zu wenig Milch!

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind

Benutzeravatar
blueberry
Mod a.D.
Beiträge: 11077
Registriert: 03.09.2007, 14:18
Wohnort: Deutschland

Re: zu wenig Milch!

Beitrag von blueberry »

Ich wollte es auch schon länger mal schreiben:

dass ein Kind saugt ohne zu schlucken, heißt nicht, dass es keine Milch mehr bekommt oder die Brust "leer" sei oder so! Wenn Dein Kind Milch trinkt, hat es zwei verschiedene Saugmuster: eines zum Auslösen eines Milchspendereflexes (eher schnell und flatterig) und eines zum Trinken (ruhiger und kräftiger). Und dann gibt es einfach noch das Saugen/Nuckeln zur Beruhigung - ganz oder fast ohne Trinken. Dein Kind kann all das völlig selbständig an der Brust regulieren!

Will heißen: zwischen den Mahlzeitne bildet die Brust so gut wie keine Milch. Anfangs (in den ersten Monaten) wird da zwar ein bisschen (meist eher wässrige) Milch gebildet, das ist von der Menge her aber sehr wenig. Irgendwann fühlen sich die Brüste auch wieder ganz weich an zwischen den Mahlzeiten - das hat auch nichts mit der Milchmenge zu tun sondern einfach damit, dass Bedarf und Angebot sich noch besser aufeinander eingestellt haben, denn:

Die eigentliche Milch wird WÄHREND der Mahlzeit gebildet: und zwar immer nach auslösen des MSR.

Dein Kind kann pro Mahlzeit an einer Brust mehrere MSR auslösen - die Milch wird dann mit jedem MSR immer fettiger und reichhaltiger (anfangs kommt sozusagen eher ein Getränk, mit jedem MSR mehr wird es immer mehr "Sahne"). Wenn Dein Kind nach kurzem Trinken z.B. die Seite wechseln will, kann es das entweder tun, um die Milchproduktion insgesamt anzukurbeln, oder um z.B. (weil die Milch an der ersten Seite zu sahnig wurde, es aber gerade eher Durst hat) wieder wässrigere Milch zu bekommen. Will Dein Kind mehr saugen (weil gerade das Bedürfnis nach Beruhigung und Saugen im Vordergrund steht), wird es einfach nach Versiegen des MSR weiternuckeln ohne einen neuen auszulösen. Dann kommt kaum noch Milch und es wird vielleicht einmal pro Minute oder noch seltener geschluckt. Manche Kinder werden nach einer halben Stunde "Nuckeln" dann auf einmal auch wieder munterer und hungriger und lösen den nächsten MSR aus und trinken fröhlich weiter - kann alles vorkommen.

Genauso nutzen Kinder auch die Abstände zwischen den Mahlzeiten und nicht nur die Mahlzeitenlänge zum Regulieren des Fettgehaltes: je kürzer die letzte Mahlzeit her ist, desto weniger Fett. Ein eher durstiges Kind wird z.b. im Sommer manchmal aller Viertelstunde oder aller halbe stunde wenige Schlucke trinken, dann vielleicht noch eine Minute an der zweiten Seite - und nach einer halben Stunde eben schon wieder stillen wollen. (So z.B. mein Sohn, wenn es sehr heiß wurde im Sommer in Vollstillzeiten. Bei heißer trockener Heizungsluft kann ähnliches passieren). Da zu manipulieren, indem man Mahlzeiten rauszögert etc. macht es dem Kind z.b. unnötig schwer, die genauen Mengen an "Saugen" "Flüssigkeit" und "Essen" zu bekommen, die es braucht.

Und das kann alles von Kind zu Kind sehr unterschiedlich sein.
blueberry mit großem und kleinem Frühlingskind (2010 und 2013)
evina

Re: zu wenig Milch!

