Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein...

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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MonaM80
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von MonaM80 »

Ich finde es total schade, dass stillbereite Mütter in Kliniken immer noch so wenig Hilfe bekommen. Sobald erste Schwierigkeiten auftauchen, steht das Klinikpersonal mit Milchfläschchen neben verunsicherten Müttern.
ich bin momentan auch echt verzweifelt, da man wirklich das Gefühl hat gegen Windmühlen zu arbeiten. Ich verleihe mein Stillbuch von der Lothrop in der Hoffnung, die werdenden, stillbereiten Mamis lesen es und wappnen sich etwas-aber immer behält das KH am Ende die Überhand. Gerade jetzt wieder passiert: Freundin mit recht ausgeprägten Flachwarzen hat jetzt nach 3 Wochen kapituliert (sie hat abgepumpt und PRE zugefüttert, jetzt kommt aber fast nichts mehr beim Pumpen, also sind sie ganz auf PRE umgestiegen). Ihr wurde von Anfang an erzählt, dass es ganz schwierig wird, im KH hat sie gleich Stillhütchen bekommen und musste gleich Pre geben-was sie natürlich beides gemacht hat, obwohl wir vorher darüber gesprochen hatten, dass es dies noch schwieriger machen kann.

Was die "Stillberatung" angeht: Ich habe auch in einem stillfreundlichen KH entbunden, dass sogar zertifiziert war. Und das Ende der Geschichte: Genau eine Kinderschwester kannte sich aus, der Rest hatte das wunderbare WIssen der 80er verinnerlicht. Nachdem meine Kleine nach über 30h Geburt (was ja nicht nur für mich anstrengend war) erst mal 12h geschlafen hat ohne zu trinken, wurde ich bedrängt, sie jetzt aufzuwecken um zu Stillen, weil das Kind alle 4h trinken muss. Dazu muss ich sagen, dass sie direkt nach der Geburt gestillt wurde und es wirklich gleich ganz toll gemacht hat. Ich habe mich geweigert und wir haben das KH auch gleich verlassen-dann wurde ich (wir waren nicht mal zur Tür rein) angerufen, ob dennn schon gestillt wurde. Die Geschichte würde mich ja nicht so aufregen, wenn hinter diesem Insistieren echtes Wissen zum Stillen stehen würde-aber nein.
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Sycorax
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Re: AW: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben

Beitrag von Sycorax »

Tutti hat geschrieben:
Sycorax hat geschrieben:Hach ja, was ich eigentlich sagen wollte:
Ich finde es total schade, dass stillbereite Mütter in Kliniken immer noch so wenig Hilfe bekommen. Sobald erste Schwierigkeiten auftauchen, steht das Klinikpersonal mit Milchfläschchen neben verunsicherten Müttern.

Bei der Geburt der Minimissy im Stillraum erlebt. Dort war eine Frau (asiatische Herkunft, kaum Deutschkenntnisse), die ganz regelmäßig stillte. Ich traf sie schon frühmorgens im Stillraum. Viel später war sie im Frühstücksraum und frühstückte. Eine Schwester kam herein und erklärte ihr, man habe bei ihrem Sohn Blut abgenommen und er habe einen zu niedrigen Glucosespiegel, er bräuche nun Milch. Man würde ihm ein Fläschchen geben. :evil:
Die arme Frau hatte nur die Hälfte verstanden, fragte mehrmals nach: "Fläschchen. Wieso?"
Die Schwester erwiderte, dass das Kind sonst krank würde und erhielt die Zustimmung der Mutter zum Fläschchen. :cry:

Diese Dreistigkeit, bei dem Kind einfach Blut abzunehmen, während die Mutter ahnungslos frühstücken geht und dann sofort mit Milch anzukommen... ich habe mich so aufgeregt. Das Kind war zwei Tage alt (hab ich auf dem Schild am Bettchen gelesen), was soll denn das?
Huch, an deiner Geschichte finde ich so einiges befremdlich :shock:
Was ist ein Stillraum und wozu gibt es den? Warum ist ein 2 Tage altes Baby nicht rund um die Uhr bei der Mama (also warum frühstückt sie in einem Frühstücksraum und ihr Baby ist irgendwo anders)? Warum nehmen sie dem Baby ungefragt Blut ab? Und warum wird nicht aufgeklärt und abgewogen, sondern einfach die Flasche aufgedrängt?
Du meine Güte...

