Stillprobleme (Frau will/kann nicht)

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Patricia77
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Re: Stillprobleme (Frau will/kann nicht)

Beitrag von Patricia77 »

Das klingt alles sehr verfahren bei Euch, so gut ich Dich verstehen kann, so gut kann ich auch Deine Frau verstehen - nicht in Ihrer Ansicht, aber in der Verteidigung dieser. Vielleicht hilft Dir ein Ansatz aus dem Konflikt- und Kommunikationsmanagement?

Du bist sehr überzeugt von Deinem Standpunkt, doch Deine Frau ist es offensichtlich auch. Ich denke, es bringt Dir nichts, außer Frust, wenn Du sie versuchst zu drängen. Deine Frau regiert auf Druck mit Gegendruck. Ihr kommuniziert nicht auf der "Du bist ok-ich bin ok Ebene". Ihr versucht Euren Standpunkt zu verteidigen und könnt so unmöglich zu einer Einigung kommen. Ihr müsst Euch annähern, was für Euch beide schwer wird. Aber wenn Du erwartetst, dass Deine Frau nun nach Bedarf stillt, wirst Du scheitern. Für sie ist das eben falsch und sie kann nicht wider ihres Gefühls handeln (klar, es ist auch richtig, aber das ist jetzt nicht der Punkt).

Ihr habt einen anderen Konflikt und diesen tragt ihr gerade über Euren Sohn, vornehmlich über die Stillsituation aus. Ihr müst versuchen das zu klären. Das Problem ist, dass das nicht die einzige Situation sein wird, in der es zu Konflikten kommen wird. Das geht dann weiter mit Beikost, zu Bett bringen, Kauf von Spielsachen. Es hilft Euch nicht weiter jedes dieser Probleme einzeln auszufechten. Ihr müsste an dem Grundproblem arbeiten und vor allem an Eurer Kommunikation. Erziehung muss gemeinsam erfolgen und dabei müssen sich die Eltern nähern, auch wenn man zurück stecken muss. Besonders bei der Erziehung ist das schwer, weil man ja das beste für sein Kind will und das, wovon man überzeugt ist, hält man eben für das beste.

Ich verstehe Dich gut und ich habe unseren Sohn 3,5 Jahre nach Bedarf gestillt. Mein Mann hat mich immer als sehr kompetent angesehen und stand dahinter (Eure Geschichte gibt es auch anders herum). Aber ich kann Dir sagen, dass es dennoch Reibungspunkte gab und die trafen mich als Mutter sehr empfindlich! Alles, was mein Mann getan hat, um auf seinem Standpunkt zu beharren, hat mich von ihm entfernt und zwar sehr schnell. Deine Frau will Eurem Sohn nicht absichtlich schaden, sie empfindet ihre Vorgehensweise als die beste.

Ihr müsst den Druck rausnehmen, redet noch einmal in Ruhe darüber. Bitte sie, dass sie Dir hilft sie zu verstehen. Frage sie ohne Vorwürfe nach Argumenten, die sie hat und bitte Sie, dass auch Du ihr Deine Sichtweise schildern darft. Ich würde empfehlen eine Stillberaterin der AFS zu kontaktieren. Die kann zu Euch kommen, oder ihr zu ihr. Ihr könnte auch am Telefon reden.

Freundliche Grüße
Mama von Prinzessinnenhexe 05 und (B)engel 08
zertifizierte Trageberaterin der "Die Trageschule"
zertifizierte AFS Stillberaterin
Heilpraktikerin in Ausbildung (seit Mai 2012)
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Pupu
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Re: Stillprobleme (Frau will/kann nicht)

Beitrag von Pupu »

Was ich nicht verstehe ist, warum sie sich so auf die 3-5 Stunden versteift. Für ein Neugeborenes ist das doch eine Ewigkeit! Das ist, als würde man einem Erwachsenen einmal morgens und einmal abends eine riesige Mahlzeit vorsetzen und sagen "so, nun iss dich satt - zwischen den Mahlzeiten gibt es nichts zu essen und nichts zu trinken!" Egal, ob man Hunger hat, Durst hat...

Ich kann nachvollziehen, dass es für sie schwer ist, dass sie es vielleicht allein nicht packt, nicht öfter stillen kann/will... aber ist ihr denn bewusst, was das für das BABY bedeutet? Oder ist sie gerade so in ihrem inneren Leid gefangen, dass ihre Kraft gerade eben dafür reicht, auf sich zu achten? Kannst du versuchen, ihr sanft zu verdeutlichen, dass du für sie da bist, sie unterstützt, dass sie das nicht allein wuppen muss, dass du alles dafür tust, sie zu unterstützen und zu entlasten... aber dass es dir ganz, ganz wichtig ist, dass das BABY nicht zwischendurch hungern muss?

