(Organische) Chemie und Stillen

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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AllerLiebst
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(Organische) Chemie und Stillen

Beitrag von AllerLiebst »

Hallo Ihr Lieben,

ich fange nächste Woche wieder an zu arbeiten - bin Lehrerin an einem Gymnasium. Kürzlich habe ich erfahren, dass ich zwei zehnte Klassen in Chemie übernehmen soll. Nun mache ich mir ein bisschen Gedanken, wie das mit dem Stillen zu vereinbaren ist. Thematisch geht es um den Einstieg in die organische Chemie. Mein Kollege hat schon Alkane und teilweise Alkene behandelt. Soweit ich ihn verstanden habe, steht aber z. B. die elektrophile Addition von Halogenen an Alkene noch aus. Anschließend kämen Alkohole dran. Leider helfen mir die normalen Gefahrstoff-Einstufungen nur sehr bedingt weiter in Bezug auf das Stillen. Gefühlsmäßig würde ich jetzt sagen, dass sowas wie Bromierungen sicher nicht in Frage kommen. Aber was ist mit dem ganzen andern Kram? Erschwerend kommt hinzu, dass ich das Thema bisher noch nie unterrichtet habe und insgesamt etwas planlos bin ...
Hat jemand Ahnung und kann mich aufklären? Toll wäre auch ein Hinweis, wo ich sowas recherchieren kann.

Vorab schonmal Danke!
Liebe Grüße von A. mit Knöpfchen (05/13), Pünktchen (11/16) und Flöhchen (03/19).
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Mera
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Re: (Organische) Chemie und Stillen

Beitrag von Mera »

Also...in unserem Chemieunterricht damals gab es nur Theorie. Experimente gabs nur in der AC.
LG, Mera
mit Nr.1 (01/06) & Nr.2 (10/07) & Nr.3 (10/11) & Nr.4 (04/15) &*(12/04 & 12/10 & 01/14)
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AllerLiebst
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Re: (Organische) Chemie und Stillen

Beitrag von AllerLiebst »

Äh, ja ... in meinem auch. :wink: Im Notfall würde ich das auch so lösen, aber es entspricht nicht so ganz meiner Vorstellung von gutem Unterricht.
Liebe Grüße von A. mit Knöpfchen (05/13), Pünktchen (11/16) und Flöhchen (03/19).
Lösche Benutzer 17612

Re: (Organische) Chemie und Stillen

Beitrag von Lösche Benutzer 17612 »

Bei uns dürfen unsere stillenden Studentinnen nur sehr bedingt mit Chemikalien arbeiten, da wir eine Verantwortung für sie haben.
ABER unabhängig vom rechtlichen Gesichtspunk, den ich für Deine Situation nicht kenne: es gibt Mittel und Wege sich im Labor sehr gut vor giftigen Substanzen zu schützen, um seiner selbst willen. Bis die Konzentration in Deiner Milch schädliche Werte erreicht, musst Du selbst ja schon einer recht hohen Stoffmenge ausgesetzt gewesen sein.
Ich würde es bei einem einjährigen Stillkind so handhaben: Versuche rauspicken nach Gefahrstoffeinschätzung der Reagenzien. Stoffe rauswerfen, die eine sehr hohe Muttermilchgängigkeit haben. Nitrilhandschuhe tragen und lediglich unter'm Abzug arbeiten. Im Gegenzug zu Laboranten bist Du den Stoffen ja auch nur für sehr kurze Zeit ausgesetzt.
Viel Erfolg und Spaß beim Planen der Versuche, sowas finde ich immer aufregend und spannend.
Lösche Benutzer 17612

Re: (Organische) Chemie und Stillen

Beitrag von Lösche Benutzer 17612 »

Ich hätte jetzt übrigens auch bei der Bromierung keine Bedenken. Bei Ethen eh nicht, kommt ja eh natürlich vor und Du bist unter`m Abzug. Und zum Bromwasser: das Brom ist ja akut giftig, Lungenschädigend und ätzend. D.h. Du wirst Dich eh vor den Dämpfen schützen, eine verätzte Lunge schätze ich da als größere Gefahr ein als ein Übertritt in die Muttermilch. Ist ja ein wirklich schneller Versuch. Hast Du mal überlegt mit Kamera und Bildschirm zu arbeiten. Ich kenne noch Chemielehrer vom alten Schlag die das nicht unter'm Abzug gemacht haben zwecks besserer Sichtbarkeit. Mit einer gut ausgerichteten Kamera könntest Du den Schieber echt sehr weit runterlassen und die Reaktion filmen lassen.
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Katha
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Re: (Organische) Chemie und Stillen

Beitrag von Katha »

Mal kurz in den Raum werfe, dass Du als stillende Mutter auch noch unter das MuSchG fällst und gefährliche Stoffe mich handhaben musst bis darfst
Wie Du es dann machen WILLST, steht dann noch auf einem ganz anderen Blatt ;)
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"Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
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Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, Denn sie haben ihre eigenen Gedanken." Khalil Gibran[/color]

