Dialekt oder hochdeutsch?

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Whity

Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Whity »

Ich wusste nicht, welche Überschrift ich wählen soll ... :roll:

Ich brauche eure Hilfe. Wir kommen aus der Pfalz, ich bin mit Dialekt großgeworden. Zuhause wurde pfälzisch gesprochen, in der Grundschule auch, die anderen auch. Später in der Schule mussten wir mal mehr oder weniger hochdeutsch sprechen. Bin ich mit Pfälzern unterwegs rede ich natürlich Dialekt. Spricht mit mir jemand hochdeutsch, kann ich das eigentlich auch :wink: :D

Nun frage ich mich aber, wie das Zuhause ist. Mit meinen Kindern rede ich pfälzisch, wenn auch in eienr etwas "milderen" Variante. Aber würde es den Kindern nicht helfen, wenn wir Zuhause hochdeutsch sprechen würden? Ja bestimmt ... Aber würde das wirklich einen großen Unterschied machen? Ich müsste mich natürlich anstrengen, es ist nun mal nicht meine "Muttersprache" :mrgreen: Aber kommt das auch authentisch genüg rüber? Wisst ihr was ich meine?

Dann stelle ich mir vor, wir gehen spazieren. Ich rede schön hochdeutsch, dann gehen wir in die Bäckerei, und wuuuuuuuusch, da kommt das breite pfälzisch.

Wie seht ihr das? Gerne auch jemand, der sich damit auskennt. Auch wenn ich mich jetzt ein bißchen vielleicht blamiere, ich schick mal ab ...
Angora

Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Angora »

Ja Hallo Frau Nachbarin, wir haben ja hier im Land dasselbe Problem, den meisten Pfälzern u saarländern hört man es halt immer an wenn sie versuchen hochdeutsch zu reden....
Ich bin hochdeutsch aufgewachsen u stand plotz in der Schule vor dem Problem, dass ich meine Klassenkameraden nicht verstand. Grumbeere essen die??? Waaaas? Ich rede mit meinem kleinen immer hochdeutsch, aber sobald mich jemand im Dialekt anquatscht, mach ich natürlich mit (mein Mann verfällt super oft ins Saarländische) und das führte auch schon zu Irritationen beim Kind. Aber ich denke, schulisch ists auf jeden Fall besser, wenn er perfekt hochdeutsch kann.(ich konnt zum Glück sogar unauffällig in Thüringen studieren) er selbst sagt ja mittlerweile, dass er dreisprachig aufwächst, deutsch, französisch und saarländisch.
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Seerose
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Seerose »

Darf ich trotzdem? Auch ohne Fachfrau zu sein? :lol:
Whity hat geschrieben: Nun frage ich mich aber, wie das Zuhause ist. Mit meinen Kindern rede ich pfälzisch, wenn auch in eienr etwas "milderen" Variante. Aber würde es den Kindern nicht helfen, wenn wir Zuhause hochdeutsch sprechen würden?
Helfen in welcher Richtung? Daß sie schneller Hochdeutsch "lernen"? Ja. Aber warum die Eile?

Wenn es um Vor- und Nachteile geht, dann würde ich sagen, es hat nur Vorteile. Ein Dialekt ist jetzt nicht einen andere Sprache, aber so ein bißchen eben schon, man könnte (obwohl es nicht ganz stimmt) auch sagen, Deine Kinder wachsen quasi zweisprachig auf. Die Vorteile davon kannst Du leicht ergooglen und da halte ich mich lieber zurück, denn es ist ja keine "richtige" zweite Sprache.
Ich müsste mich natürlich anstrengen, es ist nun mal nicht meine "Muttersprache" :mrgreen: Aber kommt das auch authentisch genüg rüber?
Nee, ganz gewiss nicht. Ich stell mir gerade vor ein Deutschschweizer spricht mit seinem Kind Hochdeutsch. :lol:
Wie seht ihr das?
Ich liebe Sprachen und ich liebe Dialekte. Und Authentizität ist eh wichtig. :wink:

Hochdeutsch lernen sie eh von alleine.
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Liebe Grüße,
Seerose
Angora

Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Angora »

Nee seerose, ich kenne leider einige gegenbeispiele zu deinem letzten Satz, die hochdeutsch nie gelernt haben bzw wenn sie versuchen statt saarländisch hochdeutsch zu reden ganz wirres unverständliches Zeugs brabbel....
aber ja, idR sollte ja in der Schule (sofern man nicht so nen Lehrer erwischt wie ich im Gymnasium, der nur im Dialekt sprach!) mit hochdeutsch konfrontiert werden u es dann auch adaptieren können.
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**Stefanie**
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von **Stefanie** »

Na ja, wir reden gemäßigten Dialekt (ja, auch pfälzisch - ist das ein Pfälzer-Saarländer-Thread, nein, oder? *g*). Die Kinder sprechen aber doch fast reines Hochdeutsch. Ich bin aber auch selbst nicht so wirklich mit Dialekt aufgewachsen (meine Mutter ist Saarländerin sprach aber auch noch nie Dialekt, ihre Schwester, die noch dort lebt, total). Ich persönlich finde es auch immer grausam, wenn Pfälzer oder Saarländer, die wirklich breiten Dialekt sprechen, auf einmal versuchen, hochdeutsch zu sprechen *grusel*
Ansonsten: ich kannte schon Schüler, denen es extrem schwer fiel, korrekt zu schreiben, die wirklich auch in der 3. und 4. Klasse sehr viel Dialekt schrieben (die aber auch wirklich ganz, ganz breiten Dialekt gesprochen haben).
LG Stefanie mit * und

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Seerose
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Seerose »

Angora hat geschrieben:Nee seerose, ich kenne leider einige gegenbeispiele zu deinem letzten Satz, die hochdeutsch nie gelernt haben bzw wenn sie versuchen statt saarländisch hochdeutsch zu reden ganz wirres unverständliches Zeugs brabbel....
Ja, ich lese das immer wieder hier im Forum, widerspreche da auch gar nicht.

