Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein...

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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rueckenwind
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von rueckenwind »

Isabella hat geschrieben:
Lyra hat geschrieben:... bei soooo vielen Frauen, die nicht stillen können, ihre Brust zum Stillen nicht geeignet ist, zu wenig Milch haben, etc pp
...
Es stimmt mich alles so traurig. Hab zwei solcher Exemplare gerade in der Familie.
"Ich hatte zu wenig Milch. Jetzt bekommt sie 5Mal am Tag die Flasche und schläft durch" (Baby ist 6 Wochen alt"
Hm, ist ein SLP Thread, aber ich musste das mal irgendwo los werden.


Hab I-Phonitis.....
Ich habe auch immer allen erzählt, dass der Kleine die Flasche bekommt und durchschläft. Weil solche Frauen "aber jede kann stillen" einfach nicht auszuhalten sind, und da guckten die immer so schön blöd :mrgreen: . Wann würdest du einer Frau glauben, dass sie nicht stillen konnte? Ist es nicht egal, wie die Umstände sind, warum es nicht ging - sollte man eine Frau nicht einfach da unterstützen, wo sie steht, und nicht noch hinhacken, wo es eh schon am Meisten weh tut?

Das sind Sachen, die ich nie verstehen werde...

Schade finde ich, dass Emphatie nicht irgendwie fix im Gencode ist, dafür Besserwisserei und Zickenterror :roll: .

Ich hatte im Ausgangsposting gar nicht das Gefühl, dass es um die einzelne Frau geht, die nicht stillt, sondern eher darum, dass man es so unglaublich oft hört. Wenn ich mir überlege, wie oft ich gefragt wurde, ob meine Milch denn wirklich (noch) ausreichen würde, und dass das ja eher ungewöhnlich sei - dann habe ich mich durchaus gefragt, ob nicht ein ordentlicher Prozentanteil der Frauen, die glauben nicht stillen zu können, vielleicht doch in der Lage gewesen wären.
Darauf, dies bei jemanden, der mir erzählt das er nicht stillen konnte zu hinterfragen käme ich aber trotzdem nicht und käme auch nie auf die Idee, daraus einen Vorwurf zu machen. Zumal ich ja nun auch wirklich kein Experte bin und glaube, dass viele Frauen da so oder so schon sehr mit sich hadern. Deshalb war es mir ja auch wichtig, zu widersprechen, als es hier hieß, dass viele Frauen sich wohl einfach nicht ausreichend informieren.

Ich bin da eher kritisch, was den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema angeht und auch der oft leider wirklich fragwürdigen Kompetenz von Fachpersonal, das mit Neugeborenen und Müttern arbeitet.
T. mit Rumpeltochter (04.11), Purzelsohn (08.13) und Flitzeline (08.19)
Karlson vom Dach
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von Karlson vom Dach »

Ich stimme Dir zu, das viele Frauen, viel zu schnell und viel zu leicht das Stillen aufgeben., welches sehr, sehr schade ist.
Schuld daran ist wohl nicht nur eine schlecht Einführung und Hilfestellung , sondern auch das sehr gute Angebot (vor allem in Deutschland) an Muttermilchersatz.
Die Situation in den meisten Krankenhäusern ist wohl so, das die dort angestellten Hebammen einfach viel zu wenig Zeit haben, um auf den einzelnen einzugehen.
Wie es mit den Nachsorgehebammen ist, kann ich nicht beurteilen, hier gibt es so ein Angebot nicht.

Schade ist aber, das man rund ums Stillen sehr, sehr viel Hilfe bekommt, wogegen man als Flaschenmutter diese Hilfe nicht in dieser Hülle und Fülle bekommt.
Ja, es ist einfach eine Flasche zusammenzumixen, Schnuller drauf und losfüttern. Steht ja auf der Packung drauf.
Aber auch als Flaschenmutter gibt es sehr viele Fragen, die man sich dann irgendwie zusammensuchen muss.

Wieso ich nicht stille, darauf möchte ich hier nicht eingehen, das ist eine für mich viel zu persönliche und schmerzhafte Erfahrung, um sie hier offenzulegen.
Ich kriege sehr, sehr oft einen Herzstich, wenn ich einen stillende Mutter sehe. Ja, das hätte ich auch gerne erlebt, ich möchte auch wissen, wie sich das anfühlt, wenn das Kind an der Brust saugt, diese innige Nähe erleben.

