Hallo Feder,
zunächst mal kann ich mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen: Keine Panik! Du nimmst die Anzeichen eines völlig normalen Umstellungsprozesses wahr (der NICHTS mit der Milchmenge zu tun hat), aber deutest diese offenbar völlig falsch (was vielen Müttern passiert).
Ich geh mal der Reihe nach:
Allerdings hatte ich nie "Milch im Überfluss", sondern muss ihr tagsüber meist beide Brüste anbieten, die sie dann auch beide leer trinkt (ca alle 2 Stunden beide Brüste).
"Milch im Überfluss" kann ausgesprochen nerven, daran ist nichts toll. (Es gibt Frauen, die abstillen deswegen!...) Die meisten Babys trinken bei einer Mahlzeit an beiden Seiten - oft sogar nach der zweiten Seite nochmal die erste.
Achtung: Laktierende Brüste sind nie leer!! Der Hauptteil der Milch wird WÄHREND DES STILLENS gebildet. Wenn Du z.B. nach der zweiten Seite noch mal zu ersten wechselst, kommt da noch was, versprochen.
Diese Nacht ist etwas völlig Überraschendes passiert. Ich habe sie gestern um 19 Uhr ins Bett gebracht und ihr vorher beide Brüste gegeben, die sie auch beide leer getrunken hat.
Wie gesagt: "leer" definifitv nicht. Sie hat so lange getrunken, bis der (erste?) Milchfluss abnahm - wenn weiter gesaugt wird, würden weitere Milchspendereflexe ausgelöst, so dass Prdoduktion und Milchfluss in dem Moment wieder steigen.
Sie schlief ganz toll

Da bekommt "toll" eine ganz andere Bedeutung, wenn Mama dann mit Milchstau aufwacht, was? Nee, im Ernst - achte darauf, dass Dein Baby NICHT so lange am Stück schläft; das ist so nicht gedacht. Junge Säuglinge sind auf rund-um-die-Uhr-Betreuung ausgelegt, 6 Stunden Schlafpause sorgen da eher für Probleme als für Erholung.
und ich wachte 6,5 Stunden später auf mit einer linken riesigen harten und knotigen Brust voll Milch ... und einer weichen rechten Brust, die sich völlig leer anfühlte.
Das ist nicht verwunderlich. Bei Brustproblemen (Übervölle, Milchstau, Stoßverletzung, Entzündungen usw.) wird durch die starke Schwellung die Milchproduktion sinnvollerweise leicht gedrosselt, das hat hormonelle Gründe und wirkt dementsprechend beidseitig.
Wie kann denn das sein, dass so völlig überraschend meine Milchproduktion einseitig eingestellt wird, wenn das Stillen doch 3 Monate lang geklappt hat
Hat sie nicht, no way. Was allerdings durchaus möglich ist: Deine Angst (die sehr verständlich ist!) ist sicher ein sehr großer Stressfaktor aktuell - dies kann die Milchbildung in der Tat behindern. Mache Dir die hormonellen Zusammenhänge bewusst: der Milchspendereflex ("MSR") wird ausgelöst durch Oxytocin, auch "Wohlfühl-Hormon" genannt. Große Angst, Schmerzen, starker Stress beeinträchtigen die Ausschüttung dieses Hormons. Entsprechend lässt der MSR auf sich warten. Bewusste Entspannung, eine bequeme Haltung beim Stillen, etwas Ablenkung durch z.B. ein Buch oder TV, ein Getränk griffbereit und die Zuversicht und feste Überzeugung(!), dass Du selbstverständlich stillen kannst, können sehr hilfreich sein, diese Unsicherheitsphase zu überwinden.
(auch wenn ich wie schon erwähnt nie viel Milch in Reserve hatte)
Niemand braucht Muttermilch in „Reserve“, frei nach dem Motto „für den Fall, das Gäste kommen“.

