Mein Sohn möchte nicht mehr gestillt werden, war es das nun?

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zwilling23
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Mein Sohn möchte nicht mehr gestillt werden, war es das nun?

Beitrag von zwilling23 »

Mein Sohn ist 8,5 Monate. Ich weiß, dass das schon eine lange Zeit ist, die ich ihn gestillt habe aber ich wollte gern das Jahr voll machen. Anfang August hatten wir ihm angewöhnt auch ab und an Tee aus der Flasche zu trinken. Da klappte alles noch sehr gut. Ich habe ihn in der Nacht 1x, morgens, nach dem Mittagessen und abends noch gestillt. Sonst bekam er mittags Brei und nachmittags Fruchtbrei, manchmal auch noch die Brust. Seit zwei Wochen bekommt er morgens gg. 9 Uhr Schnittchen, erst mit Butter, seit 5Tagen auch mit etwas Leberwurst. Seit letztem Wochenende hat er nur noch ganz wenig an der Brust getrunken. Ich hatte den Eindruck, dass es ihm zu lange dauerte, bis der Milchspendereflex einsetzte. Ich habe mir angefangen, Sorgen zu machen, da ich finde, dass er ja doch noch ein oder zwei Milchmahlzeiten am Tag braucht und habe ihm abgepumpte Milch in der Flasche gegeben. Nun möchte er seit Montag gar nicht mehr an die Brust :°(. Da ich aber immer noch sehr viel Milch habe, pumpe ich diese nun ab und gebe sie ihm mit der Flasche. Ich versuche immer noch, ihn anzulegen aber sobald er die Warze im Mund und zweimal gezogen hat, lässt er los und schiebt mich weg :°(. Heute am frühen Morgen habe ich ihn wieder angelegt, leider an der Seite, wo die Milch nicht so reichlich fließt. Da hat er dann mehrfach gezogen, ist dann abgefallen und wollte nicht mehr. Also habe ich ihm die Milch wieder mit der Flasche gegeben.
Ich habe das Stillen immer sehr genossen, zumal ich es ungemein praktisch finde. Nachts jetzt los zu laufen und die Milch im Wasserbad zu erwärmen ist doch was anderes. Außerdem fehlt mir das Innige beim Stillen.
Was kann ich machen, damit er wieder an die Brust geht oder muss ich mich damit abfinden, dass es nun vorbei ist mit stillen?
jusl
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Re: Mein Sohn möchte nicht mehr gestillt werden, war es das

Beitrag von jusl »

Hallo und herzlich willkommen hier.

Also Dein Bericht klingt sehr eindeutig nach einer klassischen (ungewollten) Umgewöhnung Deines Babys an die Flasche. Das ist eine relativ häufige Folge des Gebrauchs künstlicher Sauger während der Stillzeit. Viele Babys kommen mit dem Wechsel zwischen Brust und Flasche (ggf. plus Schnuller) auf Dauer nicht gut zurecht; oft setzt beim Kind Gewöhnung an, so dass es eins von beiden - Brust oder Flasche - irgendwann vorzieht. Das Problem verstärkt hat vermutlich auch die geringe Stillhäufigkeit. Vier Mahlzeiten in 24 Stunden sind für ein 8 Monate altes Baby recht wenig.

Also, Dein Baby isst schon recht viel Beikost und es ist an Teeflaschen gewöhnt worden. Viele Eltern machen das absichtlich so, um das Baby noch deutlich vor dem ersten Geburtstag aktiv abzustillen. Du kannst versuchen, das Ruder noch mal herumzureißen sozusagen - eine realistische Chance sehe ich dafür allerdings nur, wenn das Saugbedürfnis Deines Babys grundsätzlich noch relativ groß ist (da sind Kinder im zweiten LHJ durchaus verschieden) und Du in den nächsten Zeit konsequent auf den Einsatz künstlicher Sauger verzichtest. Auf diese Weise könnte Dein Baby sein Saugbedürfnis nur noch an der Brust stillen kann sozusagen, evtl. reicht das als Maßnahme schon. Bekommt Dein Baby einen Schnuller?