Was micht frustriert oder bzw. traurig macht, ist, wie oft ich mich rechtfertigen muss/soll, warum wir nicht stillen.
Man kann und sollte nicht alle Flaschenmütter über einen Kamm scheren.
Liebe Grüsse von Karlson, dem Piraten(02/12), der Maus und dem Frosch (beide 10/13)
Wortgewitter
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von Wortgewitter »

Ich finde bedenklich,dass dieses Thema mit solcher Vehemenz eingefordert wird von Müttern. Es ist wie mit allen Dingen - jeder kann und sollte seinen Weg gehen. Meist ist es viel eindrücklicher, wenn man selber vorlebt, was man für richtig hält und die anderen in Ruhe lässt.

Damit will ich nicht sagen, dass ich das nicht auch schade finde, dass es einen solchen Aberglauben gibt (also, dass Milch 'alle' geht etc) in der Gesellschaft. Und ich bin absolut dafür, dass Informationen verfügbar werden sollten - aber nicht mit der Absicht, alle zum Stillen zu bringen.

Ich habe oft den Eindruck, wenn das Stillen nicht so eine nonplusultrasuperkompetenz wäre, die alle 'guten' Mütter brauchen (das ist jetzt schwer ironisch, keine Sorge), dann müssten viele Frauen gar nicht erst solche Geschichten um ihr Stillen oder nicht-Stillen konstruieren, die wiederum zu Fehlinformationen führen. Dann würde ein 'ich stille nicht' reichen.

Vorbild sind mir hier unsere Damen aus der Stillberatung, die völlig offen und ohne ein winziges Bisschen Dogmatismus für ALLE Wege offen sind und die Informationen entsprechend vermitteln. Das finde ich bewundernswert und sehr tolerant.
Wortgewitter mit Groß (5/09) und Klein (11/11) und Winzigklein (8/15)
und zwei **

ClauWi Trageberaterin (GK 5/2012, MK 6/2013)

Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte Dich wiegen und kleinsingen,
und Dich begleiten, schlafaus und schlafein...
R.M. Rilke
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Johana
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Re: AW: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben

Beitrag von Johana »

Nun macht mal langsam. Lyra wollte gewiss keinen angreifen.
Ich lese einfach nur Frust und Unverständnis raus, dass wirklich viele Frauen abstillen, weil ihnen suggeriert wird dass die Milch nicht reicht, und dass Babys nachts 6-8 Stunden am Stück schlafen müssen etc...

Und ich verstehe das. Sooo viele Frauen werden bereits im KH zum Zufüttern gedrängt.
Dort wo ich entbunden habe ist nicht 1 Frühchen gestillt entlassen Kein einziges! Weil man den Frauen Steine in den Weg gelegt hat anstatt sie zu bestärken...

Na ja...emotionales Thema.
Der Stillerei ist die Natürlichkeit abhanden gekommen.
Schon traurig.
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Lyra
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von Lyra »

Johana hat geschrieben:Nun macht mal langsam. Lyra wollte gewiss keinen angreifen.
Ich lese einfach nur Frust und Unverständnis raus, dass wirklich viele Frauen abstillen, weil ihnen suggeriert wird dass die Milch nicht reicht, und dass Babys nachts 6-8 Stunden am Stück schlafen müssen etc...

.
Danke Johana, genauso meinte ich das.
Natürlich kann/ muss/soll und darf jede Frau über ihren Körper bestimmen. Wenn sie nicht stillen möchte finde ich das absolut legitim und völlig ok.
Mir ging es wirklich nur um das Fachpersonal und die von dort kommenden Infos.

Was die "Informationspflicht" der Frauen angeht: ich war nicht informiert. Ich habe gedacht jede Frau kann stillen und ob ich es will oder nicht, das entscheide ich. Es ist ein absolut matürlicher Vorgang, der funktioniert, wie atmen, essen, trinken... so war mein Gedankengang...
Leider war es nicht so... ABER nach einer traumatischen Geburt und Hormonchaos bin ich nicht auf die Idee gekommen 12 Stunden nach der Entbindung im Netz nach Stillproblemen und deren Lösung zu suchen. Zumal ich 2008 auch noch kein Smartphone hatte! Nur meine Hebi habe ich es zu verdanken, dass es eben doch ging.



