Koppelung von Liebe und Zuwendung mit Nahrungsaufnahme?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Tragling
ist nicht mehr wegzudenken
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Koppelung von Liebe und Zuwendung mit Nahrungsaufnahme?

Beitrag von Tragling »

Ich bin ja mittlerweile schon mit ganz vielen Vorurteilen konfrontiert worden (und ignoriere diese meist :lol: ) aber bei einem Gegenargument komme ich immer wieder ins Grübeln.

Meine Ärztin sagt schon lange (ca seitdem der Kleine ein halbes Jahr "alt" ist und davor auch bei meiner Grossen):

"Aber jetzt ist es wirklich mal an der Zeit, dass der/die Kleine lernen, dass Liebe u Zuwendung nicht mit Nahrungsaufnahme gekoppelt ist, sondern dass dieses Bedürfnis mit Kuscheln, Streicheln etc gestillt wird.
Sonst lernen die Kinder nur, dass sie beim Bedürfnis nach Liebe u Zuwendung zu Essen greifen um es so zu befriedigen... "

Vom Gefühl her sag ich "Quatsch" - aber ich kann nichts finden, um ein "Gegenargument" zu finden. Gäbe es denn eines?

"Was du stillst noch" kenne ich natürlich - aber genau zu diesem Punkt kann ich nichts in diesem Artikel finden.

Ein leiser Zweifel bleibt nämlich noch, denn ich sehe in der eigenen Familie, wie sich mittels Essen/Naschen selber "belohnt" wird oder (andere) Bedürfnisse damit gestillt werden :? - es sind tief verwurzelte Verhaltensweisen, die ganz unbewusst ablaufen - ein sehr komplexes u schwieriges Thema.

Und obwohl ich eigentlich nicht damit rechne, so ein bisschen "Angst" ist schon auch dabei, dass durch Langzeitstillen (und stillen in "besonderen" Situationen) genau das dann doch gefördert würde :|

Was meint ihr dazu? Kann mich wer beruhigen, bzw gibt es ein Gegenargument?
Lg Lizzy mit Hannah (geb. 03/2010) und Theo (geb. 01/2013)
EhMibima

Re: Koppelung von Liebe und Zuwendung mit Nahrungsaufnahme?

Beitrag von EhMibima »

Meiner Erfahrung nach entkoppeln die Kinder beim selbstgewähltem Abstillalter diese Dinge von selbst. Meine Große hat sich mit 4 selbst abgestillt und gesagt daß sie jetzt keine Mimi mehr braucht. Der Kleine stillt nur noch alle 1-2Tage mal kurz. Wenn, dann meist vor Hunger.
Meine Beiden kommen zu mir wenn sie Frust haben und gehen nicht in die Küche. Und wenn ich ihnen dann mir einem Snack komme, lehnen sie es empört ab ;) )
Ich wurde kaum gestillt (meine Mutter "weiß es nicht mehr genau wie lange :roll: )also eher kurz, denn sie hat uns einschlafschreien lassen :roll: ) und bin eher ein Frustesser :oops: :roll:
Sind jetzt natürlich keine Argumente aber frag mal deine Kiä warum gestillte Kinder ein geringeres Risiko für Diabethes und Übergewicht haben? Und ob sie dir ganz konkrete Beispiele aus ihrer Praxis nennen kann...oder ob sie ihre Theorie nur gelesen hat.
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tania
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Re: Koppelung von Liebe und Zuwendung mit Nahrungsaufnahme?