Beitrag von evina »

Liebe Blueberry,
danke fuer die lange und informative Antwort!
Hier noch mal schnell alle Gewichtsdaten, einschliesslich der ersten Tage im Krankenhaus:

Krankenhaus:
Geburtsgewicht 19.10. 2880g
20.10. 2780g (stand da mit Fragezeichen versehen...)
21.10.2710g
22.10. 2800g
23.10. 2780g
24.10.2810g
25.10. 2850g

von der Hebamme gewogen
28.10. 2880g
2.11. 3000g
10.11. 3160g
20.11. 3430g
28.11. 3500g
5.12. 3600g
13.12. 3660g
18.12. 3780g
28.12. 4020g

5.1. 4250g ca. 80ml
6.1. nicht gewogen 80ml
7.1. 4280g ca. 100ml
8.1. 4350g ca. 70ml
9.1. nicht gewogen ca. 50 ml
10.1.4350g ca. 60 ml
11.1. 4360g ca. 60
12.1. 4370g hat Loeffel und Becher verweigert! daher an diesem Abend nicht zufuettern koennen!
13.1. nicht gewogen ca. 60ml
14.1. 4390g

Viele Gruesse und Danke an Euch alle!
Evina
teledame
schreibt ganz schön oft
Beiträge: 110
Registriert: 14.09.2012, 22:20

Re: zu wenig Milch!

Beitrag von teledame »

Hallo Evina,
also ich bin auch keine Stillberaterin und auch keine Hebamme, aber ich kann Dir aus meiner Erfahrung mit meinem 6 Monate alten kleinen Schatz erzählen. Wir hatten von Geburt an keinen guten Stillstart, konnte nicht richtig meine Brust fassen, sein Zungenbändchen war zu kurz, meine Brust zu gross und weich, so wurde er nie richtig satt und hat mit seiner Zahnleiste auf meinem Vorhof rumgemalmt. Das tat sehr weh, und ich wollte echt schon fast abstillen weil ich schon widerwillig angelegt hab, weil ich wusste jetzt tuts wieder richtig weh. Ich hab zuerst keinen Arzt gefunden der das Zungenbändchen einschneiden wollte. Dann eben ca 5 Wochen nach Timo´s Geburt hab ich einen Arzt gefunden ders gemacht hat. Das war wirklich ein Schlüsselerlebnis. Mein Sohn hat die Augen aufgerissen, boah da kommt ja Milch und ich hab auch die Augen aufgerissen, yeah, es tut nicht mehr weh Hurra! Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch Stillhütchen. Ich hab von Anfang an Milch abgepumpt und ihm diese mit der Flasche gegeben. Erst zuhause haben wir mit Stillhütchen Brusttrinken geübt. Und nach dem Zungenbändchenschnitt hat er das Stillhütchen auch nicht mehr gebraucht.
Meine Geschichte bringt Dir jetzt bestimmt nicht sehr viel Hilfe zu eurem Problem. Aber meine Idee wäre wirklich, pumpe regelmässig noch zusätzlich Milch ab! Lass Dir die Medela vom Arzt verschreiben und pumpe. Du kannst die Milch ja auch einfrieren oder eben zusätzlich dann geben. Mir wurde auch immer abgeraten die Flasche oder Schnuller zu geben. Sicher ist es besser wenn Dein Baby immer direkt an der Brust trinkt, den viele Sauger gehen zu leicht und das Baby gewöhnt sich daran das es schnell die Milch ohne Anstrengung bekommt. Aber um Deine Milchmenge zu erhöhen wäre eine Pumpe hier bestimmt hilfreich. Das ist sicher ein wenig Arbeit, aber es lohnt sich wirklich. Ich stille voll und habe die Pumpe aber immer noch. Wenn mein Sohn mal wieder einen Schub hat und mehr Milch möchte, warte ich nicht erst bis meine Brust die Milch dann auch produziert. Ich helfe immer mit der Pumpe nacht. Einen Milchstau hatte ich bisher noch nie. Mal geschwollene Brüste vor lauter Milch. Aber dann eben Baby anlegen oder wenn der kleine schon satt ist, eben abpumpen und in den Kühlschrank oder einfrieren. Du kannst auf diese Weise auch die Milchmenge in Deiner schwächeren Brust erhöhen. Einfach die schwächere Brust öfter abpumpen. Und keine Angst das dann Dein Baby nicht mehr genug MIlch bekommt. Du produzierst in 30 min. schon wieder die nächste Menge nach. Je öfter du pumpst oder anlegst, erhöht sich Deine Milchmenge. Und je älter Dein Baby wird um so geübter wird seine Saugtechnik. Irgendwann brauchst dann auch Dir keine Gedanken mehr um die Menge machen. Ich denke wenn Du das Gefühl hast, das Du zuwenig Milch hast, so könntest Du Deine Milchmenge auch sichtbar erhöhen. Am Anfang bekommst vielleicht noch nicht soviel abgepumpt, aber das wird jeden Tag mehr. Wichtig ist nur, das Du dann auch die Milch wirklich abführst, entweder ans Baby oder über die Pumpe, sonst stauts sichs wieder. Gib nicht auf, das wird schon. Ich bin heute froh, das ich nicht aufgegeben hab. Wenn ich heute andere Mütter sehe, deren Babys erstmal ungeduldig weinen, bis endlich die Flasche da ist, so bin ich froh mit einem schnellen Griff seine Milch parat zu haben. Denk auch daran immer genug Flüssigkeit selbst aufzunehmen und Dich ausgewogen zu ernähren! Ihr schafft das schon!
lg
Daniela
Bild
Timo geboren am 18.07.2012
honigtopf2010
Profi-SuTler
Beiträge: 3921
Registriert: 22.11.2010, 21:29