Hab I-Phonitis.....
Viele liebe Grüße
Lyra mit dem Mann, der Püppi (09/08), dem kleinen Mann (04/11) und einem * (05/10) für immer im Herzen.
Schau doch mal in meinem Blog die Rumpelbutze vorbei.
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Es ist ein alchemistischer Augenblick, in dem sich Wissen in Verstehen verwandelt.
katemiddleton2011
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von katemiddleton2011 »

rueckenwind hat geschrieben:
katemiddleton2011 hat geschrieben: Eine Erstgebärende ist natürlich verantwortlich für den Verlauf ihrer Stillbeziehung. Wir leben ja nicht mher 1950 ohne Internet.

LG
Kate

Ich möchte dir da ein bisschen widersprechen. Ich denke, dass es viele Frauen gibt, die sich nicht ausgiebig mit Stillen und möglichen Problemen auseinandersetzen, weil das auch selten thematisiert wird oder weil sie davon ausgehen, dass es einfach funktionieren wird, weil sie sich ja (vermeintlichem) Fachpersonal (Hebamme) anvertraut haben. Natürlich sollte man sich nach wie vor selber informieren, erst einmal davon auszugehen, dann bei einem derart natürlichen Prozess alles gut verläuft ist doch aber auch nicht verwerflich, vielleicht manchmal sogar sinnvoller (?!?). Zumal in einer Gesellschaft, in der vieles an Verantwortung an Experten abgegeben wird, es also eine dementsprechende 'Kultur'/gesellschaftliche Prägung gibt, die man ja nun auch nicht immer in jedem Lebensbereich hinterfragt/hinterfragen kann - das wäre kaum zu schaffen.

Ich kann nach wie vor verstehen, wenn man sich im Vorfeld keine großen Sorgen um Brustwarzenform, Saugprobleme u.ä. macht oder erwartet, dass es auch so funktioniert. Und ich denke, dass es absolut legitim ist, falsche Beratung von Fachpersonal (Krankenhaus, Hebamme etc.) anzuprangern und zu versuchen, diese zu minimieren. Da die Verantwortung allein den Frauen anzulasten (die durchaus unterschiedliche Möglichkeiten zum Erlangen von Informationen haben) finde ich unfair! Zumal ja Informationen (insbesondere im Internet) auch nicht immer verlässlich sind, um da 'richtig' informiert zu sein, braucht man schon einiges an Medienkompetenz und durchaus auch Vorwissen.
Ich prangere auch erheblich das fehlende Wissen und die oftmals miese Beratung vom "Fachpersonal" an. Aber ich sehe die Verantwortung trotzdem überwiegend bei einem selber. Davon auszugehen, dass alles klappt, ist richtig. Aber ich eben, in allen Lebensbereichen, wissen, wo ich mir kompetente Hilfe holfen kann, wenn es nicht klappt. Das Problem ist, dass so viele auf die Kompetenz der Hebammen oder Krankenschwestern oder Frauenärzte vertrauen. Man kann sich bei ihnen sicher in vielen Dingen medizinischen Rat holen, was davon absolute Wahrheit ist oder was falsche subjektive Meinung, sollte ich aber als mündige Person schon hinterfragen. Und wenn ich dies nicht tue, bin ich dafür alleine verantwortlich.

Natürlich ist für eine gelungene Stillbeziehung auch noch vieles Andere wichtig, wie zum Beispiel ein unterstützender Partner und ein stressfreihes Umfeld. Aber dafür, dass es nicht an Fehlinformationen scheitert, kann jede Frau selbst sorgen.
katemiddleton2011
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von katemiddleton2011 »

Lucccy hat geschrieben:Hallo,
katemiddleton2011 hat geschrieben:Wir sind mündige Personen und heutzutage kann jede Frau sich rechtzeitig im Internet z.B. Informationen beschfaffen. Man ist einer Hebamme im Wochenbett nicht ausgeliefert. Man kann sich jederzeit andere kompetente Hilfe verschaffen bzw. sich vorher i nformieren.
da möchte ich auch widersprechen.

