HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Wiege oder Familienbett? Allein oder zusammen? Wie schlafen wir alle am besten?

Moderator: Giraeffchen

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klecksauge
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von klecksauge »

Ich muss mal in Ruhe deine Links lesen, Miffi.

Ich sehe es wie Katja.
Und ich glaube das gilt für viele Bereiche des Lebens. Schwangerschaft/ Geburt zB.
Liebe Grüße aus den Norden von
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Kinsale
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Kinsale »

Ich erinnere mich dunkel irgendwo (Largo? Diese Doppelausgabe?) mal gelesen zu haben, dass nach einem halben Jahr der Babyschlaf tendenziell "schlechter", also häufiger unterbrochen ist. Bei der großen der Mehrheit der Babys. Das scheint mir also die Norm zu sein - die Erwachsenennorm "ohne Einschlafhilfe 8-10h schlafen" auf Kinder anzuwenden, erscheint mir sehr seltsam. Vermutlich genauso sinnvoll, wie einem Kind jeden Tag 3 große Essensprortionen aufzutischen.

Wenn in jedem Babyratgeber stünde "nach einem halben Jahr wachen die meisten Babys nachts öfter auf. Das ist normal und hat vielleicht mit den vielen Entwicklungsschritten ihres Kindes, die in diesem Alter üblicherweise anstehen, zu tun. Zwischen dem zweiten und 4. Geburtstag schlafen die meisten Kinder dann länger am Stück." oder so, ich glaube, dann wäre das Problem ein viel kleineres.
Klar gäbe es dann immer noch Eltern, die wirklich verzweifelt und hilflos sind und die eine Lösung brauchen. Aber einige Kinder, die schlaftrainiert werden, weil "man" sagt, sie sollten nach 6 Monaten durchschlafen, und es nicht tun, die würden dann vielleicht verschont. Und es gibt leider immer noch sehr viele Eltern, die sich von "man sagt" und "man sollte" sehr beeinflussen lassen.

Dass Schlafen(und auch Essen) genauso individuell ist wie laufen und sprechen, das müsste sich einfach mehr rumsprechen. Niemand käme auf die Idee ein "Lauftraining" mit 12 Monate alten Krabbelkindern zu machen, weil vielleicht eines von 4 Kindern dieses Alters läuft. Oder ein Sprechtraining, weil irgendein Nachbarskind 10 Worte mehr spricht. Hier wird deutlich später (und von Fachpersonen!) eingegriffen, als das beim Schlafen der Fall ist, wie mir scheint.
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

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agnesss
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von agnesss »

Ich hab das Interview gerade gelesen und finde Fr. Kast-Zahn kommt ziemlich gut dabei weg. Sie wirkt souverän, eloquent u d als wüsste sie genau wovon sie spricht. Schade :(
Ich sehe die positiven Aspekte des Interviews, dass ihr widersprochen wird etc. Aber jeder hört raus was er mag und wer mag kann ihre Ansichten durchaus im rosaroten Licht sehen.
Ein bisschen Werbung ist es wohl schon für sie. Solche leute nutzen JEDE Gelegenheit und Plattform.
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Wortgewitter
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Wortgewitter »

Als demnächst auch endlich offizielle Kulturwissenschaftlerin :mrgreen: möchte ich was anmerken zu Miffis Frage: ALLES in unseren Ansichten ist kulturell geprägt! Natürlich auch der Schlaf der Kinder und dessen Dauer.

Es gibt ausgesprochen beeindruckende Untersuchungen vom Umgang mit Kindern in der Ethnologie. Zum Beispiel von den Kung, einer der liebsten ethnologischen Untersuchungsstämme der 70er bis 90er Jahre... Dort werden die Kinder, wenn ich es recht erinnere, mehrfach nachts von verschiedenen Verwandten geweckt (!) und gestillt (alle Stillkinder von EINER Frau), die anderen schlafen, es gibt da eine Art Schichtsystem. Das wecken ist wichtig, um die Ernährung (und Flüssigkeitsversorgung! Die Kung leben in Zentralafrika) der Kinder sicherzustellen.

Dann erinnere ich eine Untersuchung in der Mongolei bei irgend einem Volksstamm (Hab den Namen nicht mehr im Kopf), bei der die Männer den Stillkindern beim nächtlichen Aufwachen Tropfen aus einem Pflanzenextrakt geben, damit es weiterschläft (wenn das Kind zu oft nachts aufwachte bestand die Gefahr, dass es von einem Dämon besessen werden könnte, welcher nachts aufwachende Kinder befiel - dann starb das Kind (Phänomen SIDS gleich mit abgehandelt)).

