Womögllich Langzeitstillen, aber schäme mich

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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sabbelschnuut
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Womögllich Langzeitstillen, aber schäme mich

Beitrag von sabbelschnuut »

Hi!

Muss jetzt einfach auch mal einen Thread aufmachen, weil ich mir im Bekanntenkreis so allein vorkomme und im Moment nicht weiß, wie ich das mit der Beikosteinführung und dem Stillen handhaben soll.

Mein konkretes Problem ist: Einerseits möchte ich gern nach den Bedürfnissen meines Babys gehen und ihm nichts aufzwingen (Beikost) oder vorenthalten (Stillen). Deshalb finde ich das Konzept BLW so gut und möchte das auch so praktizieren. Im Moment haben wir zwar seit ca. 3 Wochen mit Brei angefangen, weil der Kleine noch nicht sitzen kann, aber ich habe es nicht darauf angelegt, eine Stillmahlzeit zu ersetzen, weil ich tatsächlich der Meinung bin, wenn ich meinem Kind etwas aufzwinge in dieser Richtung, programmiere ich möglicherweise eine Essstörung vor oder zumindest lernt der Kleine nicht, wann er satt ist. Er mümmelt auch immer so ein bisschen herum am Brei, aber von Ersetzen seh ich da jetzt noch nichts.

Andererseits hatte ich nie vor, eine Langzeitstillmutti zu werden. Dementsprechend bin ich auf dem Gebiet, was das dicke Fell angeht, sehr schwach auf der Brust und ich mache mir schon die ganze Zeit Gedanken, wie das wohl so wird, wenn wir mal wieder in irgend einem Babykurs sind, und die anderen Mütter, die längst schon abgestillt haben, kriegen mit, dass wir noch stillen.

Wie gesagt, im Moment komme ich mir ziemlich allein vor in meinem Umfeld, denn wo ich auch hinschaue, keiner hat überhaupt schonmal jemals von BLW gehört und alle Muttis (hier hat sich so eine Clique seit den Geburtsvorbereitungskursen ergeben, man sieht sich regelmäßig bei Kursen oder zu Treffen) machen so das Schema F mit Stillmahlzeiten durch Breichen ersetzen. Alle freuen sich aufs Abstillen, wenn sie mal wieder eine Nacht durchschlafen können und endlich mal wieder was trinken. Nur ich bin mal wieder der Exot (geht mir oft so), und wenn ich irgendwie das Konzept von BLW erwähne, ernte ich nur verständnislose Blicke. :?

Nun wird mir aber immer klarer, dass ein Abstillen bis zum Ende des 1. Lebensjahres vermutlich vielleicht nicht drin sein wird, wenn wir BLW machen. Ich weiß aber noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Es ist eh schon so, dass ich äußerst ungern in der Öffentlichkeit stille und es mir immer peinlich ist, meine Brust auszupacken, wenn der Kleine Hunger hat (ich habe eine recht große Brust und leider auch kein super Verhältnis zu ihr, finde sie also leider nicht richtig schön). Wenn der Kleine mal angedockt ist, gehts dann wieder, da sieht ja keiner großartig was, und meist ist es ja auch in einem Umfeld, in dem die anderen auch noch stillen (Pekip-Kurs und so weiter). Dementsprechend häufig gesehen und unauffällig. Nur wird es halt irgendwann kippen und es wird auffällig werden, weil ich dann möglicherweise die Einzige sein werde, die noch stillt.

Ich weiß eigentlich auch gar nicht, ob ich konkret eine Frage habe. Ich meine, ich werd so oder so da durch müssen, egal wie, weil ich keine Mahlzeiten ersetzen werde, solange der Kleine nicht anzeigt, dass er das so möchte. Vielleicht werd ich auch in einem Jahr drüber lachen und sagen "was ich mir damals mal wieder nen Kopf gemacht hab wegen nichts und wieder nichts". Vielleicht würde es mir schon helfen, wenn ich wüsste, dass es anderen hier auch schon genauso ergangen ist? Oder vielleicht hat jemand eine clevere Strategie für mich, wie ich mit dem ganzen besser umgehen kann?
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Violet
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Re: AW: Womögllich Langzeitstillen, aber schäme mich

Beitrag von Violet »

Ich finde es total schön das du deinem Baby nicht aufzwingen magst und seine Bedürfnise achtest!!!

