Ich habe durchaus schon ein paarmal vor meinem Kind geweint. Ich finde das auch authentisch und ich denke, es ist bei weitem irritierender für Kinder, wenn sie nie Gefühlsausbrüche bei ihren Eltern erleben, und dann doch mal was ist, wo Mama oder Papa weinen. Und auch als Erfahrung eben: dass Gefühle aller Arten zum Leben dazugehören - und dass man damit auch umgehen kann, da wieder rauskommt und es einem danach wieder gut geht. Ich denke, das ist doch auch eine ermutigende Erfahrung für Kinder.
(Ähnlich wie mit Streit der Eltern: erlebt man, dass das zu einer guten Beziehung eben auhc mal dazugehört, und sich Mama und Papa dann wieder vertragen usw. ist das m.E. viel wertvoller fürs Leben als wenn man immer denkt, die eigenen Eltern streiten sich NIE und dann bekommt man entweder doch mal einen Streit mit und die Welt stürzt zusammen weil man die Eltern kurz vor der Scheidung wähnt, oder man hat eben selbst ein total verschobenes Bild von Beziehungen und meint, wenn man sich später mal mit seinem Partner streitet, da stimme was nicht...)
Ich denke also, dass "Krise und Bewältigungs"-Sequenzen ganz wertvolle Erfahrungen für Kinder sein können.
Wenn ich sage, ich habe durchaus schon vor meinem Kind geweint, meine ich andererseits nicht so regelmäßig, wie Du es jetzt beschreibst und auch nicht so lange (wie meinst Du das mit den zwei bis vier Tagen - bist Du da die ganze Zeit traurig einmal im Monat und weinst dann viel vor Dich hin?). Ich könnte mir vorstellen, dass es für Kinder auf Dauer eben doch auch verunsichernd sein kann, wenn es Mama immer wieder und in so kurzen Abständen so lange deutlich schlecht geht. Ich glaube, das ist ein Punkt, wo man dann (je nach Alter) tatsächlich dann mal mit den Kindern drüber reden müsste (wenn es einem gut geht - nicht nur im akuten Moment) - und sich eben selbst vielleicht Hilfe suchen sollte... .
Ich merke bei meinem Sohn (jetzt reichlich zweieinhalb) sehr deutlich, dass er mich dann trösten will und da ich im Moment schon seit über zwei Wochen krank bin und auch Schmerzen habe und ab und an einfach fertig und übermüdet angefangen habe zu weinen, fragt er mich jetzt sehr oft, wie es mir geht und ob ich mich freue, wenn ich ihn sehe. Ich denke, es arbeitet schon in Kindern, wenn sie sehen, dass es Mama oder Papa schlecht geht. Wobei ich das jetzt ganz deutlich nicht aufs Weinen beschränken würde! Er hustet z.B. selbst sehr stark im Moment und weiß, wie unangenehm das ist - und so fragt er mich z.B. auch wenn ich lange gehustet habe dann ganz besorgt, ob es mir wieder gut gehe, da muss nicht geweint haben... Kinder haben da feine Antennen und dass es den Eltern schlecht geht, reicht da denke ich schon ansich aus, auch ohne Tränen.
Ich habe mich schon als er sehr klein war und ich z.B. mal wegen Stillproblemen und Schmerzen und Übermüdung geweint habe, bemüht,
ihn dann aber eben auch zu trösten dabei. Ich habe dagesessen und mir liefen die Tränen, aber ich hab mein Kind gestreichelt, ihm erklärt, "die Mama ist traurig, mir geht es grad nicht so gut. Ich hab Dich aber sehr sehr lieb und freu mich, dass Du da bist!" Und jetzt wo er älter ist, wenn es mir da mal nicht gut geht (wie gesagt, ich würde das jetzt von offensichtlichen Weinen nicht so stark abgrenzen), sag ich ihm auch, dass ich mich aber eben freue, dass er da ist und ich ihn sehe und es mir dann gleich ein bisschen besser geht. Und dann kommt er und umarmt mich und ich muss davon wirklich auch immer wenigstens ein bisschen lächeln