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Genau deswegen schrieb ich es ja, weil es völlig befremdlich ist! Es gibt an diesem Krankenhaus die Möglichkeit, dass Frauen ihre Kinder im "Kinderzimmer" abgeben und die Kinder dort von Schwestern betreut werden, solange die Mütter duschen, frühstücken ... was weiß ich. Manche Mütter lassen sogar zu, dass ihre Kinder in ihrer Abwesenheit gewogen werden und (für mich besonders schockierend) untersucht (U2, Blutentnahme zur Stoffwechseluntersuchung, Glucosespiegel...).
In diesem Frühstücksraum frühstücken alle Frauen, die nicht im Bett oder im Zimmer frühstücken wollen/müssen. Aber normalerweise hat man sein Kind dann bei sich. Genauso sind natürlich die Badezimmer groß genug, um das Kind mitzunehmen, wenn man duscht, auf Toilette geht etc.
Aber manche Frauen lassen sich, wenn die Hormone verrückt spielen und sie sowieso angreifbarer sind als sonst, vieles von den Schwestern abnehmen: "Gehen Sie doch jetzt gemütlich frühstücken, wir kümmern uns schon um ihr Kind. Es schläft doch jetzt sowieso!". Wacht das Kind dann auf, wird es eben mal schnell in die Ferse gepiekt, ehe die Mutter wieder da ist :cry:.

Ich hatte es schon an anderer Stelle geschrieben, ich musste aus gesundheitlichen Gründen an diese Klinik, weil eine Neugeborenenintensiv angeschlossen ist (wurde dieses Mal zum Glück nicht nötig), sonst hätte ich eine andere gewählt.
2009 fand ich es schockierend, dass man mein Kind mit Pre fütterte, obwohl ich mich extra 5 Stunden nach KS aus dem Bett gequält hatte. Ich fand es schockierend, dass man mein Kind zur U2 brachte und ich nichts davon wusste. Selbstverständlich wäre ich mitgegangen.
2012 habe ich es den Damen nicht leicht gemacht. Ich habe mein Kind nicht einmal aus der Hand gegeben, habe sie angelegt, wenn sie gepiekt werden musste (die ältere Krankenschwester war ganz verwundert, dass das Baby gar nicht weinte :roll: ).
Aber ich habe eben viele Dinge beobachtet, die mich nichts angingen, aber dennoch schockierten und ich verstehe jede Frau, die sich entschließt, ihr Baby zu Hause zu entbinden und sich dem Klinikzwang nicht auszusetzen!

Sorry fürs ot.
Viele Grüße von Sycorax mit Missy (*2/2009) und Minimissy (*1/2012)

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blueberry
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von blueberry »

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Achso, ganz vergessen :oops: :
sutnahpele hat geschrieben:Ich denke nicht, dass die Menschheit ausstirbt, weil ein Teil der Mütter nicht stillt. Dass "früher" alle Mütter gestillt haben, möchte ich bezweifeln. Nichtstillende Mütter gab es schon immer, da sind dann Ammen eingesprungen. Nichtstillen hatte auch schon immer eine gesellschaftliche Bedeutung. Außerdem gab es "früher" sicherlich auch falsches Stillwissen. Dass eine Frau mit winziger Brust vielleicht kein Kind satt bekommt, ist doch nicht so abwegig, oder? Die Idee der Milchseen ist ja auch noch nicht so lange überholt :wink:
Da reden wir jetzt aber von zwei deutlich unterschiedlichen "früher"-Zeiten :wink: . Die Menschen existieren ja nun nicht erst ein paar Jahrhunderte. Und wir dürfen uns von dem, was aus den letzten - sagen wir mal, zweitausend bis viertausend Jahren schriftlich überliefert worden ist (und was meist ausschließlich die gesellschaftlichen Oberschichten betraf, Herrschergeschlechte, evtl. noch "Adels"-Schichten, alles andere war ja wenig interessant) nicht über das hinwegtäuschen lassen, was "unter normalen Menschen" jahrzehntausendelang üblich war.