Re: AW: zu wenig Milch!

Beitrag von honigtopf2010 »

Liebe Teledame,

richtig, du bist keine Stillberaterin. Bitte halte dich doch mit entsprechenden Ratschlägen an dieser Stelle zurück. Einiges von dem, was du beschrieben hast, kann schlicht zu weiteren Problemen führen und ist kontraproduktiv. Das noch einmal zu betonen war mir wichtig.
die Große 03/10 und der Lütte 03/13 - Breast in Peace!
teledame
schreibt ganz schön oft
Beiträge: 110
Registriert: 14.09.2012, 22:20

Re: zu wenig Milch!

Beitrag von teledame »

was war denn kontraproduktiv?
Bild
Timo geboren am 18.07.2012
Benutzeravatar
Nuala
Power-SuTler
Beiträge: 5802
Registriert: 10.04.2008, 21:05
Wohnort: Wien

Re: zu wenig Milch!

Beitrag von Nuala »

Das mit dem Abpumpen zB...
Das kann zusätzlich noch einen weiteren (Brust)Verwirrfaktor und Stress reinbringen...
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
Benutzeravatar
blueberry
Mod a.D.
Beiträge: 11077
Registriert: 03.09.2007, 14:18
Wohnort: Deutschland

Re: zu wenig Milch!

Beitrag von blueberry »

@ Teledame: Schau einfach mal in die Regeln und den Thread "Wie funktioniert Stillberatung hier im SuT". Dort wirst Du lesen können, dass alles, was über ein "bei mir war das so und so" hinausgeht und eher in Richtung "mach doch mal das und das" (also konkrete Handlungsanweisengen) geht, in Threads, in denen es um Milchmenge, Gedeihen etc. geht, hier den Moderatorinnen im Stillforum vorbehalten ist.
blueberry mit großem und kleinem Frühlingskind (2010 und 2013)
teledame
schreibt ganz schön oft
Beiträge: 110
Registriert: 14.09.2012, 22:20

Re: zu wenig Milch!

Beitrag von teledame »

@blueberry
ja danke für die aufklärung, habs mir durchgelesen, dann hab ich mich wohl falsch ausgedrückt, ich kann nur von meiner erfahrung sprechen. das ich immer mehr als genug milch hatte, hab ich nur der pumpe zu verdanken, denn mein kind konnte damals nicht richtig trinken und hat den milchfluss nicht richtig in gang gebracht. uns hat die pumpe gut über die zeit geholfen. mich persönlich hat es auch immer beruhigt zu sehen, wieviel milch ich tatsächlich habe und dass ich auch die produktion erhöhen kann. es war aber schon viel arbeit, weil ich wirklich nach jedem stillen nochmal an der pumpe gesessen bin, und manchmal sogar vor dem stillen. wenn man aber noch nie gepumpt hat oder lange nicht gepumpt hat, so dauert es schon ein bischen (bei mir 1 Tag) bis da sich überhaupt was tut (mehr als 30 ml pro Brust) zumindest war es bei mir so. Pumpe ich täglich 2-3 mal so kann ich die Menge auf über 150 ml pro Brust erhöhen. Zusätzlich zu der Milch die mein Sohn trinkt.