LG
Julia
zwilling23
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Re: Mein Sohn möchte nicht mehr gestillt werden, war es das

Beitrag von zwilling23 »

Ja und das seit seinem ersten Lebenstag. Der Gedanke ist mir auch schon gekommen, dass er nun lieber die Flasche nimmt. Ich fand eigentlich nicht, dass er wenig gestillt wird. Nachts, am frühen Morgen, nach dem Mittagessen, manchmal nachmittags und abends. Das ist 4x. Da mein Kleiner nun überhaupt nicht mehr an die Brust geht, sondern nur noch heftig weint, sobald ich ihn anlegen will, hat sich das mit dem Stillen offenbar erledigt. Milch ist noch genug da. Die pumpe ich weiterhin mittags und abends ab. Hätte ich geahnt, dass Tee aus der Flasche dafür sorgt, dass er nicht mehr an die Brust will, hätte ich das nie angefangen. Nun ist es zu spät. Sicherlich könnte ich versuchen, ihm sämtliche künstliche Sauger vorzuenthalten. Allerdings fällt es mir sehr schwer, gerade am frühen Morgen, d. h. so gg. 4 oder 5 Uhr, dem Geschrei nicht nachzugeben. Müsste ich ihm dann seine Mahlzeit im Becher geben, oder wie sonst? Hätte es jetzt nach über einer Woche überhaupt noch Sinn und hattest du schon einen Fall, wo es nach so langer Zeit wieder klappte?
zwilling23
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Re: Mein Sohn möchte nicht mehr gestillt werden, war es das

Beitrag von zwilling23 »

Übrigens wollte ich mich entschuldigen, dass ich erst jetzt antworte aber ich konnte mich hier leider nicht mehr einloggen. Warum? Keine Ahnung. Auf einmal, nach gefühlten tausend Malen, ging es wieder. Vielen Dank noch für die schnelle Antwort.
jusl
Jusl Almighty
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Re: Mein Sohn möchte nicht mehr gestillt werden, war es das

Beitrag von jusl »

Ich fand eigentlich nicht, dass er wenig gestillt wird. Nachts, am frühen Morgen, nach dem Mittagessen, manchmal nachmittags und abends. Das ist 4x.
Klar, immerhin 4x, aber normalerweise wird mit 8 oder 9 Monaten noch UNVERÄNDERT viel gestillt, wie zu Vollstillzeiten, eben ERGÄNZT durch feste Nahrung. Also meine Kinder haben in dem Alter definitiv noch 8-12 mal in 24 Stunden gestillt, das wurde erst weit nach dem ersten Geburtstag deutlich weniger. Von daher: Für ein Baby, das keine künstlichen Sauger kennt, wäre 4x tatsächlich ziemlich selten. ;-)
Fürs bundesdeutsche Durchschnittsbaby ist 4x mal erfreulich oft (denn die meisten sind mit 6 Monaten bereits komplett aktiv abgestillt worden).
Hätte ich geahnt, dass Tee aus der Flasche dafür sorgt, dass er nicht mehr an die Brust will, hätte ich das nie angefangen.
Ja, das - plus die Schnullergabe von Anfang - ist mit Abstand die wahrscheinlichste Ursache dafür, dass Dein Baby sich von der Brust hin zu künstlichen Saugern umgewöhnt hat.
Sicherlich könnte ich versuchen, ihm sämtliche künstliche Sauger vorzuenthalten. Allerdings fällt es mir sehr schwer, gerade am frühen Morgen, d. h. so gg. 4 oder 5 Uhr, dem Geschrei nicht nachzugeben. Müsste ich ihm dann seine Mahlzeit im Becher geben, oder wie sonst? Hätte es jetzt nach über einer Woche überhaupt noch Sinn und hattest du schon einen Fall, wo es nach so langer Zeit wieder klappte?
Ja, sicher! Das ist ja praktisch das Kerngeschäft von Stillberaterinnen, die viel mit Saugstörungen usw. zu tun haben. Du hast auf jeden Fall die Möglichkeit, zu versuchen, Dein Baby wieder rückzugewöhnen. Sinnvoll wäre allerdings, wenn Du Dir vorher gut überlegst, ob Du das tatsächlich MÖCHTEST, denn eine Rückgewöhnung geht für gewöhnlich damit einher, dass künstliche Sauger dann erstmal tabu sind. Wenn die Rückgewöhnung erfolgreich verlaufen ist, bedeutet das meist, dass das Baby ab dann künstliche Sauger verweigert und/oder auch keine mehr angeboten bekommen sollte.
Das Forum hier ist voll von erfolgreichen Umgewöhnungen, und die Sorge, dass das Umgewöhnungsprogramm nur viel GESCHREI geht, mag ich Dir direkt nehmen. Schreien ist NICHT Bestandteil des Programms. Sondern: Dem Baby werden KLEINE Lernschritte angeboten, mit klarer Zielsetzung zwar, aber im EIGENEN Tempo des Babys.
Hast Du hier im Forum schon über das klassische Umgewöhnungsprogramm von der Flasche zur Brust gelesen? Wünschst Du dazu nähere Informationen?