(Eine der wenigen alten Quellen, wo jemand versucht hat, in "Volksnähe" zu sprechen, sind z.B. Jesus-Zitate - und da sieht man schon wie abwegig z.B. vor 2000 Jahren jemand die Vorstellung fand, eine Frau könnte freiwillig nicht stillen wollen: [quote]Lukas 23,29-30: Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in der man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht genährt haben! Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: Fallt über uns!, und zu den Hügeln: Bedeckt uns![/quote] In damaliger Sicht war dann offenbar das Ende der Welt nicht mehr fern, wenn das passieren sollte :wink: )

Zu sagen, Nichtstillen habe "schon immer" gesellschaftliche Bedeutung gehabt, umfasst entweder eine sehr sehr kurze Spanne der menschlichen Entwicklung (evolutionär quasi unbedeutend) oder einen sehr kleinen Teil einer Oberschicht in den wenigen Epochen und Orten, an denen sich Hochkulturen herausgebildet hatten (ebenfalls evolutionär quasi unbedeutend). Dass höchstwahrscheinlich auch in Stämmen/Klans und später Familien oder in Dorfgemeinschaften andere Mütter als Ammen eingesprungen sind, wenn eine Mutter im Kindbettfieber starb o.ä. ist davon sicher unbenommen (das weiß ich z.B. auch von meiner Oma, die ein Nachbarskind mitgestillt hat). Das setzt ja dennoch die Stillfähigkeit der allerallermeisten sich fortpflanzenden Individuen voraus. Ein nichtgestilltes Baby und Kleinkind (egal ob die Gründe an ihm selbst oder der Mutter lagen) hatte in bestimmt 90% (oder noch mehr) der Menschheitsgeschichte einfach verdammt schlechte Karten... Ein möglichst lange gestilltes hat sich dann "nur noch" mit den anderen Kindersterblichkeitsrisiken auseinandersetzen müssen, egal, von wem es gestillt wurde.

Und um das zu erkennen brauchten die Menschen glücklicherweise lange lange Zeit keine Theorien über Laktationsvorgänge, Milchseen, Abstände (Uhren gab es ja eh nicht :lol: ), Getrenntschlafen, Kinderwägen (die gibt es glaub erst seit dem 19 Jh?) usw. usf. Da wurde einfach von den vielen Müttern drumrum, die alle selbstverständlich ihre Kinder am Körper trugen und bei Bedarf stillten, gelernt, wie man das macht. Und meistens hat es geklappt. Und wenn nicht, hatte das halt die selben schlimmen und traurigen Konsequenzen wie anderes auch, das überlebenshindernd war :( Im Ergebnis der Evolution aber kann man dadurch eben sagen: eine nicht stillfähige Mutter oder ein (aufgrund welcher körperlicher Hindernisse auch immer) nicht stillfähig geborenes Baby hat seine Gene kaum weitergeben können.
Niemand würde behaupten, dass darum 100% aller Mütter und Kinder (voll-)Stillen können. Aber die Zeiten, in denen man es schaffte, nichtgestillte Kinder "durchzubringen" sind einfach evolutionär gesehen ein "Wimpernschlag" und darum sind "Nichtstillenkönnen-Quoten" wie sie die Mitte des letzten Jahrhunderts mit ihren schrecklichen Stillregeln hervorgebracht hat, einfach nicht natürlich/medizinisch zu erklären. Die allermeisten dieser Mütter und Kinder hätten - bei richtiger Beratung - Stillen können. Und noch ein paar mehr hätten zumindest Teilstillen oder Ausstreichen lernen können. Es lag nicht an ihren körperlichen Vorraussetzungen sondern bedauerlicherweise an falschen Regeln. :(
blueberry mit großem und kleinem Frühlingskind (2010 und 2013)
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nwsurgeon
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von nwsurgeon »

Blueberry,
Du sprichst mir aus der Seele und hast das ausgesprochen gut formuliert.
Wie meine Schwester schon sagte (als meine Mutter meinte, dass da Stillen ja eh nicht funktioniere): "Das Prinzip Säugetier funktioniert bereits seit Millionen von Jahren sehr erfolgreich. Warum sollte das bei Menschen anders sein?"

Und die menschliche Reporduktion ist ja auch aufgrund der relativ späten Geschlechtsreife mit relativ geringer Geburtenrate (im Vergleich zu Bienen oder Kaninchen) eher nicht auf hohe Ausfallquoten ausgelegt.

Man hat einfach das Gefühl, dass die 3% der Weltbevölkerung, die aufgrund von körperlichen Eigenschaften nicht stillen kann, sich komplett in Mitteleuropa versammelt haben muß, so oft wie man das erzählt bekommt.
Das legt den Schluß nahe, dass ein großer Teil dieses "nicht stillen könnens" eben auch andere Ursachen hat.

Mich machen diese ganzen Ammenmärchen und Stillmythen auch immer sehr traurig, denn es verhindert das Stillen. Und es ist frustierend was so alles von "Fachpersonal" an Dummheiten und Unwahrheiten verbreitet wird.

