HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Wiege oder Familienbett? Allein oder zusammen? Wie schlafen wir alle am besten?

Moderator: Giraeffchen

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davisalo
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Re: AW: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von davisalo »

Capesider hat geschrieben:
Muschelsucherin hat geschrieben:Ich finde es unglaublich, dass diese Frau in der Eltern eine Bühne erhält
Das war zugegeben auch mein erster Gedanke!! Warum muss man die Frau in die Öffentlichkeit holen und dadurch wieder das Ferbern bei manchen Eltern ins Gedächtnis rufen? :roll: :?
Ich würde sagen, das IST leider im Gedächtnis!!! Und wer reflektiert genug ist, es vorher abgelehnt hat, wird es nach DIESEM Interview weiter ablehnen. Hier ist lediglich die Chance, dass Eltern, die sich nicht so sehr im Internet aufhalten, hier ein deutliches negatives Votum durch die Eltern erhalten! Dass infrage gestellt wird, was doch leider immer noch so weit verbreitet wird ... Nee, ich glaube nicht, dass durch dieses Interview letztlich ein Kind mehr geferbert wird. Okay, vielleicht kauft aus Neugierde mal wieder wer ihr Buch, und die Frau verdient was dran ... Aber ansonsten hat für mich eher die kritische Haltung als die Einzelmeinung dieser Frau durch dieses Interview ein Forum bekommen. Denn ganz anders als bei den meisten sonstigen Interviews stand ja dann eben dieser Nachsatz, dass Nora eben mit ihrer kritischen Fragestellung nicht allein war, sondern die ganze Elternredaktion ihre ablehnende Haltung unterstützt. Und DAS fand ich enorm!!
Liebe Grüße
davisalo mit zwei Mädels: D (2007) und S (2010)
Lösche Benutzer 14500

Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

Ich unterschreibe mal bei Jali. (Außer den Teil mit der Geduld, leider.)

Und ich finde es auch gut, dass die Eltern dieses Thema aufgegriffen hat - und sich da ja auch ganz klar positioniert hat. Das Interview war ja deutlich kritisch, so dass ich denke, dass es eher zum Nachdenken angeregt hat, als dass es Werbung für JKKSL gewesen wäre. Durch Totschweigen erreicht man sicher nichts - die Leute holen sich ihre Infos dann halt anderswo, z.B. aus den Amazonkritiken zum Buch. Und das ist dort ja von der Hälfte der Lete mit 5 und von der anderen Hälfte der Leute mit einem Stern bewertet worden und zwar jeweils nicht unbedingt aus neutral dargelegten Gründen. :-) Da finde ich es weitaus besser, im Rahmen eines Interviews mal die wesentlichen Kritikpunkte abzuarbeiten.

Was mich am Thema übrigens am meisten fuchst, ist diese Definition von Schlafstörungen bei Babies. Ich denke, wenn es die nicht gäbe und wenn Müttern vermittelt würde, dass es NORMAL ist, dass Baies auch mit neun Monaten (oder zwölf oder fünfzehn...) noch häufiger nachts aufwachen, dann würden sich auch weniger Menschen Sorgen machen und zu Schafprogrammen greifen. Klar, wenn das Kind sehr sehr häufig aufwacht und die Eltern am Stock gehen, dann kann ich eine solche Lösung sogar verstehen. Aber ich denke, dass es auch Eltern gibt, die sich v.a. deswegen Sorgen machen, weil sie denken, ihr Kind SOLLTE soundso schlafen. Und da frage ich mich: Sollte es das denn? Ist das eine westliche Definition von Schlafstörungen? Gibt es noch andere Definitionen von Schlafstörungen? Wie oft wachen Kinder in Kulturen auf, in denen Familienbett üblich ist und ab wann wird dort das Schlafverhalten eines Kindes als störend oder unnormal empfunden? Falls da jemand Literatur zu hätte, dann fände ich das sehr toll!
davisalo
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von davisalo »

Miffi, Literatur habe ich nicht. Ich denke nur immer: Die einzigen, die möglicherweise Schlafstörungen haben, sind die Eltern! Und diese auf das Kind zu schieben, ist irgendwie richtig fies ... Okay, wenn jemand sich nicht anders zu helfen weiß, als mit Schlafprogrammen; aber dann sollte man ehrlich sagen: ICH hatte Schlafstörungen durch diese Situation und wusste deshalb keine andere Hilfe ... - und nicht behaupten, dass das Baby welche gehabt hätte ...
Liebe Grüße
davisalo mit zwei Mädels: D (2007) und S (2010)
Lösche Benutzer 14500

Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

Hm.
Ich weiß es ehrlich nicht. Mein Kind hatte (und hat immer noch manchmal) in Schlechtschlafzeiten echt fiese Augenringe, ist merklich angeschlagen, quengelig und müde. Heute hat sie zum ersten Mal seit fünf Nächten gut und nahezu unterbrechungsfrei geschlafen, von 19.30 Uhr bis 8.30 Uhr. Und heute morgen ist sie ein neuer Mensch, quasi. (Mal abgesehen davon, dass sie ja noch ein recht neuer Mensch ist. :-))
Wir haben hier die Erfahrung gemacht, dass das Kletterkind den Schlaf irgendwann nachholt. Aber ihr hättet mal ihre Augenringe sehen sollen, die letzten Tage, sie war einfach fertig. Insofern kann ich schon verstehen, dass man sich da nicht nur um sich selbst, sondern tatsächlich auch ums Kind Gedanken macht.
jali
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von jali »

davisalo hat geschrieben:Miffi, Literatur habe ich nicht. Ich denke nur immer: Die einzigen, die möglicherweise Schlafstörungen haben, sind die Eltern! Und diese auf das Kind zu schieben, ist irgendwie richtig fies ... Okay, wenn jemand sich nicht anders zu helfen weiß, als mit Schlafprogrammen; aber dann sollte man ehrlich sagen: ICH hatte Schlafstörungen durch diese Situation und wusste deshalb keine andere Hilfe ... - und nicht behaupten, dass das Baby welche gehabt hätte ...
Tut mir leid, aber wenn mein Baby nachts aufwacht und totmüde versucht beim Stillen einzuschlafen, es nicht schafft, dann vielleicht irgendwann auf dem Arm einschläft, aber sofort wieder aufwacht, dann wieder beim Stillen versucht einzuschlafen, irgendwann merkt dass es einfach nicht zur Ruhe findet, dann verzweifelt anfängt zu weinen und erst nach einer viertel Stunde Weinen durch das Weinen so ausgepowert ist, dass sie es dann schafft beim Stillen einzuschlafen (mittlerweile war das Baby zwei Stunden wach), dann würde ich schon denken, das Schlafproblem liegt bei dem Kind und nicht bei mir (auch wenn ich dann natürlich auch ein Problem habe). Für meine Tochter war das sicher nicht schön es oft nur so zurück in den Schlaf zu schaffen.

Das keine Schlafstörung vorliegt, wenn ein Kind nachts öfter aufwacht, sich der Nähe der Mutter versichert, stillt und weiterschläft, sehe ich auch so. Aber daraus zu schliessen, dass es bei Babys keine Schlafprobleme gibt? Wie man mit den Schlafproblemen umgeht, ist ja nochmal eine ganz andere Frage.
Mit zwei Töchtern (2011 und 2014)
davisalo
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von davisalo »

Ja, tschuldige, ich wollte mit meinem Beitrag hier niemandem auf den Schlips treten! DAS gibt es sicher auch. Was ich hier aber als "Schlafprobleme" von Kindern genannt bekomme, ist gewöhnlich eben das andere: dass die Kinder halt wach werden. Und dass DAS ja nicht geht. Und dass das böse, böse Kind einfach nicht alleine einschlafen will, viel zu lange zum Einschlafen braucht etc. Diese typischen Dinge werden mir immer als Schlafprobleme des Kindes verkauft - und sorry, DAS sind höchstens Probleme der Eltern und nicht des Kindes! Wenn es zu einem Zeitpunkt ins Bett gelegt wird, wo der Müdigkeitspunkt gerade vorbei ist oder noch gar nicht da, wenn es einfach Nähe-Kuschelbedürfnis hat o.ä.

