Familienstellen vs. Familienbett - Ein Widerspruch?
Moderator: Giraeffchen
-
Aschenputtel
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1069
- Registriert: 29.02.2008, 13:18
Familienstellen vs. Familienbett - Ein Widerspruch?
Wollt ich schon längst mal fragen!!! Vielleicht gibts Familienstell-Expertinnen hier???
Folgender Hintergrund: Die Dame, bei der ich schon einige Aufstellungen gemacht habe und die ich sehr schätze, behauptet immer, mein MAnn würde mit zwei Frauen im Bett liegen, weil unsere Tochter (5) im Familienbett schläft, inzwischen auch meist mit Papa ins Bett geht und am liebsten zwischen uns liegt. Und sie ist bestimmt nicht vollkommen gegen stillen, tragen usw.
Wie ist das aus dieser Sicht zu sehen???
Folgender Hintergrund: Die Dame, bei der ich schon einige Aufstellungen gemacht habe und die ich sehr schätze, behauptet immer, mein MAnn würde mit zwei Frauen im Bett liegen, weil unsere Tochter (5) im Familienbett schläft, inzwischen auch meist mit Papa ins Bett geht und am liebsten zwischen uns liegt. Und sie ist bestimmt nicht vollkommen gegen stillen, tragen usw.
Wie ist das aus dieser Sicht zu sehen???
Liebe Grüße, Aschenputtel, Schnupse (08/07) kleine Schnucke (06/13), zwei Sternchen (08/14 und 01/15) und Strahlemann (05/16)
Meine Babys sind ohne Hilfsmittel geboren, (langzeit)gestillt, (langzeit)familiengebettet, (langzeit)getragen, nicht geimpft, nicht bebreit, unbeschnullert und teilzeitwindelfrei bzw. stoffgewickelt.
Meine Babys sind ohne Hilfsmittel geboren, (langzeit)gestillt, (langzeit)familiengebettet, (langzeit)getragen, nicht geimpft, nicht bebreit, unbeschnullert und teilzeitwindelfrei bzw. stoffgewickelt.
-
Maja
- SuT-Legende
- Beiträge: 8590
- Registriert: 18.10.2004, 22:40
- Wohnort: NRW
Re: Familienstellen vs. Familienbett - Ein Widerspruch?
Oh, da trägt wohl jemand unreflektierte eigene Baustellen mit sich rum und überträgt sie auf andere...
Ich würde mal eher sagen, Dein Mann ist die ganze Nacht umgeben von den Menschen, die ihn am meisten lieben, und die er am meisten liebt, und hat daher beste Voraussetzungen seinen emotionalen Akku immer wieder voll aufzuladen. Aber natürlich könnt ihr trotzdem testen, ob es sich für euch alle besser anfühlt, wenn das (tief schlafende) Kind vorsichtig an eine Bettseite gelegt wird und ein Erwachsener in der Mitte des Bettes liegt. Das ist ja eigentlich der Platz für das Familienmitglied, was grad am meisten Geborgenheit braucht, und da aufmerksam für die Bedürfnisse des einzelnen zu bleiben schadet nie. Unabhängig vom Familienstellen.
Ich würde mal eher sagen, Dein Mann ist die ganze Nacht umgeben von den Menschen, die ihn am meisten lieben, und die er am meisten liebt, und hat daher beste Voraussetzungen seinen emotionalen Akku immer wieder voll aufzuladen. Aber natürlich könnt ihr trotzdem testen, ob es sich für euch alle besser anfühlt, wenn das (tief schlafende) Kind vorsichtig an eine Bettseite gelegt wird und ein Erwachsener in der Mitte des Bettes liegt. Das ist ja eigentlich der Platz für das Familienmitglied, was grad am meisten Geborgenheit braucht, und da aufmerksam für die Bedürfnisse des einzelnen zu bleiben schadet nie. Unabhängig vom Familienstellen.
2004/2006/2014
-
Aschenputtel
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1069
- Registriert: 29.02.2008, 13:18
Re: Familienstellen vs. Familienbett - Ein Widerspruch?
Glaub ich nicht, da sie sehr lange in der Betreuung von Familien gearbeitet hat und alles andere als unreflektiert ist. Aber vielleicht hast Du recht, man müsste zunächst mal das Kind an die Seite legen. Ich geb zu, dass ich das manchmal ganz angenehm find, wenn er mit ihr das Schlafengehen erledigt und sie sich dann auch während der Nacht eher an ih rankuschelt, boxt, mit ihm biseln geht usw.Maja hat geschrieben:Oh, da trägt wohl jemand unreflektierte eigene Baustellen mit sich rum und überträgt sie auf andere...