LG
Julia
zwilling23
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Re: Mein Sohn möchte nicht mehr gestillt werden, war es das

Beitrag von zwilling23 »

Nein habe ich noch nicht. Gerne hätte ich nähere Informationen zu dem Umgewöhnungsprogramm. Wenn mein Kleiner keinen Nuckel mehr nehmen sollte, ist das kein Beinbruch. Schließlich ist er ja schon in dem Alter wo er aus der Tasse (mit Trinklernaufsatz?) trinken kann. Allerdings ist mir schleierhaft, wie ich ihn ohne seinen Nuckel vor dem Schlafen gehen oder in der Nacht beruhigen soll. Ich habe noch ein anderes Kind, welches ausgeruht in die Schule gehen soll. Wenn dann der Kleine lange weint, sehe ich da schwarz. Und Mitte Dezember muss ich schon wieder arbeiten, deshalb würden mir die 4 - 5 Stillmahlzeiten bis auf Weiteres reichen. Wenn er dann in den Kindergarten geht, kann ich ihn ja sowieso nur noch morgens, nachmittags und abends stillen.
Ich war leider so naiv, dass ich mir dachte, dass ich, wenn ich alles so mache, wie bei meinem Großen, ich irgendwann entscheide, wann ich mit dem Stillen aufhöre. Dass es nun so endet, ist sehr schade. Obwohl ich mir sicher bin, dass es mit dem zu spät einsetzenden Milchspendereflex zu tun hat. Denn bis dahin hat er immer, trotz Tee aus der Flasche, eifrig an der Brust getrunken. Als er dann aber immer eine Weile gesaugt hat und er immer später einsetzte (mit Sicherheit auch, weil ich auch nicht mehr so entspannt war), war er ganz zornig und wollte nicht mehr dran.
8 - 12x in 24 Stunden. Das ist aber viel. Meine Hebamme meinte, als sie die Stillmahlzeiten von meinem Kleinen im Alter von knapp 7 Monaten mitbekommen hat, dass er noch fast vollgestillt wird.
Ich werde mich, wenn es heute meine Zeit noch zulässt, mal hier durch das Forum lesen. Ich brauche aufbauende Nachrichten.
Ich warte nun sehnsüchtig auf eine Nachricht von dir. Vielen Dank schon mal.
chipmunk
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Re: Mein Sohn möchte nicht mehr gestillt werden, war es das

Beitrag von chipmunk »

Ich wollte dir nur kurz dalassen, dass das mit Kindergarten und Arbeiten ganz unproblematisch klappen kann auch wenn die Kinder noch fast voll gestillt werden.
Mein Sohn hat bis vor 2 Wochen noch bestimmt 80% gestillt, so alle 2-4 Stunden und bei den Mahlzeiten hat er primär mit dem Essen gespielt. Aber, wir sind jetzt in der zweiten Woche der Eingewöhnung und mein Sohn vergisst das Stillen in der Kita total, weil er das alles so spannend und toll findet. Mein Mann oder ich gehen gerade vormittags so 4-5 Stunden mit ihm hin, er stillt vorher nochmal, dort dann gar nicht, beim Mittagessen haut er voll rein und danach ist er so platt, dass er schon auf dem Heimweg wegpennt. Unglaublicherweise sogar im Autositz, was uns im gesamten ersten Jahr exakt Null mal passiert ist. Letzte Woche hat er so tags 6-7h Stillpause völlig problemlos durchgehalten. Abends, morgens und nachts stillt er wie gewohnt.
Ich würd mir da im Vorfeld keine Sorgen drum machen, oder Vorbereitungen treffen, das wird sich automatisch ergeben.
mit zwei Jungs (8/2013 und 6/2020)
jusl
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Re: Mein Sohn möchte nicht mehr gestillt werden, war es das

Beitrag von jusl »

