Vorbereitung aufs Stillen nach Brustverkleinerung

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-anders-
hat viel zu erzählen
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Vorbereitung aufs Stillen nach Brustverkleinerung

Beitrag von -anders- »

Hallo,
In den nächsten Tagen erwarte ich mein 2. Kind. Geplant ist dieses mal eine spontane Geburt im Geburtshaus und ich würde dieses mal gerne voll stillen. Allerdings hatte ich vor 17 Jahren eine Brustverkleinerung mit Versetzung der Brustwarzen.

Bei Kind 1 hatte ich bei ET+8 eine sekundäre Sectio aufgrund Geburtsstillstand nach Blasensprung. Leider wurde es bereits im Kreißsaal total versäumt mir die Kleine nackt auf die Brust zu legen bzw überhaupt anzulegen. Auf der Station war es dann auch nicht besser da ich mitten in der Nacht dort hin verlegt wurde und kaum Personal dort war um mir zu helfen. Also habe ich es erst einmal alleine versucht, musste das Kind aber dann aufgrund der starken Schmerzen ins Kinderzimmer abgeben.

Tag 2 habe ich sie so oft sie wollte angelegt und ausgiebig saugen lassen. Die Anlegetechnik war wohl Ok und die Brustwarzen auch.

Tag 3 bekam sie Fieber und aufgrund erhöhter Entzündungswerte meinerseits bekam sie eine Antibiose und Glukoselösung i.v. und wurde auf die Neo verlegt. Die Entzündung hat sich bei ihr nicht bestätigt, vermutet wurde statt dessen Dehydration und Unterzuckerung, trotzdem musste die Antibiose für 3 Tage durchlaufen und das Kind blieb auf der Neo. Ich bin zwar viel dort zum stillen gewesen, jedoch nicht immer sofort gerufen worden wenn sie sich gemeldet hat teilweise wurde sie mit Schnuller 1h über die Zeit gezogen. Da sie auch nach dem stillen immer noch nicht satt zu sein schien wurde empfohlen kleine Mengen zuzufüttern. Vorher gab es Stillproben und Abpumpversuche bei denen natürlich nicht so wahnsinnig viel herum kam. Da ich Angst hatte das Kind nicht wieder zurück auf die Normalstation zu bekommen habe ich dann ab und an zugefüttert.

Tag 8 wurden wir aus der Klinik entlassen mit 3750 gr was 100 gr. unter Geburtsgewicht war. Zu Hause habe ich zunächst versucht wieder nur voll zu stillen, jedoch hatten wir dann doch eine Packung PRE im Haus um im Zweifel zufüttern zu können. Da sie zu Hause nicht gut genug zugenommen hat (100gr in 2 Wochen), machte die Hebamme immer mehr Stress mehr zuzufüttern. Ich habe es dann mit dem Brusternährungsset versucht was mir dann aber auf Dauer viel zu aufwendig war und die benötigte Pre-Menge dann doch immer mehr wurde.

Irgendwann habe ich dann auf Stillen + Pre aus der Flasche umgestellt und mit 5 Monaten hat sie die Brust dann endgültig verweigert.

Meine Beobachtung aus dieser Zeit: Bei meiner linken Brust habe ich immer nur einen "Milchstrahl" gehabt, an der rechten dagegen 5. Da es gerade abends immer sehr schwierig war und ich sie nach 1,5h Schreierei nicht wieder zum stillen wecken wollte habe ich immer noch mal so gegen 22.00 abgepumpt. Die Milchmenge an der rechten Brust war dabei immer deutlich größer als an der linken Brust. Einmal habe ich sogar nach längerer Stillpause 100 ml abpumpen können.

Vor diesem Hintergrund ist meine Vermutung, dass es vielleicht gar nicht so sehr an meiner operierten Brust lag sondern daran, dass der Stillstart einfach nur undenkbar schlecht war und das Stillmanagement nicht optimal.

So überlege ich gerade, ob es überhaupt so sinnvoll ist Kind 2 dann überhaupt an der "schlechten" linken Brust anzulegen sondern hauptsächlich die rechte Brust zu nutzen. Kind 1 habe ich meist so nach 20 min von einer auf die andere Seite gewechselt. Aber wenn da sowieso nur so wenig raus kommt frage ich mich ob sich das Kind dann überhaupt mit dieser Brust so abmühen sollte und statt dessen eben nur der rechten Brust den Impuls zur Milchproduktion zu geben.

Sorry, es ist sehr lang geworden, aber dieses Mal möchte ich einfach alles mögliche tun um voll stillen zu können und würde gerne vorbereitet sein. LLL oder AFS hatte ich damals kontaktiert, leider konnte mir dort niemand empfohlen werden der mit operierten Frauen bereits Erfahrungen gesammelt hat. Vielleicht kann mir ja hier jemand unter den gegebenen Umständen helfen...
LG Anders

Dramaqueen 03/2010 und Milchknilch 01/2014
Monfahrt

Re: Vorbereitung aufs Stillen nach Brustverkleinerung

Beitrag von Monfahrt »

Hallo!

Sicher melden sich bald die Profis hier!

