Meine Grenzen abstecken...

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Poetti
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Meine Grenzen abstecken...

Beitrag von Poetti »

Ich mag einfach mal nur erzählen oder vllt hat jemand ja auch Ideen.
Vllt ändert ja schon was an meiner Einstellung oder unserer Stillbeziehung, wenn ich mir das mal von der Seele schreibe.

Mein Kleiner ist ca 21 Monate alt.
Er stillt mehr denn je. Tagsüber kann es phasenweise alle 20 min sein. Er "bedient" sich dann selbst, egal, was ich gerade mach. Er fordert das mit so ner Dringlichkeit ein (Verzweiflung, Wut, um-Sich-Schlagen, etc).
Kuscheln, Schnuller, Ablenkung, Einfühlen, Wasser, nix hilft.
Er will "gogo" und nix anderes.
Ich aber nicht mehr. Es zerrt an meinem Körper und an meinen Nerven.
Liebend gern würde ich ihn weiter stillen, aber ich bin doch auch noch n eigenständiger Mensch. Fühle mich manchmal so hilflos und es fühlt sich an, wie ein Übergriff. Gestern beim Einschlafstillen war ich so genervt vom ewigen Brustwechsel-Verlangen und hab mich so benutzt gefühlt, dass ich tief aus mir raus einfach nur noch "nein!!!" schrie.
Nachts ist auch meist nur noch Dauerstillen im FB.
Der Papa fühlt sich leider auch nicht in der Lage, mal zu versuchen, den Kleinen ins Bett zu begleiten. Aber wir wissen beide auch nicht, wie.
Er dreht so lange durch, bis ich ihn stille.
Ich kann meine Grenzen nicht wahren. Das macht mir sehr zu schaffen.
In meinem Leben dreht es sich mehr den je ums Stillen.
Unterwegs, bei Freunden, kommt er alle 10-20 min zum Stillen.

Versteht mich nicht falsch, ich möchte liebend gerne weiter Stillen und ihm auch eigentlich die Möglichkeit geben, sich selbst irgendwann abzustillen.
Aber unter diesen Bedingungen will ich es nicht.
Ich fühle mich unsicher (ja, was er sicher merkt).
Und die Kraft, statt zu Stillen, mich sicher 1-2 Std mit nem wütenden Kleinkind zu beschäftigen, und am Ende aus Verzweifelung dann doch zu Stillen, die habe ich zu Zeit nicht.
Mir geht das auch sehr nahe, wenn ich doch sein Bedürfnis nicht erfüllen mag, oder kann...


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Poetti mit Mädchen (April 2009) und Junge (Juni 2011)
jusl
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Re: Meine Grenzen abstecken...

Beitrag von jusl »

Mir geht das auch sehr nahe, wenn ich doch sein Bedürfnis nicht erfüllen mag, oder kann...
Hallo Poetti, dies hier mag ich gerne aufgreifen:

Ganz sicher ist "alle 10-20 Minuten stillen" NICHT sein "Bedürfnis". Es widerspricht jeglichen Entwicklungstheorien, dass ein Kleinkind ernsthaft Bedarf nach "10 x öfter stillen als ein Neugeborenes" hat. Hier geht es ganz offensichtlich NICHT um ein biologisches Bedürfnis, sondern um Alltagsroutine und Gewöhnung, vielleicht gepaart mit Langeweile u.ä.

Hier im SuT gibt es einige Threads zum Abstillen von Kleinkindern - dies istjetzt keine Abstillempfehlung an Dich, aber vielleicht helfen Dir die Hinweise darin trotzdem weiter. Z.B. HIER.

LG
Julia
Poetti
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Re: AW: Meine Grenzen abstecken...

Beitrag von Poetti »

Vielen dank für die Antwort.
Für mich schien es schon nach einem Bedürfnis. Nach Nähe, Trost, etc.
Ich meinte damit nicht jetzt unbedingt Stillen zu müssen um zu trinken.
Oder hab ich dich da nun vllt falsch verstanden und wir meinen das Gleiche?

Werd versuchen, mich mal durch die Berichte durchzuwühlen...
Bin so zerrissen, was ich tun soll...