Es ist wahrscheinlich wieder so eine Teufelskreissituation... selbst wenn du ihr alles andere abnehmen würdest und sie nur noch stillen müsste, würde sie sich vielleicht dadurch aufs Stillen reduziert fühlen und es noch mehr ablehnen. Verzwickt :(

Wäre es denkbar, dass du IHR vielleicht mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung schenkst? Dass du sie verwöhnst, vielleicht ihr einen Tee kochst und die Füsse massierst, ihr Essen vorbeibringst während sie stillt oder ihr etwas vorliest, während sie sich entspannt hinsetzt und stillt? Dass du ihr zeigst, dass du nicht nur Augen für das Baby hast, sondern auch SIE siehst, als Partnerin, als Gleichberechtigte, Gleichwertige, dass du IHR ebenso Aufmerksamkeit und Zuwendung schenkst und ihr die Stillmomente (und auch die anderen) so angenehm wie möglich machst, ihr zeigst, dass du sie liebst...
Vielleicht wird sie dann auch etwas aufgeschlossener und zugänglicher für das, was DIR wichtig ist. Und gerade ist DIR wichtig, dass das Kind nicht vor Hunger weinen muss. Wenn sie nicht stillen will in der Zeit, dann müssen andere Lösungen gefunden werden, aber irgendeine Lösung muss her. So kann es ja nicht weitergehen.

Ich wünsche dir ganz viel Glück und Kraft und hoffe, dass sich die Situation bald etwas auflöst!
Lg aus Finnland von Pupu mit Wildgurke 🥒 (02/09), Quatschbanane 🍌 (08/11) und zwei Minimöhrchen 🥕🥕 (07/17)

"I'm not procrastinating. I'm doing side quests!"
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Sandtiger
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Re: Stillprobleme (Frau will/kann nicht)

Beitrag von Sandtiger »

Pupu hat geschrieben:Was ich nicht verstehe ist, warum sie sich so auf die 3-5 Stunden versteift. Für ein Neugeborenes ist das doch eine Ewigkeit! Das ist, als würde man einem Erwachsenen einmal morgens und einmal abends eine riesige Mahlzeit vorsetzen und sagen "so, nun iss dich satt - zwischen den Mahlzeiten gibt es nichts zu essen und nichts zu trinken!" Egal, ob man Hunger hat, Durst hat...
Was mich bei dem Stillvorbereitungskurs total davon überzeugt hat, dass Stillen nach Bedarf eigentlich nur sein kann, "füttern wann immer das Baby Hunger hat", waren Kugeln die uns die Hebamme in die Hand gegeben hatte, die zeigten wie groß der Magen eines Neugeborenen ist und wie groß nach ein paar Tagen. Ich fand das erschreckend winzig und mir war klar, da passt echt nicht viel rein und daher muss das Baby immer wieder Nachfüllen.
Junior 08/2012

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sari popari
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Re: Stillprobleme (Frau will/kann nicht)

Beitrag von sari popari »

Oja, ich kann verstehen, dass es bitter für dich ist!

Wie soll man ihr helfen, wenn sie keine Hilfe annimmt?

Ich kenne deine Partnerin natürlich nicht und weiß nicht, welche Beziehung sie sonst zu dem Baby hat. Aus deiner Beschreibung heraus klingt sie sehr distanziert, so als würde sie die enge Nähe zu dem Kind überfordern. Vielleicht sollte man nicht so sehr auf eine Stillberatung drängen (die sie ja eh nicht annimmt?!) als vielmehr auf sie selbst zu schauen, evtl. Richtung postpartale Depression?
Wie ist sie denn sonst? Kann sie Nähe zum Kind zulassen? Trägt sie es (im Tuch z.B.)?

Und bitte nicht so schnell die Beziehung aufgeben! Gerade das erste Kind kann eine Beziehung so unglaublich auf die Probe stellen! Ich selbst kann mich noch sehr gut an die ersten Monate erinnern, da war immer diese gereizte Grundstimmung. Und den Schlafmangel darf man auch nicht kleinreden. Der trägt viel zur schlechten Laune bei. Aber Eltern muss man eben auch ertsmal werden und irgendwann kommt dann auch die Routine.