Und ich meine, dass meine Professorin, die Studien bei den Ming in Südchina gemacht hat, erzählte, dass die Babys dort erstaunlich viel und lange durchschlafen würden und keiner wüsste so recht, woran das läge. Ein Ansatz war, dass sie nicht bei ihren Müttern schliefen, sondern bei nicht laktierenden Frauen, ein anderer, dass sie bestimmte Pasten zu essen bekamen (von Anfang an), die evtl. extrem sättigten. Aber so richtig klar war das nicht. Die Schlafzeiten lagen laut meiner Professorin in ihrer (qualitativen) Feldstudie bei 10-12 Stunden am Stück.

Sorry, alles völlig unwissenschaftlich aus dem Gedächtnis erzählt, weil müde und nicht motiviert.

Man sieht, auch das ist nicht nur Biologie sondern durchdrungen von regulierenden kulturellen Faktoren.
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Starla
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Re: AW: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Starla »

Ich möchte eine Erfahrung aus 2. Hand und 1. Hand mitmit euch teilen, die mich dazu bewegt, dass ich es sehr wichtig finde, dass ein Mainstream-Magazin wie Eltern Schlafprogramme aufgreift.

In meinem Babykurs waren 9 Mütter. Davon haben 5 ihr erstes Kind bekommen. Die Kursleiterin hat diese Kurse schon Jahre gemacht und selbst 5 Kinder. Von allen Müttern hatte ich den Eindruck, dass sie ihre Kinder sehr, sehr liebevoll behandelten - jede auf ihre Weise. Die Kursleiterin wirkte aufgrund ihrer Erfahrung manchmal wie eine Autorität. In diesem Kurs sprachen wir viel über unsere Ängste und Sorgen etc. Große Themen waren immer Schlafen und später Beikost. Alle Babies würden mindestens 6 Monate gestellt. Die Kursleiterin vertrat die Ansicht, ab ca 6 Monaten müssten die Kinder lernen, alleine einzuschlafen und bräuchten nachts keine Nahrung mehr.

Zwei der Mütter litten besonders unter dem häufigen Aufwachen ihrer Kinder. Sie mochten das Stillen nicht besonders. Es störte sie das Gefühl des Nuckelns. Abstillversuche funktionierten nicht. Die Kinder wollten keine Flasche. Die Mütter waren nervlich am Ende und auch mal kurz vorm Weinen. Es fielen Sätze wie "Ich habe mir das so nicht vorgestellt." "Ich möchte ihn/sie zur Adoption freigeben." Gleichzeitig waren sie auch recht beratungsresistent und beharren darauf, dass ihre Kinder jetzt mal durchschlagen sollten. Die anderen täten das ja auch.

Von ihrer Hebamme bekam die eine Mutter dann JKKSL und war überzeugt. Nach 2 Nächten Schreien schlief das 5 Monate alte Kind durch. Die andere Mütter lieh sich das Buch und deren Kind schlief dann auch durch. Im Kurs waren die Mütter plötzlich den Kindern viel zugewandter und lachten viel und die Kinder schienen auch mehr mit den Müttern zu interagieren.

In dem Kurs wurde auch kurz über die Kritik an JKKSL gesprochen und die Diskussion wurde beinahe unsachlich. Es wurde festgehalten, dass Schlafprogramme ja nicht nachweisbar schaden würden und weit verbreitet seien, also nicht so schlimm sein könnten.

Bei einem anderen Thema, nämlich BLW als Beikost, wurde ein Artikel der Eltern herumgereicht, in dem von dem neue Trend BLW berichtet wurde. Insbesondere die Kursleiterin fand das potentiell lebensgefährdend den Kindern feste Nahrung zu geben. Ein Argument ihrerseits und der anderen Mütter war, wenn BLW so ungefährlich wäre, dann würde sich die Eltern ja nicht so kritisch damit auseinandersetzen. Die Zeitschrift wurde quasi als Autorität betrachtet und gerade auch die Art der Berichterstattung bewertet.

