Schweres Vollstillkind - Stillschwierigkeiten

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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EvaLilian
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Schweres Vollstillkind - Stillschwierigkeiten

Beitrag von EvaLilian »

Hallo allerseits,

ich bin schon länger Leserin dieses Forums und dankbar über die vielen tollen Beiträge, die mich ermutigen, mit dem Stillen, Tragen und Familienbett unseren eigenen Weg zu gehen.

Eben habe ich den Thread zum schweren Vollstillkind durchgelesen. Ja, auch ich habe so ein süßes, kugelrundes "Exemplar" zuhause :-D. Meine Tochter wird am Wochenende 14 Wochen alt und gedeiht prächtig - das habe ich zumindest bisher (mit Stolz :)) geglaubt. Nun bin ich jedoch verunsichert. Bei mir geht es weniger um die Frage, ob gewichtstechnisch alles im grünen Bereich ist (da hat uns der Kinderarzt beruhigt), sondern ob ich beim Stillen alles richtig mache.

Hier die Eckdaten:
- sie wird seit Geburt ohne Zufüttern voll gestillt
- Der Stillstart war optimal. Ich hatte von Beginn an sehr viel Milch und keine Probleme. Meine Tochter ist jedoch im Verlauf der ersten Wochen immer unruhiger an der Brust geworden, hat mit den Armen gefuchtelt und ihren Kopf oft hin- und hergewendet beim Andocken
- Unsere Nachsorgehebamme hat uns mit den Stillpositionen geholfen. Außerdem waren wir zweimal bei einer Osteopathin, die beim letzten Termin meinte, dass mit meiner Tochter alles in Ordnung sei
- Unsere Tochter hat mindestens zweimal am Tag Stuhlgang, dabei wirklich volle Windeln (das erste Mal meist am frühen Morgen)
- Sie spuckt des Öfteren ungefähr eine halbe Stunde nach dem Stillen (nur tagsüber, nach ca. jedem dritten Mal)
- Sie nimmt den Schnulli nicht. Ich habe es öfters mal probiert mit einem Schnulli in Kirschform, bisher konnte sie jedoch nichts damit anfangen
Die Gewichtsangaben:
Bei Geburt 3590 g, 55 cm groß
U2: 3760 g
U3: 4750 g
U4 (am Montag): 6930 g, 62 cm groß

Ich stille sie tagsüber durchschnittlich alle 2 Stunden, nachts etwa alle 3 bis 4 Stunden (sie geht um ca. 19 Uhr ins Bett und wird um ca. 7 Uhr "richtig" wach). Ich habe nach wie vor sehr, sehr viel Milch. Das bemerke ich beispielsweise, wenn sie mal während der ersten 5 Minuten an der Brust abdockt und dann fast in einem Milchmeer versinkt :D. Sie muss sich auch nicht anstrengen, da ihr die Milch praktisch in den Mund fließt.

Beim nächtlichen Stillen gibt es keine Schwierigkeiten: Sie schläft im Beistellbett und ich stille sie im Liegen, wobei weder sie noch ich richtig wach werden, sondern im Halbschlaf sind und danach gleich wieder richtig weiterschlafen. Manchmal hat sie am frühen Morgen mit der Verdauung zu kämpfen, aber das Stillen selbst klappt gut.
Tagsüber (in der Wiegehaltung) kommt es jedoch fast jedes Mal vor, dass sie ca. 5 Minuten trinkt...und dann bei recht wildem An- und Abdocken zu quengeln anfängt bis hin zum lauten Weinen. Mir ist aufgefallen, dass sie nach den ersten 5 Minuten immer schläfriger wird (ihre Augen fallen langsam zu). Ich habe drei Vermutungen.
Vermutung 1: Da sie so schnell trinkt schluckt sie viel Luft und ärgert sich über die Luft im Bauch.
Vermutung 2: Sie ärgert sich über die Müdigkeit (sie ist ein sehr waches, aufgewecktes Mädchen, dass sich gerne den ganzen Tag alles genau anschaut) und weint deshalb.
Vermutung 3: Sie wird schläfrig und will sich in den Schlaf nuckeln. Dies gelingt ihr jedoch nicht richtig, da die Milch einfach "weiterfließt", auch wenn sie diese in dem Moment gar nicht will. Darüber ärgert sie sich.