Ich war vorher schon einigermaßen informiert, das Stillbuch lag in zwei Auflagen zu Hause, aber dann kam die Frühgeburt.

Ich war also im Frühwochenbett in der Klinik, hatte kein Rooming in und hatte weder nen Kopf dafür noch das Wissen, um aufs Anlegen zu bestehen. (Geschweige denn, dass ich mich getraut habe im Kreisssaal zu fragen, ob ich anlegen dürfte. Ich war dankbar für die paar Minuten kuscheln.) Mein bestes bestand darin, frühzeitig nach einer Pumpe zu fragen und eifrig abzupumpen. Die Klinik hatte übrigens auch eine Stillberaterin (IBCLC), aber trotzdem wurde standardmäßig per Flasche gefüttert. Originalton einer Schwester "Von der Flasche gibt es keine Saugverwirrung, das gibt es nur von Schnullern"

Ich habe in dem Moment alle Zeit und Energie für die Babypflege und das Abpumpen genutzt. Rat und Rückhalt einer Stillberaterin hätte mir in dem Moment auch wenig geholfen.

Gruß Lucccy
Hallo, Lucccy,
ich meinte nicht eine Situation wie deine, sondern die Situationen, in denen Frau mit ihrem Kind halbwegs fit und gesund zuhause ist und in denen das Stillen nicht klappt, weil sie von ihrer Hebamme und der Kinderkrankenschwester oder wem auch immer hört, sie darf nicht zu oft stillen oder ihre Milch sei nicht dick genug oder oder oder. Meine Mutter hat aus ähnlichen Gründen nach drei Monaten damals abgestillt. Ich wollte auch nur sagen, dass man selbst mündig geng sein muss, um vermeintliche Autoritäten wie Hebammen in Frage zu stellen. Dabei hilft es, wenn man generell kritisch ist und bereits im Vorfeld Informationen hat. Dass man als frischgebackene Frühchenmami nicht die Kraft hat, das Zufüttersystem der Kinderstation zu kritisieren, ist ja absolut verständlich. Gerade beim ersten Kind.

LG
Kate
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Kloesschen
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von Kloesschen »

So einfach ist es nicht auch ich war bei No 1 informiert und motiviert und durch Panikmache mein 4100 g Kind würde mir verhungern endete es in Sage und schreibe 10 Monaten Pump stillen, da keiner dieses Kind mehr an die Brust brachte!

Eine Frau frisch nach der Entbindung ist sehr weich und ja auch auf Hilfe angewiesen doch so lange es solche Hebammen in den Kliniken gibt wird jede Mutter stets zum Vermeindlichen Wohle des Kindes entscheiden.

Natürlich gibt es auch sehr viele der Marke ach eigentlich isses mit Flasche noch besser... Aber eben auch wirklich viele die es nicht besser konnten und wussten!
Viele Liebe Grüße das Kloesschen mit der großen Schwester 06/07 und dem kleinen Bruder 02/09, einem kleinen Wunder 09/10 und einem Baby 02/2013 uuuund noch einem 02/2018) :sling:

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Kuschelmaus
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von Kuschelmaus »

Ich hätte gern gestillt aber meine Milch wurde leider nicht mehr, der Milcheinschuss blieb aus, ich habe erst gestillt, dann kam immer weniger bis gar keine Milch.
Dann hab ich angefangen anzulegen, zusätzlich abzupumpen etc. und als dann endlich mal wieder Milch kam waren es gerade mal 30ml in 2Tagen.. meine Hebamme die sogar Stillberaterin hat mit mir vier Wochen lang gekämpft mich ermutigt etc. aber es half nichts, selbst sie sagte irgendwann es hat langsam keinen Sinn mehr.. es wurde einfach nicht mehr, zudem kam es noch dass dann die kleine zum Teil total verwirrt war, da ich sie ja zugefüttert habe und aus der Flasche es natürlich einfacher ging als aus der Brust. Zudem je öfter ich angelegt habe bzw. abgepumpt nur noch am Schluss kam immer weniger bis gar nichts. Zudem meinte meine Hebamme kann es sein, da ich seelisch sehr angeschlagen war in der SS und mich wirklich nie auf die SS richtig einstellen konnte oder genießen konnte, wird mein Körper auch nicht wirklich gewollt haben.
Leider leide ich heute noch darunter das ich nicht stillen konnte, fühle mich als Versagerin und weiß genau noch wie ich angeschaut wurde, weil ich nicht :5: sonder nur Flasche gab :cry:
Zugern würde ich ihr immer noch die Brust geben aber es soll einfach nicht sein, ich hoffe ich habe die Chance bei unseren Kindern die hoffentlich noch irgendwann folgen werden es erneut zu probieren und dann vollstillen zu können.