Deswegen nur kurz und vielleicht ganz beiläufig von mir:
Leider habe ich nicht genau die, von dir gewünschten, Erfahrungen - aber auch bei mir, ganz ohne OP, gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen links und rechts, was die Milchmenge angeht. Das merke ich beim Abpumpen, bei der unterschiedlichen Größe der Brüste und auch wenn ich einmal einen Tag nicht stille (ist ja schon groß der Kleine), dann platze ich rechts fast schon, während sich links nur gut gefüllt anfühlt.

Ich wünsche dir eine entspannte und erfüllte zweite Stillbeziehung!

Alles Gute,
Iris
-anders-
hat viel zu erzählen
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Re: Vorbereitung aufs Stillen nach Brustverkleinerung

Beitrag von -anders- »

Danke, schon mal für die Antwort...
LG Anders

Dramaqueen 03/2010 und Milchknilch 01/2014
jusl
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Re: Vorbereitung aufs Stillen nach Brustverkleinerung

Beitrag von jusl »

Hallo und herzlich willkommen hier,

nach Brust-OP gilt der Grundsatz: Erstmal ganz normal probieren, unter möglichst guten Bedingungen und unter möglichst engmaschiger Kontrolle.

Dass die Bedingungen bei der Geburt Deines ersten Kindes alles andere als gut waren, hast Du schon selbst gemerkt. Gute Bedingungen sind durch folgende Faktoren gekennzeichnet:
* angenehme, angstfreie Atmosphäre
* Ruhe (kein störender eigener oder fremder Besuch)
* geschützte Privat- und Intimsphäre (keine unnötig häufigen Untersuchugen)
* ununterbrochener Hautkontakt bis mindestens zum ersten Stillen (nach Kaiserschnitt so früh wie möglich)
* U1 erst NACH dem ersten Stillen
* keine Verwendung künstlicher Sauger, evtl. notwendiges Zufüttern passiert stillfreundlich
* alles was einem persönlich noch wichtig ist.

Ganz normal probieren heißt:
* von Anfang an häufig stillen (spätestens ab Tag 2 sollte mind. 8-12 mal in 24 Stunden gestillt werden)
* von Anfang an beide Seiten anbieten, um eine gleiche Stimulierung zu ermöglichen. Wenn ein Brust dann mehr produziert als die andere, ist das gar nicht schlimm (ist bei ganz vielen Frauen so!..).

Wegen der OP-Vorgeschichte ist erhöhte Wachsamkeit sinnvoll. In den ersten Lebenswochen sollte daher täglich dokumentiert werden, wie oft das Baby getrunken hat, wieviel es ausscheidet (Anzahl Pipiwindeln, Anzahl Stuhlwindeln), und sein Gewicht. Auf diese Weise lässt sich im Falle des Falles schnellstmöglich ein Zufütterbedarf erkennen, ohne unnötigen Stress oder Angst. Auf der anderen Seite kann durch diese engmaschige Doku auch belegt werden, dass Dein Baby vollgestillt gut gedeiht - sollten nämlich ANDERE Schwierigkeiten auftauchen, vermehrtes Schreien zum Beispiel, hast Du so die Sicherheit, dass es NICHT an Hunger bzw. zu wenig Milch liegt.
Also: eine engmaschige Doku kann Dir da ganz viel Stress ersparen und als wesentliche Entscheidungsgrundlage für diese Einschätzung hier dienen:
Vor diesem Hintergrund ist meine Vermutung, dass es vielleicht gar nicht so sehr an meiner operierten Brust lag sondern daran, dass der Stillstart einfach nur undenkbar schlecht war und das Stillmanagement nicht optimal.
Hilft Dir meine Antwort weiter?

Rückfragen immer gerne und alles Gute,
LG
Julia
-anders-
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Re: Vorbereitung aufs Stillen nach Brustverkleinerung

Beitrag von -anders- »

Ja, danke, gerade der Hinweis auf die Doku ist super, dann muss man weniger in seiner Erinnerung kramen.

Ab wann muss mein Kind denn eigentlich die notwendige Anzahl an Pipiwindeln haben?

Kind 1 habe ich an Tag 1 so lange sie wollte saugen lassen, das waren durchaus auch 2h. Die Schwestern meinten ich solle nach 40 min Pause machen, das lange saugen würde das Kind nur schwächen. Was ist davon zu halten?

Der plan ist ambulant zu entbinden. Wäre es in meinem Fall ratsam schon mal stillfreundliches Zufüttereqipment und PRE im Haus zu haben? Würde man HA nehmen wenn der Vater gegen Staub und Katzen allergisch ist?