Wenn sie weint, nehme ich sie entweder hoch und entlocke ihr ein Bäuerchen. Oder ich lasse sie in meinen Armen liegen, lasse sie nach Belieben An- und Abdocken und rede oder summe beruhigend auf sie ein. Oft schläft sie dann irgendwann dabei ein.

Ich lege sie nicht jedes Mal an beiden Brüsten an, sondern nur, wenn sie den Anschein erweckt, dass sie noch Hunger hat. Nachts trinkt sie bei einer Stillmahlzeit grundsätzlich nur an einer Brust (weil sie dabei einschläft). Das ist meine erste große Unsicherheit! Soll ich sie jedesmal an beiden Brüsten anlegen?

Meine zweite große Verunsicherung besteht darin, ob ich ihre "Hungeranzeichen" richtig deute. Manchmal habe ich den Eindruck, sie ist gar nicht hungrig, sondern einfach nur müde. Da kommt dann die nächste Verunsicherung ins Spiel. Dass sie so an Gewicht zulegt, einen regen Stuhlgang hat und oft spuckt lässt mich etwas ratlos mit der Frage zurück, ob bei uns das Nuckeln an der Brust als Einschlafhilfe wegen der vielen Milch überhaupt geeignet ist.

Ich danke Euch fürs Lesen und freue mich über Antworten!
Zwei Wintermädchen (*1/2014, *1/2018)
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Carraluma
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Re: Schweres Vollstillkind - Stillschwierigkeiten

Beitrag von Carraluma »

Hört sich doch alles super an bei euch! Solange ihr gut zurecht kommt, passt es doch.
Falls du sehr in Milch schwimmst und du denkst, dass der starke MSR deiner Kleinen zu schaffen macht, könntest du vielleicht mal die Tipps in der Sammlung Stillgrundwissen ausprobieren.
In dem Alter scheinen die Kleinen oft mit dem Einschlafen zu kämpfen und können oft noch nicht nuckeln ohne dass (viel) Milch kommt, aber das lernen sie mit der Zeit.
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jusl
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Re: Schweres Vollstillkind - Stillschwierigkeiten

Beitrag von jusl »

Hallo EvaLilian,

direkt zu Deinen beiden Fragen:
Ich lege sie nicht jedes Mal an beiden Brüsten an, sondern nur, wenn sie den Anschein erweckt, dass sie noch Hunger hat. Nachts trinkt sie bei einer Stillmahlzeit grundsätzlich nur an einer Brust (weil sie dabei einschläft). Das ist meine erste große Unsicherheit! Soll ich sie jedesmal an beiden Brüsten anlegen?
Nein. Viele Babys sind mit einer Brust pro Mahlzeit völlig zufrieden.
Meine zweite große Verunsicherung besteht darin, ob ich ihre "Hungeranzeichen" richtig deute. Manchmal habe ich den Eindruck, sie ist gar nicht hungrig, sondern einfach nur müde. Da kommt dann die nächste Verunsicherung ins Spiel. Dass sie so an Gewicht zulegt, einen regen Stuhlgang hat und oft spuckt lässt mich etwas ratlos mit der Frage zurück, ob bei uns das Nuckeln an der Brust als Einschlafhilfe wegen der vielen Milch überhaupt geeignet ist.
Auch vollgestillte Babys, die reichlich zunehmen, sollen OHNE EINSCHRÄNKUNG nach Bedarf gestillt werden. Stillen ist mehr als nur Milchfüttern; selbstverständlich darfst Du Dein Baby jederzeit zum Trost, zur Beruhigung, als Einschlafhilfe usw. stillen.