"Lass Dir da nicht reinreden" ist leicht gesagt, ich kann mir vorstellen wie schwierig das für Dich ist.

Vielleicht findest du hier über das Forum oder zB über die La Leche Liga eine (Still)Gruppe in Deiner Nähe? Ich glaube wenn man sich mit Menschen umgibt die ähnlich ticken bestärkt einem das in seinem Handeln.
Vielleicht fällt es Dir dann leichter Selbstvertrauen zu haben wenn Du von Leuten umgeben bist die die Sache anders angehen wie Du.
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manie
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Re: Womögllich Langzeitstillen, aber schäme mich

Beitrag von manie »

ich denk mir immer, ich quatsch denen nicht rein und sie sollen das gefälligst bei mir auch sein lassen. Ich denke mal jeder will das beste für sein kind und handelt nach seinem wissen. Solange es dir und deinem kind gut geht damit ist doch alles ok und ihr seid ein gutes beispiel dafür, dass es auch anders geht. Ich bin mir auch noch unsicher wie lange ich noch stillen möchte, aber ich bin auch in keiner gruppe und mein umfeld sieht das stillen sehr positiv.
Wünsch euch alles gute!
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manie
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Re: Womögllich Langzeitstillen, aber schäme mich

Beitrag von manie »

ach ja und zum in der öffentlichkeit stillen. Meine hebamme hat gesagt, dass man den kindern mit einem jahr schon beibringen kann, dass nur daheim gestillt wird. Sie hätte das bei ihren zwillingen so gemacht. So umgeht man dann auch einige blöde blicke. An sich, wenn es dir unangenehm ist mit bestimmten leuten drüber zu reden, würd ich es einfach sein lassen und zur not etwas flunkern.
Grüße
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Carlotta
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Re: Womögllich Langzeitstillen, aber schäme mich

Beitrag von Carlotta »

nur Mut - die anderen Mamas sind gar nicht so furchtbar schlimm wie man manchmal denken möchte bzw. befürchtet. Auch diesses Still-bashing wie manche es hier im Forum beschreiben kenne ich gar nicht. In meinem recht großen Mütterbekanntenkreis gibt es alles : Teilgestillt, abgestillt nach 4 Monaten, nach 6 Monaten, nach efolgreichem Breieinführen etc. Es gibt aber auch eine, die ganz selbstverständlich ihr Ü1 Kind überall und oft während unserer Treffen still. Glaub mir, es hat keiner bis jetzt blöd geschaut oder gelästert!! Und bei mir auch nicht (gut kind ist ja noch U1, knapp :-))
Was ich persönlich wichtig finde ist, einfach die andern auch ihr Ding machen lassen. Wenn du natürlich ständig ihren WEg kommentierst oder klugsch**ßt, ist die Wahrscheinlichkeit vermutlich viel höher dass man über euch lästert. Und man muss ja auch keine "FAchbegriffe" wie BLW verwenden. einfach sagen dass du nicht Mahlzeiten ersetzten willst oder dass sie halt am Tisch mit isst oder so.
Und dann stimme ich Manie zu: Mit allen musst du ja auch gar nicht drüber reden!
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Spatz
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Re: Womögllich Langzeitstillen, aber schäme mich

Beitrag von Spatz »