Ich finde es schön, dass du dir Gedanlen machst! Alles Glück der Welt euch dreien!
Liebe Grüße,
sari, glücklich alleinerziehend mit zwei 🌈 Teenies (07/09)
nido56
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Re: Stillprobleme (Frau will/kann nicht)

Beitrag von nido56 »

Uff, das ist wirklich schwierig bei Euch. Wie Patricia schon geschrieben hat, befuerchte ich, dass Du bei Deiner Frau im Moment nichts erreichen kannst. Je mehr Druck Du machst, je mehr Du sie draengst, desto mehr wird sie in die Defensive gehen und desto sturer wird sie auf ihrem Standpunkt bestehen. Bei Euch sind die Fronten so verhaertet, dass es einfach nicht mehr weitergeht.

Da es bei Euch aber um ein sehr kleines Baby geht, muss meiner Meinung nach erstmal sichergestellt werden, ob es diesem gut geht. Daher ist vielleicht ein Kinderarztbesuch gar keine so schlechte Idee. Nimmt das Baby gut zu? Produziert es ausreichend nasse Windeln? Wenn das gesichert ist, dann koennt ihr ueberlegen, wie es ansonsten weitergehen kann. Ich kenne eine Familie, wo die Mutter auch nicht bereit war haeufiger als alle 4 Stunden zu stillen (in dem Fall, weil stillen bei ihr schmerzhaft war und sie sich das nicht oefter antun wollte). Dort haben sie es so geloest, dass das Baby alle 4 Stunden nach Uhr gestillt wird und anschliessend noch mit Pulvermilch zugefuettert wird. Damit ist es ausreichend versorgt und ist dann wirklich 4 Stunden lang zufrieden.

Natuerlich ist das nicht das Optimum fuer das Kleine, aber auf jeden Fall besser als eine super gestresste Mutter, die vor lauter Angst vor dem naechsten Stillen auf gluehenden Kohlen sitzt und ihr Baby ueberhaupt nicht geniessen kann. Vielleicht koennt Ihr eine aehnliche Loesung finden, die erstmal den Druck rausnimmt. Abpumpen zusaetzlich zum Stillen wuerde ich in Eurem Fall allerdings nicht unbedingt empfehlen, weil das fuer die meisten Frauen eher noch mehr Stress bedeutet als Stillen.

Vielleicht wuerde es Deiner Frau auch guttun, mal ohne Baby fuer 2 Stunden mit einer Freundin ins Cafe zu gehen oder so. Das ist ja sehr unterschiedlich, manche Frauen koennen gar nicht ohne ihr Kleines und wuerden sich dabei schreklich fuehlen, anderen hingegen geniessen solche Auszeiten sehr. Ich glaube, ihr dreht Euch gerade ziemlich im Kreis, und es waere wichtig, dass dieser (Teufels-)Kreis irgendwie durchbrochen wird. Mir persoenlich hat eine Rueckbildungs-Yoga-Gruppe (mit Baby) sehr geholfen. Dort habe ich viele tolle Frauen kennengelernt, und wir staerken uns noch heute, 2 Jahre spaeter, oft gegenseitig den Ruecken. Ich fand es toll, mich mit anderen austauschen zu koennen, die in einer aehnlichen Situation waren. Zu sehen, dass auch bei anderen nicht immer alles ganz rund laeuft. Da konnte ich mir viele Anregungen holen, obwohl immer klar war, dass nicht jede Loesung fuer alle funktioniert.

ICh wuensche Euch alles Gute!
nido mit dem Piraten (01/2012)
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Carraluma
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Re: Stillprobleme (Frau will/kann nicht)

Beitrag von Carraluma »

Ich denke auch, dass das Stillen nach der Uhr bei deiner Frau einfach so fest im Kopf ist, dass du es erst einmal nicht ändern kannst, auch nicht mit den besten Argumenten. Es hört sich auch sehr so an als fühlt sich deine Frau noch nicht so wohl in ihrer Situation, vielleicht überfordert oder richtungslos... Eine Depression ist nachdem ihr bei einem Fachmann ward, wahrscheinlich ausgeschlossen, oder?
Ich würde auch empfehlen, dass du erstmal alles versuchst, um deine Frau zu entlasten, Haushalt und Co und sie ermutigst sich einmal/wieder mit Freundinnen oder anderen Müttern zu treffen und Dinge zu tun, die sie gerne mag...
Wenn sie wieder besser selbst klarkommt, ist es meist auch einfacher mit dem Baby und miteinander klar zu kommen.
Carraluma mit der großen Tanzmaus (*2012), dem Fußballer (*2016) und der kleinen Tanzmaus (*2019)
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