Übrigens, Dein Baby nimmt zwar zweifellos super zu, aber BESONDERS hoch oder gar übermäßig hoch oder so ist die Gewichtszunahme mit ganz grob 250 g/Woche seit Geburt nicht. Sondern komplett durchschnittlich. (Der Normalbereich liegt in den ersten beiden Lebensmonaten bei 170-330 g/Woche, in den folgenden beiden Monaten bei 110-330 g/Woche. Also da liegt Dein Baby ganz unauffällig drin. ;-))

Schauen wir noch mal auf Euer Tagesstillproblem:
Tagsüber (in der Wiegehaltung) kommt es jedoch fast jedes Mal vor, dass sie ca. 5 Minuten trinkt...und dann bei recht wildem An- und Abdocken zu quengeln anfängt bis hin zum lauten Weinen. Mir ist aufgefallen, dass sie nach den ersten 5 Minuten immer schläfriger wird (ihre Augen fallen langsam zu). Ich habe drei Vermutungen.
Vermutung 1: Da sie so schnell trinkt schluckt sie viel Luft und ärgert sich über die Luft im Bauch.
Vermutung 2: Sie ärgert sich über die Müdigkeit (sie ist ein sehr waches, aufgewecktes Mädchen, dass sich gerne den ganzen Tag alles genau anschaut) und weint deshalb.
Vermutung 3: Sie wird schläfrig und will sich in den Schlaf nuckeln. Dies gelingt ihr jedoch nicht richtig, da die Milch einfach "weiterfließt", auch wenn sie diese in dem Moment gar nicht will. Darüber ärgert sie sich.
Deine Vermutungen sind alle drei definitiv plausibel, da hast Du wirklich feine Antennen für Dein Baby, klasse!
Vielleicht probierst Du einfach durch, was Euch helfen könnte?
Falls Vermutung 1 zutrifft: Etwas häufiger stillen, dafür mehrmals hintereinander DIE SELBE Brust geben (z.B. von 10-13 Uhr nur rechts, egal wie oft, und von 13-16 Uhr nur links, egal wie oft). Dann fließt es möglicherweise etwas langsamer. Außerdem könntest Du eine andere Stillposition wählen - mehr aufrecht! - vielleicht schluckt sie so weniger Luft.
Falls Vermutung 2 zutrifft: Vielleicht fehlt der letzte Entspannungs-Kick, um in wohligen Schlaf zu fallen? Versuch mal, beim Stillen umherzugehen, oder Dein Baby zu wiegen oder so (Stillen im Tragetuch ist auch super!..).
Falls Vermutung 3 zutrifft: Mag Dein Baby an Deinem kleinen Finger nuckeln? Haben meine Babys geliebt!.. Ansonsten siehe Variante 1 - falls Du generell zu viel Milch neigst, bleib mal einige Stunden lang bei EINER Seite, dann einige Stunden lang die ANDERE Seite. Zum in den Schlafnuckeln dann eher die "leere" Seite anbieten.

Magst Du das einfach mal aus- bzw. durchprobieren?
Berichte doch mal, ob etwas davon geholfen hat, ja? :D

LG
Julia
EvaLilian
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Re: Schweres Vollstillkind - Stillschwierigkeiten

Beitrag von EvaLilian »

Vielen Dank für Eure ermutigenden Antworten! Das hilft mir sehr weiter. Gerade der Tipp mit derselben Brust für mehrere Stunden...das probiere ich die nächste Zeit mal aus und berichte dann gerne.
Den kleinen Finger hat sie sowohl von mir als auch vom Papa am Anfang geliebt, aber momentan ist sie nicht mehr daran interessiert. Ihre eigenen Hände findet sie viel spannender und steckt sie ständig in den Mund.