Ich überlege nur, inwiefern das Einfluss auf unsere Paarbeziehung haaben könnte... deshalb meine Frage.
- kaehde
- Prof. Dr. SuT
- Beiträge: 7961
- Registriert: 21.07.2005, 16:14
- Wohnort: nahe München
Re: Familienstellen vs. Familienbett - Ein Widerspruch?
Na ja, die Frage, ob das Familienbett Auswirkungen auf eure Paarbeziehung hat, kannst am besten Du (und Dein Mann) beantworten
.
Gerade Paartherapeuten und Familientherapeuten lernen in ihrer Ausbildung eher, dass das FB negative Auswirkungen hat. Deshalb sagt sie das vermutlich auch so (hat sie eine analytische Ausbildung?) .
Aber das heißt in Einzelfall nicht, dass es so ist. Aber wenn das FB Sinne Einfluss auf die Fragestellung haben koennte, wegen der Du zum Familienstellen gegangen bist, dann hat sie erstmal recht damit, es zu thematisieren.
Viele Gruesse,
Katja
Kurz und knapp vom Handy aus
Gerade Paartherapeuten und Familientherapeuten lernen in ihrer Ausbildung eher, dass das FB negative Auswirkungen hat. Deshalb sagt sie das vermutlich auch so (hat sie eine analytische Ausbildung?) .
Aber das heißt in Einzelfall nicht, dass es so ist. Aber wenn das FB Sinne Einfluss auf die Fragestellung haben koennte, wegen der Du zum Familienstellen gegangen bist, dann hat sie erstmal recht damit, es zu thematisieren.
Viele Gruesse,
Katja
Kurz und knapp vom Handy aus
Katja mit Benjamin (32.0 SSW, 02/05)
und Rebecca (02/08 )
Das Wichtigste im Leben sind ja sowieso die gelebten Beziehungen und die Liebe, die man schenkt und bekommt. (duduja)
und Rebecca (02/08 )
Das Wichtigste im Leben sind ja sowieso die gelebten Beziehungen und die Liebe, die man schenkt und bekommt. (duduja)
-
Aschenputtel
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1069
- Registriert: 29.02.2008, 13:18
Re: Familienstellen vs. Familienbett - Ein Widerspruch?
Ich glaube schon.kaehde hat geschrieben: Gerade Paartherapeuten und Familientherapeuten lernen in ihrer Ausbildung eher, dass das FB negative Auswirkungen hat. Deshalb sagt sie das vermutlich auch so (hat sie eine analytische Ausbildung?)
Aber das heißt in Einzelfall nicht, dass es so ist. Aber wenn das FB Sinne Einfluss auf die Fragestellung haben koennte, wegen der Du zum Familienstellen gegangen bist, dann hat sie erstmal recht damit, es zu thematisieren.
Hm. Ich habe deshalb keine Aufstellung gemacht, das war bei einem Gespräch.
Ich frag mich nur, ob man damit die natürliche Ordnung innerhalb der Familie durcheinander bringen kann. (Obwohl ich mir immer noch nicht vorstellen kann, mein Töchterlein in ihr Zimmer zu schicken!!!! Ich liiiiebe es, wenn alle da sind, am besten mit der Katze noch dazu!)
Hab ja neulich bei der Edition Riedenburger ein Buch gesehen, dass den Papas die Vorzüge des Auszugs aus dem Familienbett schmackhaft machen soll. Ich hab es nie gelesen, aber spätestens dann kommt für mich etwas durcheinander bei der ganzen Sache... Ich denke, Dreh und Angelpunkt des Systems sind die Eltern, so weit ich das verstanden habe.
-
Maja
- SuT-Legende
- Beiträge: 8590
- Registriert: 18.10.2004, 22:40
- Wohnort: NRW
Re: Familienstellen vs. Familienbett - Ein Widerspruch?
Was ist denn die "natürliche Ordnung"? Gibt es sowas wirklich, oder ist das einfach das, was die Gesellschaft definiert? Biologisch gesehen im Vergleich mit anderen Säugetieren ist es total normal, dass "Jungtiere" die noch ihr "Milchgebiss" tragen noch unselbstständig in Gesellschaft des Muttertiers/der Herde/o.ä. leben und schlafen, wenn auch in diesem Reifealter der Ablöseprozess langsam einsetzt. In vielen menschlichen Gesellschaften ist das in dem Alter auch der Normalzustand, so zu leben und zu schlafen, aber eben auch die Ablösung langsam zu beginnen.
