Der Waldorfthread
- finn
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Re: Der Waldorfthread
Mein Kleiner hat nen ganz normalen Kinderrucksack (den hat er nur einmal in der Woche dabei wenn Wandertag ist). Ich mach mir ja wegen sowas so gar keinen Kopf, wir nehmen da, was uns gefällt.
Liebe Grüße von mir mit den Jungs (12/06 und 10/09)
-
kjoi
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Re: Der Waldorfthread
Meine Kinder sind beide im Waldorfkindergarten und haben ganz normale Rucksäcke. Kein Kind hat dort besondere Taschen.
Vermutlich gibt es mehr Kinder in Wolle-Seide Produkten, Wollwalk oder ähnlichem (die ich alle auch sehr gut finde) als an anderen Kindergärten hier in der Umgebung. Aber sehr ökologisch sind (zum Leidwesen einiger) nicht alle Eltern angehaucht.
Vermutlich gibt es mehr Kinder in Wolle-Seide Produkten, Wollwalk oder ähnlichem (die ich alle auch sehr gut finde) als an anderen Kindergärten hier in der Umgebung. Aber sehr ökologisch sind (zum Leidwesen einiger) nicht alle Eltern angehaucht.
Ich bin Mama eines Mädchens (03/09) und zwei Jungen (06/11 und 08/15).
- Momolina
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Re: Der Waldorfthread
Darf ich hier einfach mal ganz doof fragen?
was macht Waldorf aus? Was steht hinter der Pädagogik? Was ist wichtig für die Entscheidung?
Wir kommen aus ganz normalen Kindergärten. Jetzt ziehen wir um und es wäre ein Waldirfkindergarten da. Mit Fahrtweg. Mein erster Gedanke war: toll.... Waldorf, wie schön. Aber jetzt musste ich feststellen, dass ich gar nichts darüber weiß und somit auch gar nicht weiß, ob es was für uns ist...
tapatalking mit Tippproblemen...
was macht Waldorf aus? Was steht hinter der Pädagogik? Was ist wichtig für die Entscheidung?
Wir kommen aus ganz normalen Kindergärten. Jetzt ziehen wir um und es wäre ein Waldirfkindergarten da. Mit Fahrtweg. Mein erster Gedanke war: toll.... Waldorf, wie schön. Aber jetzt musste ich feststellen, dass ich gar nichts darüber weiß und somit auch gar nicht weiß, ob es was für uns ist...
tapatalking mit Tippproblemen...
Viele Grüße, Momolina
mit drei Kindern allein im Haus
"Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten."
mit drei Kindern allein im Haus
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- Nuala
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Re: Der Waldorfthread
Waldorf versucht ganzheitlich zu erziehen, dh. es sollen Körper, Geist und Seele angesprochen werden.
Gerade in den ersten sieben Jahren geht es ganz stark um den Körper - die Kinder sollen sich viel (an der frischen Luft, möglichst in der "wilden" Natur) frei bewegen, sollen gesund essen (vollwertig, oft vegetarisch), gut schlafen (entspannende Umgebung), usw.
Fürs Seelische wichtig: liebevolle Menschen, Klarheit und Struktur, eine schöne Umgebung, fantasievolles Spielzeug (wenig, aus natürlichen Materialien), Geschichten (Märchen als Seelennahrung), Lieder und Sprüchlein, Tänze in der Gruppe (Reigen), Malen und Entspannungsübungen.
Das (Kopf)Geistige in den ersten Lebensjahren bezieht sich auf natürliches Lernen, den Alltag: die Kinder sollen im Haushalt dabei sein und auch Kindergärtnerinnen machen bewusst Haushaltstätigkeiten. Die Kinder lernen bereits vor Schuleintritt (je nach Interesse) kochen, backen, putzen, waschen, nähen und andere Handarbeitstechniken (schulen die Feinmotorik), bügeln, schnitzen, Dinge reparieren, Holz abschleifen und einölen, Blumen und Tiere in der Umgebung mit Namen und Lebensraum, Nahrung, und anderen Hintergründen kennen lernen, usw. Außerdem wird das Gedächtnis geschult durch viele Liedertexte und Sprüche, die die Kinder auswendig können.