Ich habe heute Abend nochmals lange über das Thema nachgedacht und mir ist noch ein Aspekt gekommen. Ich habe mir wohl das Stillen "romantischer" vorgestellt und nicht so "quick and dirty" wie bei meiner Tochter. Mir haben im Vorfeld Mütter so vorgeschwärmt von der Innigkeit beim Stillen - ich erlebe diese Innigkeit auch stark, aber halt nur beim nächtlichen Stillen bzw. in den ersten fünf Minuten beim Stillen am Tag. Und dann habe ich aber auch über mich nachgedacht, dass ich beim Stillen auch nicht immer mit den Gedanken/Gefühlen dabei bin, sondern mal in einer Zeitschrift blättere oder eine SMS schreibe. Vielleicht versuche ich zusätzlich zu Euren Tipps mehr auch innerlich "dabei zu sein". Vielleicht hilft das meiner Tochter auch, sich besser zu entspannen.

Gute Nacht Euch!
Zwei Wintermädchen (*1/2014, *1/2018)
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saiidi
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Re: Schweres Vollstillkind - Stillschwierigkeiten

Beitrag von saiidi »

Also die Stillzeiten nutz ich immer für mich, stillen macht die Kleine von alleine :wink: .
Ich surfe, schau fernsehn (naja jetzt kaum mehr, aber als Baby gings gut) und lese ganz viele dicke Bücher. Manchmal mach ich sogar Sudoko oder Rätsel. :D
Das ist einfach meine Auszeit.
Liebe Grüße
Saiidi

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Carraluma
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Re: Schweres Vollstillkind - Stillschwierigkeiten

Beitrag von Carraluma »

Also, so in den ersten Monaten (nachdem die Anfangsschwierigkeiten überwunden waren) habe ich mir auch gedacht, dass ich das Stillen nicht so innig/romantisch finde, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber für mich wurde es immer mehr zu etwas ganz besonderem. Dem hier im Forum gefallenen Satz
"Das Stillen wird dann besonders schön, wenn die meisten es schon aufhören."
Kann ich von mir aus zustimmen.

Vielleicht gewinnt es für dich auch immer mehr Bedeutung. Das wünsche ich dir!
Carraluma mit der großen Tanzmaus (*2012), dem Fußballer (*2016) und der kleinen Tanzmaus (*2019)
MamaSunshine
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Re: Schweres Vollstillkind - Stillschwierigkeiten

Beitrag von MamaSunshine »

Hier ist es ganz ähnlich, und ich schwanke auch immer, ob ich handy rumdrücken "darf" oder lieber nicht. Aber das ist sehr ot :-)

Bei uns hat sich die situation jetzt mit 6 monaten gewandelt, milchproduktion hat sich reguliert (ein bisschen). Aber bei meiner kleinen ist gefuchtel und geschimpfe oft, weil sie im liegen stillen will, und wir aber gerade sitzen (daheim kann ich ja auf bett gehen).

Und weil ichs gerade lese: finde auch, das stillen wird inniger! Meine kleine freut sich über stillangebot, redet beim stillen, lacht, fordert es sehr deutlich ein - für mich macht diese kommunikation sehr viel aus. Das kommt bei euch auch bald :-)
Mama Sunshine mit dem kleinen Sonnenschein (09/13) und dem Fröschlein (11/18)
EvaLilian
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Re: Schweres Vollstillkind - Stillschwierigkeiten

Beitrag von EvaLilian »

Nun möchte ich doch mal kurz berichten, wie es mir mit den Tipps ergangen ist.
Sie haben riesig geholfen!

Ich habe zwei Tage lang konsequent jeweils diesselbe Brust für einige Stunden angeboten. Und dadurch hat sich der Milchfluss sehr gut reguliert, so dass meine Tochter nun viel ruhiger trinken kann und sich dabei nicht mehr so ärgert. Auch der Tipp mit dem Aufrecht-Sitzen war sehr hilfreich. Außerdem habe ich mir angewöhnt, sie bei Anzeichen von Hunger UND Müdigkeit auch tagsüber im Liegen zu Stillen, so dass sie ganz leicht in den Schlaf findet.

Herzlichen Dank!
Zwei Wintermädchen (*1/2014, *1/2018)
jusl
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Re: Schweres Vollstillkind - Stillschwierigkeiten

Beitrag von jusl »

Wie schön, vielen Dank für Deine erfreuliche Rückmeldung. :D

LG
Julia
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