermöglichen.

Konkret habe ich zwei Beispiele.

Die Schulsituation:
Die Zwillinge sind jetzt seit Sommer in der Schule. Hier im Dorf gibt es leider nur eine verpflichtende Ganztagsschule, um 15 Uhr ist da Schluss und dann kommen noch Hausaufgaben. Das will ich nicht. Erst recht nicht bei Grundschülern.
Deshalb sind meine beiden einen Ort weiter in einer freien Schule. Sie können morgens nach Geschmack (bis 9 Uhr) anfangen, bekommen um 13 Uhr ein Bio-Mittagessen (vegetarisch) und haben danach einen freiwilligen "Wunschkurs". Der geht bis 15 Uhr, es werden unterschiedliche Musikinstrumente angeboten, Sport, Malkurse, aber auch Lernkurse wie ein Chemielabor gibt es. Aber es ist eben freiwillig. Sonst ist um 13.30h nach dem Mittagessen Schluß.
Es gibt Zeitpunkte zu denen bestimmte Dinge sitzen müssen. Diese "Stichtage" werden den Kindern gegenüber zwar nicht kommuniziert, aber die Lehrer achten da schon drauf.
Zum Beispiel wird meine "Träumertochter" M ganz gezielt von den Lehrern in Mathe gefördert. Aber mit Mitteln, die sie annimmt. Zählen von Trommelschlägen zum Beispiel. Oder das Rechnen mit Pappäpfeln, dem Abakus usw.
Meine andere Tochter findet Lesen eher unspektakulär. Obwohl sie schon sehr weit ist (beide haben zu Hause lesen gelernt, auf eigenen Wunsch, fast autodidaktisch), bekommt sie nun vermehrt Textaufgaben in Mathe. Natürlich auf einem angepassten Niveau.
Für mich ist es einfach Gold wert, dass meine Kinder da abgeholt werden wo sie stehen und individuell gefördert werden können. Bei dem was ich von den Nachbarskindern mitbekomme, ist das bei der Regelschule bei uns nicht möglich. Die Klassen haben 25 Schüler, AGs sind hauptsächlich Sportangebote, Chor, Orchester. Jeweils ebenfalls in sehr großen Gruppen.

Eine Tochter geht zweimal die Woche zum Fußball (+ Spiele), die andere hat einmal Musikklasse und einmal Zeichenklasse. W geht ebenfalls zweimal zum Fußball, will er unbedingt, da seine große Schwester dieselben Trainingszeiten hat. Ausserdem geht er einmal wöchentlich zum Schwimmen. Dazu dann noch Unterhaltung zu Hause. Mein Mann musiziert viel, ich reite. Die Kinder dürfen natürlich mitmachen. Ich versuche ihnen auch so viel Freizeit wie möglich zu geben, aber würde ich einen Kurs streichen, wäre hier Holland in Not. Wichtig finde ich, dass die Kinder Spaß dran haben.
Ich hätte es gern gehabt, wenn sie zu einem Fremdsprachenkurs (Englisch z.B.) gehen. Möchten sie aber nicht, also muss ich das akzeptieren.
Ich erhoffe mir durch die Schule und die Freizeitangebote eine bessere Ausbildung, eine individuellere Förderung von dem Ganzen. Die Verwandtschaft sieht es aber als "Ketzerei" an, dass meine Kinder keine Regelschule besuchen.

