Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
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AnnaKatharina
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Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Hm, zu den 'kriegerischen' Aspekten: Meines Wissens führ(t)en viele der in unseren Augen ursprünglich lebenden Kulturen regelmäßig Krieg/aggressive Angriffe gegen andere Völker/Dörfer/Stämme. Und ducrhaus auch die, deren Umgan mit Kleinkinder ziemlich genau das ist, was hier 'sutig' heißt: Lange gestillt, Windelfrei, ständig am Körper getragen, Co-sleepend, umgeimpft, ...
Wo sind denn hier die Ethnologinnen? Wie war das z.B. mit den Yanomami? (Ich hab das nur mal in Soziologie gestreift und hab gerade keine handfesten Literaturverweise.)
Wo sind denn hier die Ethnologinnen? Wie war das z.B. mit den Yanomami? (Ich hab das nur mal in Soziologie gestreift und hab gerade keine handfesten Literaturverweise.)
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mirabelle
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Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Hallo AnnaKatharina!AnnaKatharina hat geschrieben:Hm, zu den 'kriegerischen' Aspekten: Meines Wissens führ(t)en viele der in unseren Augen ursprünglich lebenden Kulturen regelmäßig Krieg/aggressive Angriffe gegen andere Völker/Dörfer/Stämme. Und ducrhaus auch die, deren Umgan mit Kleinkinder ziemlich genau das ist, was hier 'sutig' heißt: Lange gestillt, Windelfrei, ständig am Körper getragen, Co-sleepend, umgeimpft, ...
Wo sind denn hier die Ethnologinnen? Wie war das z.B. mit den Yanomami? (Ich hab das nur mal in Soziologie gestreift und hab gerade keine handfesten Literaturverweise.)
Du hast Recht. Ich hab noch mal nachgelesen. M.Odent behauptet nicht, dass Langzeitstillen die Menschen friedlich macht. Er behauptet, dass das Eingreifen ins Bonding nach der Geburt ( was anscheinend in irgendeiner Form die meisten Kulturen machen) die Menschen kriegerisch macht, da es die Ausschüttung von Oxytocin beim Kind blockiert. Das ist natürlich ein anderer Aspekt für eine andere Diskusssion.
Lg
kleines Koalabärchen 07/12
"Ehe man eigene Kinder hat, hat man nicht die leiseste Vorstellung davon, welches Ausmaß die eigene Stärke, Liebe oder Erschöpfung annehmen kann."
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Sternenfaengerin
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Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Sibi hat geschrieben:Ich finde die These bisher auch nicht schlüssig, aber ich dachte mir, jemand kann mir erklären, wie manche darauf kommen.jusl hat geschrieben:Ich kenne keine einzige Studie, laut derer sich mehrjährig gestillte Kinder irgendwie entwicklungspsychologisch schlechter entwickeln würden als kurz oder gar nicht gestillte Kinder.
Die These "langes Stillen fixiert Kinder zu sehr auf die Mutter und Mütter können nicht loslassen" ist auch überhaupt nicht schlüssig, finde ich.![]()
Ich habe bisher auch keine Studien gefunden, kenne mich aber auch nicht wirklich aus in dem Bereich.
Hinsichtlich der vielfältigen positiven Effekte des Stillens musst Du mich nicht überzeugen. Mein Kind wird wohl tatsächlich (was ich vor zwei Jahren im Traum nicht gedacht hätte) - sollte nicht irgendetwas dramatisches passieren - ein ü2-Stillkind werden, zumindest des Nachts.
huhu, ich hab nicht alles durchgelesen, aber das sind freud´sche überreste, heisst, das kommt evtl. aus der richtung psychoanalyse.
freud hat viel behauptet (udn sicherlich auch gut angestoßen), aber nachweise über solche dinge gibt es kaum. ich glaube die aussage steht in zusammenhang mit seiner aussage der überkompensation, also von wegen "eine mutter die ihr kind hasst, kümmert sich übertüchtig darum und liebt es extra sehr, um das zu kompensieren...." bin mir aber nicht 100% sicher. bisher habe ich bis dato keine anderen sachen dazu gelesen, hast du evtl links für mich? ich kann gerne mal schauen, ob es da irgendwelche studien zu gibt, wobei das ethisch wohl schwer machbar wäre... (wie will man das auswerten?)