Kann mir die Hebi eigentlich eine Waage verschreiben?
LG Anders

Dramaqueen 03/2010 und Milchknilch 01/2014
jusl
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Re: Vorbereitung aufs Stillen nach Brustverkleinerung

Beitrag von jusl »

2
Ja, danke, gerade der Hinweis auf die Doku ist super, dann muss man weniger in seiner Erinnerung kramen.
Richtig, "in der Erinnerung kramen" funktioniert nämlich für gewöhnlich kaum bis gar nicht. ;-)

Ab wann muss mein Kind denn eigentlich die notwendige Anzahl an Pipiwindeln haben?
Ab Tag 2, also praktisch von Beginn an. Der Flüssigkeitshaushalt muss ja funktionieren; eben dies zeigen ausreichend Urinausscheidungen an.
Kind 1 habe ich an Tag 1 so lange sie wollte saugen lassen, das waren durchaus auch 2h. Die Schwestern meinten ich solle nach 40 min Pause machen, das lange saugen würde das Kind nur schwächen. Was ist davon zu halten?
Normalerweise sollte nach Bedarf gestillt werden. Der Kalorienverbrauch durchs Saugen ist im Vergleich zum Kalorienverbrauch beim Schreien (was das Kind ja möglicherweise anstatt saugen tun würde) sicher vernachlässigbar. ;-)
Der plan ist ambulant zu entbinden. Wäre es in meinem Fall ratsam schon mal stillfreundliches Zufüttereqipment und PRE im Haus zu haben?
Ja, das halte ich für sinnvoll. Dann fiele nämlich der mögliche Stress schon mal weg, zu irgendeinem Zeitpunkt "schnell was besorgen zu müssen". Als stillfreundliches Zufütterequipment reicht "für den Notfall" ein kleiner Fütterbecher (ist ein Cent-Artikel aus der Apotheke) und einige Produktproben Pre-Pulver (das muss definitiv keine ganze Packung sein!..).
Falls tatsächlich dauerhaft Zufüttern nötig werden sollte - das steht ja noch gar nicht fest!.. - kann man immernoch ganz in Ruhe überlegen, mit welcher Methode das passieren soll - vergleichsweise teure Stillhilfsmittel wie das Brusternährungsset würde ich nicht "vorher" kaufen, sondern nur im Fall der Fälle.
Würde man HA nehmen wenn der Vater gegen Staub und Katzen allergisch ist?
Dazu gibt es keine einheitlichen Empfehlungen. Die Wahrscheinlichkeit ist jedenfalls hoch, dass Dein Baby auch mit normaler Pre gut zurechtkäme. Am besten befragst Du dazu Euren Kinderarzt. Als Produktproben für den Notfall würde ich normale Pre nehmen.
Kann mir die Hebi eigentlich eine Waage verschreiben?
Ich glaube, "verschreiben" kann nur der Arzt was, aber am besten befragst Du dazu Deine Hebi vor Ort.

LG
Julia
-anders-
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Re: Vorbereitung aufs Stillen nach Brustverkleinerung

Beitrag von -anders- »

Super, danke...

Kaufe ich den Fütterbecher in der Apotheke genau unter dieser Bezeichnung, oder ist das einfach irgendein flexibler Becher?

Auf jeden Fall werde ich mehr auf meinen Bauch hören und solange die BW es mitmachen stillen.
LG Anders

Dramaqueen 03/2010 und Milchknilch 01/2014
jusl
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Re: Vorbereitung aufs Stillen nach Brustverkleinerung

Beitrag von jusl »

Kaufe ich den Fütterbecher in der Apotheke genau unter dieser Bezeichnung
Ja genau, Fütterbecher von Medela.
Auf jeden Fall werde ich mehr auf meinen Bauch hören und solange die BW es mitmachen stillen.
Da spricht grundsätzlich absolut nichts dagegen; man muss allerdings aufmerksam bleiben und schauen, ob alles OK ist, denn extrem lange Stillzeiten können auch mit ineffektiver Trinktechnik und/oder Milchbildungsproblemen zusammenhängen.
Eine wirklich gute Faustregel ist: 8-12 (erkennbare ;-)) Mahlzeiten in 24 Stunden.

LG
Julia
-anders-
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Re: Vorbereitung aufs Stillen nach Brustverkleinerung

Beitrag von -anders- »

Und da fängt das Problem an, wie erkenne ich gerade in den ersten Tagen vor dem Milcheinschuss eine Mahlzeit? Das sind doch nur mini Mengen die das Kind dann trinkt. Also kann ich mich dann doch eigentlich nicht auf große Schlucke verlassen.

Ich werde auf jeden Fall ein Stillprotokoll führen und wenn nicht ganz offensichtlich alles gut ist die Daten hier posten. Und falls dieses mal alles top läuft gebe ich wenigstens eine Rückmeldung.

Danke noch mal
LG Anders

Dramaqueen 03/2010 und Milchknilch 01/2014
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Re: Vorbereitung aufs Stillen nach Brustverkleinerung

Beitrag von jusl »

Und da fängt das Problem an, wie erkenne ich gerade in den ersten Tagen vor dem Milcheinschuss eine Mahlzeit?
Auch VOR dem Milcheinschuss hungert ein Baby nicht - Milcheinschuss bedeutet nicht den Übergang von "keine Milch" zu "Milch", sondern den Übergang von "Neugeborenenmilch" zu "reife Milch". Der Magen fasst in den ersten Lebenstagen nur wenige Milliliter - gerade so viel, wie an Neugeborenenmilch produziert wird. Auch da ist ein Baby nach dem Stillen satt.

Meld Dich einfach, wenn Fragen auftauchen.

LG und alles Gute
Julia
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