Mit einer frühen Erziehung zu strukturiertem Wissen und Kulturtechniken haben es die Waldorfs nicht so. Sie finden, dass es zum Erlernen dieser zu viel an Energie und "Lebenskraft" braucht. Diese Kraft brauchen die Kinder aber zum Wachsen und der Ausbildung eines gesunden kräftigen Körpers, bzw. einer fantasievollen reichen Seele. Diese Ansicht ist etwas einseitig, aber auch nicht wirklich schädlich. Immerhin ist tatsächlich wahr, dass sich in den ersten 5-10 Jahren vieles körperlich entwickelt, dass dann im späteren Wachstum nicht mehr diese Priorität hat, wie eben zu Beginn (zB. Lungenkapazität usw.).
Wichtiger ist eben dass die Kinder den Alltag und die Welt kennenlernen, damit sie später im strukturierten Leben genügend Referenzen haben. Denn in der Waldorfschule lernen die Kinder die Inhalte möglichst mit Bezug aufs richtige Leben. Das Einordnen können ist sehr wichtig, denn sonst bleibt das Wissen leer und bezugslos.
Weiters gehört zum Geistigen auch das Spirituelle. Dieses Glauben und Verbunden-sein mit spirituellen Inhalten finden die Waldorfs wichtig fürs Ganzheitliche. Das geht gar nicht so sehr in eine bestimmte Richtung - deshalb auch Zwergen, Elfen, Waldgeister für kleine Kinder (es geht in Richtung Beseelung und geistiger Verbindung zur Natur). Ansonsten wird das Religiöse der Gegend aufgenommen, aber ohne zu starke Spezialisierung auf bestimmte Gruppierungen, sprich hier in Europa das Christliche. Die Jahesfeste haben eine besondere Bedeutung, auch als Rhythmusgeber. Rhythmus ist sehr wichtig bei Waldorfs.
Die Lerninhalte sollen begreifbar sein, angreifbar, direkt erfahrbar. Auch in den ersten Schuljahren. Das einzige, das abstrakt sein darf sind geistige Inhalte - die aber durch die Festgestaltung erfahrbar gemacht werden sollen. Abstraktes Wissen spielt erst ab ca. 12 Jahren eine Rolle - wenn das Gehirn schon ähnlich den Erwachsenen arbeitet.
Ich finde Waldorf in sich geschlossen als gut, leider wird dazu geneigt neue Erkenntnisse zu ignorieren, was Steiner DEFINTIV nicht so gewollt hat. Wie in jeder pädagogischen Richtung sind die Betreuer und Lehrkräfte der Schlüssel - sie können alles positiv beleben und individualisieren - oder sie können dogmatisch sein und urteilen. Steiner regte zur achtsamen Wahrnehmung an, Beurteilungen sollen dem fern bleiben. Wohl kann aber interpretiert werden. Das ist sogar wichtig um pädagogisch wirken zu können. Den Waldorfs geht es um Ausgleich, um Ganzheit, ums Fließen. Natürlich hat jedes Kind Schwerpunkte und das ist auch völlig ok., aber der Mensch kann erst zu wirken beginnen wenn er vollständig, ganz ist. Steiner geht es um in alle Richtungen bewegliche Menschen. Und es geht ihm (bei Erwachsenen) auch stark ums Arbeiten an unliebsamen Sachen (Charaktereigenschaften, Themengebieten, usw.). Durchs Überwinden wird der Wille gestärkt und dadurch die ganze Persönlichkeit. Einfach erklärt: wenn man den oberen Schweinehund überwindet und sporteln geht, hat nachher nicht nur der Körper was davon, sondern der ganze Mensch: wir sind stolz, wir haben einen Stein für Weiterentwicklung gelegt. Genau dasselbe gilt auch bei Selbstreflexion, Arbeiten an inneren Einstellungen oder Gemütszuständen, oder bei der Herstellung von Dingen bis hin zu Kunst.
Und das sind bis jetzt nur einzelne Aspekte der Anthroposohie!!! Das ist ein weites teils sehr unverstandenes Gebiet. Aber als Erklärung fürs Erste sollte es reichen... *hoff*
Gerade in den ersten sieben Jahren geht es ganz stark um den Körper - die Kinder sollen sich viel (an der frischen Luft, möglichst in der "wilden" Natur) frei bewegen, sollen gesund essen (vollwertig, oft vegetarisch), gut schlafen (entspannende Umgebung), usw.
Fürs Seelische wichtig: liebevolle Menschen, Klarheit und Struktur, eine schöne Umgebung, fantasievolles Spielzeug (wenig, aus natürlichen Materialien), Geschichten (Märchen als Seelennahrung), Lieder und Sprüchlein, Tänze in der Gruppe (Reigen), Malen und Entspannungsübungen.