Ich finde es toll wenn ich Mütter sehe die ihre Kinder stillen und beneide sie zutiefst und erst recht verständnislos wenn viele das Stillen aufgeben weil sie wieder "normal" Leben wollen sprich Rauchen usw.
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Das Wesen wahrer Liebe lässt sich immer wieder mit der Kindheit vergleichen. Beide haben die Unüberlegtheit, die Unvorsichtigkeit, die Ausgelassenheit, das Lachen und das Weinen gemeinsam!
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blueberry
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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Beitrag von blueberry »

Ich denke, hier werden grad zwei völlig unterschiedliche Problemfelder parallel und aneinander vorbei beackert. Das eine: wirkliche Stillprobleme, die es selbstverständlich gibt aus den verschiedensten Gründen (Hormonprobleme bei der Mutter, Brustdrüsengewebsmangel, SD-Probleme, Stress, Schmerzen, ... ), und bei denen hoffentlich NIEMAND hier der Mutter einen Vorwurf machen würde, weil sie nicht, oder nicht ausschließlich stillen konnte!

Das andere - und das ist m.E. im Ausgangsposting gemeint - sind die wirklich vielen, vielen Fälle, in denen Stillprobleme durch Fehlinformationen, falsche Beratung und vor allem: völlig falsche Erwartungen an das normale Verhalten eines Säuglings erst konstruiert werden! Und daran hat eben vor allem das in der Gesellschaft immernoch mehrheitlich kursierende Halb- und Falschwissen einerseits und die oft völlig mangelnde Kompetenz und Ausbildung in Bezug auf Stillen seitens des FAchpersonals (Schwestern auf Wochenbettstationen, viele Hebammen - egal ob Klinik oder ambulant, Kinderärzte (!), und Frauenärzte, ...) Schuld. Und ja, ich finde, darüber lohnt es sich zu jammern, sich zu beschweren und zu klagen - und in vielen kleinen Schritten vorzugehen.

Es gibt da ein schönes Zitat von Kathy Dettwyler (das ich leider grad nicht wiederfinde), in dem sie sinngemäß schreibt, es sei ihr letzlich völlig egal, ob eine Frau nach wenigen Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren abstille - sie solle es nur eben nicht aus Fehlinformationen heraus tun, sondern aufgrund eines umfassenden Wissens zum Stillen und einer darauf basierenden, wohlabgewogenen persönlichen Entscheidung.