Das geplante Weihnachtsgeschenk:
Eine meiner Töchter kriegt zu Weihnachten ein Pony. Wir halten und züchten selber Pferde, also ist das kein so großer Strecker wie für viele andere Eltern. Die andere bekommt ein Schlagzeug, sie hat mit Pferden nix am Hut, dass Schlagzeug ist seit zwei Jahren Herzenswunsch und wird jetzt als "Ausgleich" endlich gewährt. Unser Sohn ein Fahrrad, er hat noch keins will aber gerne Fahrradfahren lernen. Die pinken Räder seiner Schwestern gehen gar nicht, kann ich auch verstehen :P
Das Pony ist ein glücklicher "Schnapper". Wir "tauschen" mit Züchterfreunden. Sie haben eine 15 jährige Stute, Deutsches Reitpony, selbst gezogen. 136cm groß, also vergleichsweise groß für ein Kinderpony. Finde ich aber wichtig, so kann man dem Pony ein bisschen Korrekturberitt angedeihen lassen. Und das Kind passt lange drauf. Die Tochter der Züchter ist nun aber endgültig zu groß. Daher kriegt sie zu Weihnachten einen unserer "Jungspunde".
Also eine Win-Win Situation. Das Alter des Ponys finde ich perfekt, wenn meine Tochter raus gewachsen ist, ist das Pony wahrscheinlich rentenreif und kann sich dann bei uns die Weide geniessen.
Allerdings muss ich sagen, hätte sich die Tauschmöglichkeit nicht ergeben, hätten wir den Ponykauf auch noch rausgezögert. Gute Kinderponys sind selten und gehen oft "unter der Hand" weg. Daher habe ich die Möglichkeit genutzt. Gekauft hätte ich das Pony für den aufgerufenen Preis (der aber berechtigt ist) nicht. Denn eigentlich ist es für den Schleifensammler noch zu früh. Aber so habe ich auch noch einen von unseren in sehr gute, fördernde Hände gegeben.

Ich wurde jetzt von meiner Schwiegermutter angerufen, was das denn soll, ich soll doch nur was kleines schenken, sie sind erst sechs, wo soll das hinführen, die lernen ja nie den Wert des Geldes schätzen usw.

Auf der anderen Seite sind unsere Kinder nicht annähernd so gut ausgestattet wie andere Kinder. Die Mädels gingen vor der Einschulung in den Waldkindergarten (mein Sohn ab Sommer), sie hatten einen Rucksack, eine ordentliche Jacke und ansonsten nur Second Hand Klamotten. Auch die Jacken wären Second Hand gewesen, hätte wir hübsche gefunden (sie wollten unbedingt die Gleichen). Angesichts der Funktionsbekleidungsschlacht also sträflich vernachlässigt. Auch sonst wird hier bevorzugt Second Hand gekauft, allerdings auf Qualität geachtet. Neu werden hier nur Schuhe gekauft.
L und M haben jede ein ganz einfaches Handy, ohne Internet, ohne Apps oder sonstiges, es sind (ausser Notruf) vier Nummern freigeschaltet. Meine, die vom Papa, die Festnetznummer und die der Nachbarin. Im Haushalt haben wir kein Tablett, keinen empfangsbereiten Fernseher, die PCs sind mehr Arbeitsgeräte von meinem Mann und mir. In den Urlaub fahren wir, vor allem aus beruflichen Gründen, ebenfalls nicht.

Ich mach mir natürlich meine Gedanken. Ich will meinen Kindern das beste. Verwöhne ich sie? Verbaue ich ihnen Chancen, wo ich sie nur fördern will?
Liebe Grüße

Lena
mit den Mädels L und M (04/08) und Sohnemann W (03/2011)

und dem Überraschungsdoppelpack unterwegs

Bild
Benutzeravatar
Mera
Power-SuTler
Beiträge: 5678
Registriert: 13.04.2006, 17:04
Wohnort: im Rheinland (RLP)

Re: AW: Verwöhnen wir unsere Kinder?

Beitrag von Mera »

Hi,

also was du von der Schule schreibst klingt doch super. Wenn das für euch passt und organisatorisch (Weg z.B.) kein Problem ist, seh ich da kein "verwöhnen". Warum sollen sie denn zur Regelschiule müssen laut Verwandtschaft? Zum abhärten, weil das Leben kein Ponyhof ist (oder doch? Ihr züchtet ja Pferde ;-) ) ? Regelschulen müssen nicht furchtbar sein, aber wenn doch alle mit der Lösung so wie sie ist zufrieden sind und den Stoff beherrschen, was geht es die anderen an?

Genauso die Freizeit: Wenn ihr es könnt, die Kids es freiwillig wollen und auch mal Zeit für Langeweile oder Spielverabredungen bleibt --> so what? Ist eure Sache als Familie. Hey, wir reden von Fussball u.Co. Hier gibt's 7jährige die golfen...und legen auch entsprechende Attitüden an den Tag. So solls natürlich nicht sein, auch wenn man ein exklusives Hobby ausübt.