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Poetti mit Mädchen (April 2009) und Junge (Juni 2011)
honigtopf2010
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Re: AW: Meine Grenzen abstecken...

Beitrag von honigtopf2010 »

Du hast alles Recht der Welt deine Grenzen zu wahren! Fühl dich mal gedrückt. Bei uns konnte der Papa da ehrlich gesagt auch nicht viel ausrichten. Mir hat es schon gereicht, dass er lernt keine doofen Kommentare zu liefern und mich zu unterstützen. Und dann darfst du NEIN sagen. Es ist wirklich oft nur die Gewöhnung. Ach was mach ich jetzt...hmm...oh, Brust. Was jusl meint ist, dass du echten Bedarf nach Nahrung oder Nähe unterscheiden kannst von Routine. Und du kannst ganz konsequent Alternativen zur Nahrung und Spiel anbieten.
die Große 03/10 und der Lütte 03/13 - Breast in Peace!
Lösche Benutzer 9567

Re: Meine Grenzen abstecken...

Beitrag von Lösche Benutzer 9567 »

Bei uns war das jetzt nach einer langen Krankheitsphase in der praktisch dauergestillt wurde auch ähnlich.
Linus hatte einige Infekte nacheinander und dann noch die Backenzähne....

Auf jeden Fall hab ich mir nach dieser doofen Zeit jetzt auch gedacht,dass sich was ändern muss.Für mich.
Ich möchte ihn stillen wie man ein Kleinkind stillt und nicht mehr wie ein Baby.
Dann habe ich geschaut,wie oft und in welchen Situationen er das Stillen wirklich noch braucht und wann er einfach gelangweilt wirkt,oder meine Aufmerksamkeit möchte.
Ich hab versucht dann nach diesen Maßstäben zu gehen ,am Anfang dachte ich,das wäre wie Stillen nach der Uhr-erst heute Abend wieder.
Aber so ist es dann nicht geworden.Wenn er müde wird und stillen möchte darf er das natürlich -egal ob es 17.00 oder 18.00 ist.
Ich finde man kann den eigentlichen Bedarf wirklich gut beurteilen.Hatte auch mit mehr Widerstand gerechnet,aber meine Klarheit scheint ihn beeindruckt zu haben :lol:

Ich wünsch dir alles Gute und viel Erfolg beim wahren deiner Grenzen.
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Sycorax
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Re: Meine Grenzen abstecken...

Beitrag von Sycorax »

.... ich überlege gerade, ob ich es überhaupt schreiben soll.
Ich machs einfach.
Mal abgesehen von eurem momentanen "Stillproblem": Geht es DIR gut? Bist du mit dir und deinem Leben im Reinen? Bist du glücklich?

Bei mir war es so, dass beide Kinder mich völlig verrückt gemacht haben mit ihrer Klammerei. Die Große hat nichts ohne mich gemacht. Ich musste sie sogar auf Toilette begleiten. Sie war wie ein Schatten. Gleichzeitig hat die Kleine nicht mehr geschlafen (nur noch im Tuch). Ich konnte sie niemandem geben, sie hat alles übergebrüllt, sobald ich nur den Raum verlassen wollte. Ich bin dann mit der Kleinen im Oktober zur Osteopathin gegangen, mit dem Ergebnis, dass ich das Problem bin. Die Kinder machen sich Sorgen um mich, weil ich unglücklich bin (unaufgearbeitete Kindheitstraumata). Nun arbeite ich dran und schon die Bewältigung macht mich um vieles zufriedener.
Die Kinder haben sich seitdem völlig verändert. Sie können mich wieder "loslassen". Meine Osteopathin sagt, dass die Kinder versucht haben, mich zu beschützen und das müssen sie jetzt nicht mehr, weil sie wissen, dass ich wieder selbst auf mich aufpasse.

Vielleicht ist eurer Problem ja ein ganz anderes, aber ich dachte, ich schreib es auf. Als Denkanstoß.
Dieses Dauerstillen wirkt ja fast so, als wolle er kontrollieren, dass du da bist. Weißt du, wie ich es meine?
Viele Grüße von Sycorax mit Missy (*2/2009) und Minimissy (*1/2012)

"The most precious jewels you'll ever have around your neck are the arms of your children."
*from Ireland*
Gast

Re: Meine Grenzen abstecken...