Das (Kopf)Geistige in den ersten Lebensjahren bezieht sich auf natürliches Lernen, den Alltag: die Kinder sollen im Haushalt dabei sein und auch Kindergärtnerinnen machen bewusst Haushaltstätigkeiten. Die Kinder lernen bereits vor Schuleintritt (je nach Interesse) kochen, backen, putzen, waschen, nähen und andere Handarbeitstechniken (schulen die Feinmotorik), bügeln, schnitzen, Dinge reparieren, Holz abschleifen und einölen, Blumen und Tiere in der Umgebung mit Namen und Lebensraum, Nahrung, und anderen Hintergründen kennen lernen, usw. Außerdem wird das Gedächtnis geschult durch viele Liedertexte und Sprüche, die die Kinder auswendig können.
Mit einer frühen Erziehung zu strukturiertem Wissen und Kulturtechniken haben es die Waldorfs nicht so. Sie finden, dass es zum Erlernen dieser zu viel an Energie und "Lebenskraft" braucht. Diese Kraft brauchen die Kinder aber zum Wachsen und der Ausbildung eines gesunden kräftigen Körpers, bzw. einer fantasievollen reichen Seele. Diese Ansicht ist etwas einseitig, aber auch nicht wirklich schädlich. Immerhin ist tatsächlich wahr, dass sich in den ersten 5-10 Jahren vieles körperlich entwickelt, dass dann im späteren Wachstum nicht mehr diese Priorität hat, wie eben zu Beginn (zB. Lungenkapazität usw.).
Wichtiger ist eben dass die Kinder den Alltag und die Welt kennenlernen, damit sie später im strukturierten Leben genügend Referenzen haben. Denn in der Waldorfschule lernen die Kinder die Inhalte möglichst mit Bezug aufs richtige Leben. Das Einordnen können ist sehr wichtig, denn sonst bleibt das Wissen leer und bezugslos.
Weiters gehört zum Geistigen auch das Spirituelle. Dieses Glauben und Verbunden-sein mit spirituellen Inhalten finden die Waldorfs wichtig fürs Ganzheitliche. Das geht gar nicht so sehr in eine bestimmte Richtung - deshalb auch Zwergen, Elfen, Waldgeister für kleine Kinder (es geht in Richtung Beseelung und geistiger Verbindung zur Natur). Ansonsten wird das Religiöse der Gegend aufgenommen, aber ohne zu starke Spezialisierung auf bestimmte Gruppierungen, sprich hier in Europa das Christliche. Die Jahesfeste haben eine besondere Bedeutung, auch als Rhythmusgeber. Rhythmus ist sehr wichtig bei Waldorfs.
Die Lerninhalte sollen begreifbar sein, angreifbar, direkt erfahrbar. Auch in den ersten Schuljahren. Das einzige, das abstrakt sein darf sind geistige Inhalte - die aber durch die Festgestaltung erfahrbar gemacht werden sollen. Abstraktes Wissen spielt erst ab ca. 12 Jahren eine Rolle - wenn das Gehirn schon ähnlich den Erwachsenen arbeitet.
Ich finde Waldorf in sich geschlossen als gut, leider wird dazu geneigt neue Erkenntnisse zu ignorieren, was Steiner DEFINTIV nicht so gewollt hat. Wie in jeder pädagogischen Richtung sind die Betreuer und Lehrkräfte der Schlüssel - sie können alles positiv beleben und individualisieren - oder sie können dogmatisch sein und urteilen. Steiner regte zur achtsamen Wahrnehmung an, Beurteilungen sollen dem fern bleiben. Wohl kann aber interpretiert werden. Das ist sogar wichtig um pädagogisch wirken zu können. Den Waldorfs geht es um Ausgleich, um Ganzheit, ums Fließen. Natürlich hat jedes Kind Schwerpunkte und das ist auch völlig ok., aber der Mensch kann erst zu wirken beginnen wenn er vollständig, ganz ist. Steiner geht es um in alle Richtungen bewegliche Menschen. Und es geht ihm (bei Erwachsenen) auch stark ums Arbeiten an unliebsamen Sachen (Charaktereigenschaften, Themengebieten, usw.). Durchs Überwinden wird der Wille gestärkt und dadurch die ganze Persönlichkeit. Einfach erklärt: wenn man den oberen Schweinehund überwindet und sporteln geht, hat nachher nicht nur der Körper was davon, sondern der ganze Mensch: wir sind stolz, wir haben einen Stein für Weiterentwicklung gelegt. Genau dasselbe gilt auch bei Selbstreflexion, Arbeiten an inneren Einstellungen oder Gemütszuständen, oder bei der Herstellung von Dingen bis hin zu Kunst.