Und Weihnachten...ich find ein Rad nicht vermessen. Auch ein Schlagzeug nicht, wenn heissgewünscht (gibts auch Unterricht für sie? Sonst ists ja nur Krawallmacher.). Und Pony...wenn ihr eh selbst Pferde haltet u. züchtet und sie reiten lernen möchte, ist das doch perfekt. Von den Umständen und dem Alter her.

Solang du jetzt nicht noch Weihnachten weitere 20 Geschenke unter den Baum stellst und die Kids peinlich genau darauf achten dass ja keiner übervorteilt wurde...das fände ich nämlich verwöhnt und verzogen. Wenn Dinge, gerade auch wenn es nichts alltägliches ist, nicht schätzen gelernt werden. Wenn alles selbstverständlich hingenommen wird und unangemessene Wut ausbricht, wenn etwas nicht ermöglicht werden kann/soll. Das sind für mich verwöhnte Kinder, nicht die, die sich zwei Jahre etwas wünschen und dann endlich bekommen.



------
LG, Mera mit Nr.1 (2006), Nr.2 (2007) & Nr.3 (2011)
LG, Mera
mit Nr.1 (01/06) & Nr.2 (10/07) & Nr.3 (10/11) & Nr.4 (04/15) &*(12/04 & 12/10 & 01/14)
Lösche Benutzer 17612

Re: Verwöhnen wir unsere Kinder?

Beitrag von Lösche Benutzer 17612 »

Das geht nun mal wirklich niemanden was an, was ihr Euren Kindern schenkt. Handys, Pony, teures (?) neues Fahrrad, Schlagzeug und so ein ausgefüllter Wochenplan für 6- jährige sind zwar garantiert deutlich mehr als die meisten anderen Kinder bekommen. Aber-wenn ihr es Euch leisten könnt , warum denn nicht? Ich finde es ist viel, aber ich würde daraus nicht schlussfolgern, dass sie verwöhnt werden. Das Schulthema steht -finde ich-ganz und gar nicht frei zur Diskussion. Wenn es Euren Kindern dort gut tut, ist es genau richtig!!
Sonya
schreibt ganz schön oft
Beiträge: 133
Registriert: 08.11.2014, 19:39

Re: AW: Verwöhnen wir unsere Kinder?

Beitrag von Sonya »

Mera hat geschrieben: Auch ein Schlagzeug nicht, wenn heissgewünscht (gibts auch Unterricht für sie? Sonst ists ja nur Krawallmacher.). Und Pony...wenn ihr eh selbst Pferde haltet u. züchtet und sie reiten lernen möchte, ist das doch perfekt. Von den Umständen und dem Alter her.
Ja, sicher gibs Unterricht. Im Musikkurs hat sie auch ein Schlagzeug, dass heiss und innig gespielt wird. Muss sie da allerdings teilen. Ansonsten hilft der Papa aus, der Musiziert viel und gern. Ich habe allerdings erst zugestimmt als mein Mann versprochen hat, den Schuppen zum Musikzimmer umzubauen. Ich finde die Geige nämlich schon schwer erträglich :lol:
Mera hat geschrieben: Solang du jetzt nicht noch Weihnachten weitere 20 Geschenke unter den Baum stellst und die Kids peinlich genau darauf achten dass ja keiner übervorteilt wurde...das fände ich nämlich verwöhnt und verzogen. Wenn Dinge, gerade auch wenn es nichts alltägliches ist, nicht schätzen gelernt werden.
Ne, unter den Baum kommt für L noch ein Trikot ihrer Lieblingsmannschaft, für M ein Kasten neue Buntstifte und für W irgendwas in Baustein-Richtung. Mehr nicht. Gut, die Geschenke der Großeltern und Verwandschaft, aber damit haben wir nichts zu tun, bzw. ist das auch teilweise an die Hauptgeschenke angepasst. Also Putzzeug/Halfter fürs Pony, Schlagzeughocker und Noten, Fahrradhelm....


Danke für eure Meinungen, dass bedeutet mir viel, das mir nicht immer gesagt wird, dass meine Kinder verwöhnt sind.
Liebe Grüße

Lena
mit den Mädels L und M (04/08) und Sohnemann W (03/2011)

und dem Überraschungsdoppelpack unterwegs

Bild
Neuhier
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1494
Registriert: 07.06.2013, 17:09

Re: Verwöhnen wir unsere Kinder?