Nur, egal wo ich in Deutschland bin, sehe ich mit Bedauern, daß die Dialekte aussterben. Hin einem echt bayrischen Ort müssen sie schon Leute suchen, wenn sie an der Grundschule zum Sommerfest (oder wann auch immer) so einen Quatschtest, einen "Bayerntest" machen. :lol: Und wir sind nicht in München wo eh kaum mehr jemand Bayrisch spricht.

In der Mu-Ki-Kur war eine Mutter, die nur Platt mit ihren Kindern gesprochen hat, fand ich toll! Die hat erzählt, daß sie ne richtige Exotin zu Hause sei und daß dort eh nur noch die alten Leute, wenn überhaupt, Platt sprechen.

Davon abgesehen rate ich auch nichtdeutschen Müttern hier mit ihren Kindern die Muttersprache zu sprechen, eben da sie Deutsch von alleine im KiGa, auf der Straße und im Hort lernen. Leider machen es viele nicht und bevorzugen ein gruseliges Deutsch mit ihren Kindern zu sprechen, was noch lange Auswirkungen hat (konnte ich lange beobachten bei der Freundin meiner Tochter).

Vielleicht wohnst Du in einer Gegend, wo noch sehr viel Dialekt gesprochen wird?

Ich find das toll, vielleicht liegt's daran daß ich keinen eigenen Dialekt habe. :lol: (So den Berliner Slang rechne ich jetzt mal nicht dazu:)))
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Liebe Grüße,
Seerose
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von manie »

hallo!
Ich finde man sollte seinen herkunft nicht verstecken. Und es wäre doch schade, wenn die dialekte immer mehr verschwinden, oder?
Für die kinder hat es in der grundschule keinen nachteil, wenn sie dialekt sprechen. Eher im gegenteil: sie wachsen fast zweisprachig auf. Und das fördert das gehirn. Diese meinung wird mittlerweile auch in grundschulen vertreten.
Und du bist ja auch das beste beispiel, dass man am ende beides kann, oder?
Grüße
manie mit großer Maus 8/12 und kleiner Maus 4/14
Ich bin fast immer einhändig mit dem Handy hier, darum bitte nicht böse sein, wenn alles klein geschrieben ist.
Angora

Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Angora »

Mmmh, stimmt, die Orthographie leidet auch öfter drunter :-( das habe ich bei meinen Nachhilfeschülern früher sehr stark festgestellt. Und ich habe eine Freundin, deren sms ich nie verstehe, weil sie breitestes Saarländisch schreibt und ich die Worte regelrecht puzzele.... Wäääschde, isch menn, faschdehschde?! ;-) *augenaua*
Ginevere
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Ginevere »

Wie wärs denn mit einer konsequent zweisprachigen Erziehung?

Dort wird es ja auch in den meisten Fällen so gemacht dass ein Elternteil nur in der einen und der andere in der anderen Sprache mit den Kindern spricht. Vielleicht wäre ja sowas denkbar für euch?

Wir haben hier im Dorf eine Familie, da spricht die Mutter mit den Kindern konsequent platt, auch unterwegs; der Vater hochdeutsch. Und die Kinder können beides. :wink:
LG Gini
… mit A🩰 3/09 und E 🏐 3/12
asujakin
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von asujakin »

Mhhh ich bin die Einzige der Familie die nie wirklich tiefschwäbisch gesprochen hat. Ich KANN es und je älter ich werde, desto mehr kommt es raus. Vor allem wenn ich mit älteren Menschen spreche usw. Es hilft durchaus (fühlt sich dann einfach "verbundener" an für Kunden usw) und gerade mit meiner Oma spreche ich mittlerweile ausschließlich tiefstes Schwäbisch.

Wenn ich hochdeutsch spreche, dann konnte man bis vor ein paar Jahren dennoch immer raushören, wo ich herkomme. Statt "das ist so" oder "das is so" kommt eben "das isch so" :mrgreen: Find' ich jetzt auch nicht schlimm.

Nunja...seit ich aber alleinerziehend bin hat sich das aber TOTAL geändert. Das ist mir neulich auch selbst aufgefallen, deshalb finde ich diesen Thread interessant. Ich spreche mit meinem Sohn total hochdeutsch, hab sogar fast das schwäbeln abgeschafft. Anstatt "Kannsch du mal schnell..." kommt nun auch im Alltag "Kannst du mal schnell..." :shock: Ich find's dennoch ok und es fühlt sich nicht "falsch" an, es hat sich einfach so ergeben irgendwie.

Dennoch finde ich Dialekt sehr wichtig! Mein Sohn bekommt breites Schwäbisch bei allen Großeltern mit und auch der Papa spricht im Familienkreis sehr breites schwäbisch.

Mein Sohn spricht sehr gewählt und hochdeutsch. Ab und an rutscht ihm doch ein schwäbisches Wort raus aber das ist echt selten. Und selbst wenn...fänd ich jetzt nicht schlimm.

Mir ist nur sehr wichtig, dass die Kinder beides verstehen und können. Wir hatten Mitschüler, die konnten kein Hochdeutsch. Selbst beim Vorlesen hörte man das Schwäbisch so stark raus, das finde ich irgendwie.... mhhh nee doof. :oops:

Aber absichtlich irgendwas "abstellen" würde ich jetzt nicht.
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