Hey sabbelschnuut,
ich erzähl dir mal kurz, wie es bei mir gewesen ist. Langzeitstillen kannte ich gar nicht. Ich wollte meine Tochter 6 Monate voll stillen und danach eine Mahlzeit nach der nächsten mit Brei ersetzen. So hatte ich das in einem Seminar für Mütter gelernt. Doch was war.... nachdem sämtliche anderen Kinder sich anscheinend auf den Brei gestürzt haben, hat meine Tochter selten mehr als 2 TL gegessen. Im Stillcafe war ich mit meiner Tochter ein Dinosaurier. Ich kam mir total doof vor. Von einem Arzt zum anderen gerannt, weil meine Tochter nicht aß, die diagnosen wurden immer toller. Zum Schluss hatte meine 8 Monate alte Tochter angeblich psychische Probleme, weil wir als Eltern sie angeblich nicht lieb genug hätten, meinte ein Arzt. Ich fing an im Internet an zu forschen, stieß auf diese Seite und wow ich war gar nicht die einzige die ein so altes Baby noch fast voll stillte. Also habe ich fleißig weitergestillt und nach BLW Essen angeboten und nicht mehr gefüttert. Mit knapp einem Jahr fing sie dann nennenswerte Mengen an zu Essen.
Meine Umgebung sah das sehr kritisch. Was habe ich deswegen gemacht. Mmh....
Ich habe aufgehört zu erzählen, das ich noch stille, außer ich bin direkt gefragt worden.
Ab dem 1. Lebensjahr habe ich nicht mehr außerhalb unserer Wohnung gestillt. Dadurch das Einjährige sich sprachlich nicht so ausdrücken können, habe meistens nur ich erkannt, das sie Stillen wollte und Außenstehende nicht. Ich konnte sie gut mit Essen oder etwas zu trinken ablenken.
Nur meine Familie (Oma Opa etc. ) wussten bescheid. Gab viele Diskussionen.... Ich hab sie mit Infos gefüttert von WHO etc, damit sie mich in Ruhe ließen. Wobei Schwiegermutter bis zum Schluss (meine Tochter war fast 3) dagegen gewettert hat. Das hat aber mein Mann immer abgefangen und uns in Schutz genommen. Sogar als ich Schwanger weitergestillt habe, hat er sämtliche Familienmitgliedern mit Infos über unbedenklichkeit in Schach gehalten, damit keiner mich damit behelligte.
Vielleicht kannst du ja mit meinen Erfahrungen etwas anfangen.
Gruß Spatz
Spatz ( Tochter 2009 und Sohn 2012)
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Sakura
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Re: Womögllich Langzeitstillen, aber schäme mich

Beitrag von Sakura »

Sabbelschnuut, warte mal noch das halbe Jahr ab. Da kann sich soooooo viel tun. Und wie schon geschrieben wurde, sind Kinder mit 1 Jahr schon so verständig, dass sie nicht mehr immer und überall stillen müssen, sondern auch mal kurz darauf warten können, wenn es unterwegs gerade ungünstig ist. Im Gegenteil, oft hat man den Effekt, dass Kinder in dem Alter unterwegs so abgelenkt sind, dass sie das Stillen völlig vergessen, und es dann zu Hause, wo wieder Ruhe herrscht, nachholen.

Das dicke Fell... Wirst Du für viel mehr als nur das (Ab-)Stillen brauchen :roll: .
Sakura mit zwei tollen Mädels 04/11 und 05/13

Ich werde sie lehren, den eigenen Weg zu gehen,
vor keinem Popanz, keinem Weltgericht,
vor keinem als sich selber gerade zu stehen. (Reinhard Mey)

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Cocorella
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Re: AW: Womögllich Langzeitstillen, aber schäme mich

Beitrag von Cocorella »

Violet hat geschrieben:
Vielleicht findest du hier über das Forum oder zB über die La Leche Liga eine (Still)Gruppe in Deiner Nähe? Ich glaube wenn man sich mit Menschen umgibt die ähnlich ticken bestärkt einem das in seinem Handeln.
Vielleicht fällt es Dir dann leichter Selbstvertrauen zu haben wenn Du von Leuten umgeben bist die die Sache anders angehen wie Du.
Das ist ein guter Tipp!
Ich habe eine Bekannte, die ihren Sohn länger nicht beim Babyschwimmen gestillt hat, weil sie Angst hatte, dass die anderen blöd gucken. Vor kurzem hatte ich sie mit in die Stillgruppe genommen und sie sagte nachher ganz begeistert, es wäre ja toll, dass da so viel Ü1-Kinder noch gestillt werden. Seitdem stillt sie auch wieder in unserem Kurs.