Beitrag von tania »

also: essen ist total richtig und wichtig, wenn man HUNGER hat. wenn man keinen hunger hat und isst, ist das ersatzbefriedigung.

waere stillen nur nahrungsaufnahme, wuerden die bedenken wie ersatzbefriedigung greifen. stillen ist aber viel mehr. es gibt nichts mit dem stillen vergleichbares fuer erwachsene.

wenn ein kind weint und trost braucht, dann ist die brust trost. das ist keine ersatzbefriedigung, sondern die direkte zutreffende antwort.

es laesst sich auch beim eigenen kind richtig beobachten, wie es "aus der brust rauswaechst", wie immer weniger probleme durch die brust geloest werden koennen. im saeuglingsalter hilft brust einfach immer.

mit zwei will mein kind mir erzaehlen wo es sich wie wehgetan hat. dazu wollen einige kinder auch noch stillen. hoere ich aber nicht zu, ist dieses beduerfnis auch durch stillen nicht zu befriedigen.

ich habe auch schon gehoert, dass lange stillen das rauchen foerdern soll, weil kinder daran gewoehnt werden immer etwas im mund zu haben. aber meiner erfahrung nach laeuft es ja so, dass sich kinder schrittweise daran gewoehnen eben nichts mehr im mund zu haben. als mein kind kleiner war, hat er bei viel trubel gestillt und sich richtig bei mir versteckt. als er etwas groesser war fing er an, gleichzeitig wie wild den kopf zu drehen (*autsch* :roll: ), weil er es ja alles mitkriegen wollte, aber es war ihm immer noch zu viel. inzwischen wuerde ich ihn im leben nicht mehr an die brust kriegen, weil er trubel total toll findet. er braucht die brust in solchen situationen nicht mehr. und wenn er unsicher ist, reicht ihm meist der schoss. dem grossen reicht es oft, mich einfach anzuschauen, seine emotionen auch mit etwas koerperlichem abstand zu teilen. und das einende an stillen und schoss sitzen und blickkontakt aufnehmen bin ICH. stillen ist mama-konzentrat, auch nahrung, aber eben viel mehr.

babys kommen unverkorkst auf die berlin und folgen ihren beduerfnissen. sie stillen nicht UM ZU, sondern weil genau stillen ihre beduerfnisse nach gestillt werden befriedigt.
tania mit sohn *09 und sohn *12
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arachnia
ist nicht mehr wegzudenken
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Re: AW: Koppelung von Liebe und Zuwendung mit Nahrungsaufnah

Beitrag von arachnia »

Ich bin ja auch erst Neuling auf dem Gebiet und freunde mich so langsam mit dem Gedanken, evtl länger zu stillen an.

Aber wenn man sich schon allein den Terminus "Bedürfnisse STILLEN" anschaut - irgendwo muss das ja herkommen, oder? Mir kommt's inzwischen eher so vor, als sei gerade die Entkopplung und damit "Ersatz"befriedigung der Knackpunkt.
LG arachnia (mit Mäusemädchen 04/14) und Wintermädchen (01/17)
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Carraluma
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Re: Koppelung von Liebe und Zuwendung mit Nahrungsaufnahme?

Beitrag von Carraluma »

Ich glaube, dass man sich beim Stillen darüber keine Sorgen machen muss, weil sich alle Kinder irgendwann von selbst abstillen!

Noch ein Gedanke:
Was soll denn an Stillen immer so falsch sein? Als Erwachsener wird man auch selten am Kopf gestreichelt, um getröstet zu werden, und trotzdem sagt doch niemand "Streichele dein Kind nicht am Kopf, damit es sich nicht dran gewöhnt, und als Erwachsener auch noch am Kopf gestreichelt werden will."

Es ist doch ein ziemlich unnatürlicher Ansatz Bedürfnisse trennen zu müssen, oder nicht? Dass es dazu aussagekräftige Untersuchungen gibt, kann ich mir nicht vorstellen. Dann dürfte man ja fast nie Stillen, weil wann kann man sicher sein, dass das Kind nur Hunger/Durst und nicht etwa (zusätzlich) ein Trostbedürfnis?
Carraluma mit der großen Tanzmaus (*2012), dem Fußballer (*2016) und der kleinen Tanzmaus (*2019)
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klimaforscherin
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Re: Koppelung von Liebe und Zuwendung mit Nahrungsaufnahme?