Beitrag von Gast »

Ich kenne das Problem im Moment auch... kommt kurz an die Brust und geht dann wieder.
Hing auch zusätzlich mit dem Kommen der Backenzähne zusammen seitdek fordert ja das so stark.
Sage dann beim wiederholten Male auch nein, wenn er anfängt an meiner Kleidung zu zerren, setze ich ihn auch weg.
Einschlafstillen habe ich schon immer gehasst, deswegen habe ich das leider unter viel Gebrüll abgeschafft.
Ich konnte mich kein Stück wegbewegen, weil er soblad ich die Brust löste wieder wach war.

Was das andere ins Bett bringen betrifft hilft nur ausprobieren und nicht anwesend sein.
Als ich vor einiger mit den Nerven so am Ende war und nicht mehr konnte, rief ich meine Mutter an und sagte sie muss ihn nehmen.
Ich wollte nichts hören nichts wissen, es war stillschweigend klar das er auch über Nacht da bleibt.

Es funktionierte ohne Probleme obwohl er ja morgens gegen fünf, sechs brust bekommt und dann das hier niemals ohne gehen würde.
Seitdem ist er öfter über nacht da.

Ich bin alleinerziehend, deswegen kann ich das an einem Partner jetzt nicht festmachen.
Achso mein Kleiner ist 15Monate.
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Katha
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Re: Meine Grenzen abstecken...

Beitrag von Katha »

Sycorax hat geschrieben:.... ich überlege gerade, ob ich es überhaupt schreiben soll.
Ich machs einfach.
Mal abgesehen von eurem momentanen "Stillproblem": Geht es DIR gut? Bist du mit dir und deinem Leben im Reinen? Bist du glücklich?
hab da ein ähnliches Gefühl, auch wg. Deines anderen Posts.
Bin gerade total eingebunden, ich versuche Dir ganz bald eine PN zu schreiben.
Denk auf alle Fälle an Dich!
((((Poetti))))))
Katha mit dem Hasen *01/2012
"Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, Denn sie haben ihre eigenen Gedanken." Khalil Gibran[/color]

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Re: Meine Grenzen abstecken...

Beitrag von tania »

mein mann hat mal zu mir gesagt (da ging es um meinen vierjaehrigen, der ca fuenfmal am tag stillt aber damit auch schon etwas mehr als ich gerne haette ;-)): be sweet to him so he doesn't have to look for sweetness in your milk, uebersetzt so viel wie: sei lieb zu ihm so dass er sich deine liebe nicht aus der milch holen muss.

du musst etwas aendern. du bist nicht gluecklich.

als ersten tip wuerde ich spaziergaenge machen. raus, mit laufrad oder sonstewas, streichelzoo, freunde treffen, nicht drinnen!

ich wuerde weiterhin nicht nein sagen zum stillen.

immer essen einstecken haben (aber nicht anbieten wenn er gerade stillen will).

voll da sein, wenn er nicht stillt.

auf bestimmte dinge BESTEHEN (ich werde bestehen auf z.b. "keine selbstbedienung", kein zweite brust traktieren, keine lagewechsel mit brust im mund (*autsch*)). haelt er sich da nicht dran, abbrechen. nach wenigen minuten wieder probieren.

bleibt er ohne dich? dann das regelmaessig nutzen. auch dem papa die chance geben, konflikte und innige momente mit dem sohn zu haben. trennung von dir vielleicht nicht neu einfuehren, wenn es das bei euch gerade nicht gibt.

gemeinsame beschaeftigungen finden. zusammen musik machen?

er kann seine beduerfnisse anscheinend nicht mehr ueber das stillen befriedigen, sonst wuerde es nicht immer mehr werden. gib ihm die chance andere wege zu finden. stillen hat seinen platz bei zweijaehrigen (meiner hat auch sehr viel gestillt aber laaaange nicht so viel wie deiner), sollte aber von beiden genossen werden und wirklch nicht derart viel raum einnehmen.
tania mit sohn *09 und sohn *12
jusl
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Re: Meine Grenzen abstecken...

Beitrag von jusl »

Tanias zahlreichen guten Ansätzen kann ich mich nur anschließen... ;-)

LG
Julia
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