Und das sind bis jetzt nur einzelne Aspekte der Anthroposohie!!! Das ist ein weites teils sehr unverstandenes Gebiet. Aber als Erklärung fürs Erste sollte es reichen... *hoff*
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
- Momolina
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Re: Der Waldorfthread
Danke Nuala, für Deine wunderbare Zusammenfassung. Das hilft mir sehr weiter!!!
Viele Grüße, Momolina
mit drei Kindern allein im Haus
"Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten."
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Re: Der Waldorfthread
Wow, Nuala, danke. Da stolpere ich hier rein und finde diesen tollen Text. Meine Tochter ist in einer Waldorfkita (vor allem wegen unseres Bauchgefühls und wegen der Naturverbundenheit) und Dein Text passt einfach nur.
Speziell bei uns bin ich manchmal etwas genervt von diesem weltfremden Dauerhäkeln einer (unerfahrenen) Kindergärtnerin, aber die schwebt ohnehin in anderen Sphären. Sonst sind wir sehr zufrieden dort.
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Speziell bei uns bin ich manchmal etwas genervt von diesem weltfremden Dauerhäkeln einer (unerfahrenen) Kindergärtnerin, aber die schwebt ohnehin in anderen Sphären. Sonst sind wir sehr zufrieden dort.
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mit Töchterchen J. (09/2011): Gestillt bis 3,5 Jahre. Wir tragen und schlafen im Familienbett.
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- Nuala
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Re: Der Waldorfthread
Gerne, hui, und: wenn man in einem Kindergarten weltfremd häkeln kann, dann werde ich jetzt auch Kindergärtnerin. *lach*Kloentje hat geschrieben:Wow, Nuala, danke. Da stolpere ich hier rein und finde diesen tollen Text. Meine Tochter ist in einer Waldorfkita (vor allem wegen unseres Bauchgefühls und wegen der Naturverbundenheit) und Dein Text passt einfach nur.
Speziell bei uns bin ich manchmal etwas genervt von diesem weltfremden Dauerhäkeln einer (unerfahrenen) Kindergärtnerin, aber die schwebt ohnehin in anderen Sphären. Sonst sind wir sehr zufrieden dort.
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Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
-
aliceonline
- schreibt ganz schön oft
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Re: Der Waldorfthread
Boah das hast du echt gut geschrieben. Danke, dass du dir die mühe gemacht hast.Nuala hat geschrieben:Waldorf versucht ganzheitlich zu erziehen, dh. es sollen Körper, Geist und Seele angesprochen werden.
Gerade in den ersten sieben Jahren geht es ganz stark um den Körper - die Kinder sollen sich viel (an der frischen Luft, möglichst in der "wilden" Natur) frei bewegen, sollen gesund essen (vollwertig, oft vegetarisch), gut schlafen (entspannende Umgebung), usw.
Fürs Seelische wichtig: liebevolle Menschen, Klarheit und Struktur, eine schöne Umgebung, fantasievolles Spielzeug (wenig, aus natürlichen Materialien), Geschichten (Märchen als Seelennahrung), Lieder und Sprüchlein, Tänze in der Gruppe (Reigen), Malen und Entspannungsübungen.
Das (Kopf)Geistige in den ersten Lebensjahren bezieht sich auf natürliches Lernen, den Alltag: die Kinder sollen im Haushalt dabei sein und auch Kindergärtnerinnen machen bewusst Haushaltstätigkeiten. Die Kinder lernen bereits vor Schuleintritt (je nach Interesse) kochen, backen, putzen, waschen, nähen und andere Handarbeitstechniken (schulen die Feinmotorik), bügeln, schnitzen, Dinge reparieren, Holz abschleifen und einölen, Blumen und Tiere in der Umgebung mit Namen und Lebensraum, Nahrung, und anderen Hintergründen kennen lernen, usw. Außerdem wird das Gedächtnis geschult durch viele Liedertexte und Sprüche, die die Kinder auswendig können.