Beitrag von klimaforscherin »

Was wäre denn schlimm einer Kopplung von Nahrungsaufnahme und Zuwendung? Doch wohl die Gefahr für Übergewicht. Oder ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen.
Wenn Stillen dies verursachen sollte, müsste es EIGENTLICH Studien dazu geben, die zeigen, dass gestillte Kinder im späteren Leben ein höheres Risiko für Übergewicht haben. Gibt es mW nicht, eher im Gegenteil!

Hier würde ich die Behauptung gerne an diejenige zurückgeben, die sie aufgestellt hat: Wer behauptet, muss belegen. ;)

Ansonsten behaupte ich auch einmal, dass täglicher Konsum von einer Tasse Kaffee schöne Augenbrauen macht und steige ins Geschäft ein :mrgreen:
Grüße
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chipmunk
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Re: Koppelung von Liebe und Zuwendung mit Nahrungsaufnahme?

Beitrag von chipmunk »

Ich würde auch mit dem niedrigeren Diabetes und Übergewichtsrisiko argumentieren, denn das passt ja gar nicht zu übermäßiger Nahrungsaufnahme durch Frust.

Abgesehen davon kann man glaube ich auch gar nicht pauschal sagen, dass Kinder bei Frust oder zum Trost stillen wollen, also meines zumindest möchte das oft nicht. Im Gegenteil, er kann so richtig wütend werden, wenn er weint und ich wage es ihm dann noch die Brust anzubieten. Da will er oft viel lieber anders getröstet oder abgelenkt werden. Zum Schmusen und Kuscheln stillt er sehr gerne, aber das hat dann ja gar nichts mehr mit Frustessen zu tun.
Und Ersatzbefriedigung ist es ja eigentlich auch nicht, denn er kuschelt und schmust dann ja auch, mal also genau das was er möchte.

Wenn die Kinder keinen Hunger haben, aber an der Brust Kuscheln und Schmusen wollen, dann können sie ja auch nur Nuckeln, also schon sehr bewusst die Nahrungsaufnahme vom Rest trennen.
mit zwei Jungs (8/2013 und 6/2020)
SandraKoeln
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Re: Koppelung von Liebe und Zuwendung mit Nahrungsaufnahme?

Beitrag von SandraKoeln »

Nur ganz kurz: aus meiner Sicht ist gerade die ENTkopplung von Nahrungsaufnahme und Zuwendung ein Problem. Weil eben das letztere durch das erste ersetzt wird. Und erst dann kann Essen zur Ersatzbefriedigung werden. In gesunden sozialen Strukturen sind Essen und Zuwendung auch im Erwachsenenalter meist gekoppelt. Wer isst den schon gern allein? Aber die Chips alleine vorm TV: das ist Ersatz für Gemeinschaft und Zuwendung!

☆ tapatalking ☆ Großer 08/11 und Bauchbaby 09/14 ☆
Unterwegs mit dem Großen (08/11), der Kleinen (09/14) und den Zwitschis (06/17)
EhMibima

Re: Koppelung von Liebe und Zuwendung mit Nahrungsaufnahme?

Beitrag von EhMibima »

SandraKoeln, Spannend!
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klimaforscherin
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Re: Koppelung von Liebe und Zuwendung mit Nahrungsaufnahme?

Beitrag von klimaforscherin »

SandraKoeln hat geschrieben:Nur ganz kurz: aus meiner Sicht ist gerade die ENTkopplung von Nahrungsaufnahme und Zuwendung ein Problem. Weil eben das letztere durch das erste ersetzt wird. Und erst dann kann Essen zur Ersatzbefriedigung werden. In gesunden sozialen Strukturen sind Essen und Zuwendung auch im Erwachsenenalter meist gekoppelt. Wer isst den schon gern allein? Aber die Chips alleine vorm TV: das ist Ersatz für Gemeinschaft und Zuwendung!

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Dann ist die Gefahr beim Stillen ja eher gering: Mama ist ja immer dabei :D
Grüße
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