Meine Mutter hat übrigens das Stillen aufgegeben, weil damals als Standard eine Stillprobe bei JEDER Mahlzeit (alle 4h natürlich) galt, wobei dann anschließend die Differenz zum Soll nach Fütterungsplan aus der Flasche zugefüttert werden mußte. Dass dieser Aufwand nicht lange durchgehalten werden konnte dürfte jedem klar sein.

Es fehlt einfach an Stillwissen an allen Ecken und Enden.
Ganz lieben Gruß von
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Nautilus
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von Nautilus »

...und deshalb bin ich insbesondere den Stillverbänden und Hebammen gegenüber, die das nötige Stillwissen der breiten Masse zugänglich gemacht und verbreitet haben sehr dankbar! Ich habe allerdings mittlerweile leider auch den Eindruck, dass ein Teil der Frauen, die nicht zu den 3 % gehören, aber dennoch "nicht genug Milch" hatten, es auch gar nicht soooo genau wissen wollen und es nicht schlimm finden, nicht (mehr) oder "nur" teilzustillen. Ich fände es super, wenn die Kliniken verpflichtet wären, den Müttern zB ein AFS-Faltblatt mit den wichtigsten Fakten mitzugeben, ebenso wie das bei der Infobroschüre zum plötzlichen Kindstod schon der Fall ist.
Liebe Grüße, Nautilus mit Sommersohn (7/12) Frühlingstochter :smilie_und_kind: :slürp* (3/17) und den zwei Herbststernen (09/11+ 11/15)
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blueberry
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von blueberry »

Nautilus hat geschrieben:Ich habe allerdings mittlerweile leider auch den Eindruck, dass ein Teil der Frauen, die nicht zu den 3 % gehören, aber dennoch "nicht genug Milch" hatten, es auch gar nicht soooo genau wissen wollen und es nicht schlimm finden, nicht (mehr) oder "nur" teilzustillen. Ich fände es super, wenn die Kliniken verpflichtet wären, den Müttern zB ein AFS-Faltblatt mit den wichtigsten Fakten mitzugeben, ebenso wie das bei der Infobroschüre zum plötzlichen Kindstod schon der Fall ist.
Klar ist Information gut und richtig und wichtig. Ich fände es aber gut, wenn diese "mehr als 3%", die Du hier konkret meinst, eben sagen würden/könnten/dürften: ich wollte eben nicht mehr und wir sind schlicht den Weg gegangen, den wir gehen wollten.

Wenn sie das nämlich nicht offen sagen können (und ja, da muss ich glaub auch noch an meiner spontan-Reaktion im RL arbeiten, dass ich das auch genauso rüberbringe :oops: ), dann sind das eben wieder soundsoviele Mütter, die dazu beitragen, Halbwahrheiten oder schlicht Falsches über das Stillen zu erzählen - als Ausrede eben. Und das ist total kontraproduktiv und verbreitet eben weiter Stillmythen. Dann kommen weiter solche "ab 12 Wochen hatte ich plötzlich von einem auf den anderen Tag kaum noch Milch, aber zwei Wochen später hatte er sich dann eh selbst abgestillt" oder "ich musste ein Antibiotikum nehmen/ne Narkose bekommen/... - und darum ganz dringend von heute auf morgen abstillen"-Geschichten nämlich als halbwegs plausible Ausrede in Umlauf und setzen sich in den Köpfen weiter fest...
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MonaM80
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von MonaM80 »