Die Milchmenge hängt von der Nachfrage ab. Je häufiger Du stillst, desto mehr Milch wird gebildet. Je seltener Du stillst, umso mehr geht die Milchmenge zurück. Ich verstehe die Idee hinter dem Warten „bis sich die Brüste wieder auffüllen“, ABER genau dies ist eine sehr effektive Abstillmethode! „Völlegefühl“ ist nur mit den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt assoziiert; das hat hormonelle Gründe. Das Völlegefühl wird v.a. hervorgerufen durch erhöhte Durchblutung und Gewebswasser, „Milch in Reserve“ macht dabei hingegen nur einen SEHR KLEINEN Teil aus (bei den meisten Frauen: wenige Teelöffel bis Esslöffel voll, mehr nicht). Nach den ersten Monaten geht diese „natürliche Schwellung“ zurück. Die Brüste fühlen sich schlaffer und „leerer“ an, viele Frauen nehmen optisch eine deutliche Größenabnahme wahr. Mit der Milchbildung hat dies aber nichts zu tun.
Ich muss dazu sagen, dass ich vor 10 Jahren eine Brustvergrößerung hatte (Implantate über Brustwarzenschnitt eingeführt und hinter den Brustmuskel gelegt).
Keine Sorge, in Eurem Fall spielt dies offensichtlich keine Rolle, da das Stillen in den ersten Monaten ja gut geklappt hat.
Weitere Zusatzinfo: in den letzten zwei Tagen habe ich ihr nur eine Brust pro Mahlzeit angeboten, weil ich ausprobieren wollte, ob ihr das evtl auch ausreicht. Dadurch hat die jeweils andere Brust mehr Zeit sich wieder aufzufüllen, weil jede Brust nur noch alle 4 Stunden an der Reihe ist, statt wie bisher alle 2 Stunden. Und ich dachte, dass ich dadurch evtl mal etwas Milch in Reserve habe und nicht immer so am Limit kratzen muss
Wie gesagt: mit dieser Taktik verringerst Du die Milchbildung auf jeden Fall. Deine Brüste haben bisher für den Fall „alle 2 Stunden wird hier Milch gefragt“ produziert. Wenn Du jetzt die Stillpausen ausdehnst, werden sich die Brüste vielleicht vorübergehend(!) etwas voller anfühlen, aber nach wenigen Tagen werden sich die Brüste an die verringerte Nachfrage angepasst(!) haben: Sie sind wieder weicher UND produzieren weniger.
Das ist ja gerade das tolle, dass sich die Milchproduktion innerhalb weniger Tage an einen veränderten Bedarf anpasst!

In die andere Richtung geht das selbstverständlich auch: Wenn Du ab jetzt wieder häufiger stillst, beide Seiten (evtl. sogar nach der 2. Seite noch mal auf die 1. wechselst, falls Dein Baby noch Appetit hat), dann wird sich die Milchproduktion wieder erhöhen.
Meine eigenen Maßnahmen sind/werden sein:
- tagsüber wieder alle 2 Stunden BEIDE Brüste anbieten (beginnend mit der leeren, rechten Brust)
- seit Stillbeginn trinke ich täglich eine Kanne Stilltee, außerdem Malzkaffee (zwei Tassen täglich)
- seit etwa 2 Monaten trage ich keinen BH mehr, um die Milchproduktion durch die Bewegung der Brüste anzuregen
- habe meine Brüste gerade mit Milchbildungöl eingeölt
- werde ab heute wieder Bockshornkleekapseln nehmen
Das ist ein guter Maßnahmenkatalog. Mit Abstand am wichtigsten ist das häufige Stillen, im Vergleich dazu ist Deine Unterwäsche ziemlich egal.

MAGST Du den Tee? Falls ja, reichen 2-3 Tassen täglich auf jeden Fall. Wenn Du ihn eigentlich gar nicht magst, lass ihn auf jeden Fall weg und trink was Du willst! (Denk dran: „Wohlfühl-Hormon“.

)
Du schreibst „wieder Bochshornklee“ – wann hast Du das denn schon mal genommen? Und wie lange? Und warum?
Habt ihr schon einmal von so einem Fall gehört (der dann positiv ausging)?
Tonnenweise

– Dein Fall ist DER Stillberatungsklassiker schlechthin, den jede angehende Stillberaterin sozusagen als erstes durchnimmt in ihrer Ausbildung. So wie Dir geht es ganz vielen Müttern! Die natürlichen Veränderungen in den Brüsten nach den ersten Stillmonaten können sehr erschreckend sein und sehr leicht als Zeichen für „zu wenig Milch“ missinterpretiert werden. Wenn man aber die physiologischen Zusammenhänge kennt und weiß, dass Kleinerwerden der Brüste, die andere Seite hört auf zu tropfen usw. KEIN Zeichen für zurückgehende Milchbildung sind, löst sich das Problem direkt in Luft auf.
Also: Beide Seiten ganz normal weiterstillen (die betroffene Seite mit der Schwellung zuerst!), und bitte gib Bescheid, ob Du noch Beschwerden in der linken Brust hast.
Ich hoffe diese Hinweise sind hilfreich für Dich,
Rückfragen immer gerne und
LG
Julia