Beitrag von Neuhier »

(ersehnte) Möglichkeiten bieten, die innerhalb eures Rahmens liegen hat nichts mit verwöhnen zu tun. Ich hatte ähnliche Möglichkeiten als Kind und Jugendliche, habe aber gleichzeitig den Wert des Geldes gelernt und bin nicht "von Beruf Tochter" geworden. Im Gegenteil. Ich weiß was man leisten muss und kann wenn man etwas will.

Bleib dabei und erfreu dich an der Freude die deine Kinder daran haben!
Delivery 04/13 + 07/15
EhMiKS

Re: Verwöhnen wir unsere Kinder?

Beitrag von EhMiKS »

und selbst wenn?? was spricht denn gegen verwöhnen? als ich die überschrift las, dachte ich erstmal an kleinere kinder, hier in deutschland wird ja schon babymamas vergeworfen dass sie ihre kinder verwöhnen.... na und?! solange sie mit liebe und zuwendung und achtsamen eltern verwöhnt werden ist das doch ganz wahnsinnig wundervoll oder? :)
Sonya
schreibt ganz schön oft
Beiträge: 133
Registriert: 08.11.2014, 19:39

Re: Verwöhnen wir unsere Kinder?

Beitrag von Sonya »

Och, der Vorwurf die Babys zu verwöhnen hat sich inzwischen abgenutzt. Vollgestillte Zwillinge im Familienbett und im Tragetuch (damit konnte ich in den Stall), 24h jemand bei den Babys, immer Körperkontakt beim Schreien, der Kurze genauso....
Vielleicht ist der materielle Verwöhn-Vorwurf auch nur die Kompensation.

Es ist halt schwierig, wenn man das immer und immer wieder aus dem Umfeld hört. Mein Mann und ich kommen halt eher aus bescheidenen Verhältnissen, mein Mann noch mehr als ich, da stößt man halt auf Unverständnis, dass wir uns "sowas" leisten können.

Aber wir möchten unseren Kindern halt Möglichkeiten geben, die uns verwehrt wurden.
Liebe Grüße

Lena
mit den Mädels L und M (04/08) und Sohnemann W (03/2011)

und dem Überraschungsdoppelpack unterwegs

Bild
Benutzeravatar
Kate
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1428
Registriert: 12.01.2011, 18:01
Wohnort: Hannover

Re: AW: Verwöhnen wir unsere Kinder?

Beitrag von Kate »

Unser Sohn hat "nebenbei" ein größeres Fahrrad bekommen, welches wir (gebraucht) bei ebay Kleinanzeigen für sehr wenig Geld bekommen haben. Jetzt - Wochen später - sagt er immer noch oft "Ich freu mich so, dass ich ein neues Fahrrad habe!"

Mach deine Kindern die Freude und lass dir deine dabei nicht verderben.

Gesendet von meinem GT-I8160 mit Tapatalk
„Wenn wir einfach schon ganz früh erfahren dürfen, dass wir sind und dass wir, weil wir sind, gut sind, ich glaube, das kann eine Gesellschaft wirklich grundlegend verändern.“ (Alexandra)
Lösche Benutzer 1828

Re: Verwöhnen wir unsere Kinder?

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Nein - finde ich gar nicht. Das klingt alles recht bodenverhaftet :)
Ein Pony ist doch in Eurem Fall etwas eher ganz normales.
Ich denke, da spricht auch eine ganz große Portion Neid von vielen mit rein......
Benutzeravatar
Ellipirelli
alter SuT-Hase
Beiträge: 2318
Registriert: 19.01.2012, 19:39
Wohnort: Hannover

Re: Verwöhnen wir unsere Kinder?

Beitrag von Ellipirelli »

Ich schließe mich an!
Finde, dass klingt nicht nach verwöhnen, sondern nach eurem Familienleben.
Und das Pony/Schlagzeug passt doch zum reiten& musizieren.
liebe Grüsse von Elli
mit 4 Männern zuhause (08/1980)(08/2011) (08/2013) (03/16)
Du fehlst mir.... http://www.andischmitt-online.de
Ich habe sooo viel schlimmes gesehen,dass man es mit 2 Worten besser nicht ausdrücken kann: Fuck Cancer
Antworten

Zurück zu „Unsere Kinder“