@Nuala
was meinst Du mit Brust-Verwirrfaktor?? Würde mich interessieren was daran falsch oder schädlich ist.
Meine Hebamme fand immer das wir das gut hinbekommen haben. Ich stille heute voll und brauche die Pumpe auch nicht mehr. Sie steht aber noch da, und ab und an pumpe ich noch, auch um mal zu sehen wieviel Milch ich noch habe, oder meinen Milchvorrat in der Gefriere zu erhöhen. (Ich war oft im Krankenhaus und ich möchte nicht das mein Kleiner dann etwas anderes als Muttermilch bekommt, wenn ich wieder Kontrastmittel bekomme).
aber das würde mir auch per pn reichen, denn ich möchte den thread von evina nicht stören. eigentlich wollte ich nur die idee reinbringen, wie sie ihre milchmenge erhöhen kann und auch den staus vorbeugen. denn so starre vorgaben oder richtlinien gibt es beim stillen nicht. man muss manchmal auch erfinderisch und flexibel sein um ans ziel zu kommen. meine persönliche meinung.

gruss
Daniela
Bild
Timo geboren am 18.07.2012
Lucccy
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1011
Registriert: 19.03.2012, 12:12

Re: zu wenig Milch!

Beitrag von Lucccy »

@teledame: Ein Problem beim Tipp mit der Pumpe ist z.B. dass nicht jede Frau an der Pumpe einen Milchspendereflex hat. Diese Frauen können gar nicht abpumpen (auch nicht nach ein paar Tagen) und können trotzdem problemlos vollstillen.
Und wenn beim Abpumpen nichts kommt, kann das eine Frau, die am Gefühl "zu wenig Milch" leidet, natürlich zusätzlichen Stress verursachen, der wiederrum die Milchproduktion hemmt und damit ein echtes Problem schafft.

@alteingesessene: richtig erklärt?
Benutzeravatar
blueberry
Mod a.D.
Beiträge: 11077
Registriert: 03.09.2007, 14:18
Wohnort: Deutschland

Re: zu wenig Milch!

Beitrag von blueberry »

@ Teledame und OT:
Gerade der Gedanke, abzupumpen [quote="teledame"]um mal zu sehen wieviel Milch ich noch habe,[/quote] ist da besonders irreführend - denn wie Luccy schon schrieb: gar nicht wenige Frauen bekommen an der Pumpe gar keinen MSR oder z.B. nur einen (während ihr Baby vielleicht bei einer Mahlzeit üblicherweise zwei, drei, ... auslöst). Wenn man dann auf die paar Milliliter schaut, die man abgepumpt hat, kann das in der Tat erheblichen Stress machen. Beim Pumpen ist also ganz wichtig, immer dran zu denken, dass die produzierte oder vom Kind aus der Brust geholte Menge Milch (denn die Milch wird BEIM STILLEN und nicht "auf Vorrat" zwischen den Mahlzeiten produziert!) ganz erheblich von der Pumpmenge abweichen kann.

Pumpen kann man lernen, wenn man es braucht (z.B. um Abwesenheitszeiten zu überbrücken) oder wenn es im Zuge der Stillberatung als sinnvoll angesehen wird, zu pumpen um die Milchmenge zu steigern. Dann gibt es dafür auch ganz konkrete Tipps und Anleitungen (mit was für einer Pumpe, wie oft am Tag, wie lange jeweils). Dies kommt aber auf die ganz individuelle Situation und Stillgeschichte an und kann nicht jeder Frau mit jedem Problem pauschal empfohlen werden. Um zu schauen "wieviel Milch man hat" auf jeden Fall überhaupt nicht :wink:

Nicht jeder, der stillt, kann und muss auch pumpen (können). Ich habe z.B. ein richtiges Moppelchen zweieinhalb Jahre lang gestillt (6 Monate voll, bis Ende 1. LJ mit sehr wenig Beikost und danach eben weiter nach Bedarf) und ich hatte beim Abpumpen (wenige Male im ersten LJ probiert, damit mein Mann bei unvermeidlicher Abwesenheit meinerseits was mit dem Becherchen hätte füttern können) arge Mühe und meist keinen Erfolg beim Versuch, den MSR auszulösen. Hätte ich davon auf meine "Milchmenge" geschlossen, wäre das unter Umständen echt nach hinten losgegangen...
blueberry mit großem und kleinem Frühlingskind (2010 und 2013)
Antworten

Zurück zu „Stillforum“