Nautilus hat geschrieben:...und deshalb bin ich insbesondere den Stillverbänden und Hebammen gegenüber, die das nötige Stillwissen der breiten Masse zugänglich gemacht und verbreitet haben sehr dankbar! Ich habe allerdings mittlerweile leider auch den Eindruck, dass ein Teil der Frauen, die nicht zu den 3 % gehören, aber dennoch "nicht genug Milch" hatten, es auch gar nicht soooo genau wissen wollen und es nicht schlimm finden, nicht (mehr) oder "nur" teilzustillen. Ich fände es super, wenn die Kliniken verpflichtet wären, den Müttern zB ein AFS-Faltblatt mit den wichtigsten Fakten mitzugeben, ebenso wie das bei der Infobroschüre zum plötzlichen Kindstod schon der Fall ist.
Man kann Menschen ja auch nicht dazu zwingen sich zu informieren. Das erlebt denke ich schon jede hier, die ihre positiven Stillerfahrungen weitergibt und versucht aufzuklären. Ich habe bei meiner Bekannten auch versucht, sie zu ermutigen, habe sie an Stillberaterinnen vor Ort verwiesen-sie hat nicht eine angerufen und jetzt hat sie eben abgestillt, nach 3 Wochen. Zugegeben, mich sticht es auch immer etwas, wenn bei den kleinsten Problemen gleich abgestillt wird (ich hatte selber nach 4 Wochen ein Problem beim Stillen und habe darum gekämpft weiterzustillen und habe es geschafft), auf der anderen Seite soll das Stillen ja auch was positives für beide sein. Und wenn die Mutter das Gefühl hat, für sie ist das nur noch Stress und keine adäquate Hilfe bekommt/annimmt, dann ist Abstillen eben der Weg. Ich bin da auch sehr zwiegespalten und bemühe mich in so einem Fall dann aber immer zu betonen, dass zum Stillen eben zwei Menschen gehören und wenn es für eine "Partei" nicht mehr ok ist, dann funktioniert es nicht. Was ich beiseite lasse in diesem Kommentar ist, dass mMn einige Frauen zu früh aufgeben, weil sie eben die Einstellung haben, Flasche schadet ja auch nicht (was bis zu einem gewissen Grad ja auch stimmt). Wir sind einfach noch zu sehr durch unsere Müttergeneration beeinflusst, bei der Stillen einfach nicht IN war-das merkt man ja schon bei den Kommentaren zum Stillen, die meisten Urgroßmütter finden es super, Oma und Mutter dagegen drängen einen oft zum Abstillen. Und letztendlich sind es meistens diese Erfahrungen die schwerer wiegen als Stillbroschüren. Deswegen sehe ich es va als meine Aufgabe, meiner Tochter zu vermitteln, dass Babys gestillt werden und hoffe, dass sie es auch so verinnerlicht.
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von honigtopf2010 »

MonaM80 hat geschrieben:Deswegen sehe ich es va als meine Aufgabe, meiner Tochter zu vermitteln, dass Babys gestillt werden und hoffe, dass sie es auch so verinnerlicht.
Und wenn sie dann irgendwann am Strand auf einem umgedrehten Eimerchen sitzt und ganz versonnen den König des elterlichen Kubb-Spiels stillt, dann hast du alles richtig gemacht. :lol:
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Re: AW: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben

Beitrag von Tutti »

honigtopf2010 hat geschrieben:
MonaM80 hat geschrieben:Deswegen sehe ich es va als meine Aufgabe, meiner Tochter zu vermitteln, dass Babys gestillt werden und hoffe, dass sie es auch so verinnerlicht.
Und wenn sie dann irgendwann am Strand auf einem umgedrehten Eimerchen sitzt und ganz versonnen den König des elterlichen Kubb-Spiels stillt, dann hast du alles richtig gemacht. :lol:
Eine wundervolle Vorstellung!
(Und nicht nur, weil ich so gerne Kubb spiele ;) )

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blueberry
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von blueberry »

MonaM80 hat geschrieben:Flasche schadet ja auch nicht (was bis zu einem gewissen Grad ja auch stimmt).
Wie meinst Du das? Also da begibt man sich ja nun nicht aufs Feld der unsachlichen Still-Glorifikation, wenn man sagt, dass Flaschenfütterung gegenüber Stillen selbstverständlich defizitär ist und eine ganze Reihe gesundheitlicher Risiken für Mutter und Kind birgt. Ich glaube, das kann man genauso offen sagen und darüber informieren, wie man andere gesundheitliche Risiken auch aussprechen darf. Es wäre ja schlimm, wenn man über derlei Dinge nicht mehr sprechen könnte, nur weil es eben immer auch Betroffene gibt.

Klar, die Gesprächssituation muss stimmen und man muss schon sensibel damit umgehen - einer Mutter, die sich sorgt um ihr lungenkrankes Baby würde ich z.B. jetzt auch nicht an den Kopf hauen "na siehste, das Rauchen in der Schwangerschaft ist eben schädlich, da beißt die Maus keinen Faden ab. Das haste nun davon", wenn ich z.B. genau weiß, wie sehr sie sich ums Aufhören bemüht hat, es aber eben nicht geklappt hat. Ich würde versuchen, das Gespräch da einfach meinerseits deutlich auf andere Themen und Aspekte der Situation zu lenken. Aber an den Fakten ändert das ja nichts.

Flaschennahrung bringt heute ganz sicher weniger gesundheitliche Risiken und Nachteile mit sich als noch vor einigen Jahrzehnten. Das stimmt schon (meinst Du das so?), aber dass es "nicht schadet" kann man eben so auch nicht sagen.
blueberry mit großem und kleinem Frühlingskind (2010 und 2013)
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