Und es tut der Vater-Tochter-Beziehung mit Sicherheit gut, dass er auf diese Weise stark in den echten gelebten Alltag des Kindes eingebunden ist, weil er für soviele Stunden wirklich verantwortlich im Sinne von zuständig ist - mag sein, dass dieser "Gewinn" individuell schon deutlich höher zu bewerten ist als die dadurch zeitweise etwas geringere nächtliche körperliche Nähe zwischen den Eltern.
Ich würds einfach mal testen, mit Mann und Tochter ganz offen besprechen, wenn alle mögen ein paar neue Schlafkonstellationen ausprobieren immer ein paar Nächte lang - insofern war's doch eine gute Anregung aus der Therapie, das zu überdenken. Und wenn dann alles so bleibt wie es vorher war, dann ist es auch gut. Man sollte jedes Ritual von Zeit zu Zeit mal überprüfen, ob es noch zu allen passt.
Trotzdem bleibe ich dabei: Therapeuten sollten wirklich aufpassen, nicht in Rat"schläge" zu verfallen und keine Überinterpretationen vorzunehmen.
Und es tut der Vater-Tochter-Beziehung mit Sicherheit gut, dass er auf diese Weise stark in den echten gelebten Alltag des Kindes eingebunden ist, weil er für soviele Stunden wirklich verantwortlich im Sinne von zuständig ist - mag sein, dass dieser "Gewinn" individuell schon deutlich höher zu bewerten ist als die dadurch zeitweise etwas geringere nächtliche körperliche Nähe zwischen den Eltern.
Ich würds einfach mal testen, mit Mann und Tochter ganz offen besprechen, wenn alle mögen ein paar neue Schlafkonstellationen ausprobieren immer ein paar Nächte lang - insofern war's doch eine gute Anregung aus der Therapie, das zu überdenken. Und wenn dann alles so bleibt wie es vorher war, dann ist es auch gut. Man sollte jedes Ritual von Zeit zu Zeit mal überprüfen, ob es noch zu allen passt.
Trotzdem bleibe ich dabei: Therapeuten sollten wirklich aufpassen, nicht in Rat"schläge" zu verfallen und keine Überinterpretationen vorzunehmen.
2004/2006/2014
-
Aschenputtel
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1069
- Registriert: 29.02.2008, 13:18
Re: Familienstellen vs. Familienbett - Ein Widerspruch?
Stimmt!Maja hat geschrieben:Trotzdem bleibe ich dabei: Therapeuten sollten wirklich aufpassen, nicht in Rat"schläge" zu verfallen und keine Überinterpretationen vorzunehmen.
- Cocorella
- ist mit Leidenschaft dabei
- Beiträge: 802
- Registriert: 03.01.2012, 17:29
- Wohnort: Aachen
Re: Familienstellen vs. Familienbett - Ein Widerspruch?
Ich habe das mit der Ordnung innerhalb der Familie immer so verstanden, dass jeder seinen Platz hat und den auch beibehalten sollte, damit es nicht zu Konflikten kommt.
So z.B. dass die Eltern diejenigen sind, die die Verantwortung tragen. Wenn ein Elternteil wegen Tod oder Krankheit wegfällt, kann es passieren, dass das Kind in diese Lücke gedrängt wird und mehr zu einer Art Partnerersatz mutiert.Oder wenn beide Eltern psychisch krank sind und sich nicht ausreichend kümmern können, schlüpft das Kind oft in die Rolle des Verantwortlichen, desjenigen, der sich kümmert.
Das sollte nicht passieren, damit die ''Ordnung'' innerhalb der Familie nicht zerstört wird, um nur mal zwei Beispiele zu zeigen.
Was das mit dem FB zu tun haben soll, verstehe ich aber ehrlich gesagt nicht.
Die Ordnung innerhalb einer Familie und der eigene Platz darin, ist doch mehr ein Gefühl. Nur weil die Eltern ihr Kind zwischen sich schlafen lassen, heißt das doch nicht, dass das Kind sich in die Beziehung drängt. Ich finde, das ist zu einfach gedacht. Vor allem, da es sich gar nicht dazwischen drängen kann, wenn man das nicht zulässt. Jemand kann nur einen anderen Platz einnehmen, wenn derjenige, dem der Platz ''offiziell'' gehört, das zulässt.