Ich glaube, hätte es zu der Zeit schon eine Auseinandersetzung mit Schlafprogramme in der Eltern gegeben, hätte dies für eine andere Art der Diskussion über Schlafprogramme gesorgt. Die beide Mütter hatten in ihrer jeweiligen Situation wahrscheinlich den gleichen Weg gewählt, die anderen Mütter hätten das Ganze aber vielleicht anders bewertet und kritischer betrachtet. Denn die berichten ja auch anderen von den Erfahrungen, die diese Mütter mit dem Schlafprogramme gemacht haben. Daher finde ich die AuseinanderSetzung in der Eltern gut und insbesondere auch, dass die Autorin selbst einmal zu Wort kommt.

Was mich persönlich traurig macht bzw. traurig gemacht hat, ist, dass die beiden Mütter, die ihre Kinder haben schreien lassen, dieses Buch als Rechtfertigung für ihr Verhalten benutzt haben. Beide berichteten, wie schlimm sie es fanden, dass ihre Kinder schrien und sich erbrachen, aber dass das ja so sein müsse, das stünde ja in dem Buch. Beide waren sonst sehr kritisch und hatten beide ein Hochschulstudium hinter sich. Damit unterstelle ich ihnen, dass sie sich bewusst waren, dass es immer zwei Meinungen gibt und dass sie in der Lage waren, sich übers Netz über das Buch zu informieren. Leider waren sie in ihrer Situation wahrscheinlich so verzweifelt und von ihrem Bild über Babies so gefangen, dass sie nicht fertig brachten. Auch deswegen finde ich es gut, dass das Thema wieder Thema ist.






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Carraluma
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Carraluma »

Etwas OT, aber irgendwie gehts doch teilweise darauf hinaus, was ist normal und was ist eine Schlafstörung, die man behandeln muss/ es dem Baby gegen seinem Willen abgewöhnen sollte.

Laut Informationsblättern beim Kinderarzt ist häufiges Aufwachen mit Bedarf der Eltern ein Schlafproblem des Kindes. Und ab einem halben Jahr sollten Babies nachts nichts mehr bekommen.
Ist das nun so?
Kind soll alleine Einschlafen mit geeigneter Einschlafhilfe wie Kuscheltier oder Schnuller. Warum hat dann ein Kind das keinen Schnuller benutzt, aber stattdessen stillt ein Problem? Für das Kind kann es doch nicht schlechter sein, sich an Mutters Brust (wieder) in den Schlaf zu nuckeln statt mit Hilfe eines Schnullers, oder? Kann mir das jemand erklären? Was ist dann ein Schlafproblem?
Und wenn man den Kinderarzt fragen würde, bekommt man nur zu hören, dass man das dem Kind nach einigen harten Nächten schon abgewöhnt hätte.

Und wer will wissen, wann das Baby nachts Hunger hat und wann nicht. Ich bin über ein halbes Jahr alt und habe nachts häufig Hunger.
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Kinsale
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Kinsale »

Bei dieser Halbjahres-Grenze geht es glaube ich darum, dass die Babys keine Hirnschäden mehr zu befürchten haben, wenn sie nachts nichts zu trinken/essen mehr bekommen. Wem das als Betreuungsniveau reicht…tja.
Und genauso soll die "Nähe" ja schon am Tag ausreichend verabreicht werden.

Bei unserem KiA steht im Fragebogen zu den Us nur: "Kommen Sie mit dem Schlafverhalten Ihres Kindes zurecht?" Ich denke, das ist auch die Schlüsselfrage. Womit und wie man zurecht kommt, ist ja nun sehr individuell. Und ebenso sollten auch die Lösungen sein.
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Carraluma
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Carraluma »

Kinsale, das stimmt! Wird bloß leider selten so gesagt, sondern meist ein Problem draus gemacht/ den Eltern von der Umwelt eingeredet, dass es eines wäre. Eigentlich so ähnlich wie beim Stillen ohne Einhalten der "3-4-Stundenregel".
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Carraluma
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Carraluma »

Nach den Kriterien zur Bestimmung von Einschlafstörungen aus der Doktorarbeit, die Miffi verlinkt hat, müssten wohl die meisten SuT-Kinder schlafprobleme haben, da sie entweder im FB schlafen und/oder Einschlaf- und/oder nachts gestillt werden und oder in den Schlaf getragen werden. Zufriedenheit der Eltern ist kein Kriterium.

Widerspricht nebenbei den Empfehlungen fürs nächtliche Stillen, um Milchmangel zu vermeiden. Also auf zum Flaschenfüttern!
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