Und jaaa, dieses Zappeln an der Brust und aufregen, nicht mehr einschlafen können etc. kenne ich alles auch. Allerdings habe ich es immer so interpretiert, dass mein Kind da ein massives Problem mit dem Schlafbedürfnis ihrer Mutter hatte!! Sie wollte eigentlich jetzt lieber spielen - aber ich nachts um drei nicht! Und sie wollte dann mir zuliebe einschlafen, konnte aber nicht, weil für sie jetzt was anderes dran gewesen wäre ... - Klar, müde war sie dann auch. Aber SIE hätte sich ganz bestimmt irgendwann den Schlaf geholt, möglicherweise eben dann, wenn ich was ganz anderes vorhatte und sicher nicht schlafen wollte ... Aber auch da habe ich ja letztlich zuerst mal MEIN Bedürfnis erfüllt, dass ICH nachts schlafen will und nicht tagsüber. Nein, ich hatte alles andere als Traumkinder, was das Schlafen und Durchschlafen anging - aber ich bin zum Glück rechtzeitig auf die Möglichkeit des Familienbettes gestoßen, das mir das Leben doch soooooo erleichtert hat.
Liebe Grüße
davisalo mit zwei Mädels: D (2007) und S (2010)
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zierfisch
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von zierfisch »

Was miffi schreibt hat mich an dem ganzen Buch so gestört. Da steht am Anfang irgendwas, erstmal raus finden, ob das Kind überhaupt eine Schlafstörung hat.
Blahblah, Umfragen unter Eltern hätten ergeben, dass drei von vier Kindern nachts öfter als zweimal aufwachen, nach dem sechsten Monat. Und DARAUS wird geschlussfolgert (gibt es das Wort!?), dass eben diese drei Babys Schlafstörungen haben... in Gegensatz zur Minderheit.
Bei den Zahlen Bitte nicht festnageln, ist schon was her... auf alle Fälle eine deutliche Minderheit, die Durchschläft, aber als "Normalzustand" erachtet wird...
Bärchen (09/08) & Mäuserich (04/11)
Lösche Benutzer 14500

Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

Also, ich habe mal gegooglet und auf die Schnelle das hier gefunden:

http://edoc.ub.uni-muenchen.de/1904/1/Vogt_Ariadne.pdf

Da werden hübsch verschiedene Definitionen von Schlafstörungen bei Kindern erläutert - offenbar herrscht da keine Einigkeit. Wesentlich finde ich aber z.B. schonmal: "Umzug ins Elternbett" oder "Schlafen im Elternbett" ist in allen Definitionen ein Symptom für Schlafstörungen. Das fällt ja für sämtliche familiengebetten Kinder schonmal aus.
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kaehde
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von kaehde »

Miffi hat geschrieben:Also, ich habe mal gegooglet und auf die Schnelle das hier gefunden:

http://edoc.ub.uni-muenchen.de/1904/1/Vogt_Ariadne.pdf

Da werden hübsch verschiedene Definitionen von Schlafstörungen bei Kindern erläutert - offenbar herrscht da keine Einigkeit. Wesentlich finde ich aber z.B. schonmal: "Umzug ins Elternbett" oder "Schlafen im Elternbett" ist in allen Definitionen ein Symptom für Schlafstörungen. Das fällt ja für sämtliche familiengebetten Kinder schonmal aus.
Aber warum ist das eigentlich eine Schlafstörung? Und was ist mit Beistellbett, so wie es ja jetzt empfohlen wird?
Miffi, weißt Du, wer diese grunddefinition gemacht hat? Und wer hat den normbereich definiert? MMn liegt nämlich da das "Problem".

Viele Grüße,
Katja


Kurz und knapp vom Handy aus
Katja mit Benjamin (32.0 SSW, 02/05)
und Rebecca (02/08 )

Das Wichtigste im Leben sind ja sowieso die gelebten Beziehungen und die Liebe, die man schenkt und bekommt. (duduja)
Lösche Benutzer 14500

Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

Nee, ich weiß das leider gar nicht, deswegen hatte ich weiter oben gefragt. Ich denke nämlich auch ganz stark, dass genau DA das Problem liegt. Sprich: Pathologisierung eines völlig normalen Verhaltens.

Ich finde da irgendwie nix Wissenschaftliches zu (habe aber auch auf Jorunals der Anthropologie keinen Zugriff). Interesant fand ich aber diesen Artikel: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/n ... -1.1004359
Dort geht es um Schlaf allgemein, also auch und v.a. bei Erwachsenen, aber es ist trotzdem ganz spannend: Offenbar ist EINE lange und unterbrechungsfreie Nachtschlafphase a) auch bei uns eher noch ein neues Phänomen und b) in anderen Kulturen nicht unbedingt üblich. Sollte das ein belegter Befund sein, dann muss man sich nicht wundern, dass auch Babies/Kleinkinder öfter aufwachen. Unsere Ansicht von Schlaf wäre dann eher kulturell geprägt, das, was das Baby unter "Schlaf" versteht, eher evolutionär.
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