Viel vom iPhone, Buchstabendreher, Tippfehler... inkl. [/size]
Lösche Benutzer 17612

Re: (Organische) Chemie und Stillen

Beitrag von Lösche Benutzer 17612 »

Davon gehe ich aus, da es unsere Studentinnen auch nicht dürfen.
Aber angenommen sie stillt ihr Kind bis 4 Jahre noch ein Mal am Tag... So lange möchte ja vielleicht Frau nicht auf ihren Beruf verzichten, auch wir "Kittelträger" nicht. Und bevor es zu einer Entscheidung zwischen ( erfüllender Ausübung vom) Beruf und Stillen kommt, gibt es ja Bereiche in denen beides durch vorsichtige Handhabe miteinander kombinierbar ist.
Ich hatte nicht das Gefühl sie möchte es nicht, sondern sucht für sich einen Weg wie sie die Lust an der spannenden Gestaltung des Unterrichts mit dem Stillen unter einen Hut bringen kann. Müssen tut sie gar nichts, hatte ich auch nicht das Gefühl dass sie da jemand unter Druck setzt.
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arwen
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Re: (Organische) Chemie und Stillen

Beitrag von arwen »

Die Sicherheitsbestimmungen an den Schulen sind in den letzten Jahren deutlich strenger geworden. Ich merke das an der Referendarin, mit der ich zusammenarbeite: Es gibt einige Experimente, die ich im Ref noch gemacht habe (vor 10 Jahren) und die jetzt nicht mehr erlaubt sind.

Ich würde mir daher nicht allzu viele Gedanken machen. Alles, was Mittelstufenschüler machen dürfen, sollte auch für dich kein Problem sein.
Kennst du schon die Gefahrstoffliste? Da kannst du nachschauen, was welche Schüler dürfen: http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/sr-2004.pdf

Elektrophile Addition von Alkenen kannst du meines Wissens mit Bromwasser machen, das ist längst nicht so kritisch wie Brom.
Alkohole habe ich im ersten Halbjahr unterrichtet. Wenn du willst, dann melde dich mit deiner E-Mail-Adresse, ich gebe dir gerne Material weiter. Allerdings war das Thema bei uns auf ein halbes Jahr ausgelegt, also wahrscheinlich viel zu ausführlich für dich.
Mirjam mit Tochter (Mai 06) und Sohn (Februar 08) und Minimann (März 10)
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AllerLiebst
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Re: (Organische) Chemie und Stillen

Beitrag von AllerLiebst »

Danke für Eure ausführlichen Antworten.

Ja, mir ist schon klar, dass ich mich vermutlich generell weigern könnte mit Verweis auf das Mutterschutzgesetz. Meiner Erfahrung ist aber, dass es zwischen Schule und Uni eben schon Unterschiede gibt. Während meines Studiums haben schwangere Studentinnen z. B. sofort ein Laborverbot bekommen. Meine Kollegin und ich haben in der Schwangerschaft relativ normal weitergearbeitet und mussten halt selbst entscheiden, welche Experimente wir machen oder eben nicht. Das ist für mich grundsätzlich auch okay. Aber wie EllenRipley schon sagt: Was ist, wenn ich noch drei Jahre stille? Das wäre aus heutiger Sicht zumindest nicht völlig abwegig. Die Konseqauenz kann ja nicht sein, dass meine Schüler dann drei Jahre lang ausschließlich Kreidechemie haben ... Davon abgesehen, habe ich nicht so viel Lust mit meiner Chefin (oder gar meinen Schülern) zu diskutieren, wie lange ich meine Tochter stille.

Mir geht es tatsächlich eher um die Gefährdungsbeurteilung. Da helfen mir Eure Einschätzungen schonmal weiter. Arwen, danke auch für die GUV-Liste. Ich glaube, ich habe noch eine ältere Version gespeichert. Ich habe vorhin herausgefunden, dass es einen H-Satz zur Milchgängigkeit gibt (H362). Das hatte ich nicht auf dem Schirm. Im Prinzip müsste der ja eine gute Entscheidungsgrundlage bieten, nicht?

Der Hinweis auf Bromwasser ist auch gut. Ich hatte irgendwie immer dieses Bild mit den zwei aufeinandergestellten Standzylindern im Kopf. Werde das nochmal genauer recherchieren. Das mit der Kamera ist ein guter Tipp. Wir haben eine Dokumentenkamera, die sich evt. dafür nutzen ließe. Ich bin aber nicht ganz sicher, ob die Verkabelung bis unter den Abzug reicht.

Arwen, das Angebot mit deinen Materialien ist großartig. Danke! Ich bin im Augenblick wirklich etwas am rotieren bzgl. der Planung. Irgendwie ist ein Jahr Pause doch ganz schon lang. Ich hatte gehofft, mit etwas bekanntem zu starten. Das ist tatsächlich fast der einzige Themenbereich in der SekI, den ich noch gar nicht unterrichtet habe. Ich schick dir mal eine pn mit meiner Mailadresse.
Liebe Grüße von A. mit Knöpfchen (05/13), Pünktchen (11/16) und Flöhchen (03/19).
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