Ich hab das große Glück, unter anderem dank diesem Forum, viele Mütter in meinem Umfeld zu haben, für die langes Stillen völlig normal ist. Das ist schon toll.
Ich bin aber auch von anderen oder in der Öffentlichkeit noch nie blöd angemacht worden. Ich hab wegen dem Stillen wirklich noch nie etwas negatives gehört. Wichtig ist wie du dazu stehst. Wenn du es normal findest und nicht das Gefühl hast, dich rechtfertigen zu müssen, akzeptiere die Leute das so. Ist wahrscheinlich leichter gesagt als getan.

Versuch doch wirklich mal eine Stillgruppe in deiner Nähe zu finden, dann wirst du sehen, dass es noch mehr so Verrückte gibt.

Seh grad Sakura in der Vorschau und da möchte ich auch noch schnell zustimmen. Wir stillen bestimmt schon seit 5-6 Monaten nicht mehr oder ganz selten in der Öffentlichkeit. Die Welt da draußen ist einfach viel zu spannend, um sich mit so langweiligen Dingen, wie dem Stillen abzugeben, findet mein Sohn. :wink:
Liebe Grüße von Cocorella mit ihrer Hamsterbacke 09/11

*Was glauben sie, was hier los wäre, wenn die Leute wüssten, was hier los ist!*
Volker Pispers
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EUfqtw

Re: Womögllich Langzeitstillen, aber schäme mich

Beitrag von EUfqtw »

Ich stille jetzt das jüngste Kind gut 1,5 Jahre. Und ich würde sagen, das weiß so gut wie niemand. Nicht, weil es ein Geheimnis wäre, sondern weil keiner danach fragt und ich es auch niemandem erzähle. Also, ich würde es natürlich schon erzählen, aber ich sag ja nicht mitten im Gespräch mit irgendwem "Ich stille übrigens!" :lol:

Ich habe zwei bekannte Mütter mit Kindern im Alter meines Jüngsten, mit denen ich mcih häufiger treffe. ich weiß, dass der ältere (jetzt 20 Monate) die Flasche bekam, als er so 9 Monate alt war. Ob er jetzt immer noch Flasche bekommt? Keine Ahnung ;)
Der Jüngere ist 15 Monate alt, wurde zumindest im Herbst noch gestillt. Ob er jetzt gestillt wird, Flasche bekommt oder nichts von beidem: Ich weiß es schlicht nicht.

Ich stille meist zum Einschlafen oder zum Aufwachen, in Krankheitsphasen auch mehr. Aber da sind wir immer alleine.

Allerdings muss ich sagen, dass ich noch nie rein zum Trösten gestillt habe. Und Hunger/Durst bzw Nähe lässt sich (für uns) auch problemlos anders stillen.


Ich habe an sich aber kein Problem damit, in der Öffentlichkeit zu stillen. Es ergibt sich aber eben nur noch selten.
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Fruchtschnitte
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Re: Womögllich Langzeitstillen, aber schäme mich

Beitrag von Fruchtschnitte »

Ich glaube wichtig ist, dass DU dahinter stehst und es richtig findest, dann kannst du es selbstverstöndlich nach aussen demonstrieren:-)

Mir hat es bis er drei war nichts ausgemacht draussen zu stillen, die meisten fanden es komisch, aber richtig dumme sachen habe ich nicht gehört...ich finde es wichtig draussen zu stillen, damit demonstriert man meiner meinung nach, dass stillen eines kleinkindes normal ist;-)
Ivonne mit
Große Prinzessin 11/99
Kronprinz 02/07
Kleine Prinzessin 09/12
Kleiner Prinz 09/15

Bisschen kurz angebunden da mit dem Handy online:-)

Vegan und Rohes hier in meinem Blog :-) http://blog.ivonnevegan.de
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