Mit einer frühen Erziehung zu strukturiertem Wissen und Kulturtechniken haben es die Waldorfs nicht so. Sie finden, dass es zum Erlernen dieser zu viel an Energie und "Lebenskraft" braucht. Diese Kraft brauchen die Kinder aber zum Wachsen und der Ausbildung eines gesunden kräftigen Körpers, bzw. einer fantasievollen reichen Seele. Diese Ansicht ist etwas einseitig, aber auch nicht wirklich schädlich. Immerhin ist tatsächlich wahr, dass sich in den ersten 5-10 Jahren vieles körperlich entwickelt, dass dann im späteren Wachstum nicht mehr diese Priorität hat, wie eben zu Beginn (zB. Lungenkapazität usw.).
Wichtiger ist eben dass die Kinder den Alltag und die Welt kennenlernen, damit sie später im strukturierten Leben genügend Referenzen haben. Denn in der Waldorfschule lernen die Kinder die Inhalte möglichst mit Bezug aufs richtige Leben. Das Einordnen können ist sehr wichtig, denn sonst bleibt das Wissen leer und bezugslos.
Weiters gehört zum Geistigen auch das Spirituelle. Dieses Glauben und Verbunden-sein mit spirituellen Inhalten finden die Waldorfs wichtig fürs Ganzheitliche. Das geht gar nicht so sehr in eine bestimmte Richtung - deshalb auch Zwergen, Elfen, Waldgeister für kleine Kinder (es geht in Richtung Beseelung und geistiger Verbindung zur Natur). Ansonsten wird das Religiöse der Gegend aufgenommen, aber ohne zu starke Spezialisierung auf bestimmte Gruppierungen, sprich hier in Europa das Christliche. Die Jahesfeste haben eine besondere Bedeutung, auch als Rhythmusgeber. Rhythmus ist sehr wichtig bei Waldorfs.
Die Lerninhalte sollen begreifbar sein, angreifbar, direkt erfahrbar. Auch in den ersten Schuljahren. Das einzige, das abstrakt sein darf sind geistige Inhalte - die aber durch die Festgestaltung erfahrbar gemacht werden sollen. Abstraktes Wissen spielt erst ab ca. 12 Jahren eine Rolle - wenn das Gehirn schon ähnlich den Erwachsenen arbeitet.
Ich finde Waldorf in sich geschlossen als gut, leider wird dazu geneigt neue Erkenntnisse zu ignorieren, was Steiner DEFINTIV nicht so gewollt hat. Wie in jeder pädagogischen Richtung sind die Betreuer und Lehrkräfte der Schlüssel - sie können alles positiv beleben und individualisieren - oder sie können dogmatisch sein und urteilen. Steiner regte zur achtsamen Wahrnehmung an, Beurteilungen sollen dem fern bleiben. Wohl kann aber interpretiert werden. Das ist sogar wichtig um pädagogisch wirken zu können. Den Waldorfs geht es um Ausgleich, um Ganzheit, ums Fließen. Natürlich hat jedes Kind Schwerpunkte und das ist auch völlig ok., aber der Mensch kann erst zu wirken beginnen wenn er vollständig, ganz ist. Steiner geht es um in alle Richtungen bewegliche Menschen. Und es geht ihm (bei Erwachsenen) auch stark ums Arbeiten an unliebsamen Sachen (Charaktereigenschaften, Themengebieten, usw.). Durchs Überwinden wird der Wille gestärkt und dadurch die ganze Persönlichkeit. Einfach erklärt: wenn man den oberen Schweinehund überwindet und sporteln geht, hat nachher nicht nur der Körper was davon, sondern der ganze Mensch: wir sind stolz, wir haben einen Stein für Weiterentwicklung gelegt. Genau dasselbe gilt auch bei Selbstreflexion, Arbeiten an inneren Einstellungen oder Gemütszuständen, oder bei der Herstellung von Dingen bis hin zu Kunst.
Und das sind bis jetzt nur einzelne Aspekte der Anthroposohie!!! Das ist ein weites teils sehr unverstandenes Gebiet. Aber als Erklärung fürs Erste sollte es reichen... *hoff*
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fanta
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- Registriert: 23.03.2013, 20:43
Re: Der Waldorfthread
Nuala, vielen Dank für deine Ausführungen!
Ab August wird mein Sohn einen Waldorfkindergarten besuchen und ich freue mich für ihn. Es klingt sehr gut und die Atmosphäre dort erschien mir dort auch toll!
Ab August wird mein Sohn einen Waldorfkindergarten besuchen und ich freue mich für ihn. Es klingt sehr gut und die Atmosphäre dort erschien mir dort auch toll!
LG fanta
(Sohn 2011 und Tochter 2013)
und vier Sternchen
(Sohn 2011 und Tochter 2013)
und vier Sternchen