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Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Ich hab gerade den Rest noch gar nicht gelesen, aber Jusl, du hast mir gerade so sehr aus der Seele gesprochen! Ich danke dir! Das finde ich so traurig in unserer Welt!jusl hat geschrieben:Naja, also "wie man drauf kommt" finde ich persönlich eigentlich relativ naheliegend: In unserer Gesellschaft bestimmen momentan rein individualistische Werte wie Selbstverwirklichung, Durchsetzungsvermögen, Eigenständigkeit, Selbstbestimmung usw. das Wertebild. Die Freiheit, tun und lassen zu können was man will ist das höchste Gut eines Jeden, Flexibilität und Spontanität sind höchst positiv besetzt.Ich finde die These bisher auch nicht schlüssig, aber ich dachte mir, jemand kann mir erklären, wie manche darauf kommen.![]()
Langes Stillen hingegen hat (zumindest in der Wahrnehmung vieler Leute) zu tun mit dem Gegenteil von alldem: Orientierung an den Bedürfnissen Anderer, das sich Binden an andere Menschen, anderen (auch körperlich) zur Verfügung stehen, weniger flexibel sein zu können... solche Dinge lösen heute Stirnrunzeln aus ("Was stimmt nicht bei denen, dass die Mutter das freiwillig auf sich nimmt?")
Daran muss doch also irgendwas faul sein...
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Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Sibi, die These kommt wahrscheinlich weniger von den Entwicklugnspsychologen als von den Behavioristen. Sommerbaby weiß dazu sicher was, sie ist Psychologin. Leicht verständlich erklären sowohl Renz-Polster als auch Gonzalez die Sichtweise der Behavioristen.
Abgesehen davon halte ich dieses Argument der Entwicklugnspsychologen - vor allem wenn es ohne Quellenangabe daher kommt! - für eine reine Behauptung. Vieles ist in der Psychologie gut erforscht, vieles aber auch noch nicht. Und oft wird dann einfach die Psycho-Keule rausgeholt, ohne dass es dafür belastbare wissenschaftliche Argumente gäbe.
Wobei ich dieses Argument gefährlich finde, denn es kann leicht gekontert werden mit: die Hutu und Tutsi tragen alle und stillen jahrelang....
Abgesehen davon halte ich dieses Argument der Entwicklugnspsychologen - vor allem wenn es ohne Quellenangabe daher kommt! - für eine reine Behauptung. Vieles ist in der Psychologie gut erforscht, vieles aber auch noch nicht. Und oft wird dann einfach die Psycho-Keule rausgeholt, ohne dass es dafür belastbare wissenschaftliche Argumente gäbe.
Ich habe kürzlich sowas gelesen, müsste also Michel Odent "Geburt und Stillen" gewesen sein.jusl hat geschrieben:Irgendwo hab ich mal gelesen (vielleicht weiß jemand, wo?..), dass kriegerische Völker mit einer ausgeprägten Aggressions- und Eroberungskultur durchschnittlich nur wenige Monate stillen, also viel kürzer als andere Gesellschaften. Und dass sogar bei einem Volk bekannt ist, dass dies innerhalb der Gesellschaft der Fall so praktiziert wird/wurde: Die späteren Krieger wurden früh von ihren Müttern getrennt.
Wobei ich dieses Argument gefährlich finde, denn es kann leicht gekontert werden mit: die Hutu und Tutsi tragen alle und stillen jahrelang....
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Ich werde sie lehren, den eigenen Weg zu gehen,
vor keinem Popanz, keinem Weltgericht,
vor keinem als sich selber gerade zu stehen. (Reinhard Mey)
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- Mirimama
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Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
OT: Welches Odent-Buch findet ihr am Besten?
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jusl
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Re: Entwicklungspsychologische Kritik am Stillen ü1
Nee. Niemand hat behauptet, dass in die Aggressionskultur EINZIG die Stilldauer als bestimmender Faktor einfließt. Es liegt auf der Hand, dass andere Faktoren einen ERHEBLICH größeren Einfluss darauf haben, wie friedliebend eine Gesellschaft ist (bzw. sein kann), etwa die Ressourcen- und Vermögensverteilung, Mitbestimmungsmöglichkeiten, Rechtssicherheit, dazu tonnenweise historisch-politisch bedingtes Selbstverständnis...Wobei ich dieses Argument gefährlich finde, denn es kann leicht gekontert werden mit: die Hutu und Tutsi tragen alle und stillen jahrelang....