Wenn ich mein Kind als das betrachte was es ist, nämlich ein Kind, dass die Nähe seiner Eltern genießt und nicht jemand, der sich in die Beziehung drängen will, wüsste ich nicht, wo das Problem sein sollte.
Ich finde auch beim Thema Familienstellen und allem was dazugehört, ist es wichtig, auf sein Gefühl zu hören. Das sagt einem nämlich in der Regel, ob alles in Ordnung ist. Probleme machen sich in der Regel bemerkbar und man muss sie ja nicht heraufbeschwören.
Die Erfahrung dass viele Therapeuten das FB für Teufelswerk halten, habe ich übrigens auch schon machen müssen.
So z.B. dass die Eltern diejenigen sind, die die Verantwortung tragen. Wenn ein Elternteil wegen Tod oder Krankheit wegfällt, kann es passieren, dass das Kind in diese Lücke gedrängt wird und mehr zu einer Art Partnerersatz mutiert.Oder wenn beide Eltern psychisch krank sind und sich nicht ausreichend kümmern können, schlüpft das Kind oft in die Rolle des Verantwortlichen, desjenigen, der sich kümmert.
Das sollte nicht passieren, damit die ''Ordnung'' innerhalb der Familie nicht zerstört wird, um nur mal zwei Beispiele zu zeigen.
Was das mit dem FB zu tun haben soll, verstehe ich aber ehrlich gesagt nicht.
Die Ordnung innerhalb einer Familie und der eigene Platz darin, ist doch mehr ein Gefühl. Nur weil die Eltern ihr Kind zwischen sich schlafen lassen, heißt das doch nicht, dass das Kind sich in die Beziehung drängt. Ich finde, das ist zu einfach gedacht. Vor allem, da es sich gar nicht dazwischen drängen kann, wenn man das nicht zulässt. Jemand kann nur einen anderen Platz einnehmen, wenn derjenige, dem der Platz ''offiziell'' gehört, das zulässt.
Wenn ich mein Kind als das betrachte was es ist, nämlich ein Kind, dass die Nähe seiner Eltern genießt und nicht jemand, der sich in die Beziehung drängen will, wüsste ich nicht, wo das Problem sein sollte.
Ich finde auch beim Thema Familienstellen und allem was dazugehört, ist es wichtig, auf sein Gefühl zu hören. Das sagt einem nämlich in der Regel, ob alles in Ordnung ist. Probleme machen sich in der Regel bemerkbar und man muss sie ja nicht heraufbeschwören.
Die Erfahrung dass viele Therapeuten das FB für Teufelswerk halten, habe ich übrigens auch schon machen müssen.
-
Aschenputtel
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1069
- Registriert: 29.02.2008, 13:18
Re: Familienstellen vs. Familienbett - Ein Widerspruch?
Danke, eine sehr hilfreiche Antwort!
- Cocorella
- ist mit Leidenschaft dabei
- Beiträge: 802
- Registriert: 03.01.2012, 17:29
- Wohnort: Aachen
Re: Familienstellen vs. Familienbett - Ein Widerspruch?
Was mir grad noch eingefallen ist...
Man ist mit so einer verschobenen Rolle nicht glücklich. Wenn Kinder oder Eltern einen Platz eingenommen haben, der ihnen nicht gehört, geht es ihnen nicht gut.
Das weiß ich auch aus eigener Erfahrung. Ich bin damals nach dem Tod meines Vaters in diese Partnerersatzrolle gerutscht und es ging mir überhaupt nicht gut damit. Ich hatte einen furchtbaren Groll gegen meine Mutter manchmal und wusste gar nicht warum. Nachdem wir aufgestellt hatten, ging es allen schlagartig wieder besser.
Also solange es euch allen gut geht mit der Situation, gibt es keinen Anlass um irgendwas zu ändern, meiner Meinung nach.
Man ist mit so einer verschobenen Rolle nicht glücklich. Wenn Kinder oder Eltern einen Platz eingenommen haben, der ihnen nicht gehört, geht es ihnen nicht gut.
Das weiß ich auch aus eigener Erfahrung. Ich bin damals nach dem Tod meines Vaters in diese Partnerersatzrolle gerutscht und es ging mir überhaupt nicht gut damit. Ich hatte einen furchtbaren Groll gegen meine Mutter manchmal und wusste gar nicht warum. Nachdem wir aufgestellt hatten, ging es allen schlagartig wieder besser.
Also solange es euch allen gut geht mit der Situation, gibt es keinen Anlass um irgendwas zu ändern, meiner Meinung nach.