Gerne hätte ich nähere Informationen zu dem Umgewöhnungsprogramm. Wenn mein Kleiner keinen Nuckel mehr nehmen sollte, ist das kein Beinbruch. Schließlich ist er ja schon in dem Alter wo er aus der Tasse (mit Trinklernaufsatz?) trinken kann.
Prima, dann kommt hier erstmal eine Beschreibung des Umgewöhnungsprogramms:
Das Programm sieht eine schrittweise Um- bzw. Rückgewöhnung von der Flasche zur Brust vor. Das Baby lernt dabei in kleinen Lernschritten und im eigenen Tempo, also ausdrücklich NICHT mit Schreienlassen oder Hungern oder sowas. Die Lernschritte sehen ungefähr so aus:

1. ein oder zwei Saugerwechsel, damit sich das Baby an ein neues Mundgefühl gewöhnt (welche Saugermarke ist praktisch wurscht)
2. Flaschefüttern in Stillposition (Haut an Haut, sehr flach gehalten für langsamen Trinkfluss, Seitenwechsel usw.)
3. Nutzen des Flaschensaugers als Brusthütchen
4. Wechsel auf ein richtiges Brusthütchen
5. Abgewöhung des Brusthütchens.

Oft kommt bei den Schritten 3 und 4 noch das Brusternährungsset (kurz: "BES") zum Einsatz. Dieses Stillhilfsmittel erlaubt das Zufüttern WÄHREND des Stillens. Auch bei gut etablierter Milchproduktion ist der Einsatz des BES oft hilfreich, um z.B. die ersten Sekunden an der Brust zu überbrücken, bis die Milch fließt. Kennst Du dieses Stillhilfsmittel?

Ich habe schon recht viele Um- und Rückgewöhnungen begleitet; die Erfolgsschancen dieses Programms sind ziemlich hoch. Ein Pluspunkt bei Euch ist Deine derzeit noch vergleichsweise hohe Milchproduktion, das ist günstig.
Wenn Du es mit diesem Programm probieren magst, unterstützen wir Dich hier gern dabei; eine engmaschige Begleitung ist sinnvoll. Es gibt auch eine bebilderte Anleitung dazu, günstig zu erwerben hier.
Ich habe noch ein anderes Kind, welches ausgeruht in die Schule gehen soll. Wenn dann der Kleine lange weint, sehe ich da schwarz.
Das verstehe ich. Probier es einfach aus, wie es läuft.

Was meinst Du?

Rückfragen immer gerne und
LG
Julia
zwilling23
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Re: Mein Sohn möchte nicht mehr gestillt werden, war es das

Beitrag von zwilling23 »

Ich bin dabei.
Saugerwechsel: Ist damit der Schnulli und der Sauger auf der Flasche gemeint oder nur eines von beiden?
Wie lange soll ich die aufgezählten Schritte durchführen oder merke ich das am Verhalten des Kleinen?
Soll ich weiterhin versuchen, ihn mehrmals am Tag anzulegen?
LG vom zwilling
jusl
Jusl Almighty
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Re: Mein Sohn möchte nicht mehr gestillt werden, war es das

Beitrag von jusl »

Damit ist der Sauger der Flasche gemeint. Schnuller sollten wenn irgendmöglich NICHT mehr eingesetzt werden.
Wie lange soll ich die aufgezählten Schritte durchführen oder merke ich das am Verhalten des Kleinen?
Jeder Lernschitt wird so lang geübt, bis das Baby es kann. Wenn es den Lernschritt dann kann, wird der nächste Lernschritt angegangen.
Wie lange ein bestimmter Lernschritt dauert, oder ob einer fürs Baby eher leicht oder eher schwierig ist, ist von Fall zu Fall komplett unterschiedlich; das sieht man dann. ;-)
Soll ich weiterhin versuchen, ihn mehrmals am Tag anzulegen?
Nein, das wäre ja gleichbedeutend mit dem Überspringen mehrerer Schritte!.. Offensichtlich funktioniert das ja auch nicht, sondern hätte es bereits geklappt. Gerade DESHALB empfielt es sich ja, bei komplett umgewöhnten Babys mit KLEINEN Lernschritten zu arbeiten.

Also: Lernschritt 1 steht an. Sinn und Zweck dieses ersten Schrittes ist, dass das Baby lernt: "Auch wenn es sich im Mund jetzt plötzlich etwas anders anfühlt als gewohnt, ich muss mir keine Sorgen machen, ich werden trotzdem satt und fühle mich trotzdem wohl".

Wähle dazu ein oder zwei ANDERE (Weithals-)Flaschensauger. Ich freue mich auf Deine Berichte!

LG
Julia
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