Einer jungen Mutter einzureden, das Kolostrum sei einfach zu wenig, davon werde das Kind nicht satt und es brauche jetzt dringend XY (Tee, Glukoselösung, Pulvermilch, ...) bis der Milcheinschuss (und damit angeblich erstmals "Milch") kommt, ist einfach Quatsch. Wird dann auch noch mit Flasche zugefüttert statt stillfreundlich, ist der Weg zum Abstillen in den nächsten Wochen oft schon eingeschlagen.
Oder Bekannte, Hebamme, ... reden der Mutter ein, das Kind müsse mit einer Stillmahlzeit aber mindestens X Stunden (drei, vier, ...) satt sein, sonst habe sie nicht genug Milch/die Milch sei nicht sättigend genug ... .
Oder es wird unter stressigen Bedingungen eine Stillprobe gemacht (z.B. in der KiA-Praxis, ungewohnter Stuhl, ungewohnte Umgebung, vielleicht noch Beobachtung, ... allein zu sagen, es müsse mal geschaut werden "was da überhaupt im Kind landet" kann Stress genug machen, dass es eben eine kleine Mahlzeit wird - auch zuhause), die Menge dann als "soviel trinkt das Kind also bei jeder Mahlzeit" gesetzt, mit unrealistischer Mahlzeitenhäufigkeit multipliziert (z.B. eben "nur aller 4 Stunden") - und schon ist das Kind angeblich mangelernährt :? .
Oder einer Mutter wird gleich zu Anfang gesagt, das Kind müsse nachts aber X Stunden durchschlafen (4, 6, 8, ...), um sich ausreichend zu erholen - und für die Mutter und deren Erholung sei das auch ganz wichtig! (Noch besser: "wenn die Mutter nicth genug SChlaf nachts bekommt, hat sie auch nicht genug Milch!" - dazu vielleicht ein Familienbettverbot und schon hab ich ein ernsthaftes Milchmengenproblem.
Oder die Zeit, die das Kind an der Brust trinken darf, wird nach der Uhr bestimmt (soundsoviele Minuten pro Seite, dann wechseln, ...). Beliebter Tipp, um angeblich wunde BW zu vermeiden. Kombiniert mit Tipps wie "nur aller vier Stunden" und "nachts 6 Stunden Nachtpause" "zwischendurch lieber nen Schnuller/Teefläschchen" etc, bin ich da schnell bei ner Gedeihstörung mit Zufütterindikation. Dann wieder mit Flasche und... (s.o.).
Oder ich lasse eine Mutter (z.B. auf der Wochenbettstation oder beim KiA) "mal abpumpen um zu sehen, wieviel Milch da ist". Dann wird kein MSR ausgelöst, es kommen nur die wässrigen paar Milliliter, die sich seit der letzten Mahlzeit angesammelt haben - und schon heißt es, dass "von diesem Wasser ja auch kein Kind satt werden könnte" und es mal "was ordentliches" bekommen sollte.

Das ließe sich endlos fortsetzen (inkl. des auf Wochenbettstationen oft immernoch üblichen Schnuller-Standard-Gebrauchs, der vielen vielen Stillhütchen, die als "Problemlöser" für alles verteilt werden, ...)

Ich denke, es sind DIESE Dinge, die wirklich traurig sind, und die tatsächlich in ihrer Summe ja dazu geführt haben, dass noch vor wenigen Jahrzehnten weit über die Hälfte (!) aller Frauen schon nach wenigen Tagen bis Wochen (spätestens im zweiten Schub) nicht genug Milch haben KONNTEN, wenn sie sich an alle Fachtipps gehalten haben! :( (Schon allein, was da z.T. an Wiegestress gemacht wurde, ml-weise nachgefüttert, wenn nicht genau die geforderte Zahl ml im Kind gelandet war vormittags Punkt 11. Davor das Kind aber bitte nicht aus dem Bettchen nehmen, auch wenn es schreit. Und allein schon das mangelnde Bonding im Frühwochenbett, wo Mama und Kind sich oft nur bekleidet für festgesetze Zeitintervalle am Tag sahen, ... :cry: )

Da Stillen zwar seitens des BAbys angeborenes Verhalten ist, seitens der Mutter aber zur durch Vorbild erlernten Brutpflege gehört (auch schon bei anderen Primaten - die wissen ohne Vorbild auch nicht, wie das geht!), tja, da ist es nicht so leicht als heutige Mutter, hinter all den Fehlinformationen seitens Fachpersonal und vor allem auch Umfeld (die vorige Generation ist ja gespickt mit "Anti-Stillwissen" und "Bei mir hat das auch nicht geklappt"-Erfahrungen) die richtigen Infos herauszugraben und die richtigen Ansprechpartner zu finden - zumal gerade letztere rar gesät sind und in Krisensituationen (problematische, zu frühe, ... Geburt; Kind in der Kinderklinik, ...) oft schlecht spontan zu noch aufzutreiben sind.

Es ist noch ein langer Weg. Was uns nicht hindern sollte, beharrlich einen Schritt nach dem nächsten zu gehen 8)
blueberry mit großem und kleinem Frühlingskind (2010 und 2013)
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