Zu den verschiedenen Aussagen und Fragen, die hier zu Kohlenhydraten bisher aufgetaucht sind:
Was der Koerper EIGENTLICH will und braucht zum Sattwerden ist Eiweiss und nicht Kohlenhydrate.
So eine pauschale Aussage macht nicht besonders viel Sinn. Das Gefühl satt zu sein oder Hunger zu haben wird über viele komplexe Mechanismen im Gehirn geregelt. Dazu werden viele Informationen aus dem Körper verwertet. Unser Organismus ist keine Maschine, die auf die Zufuhr von bestimmten Stoffen immer gleich reagiert.
Zudem sind diese Mechanismen nur teilweise hinlänglich erforscht
Bei Interesse kann ich ein bisschen was zum Thema Sattheit und Hunger schreiben.
Ist es ohne KH eine ausgewogene Ernaehrung?
Ausgewogene Ernährung ist ein schwieriger Begriff. Wir wissen relativ gut, welche Nährstoffe für den Menschen essenziell sind. Was er also essen muss, um nicht am Mangel zu leiden/sterben. Dazu gehören Kohlenhydrate nicht.
Allerdings essen wir ja nicht Nährstoffe, sondern Lebensmittel. In allen Lebensmitteln sind verschiedene Nährstoffe unterschiedlich zusammengestellt. Wenn ich alle Lebensmittel vermeide, in denen Kohlenhydrate enthalten sind (also auch Obst und Gemüse), werden mir andere Nährstoffe (Vitamine, Spurenelemente) fehlen.
Ich muss diese dann also mit anderen Lebensmitteln mir zuführen. (Die Inuit z.B. verzehren traditionell kein Gemüse und nur geringste Mengen an Früchten. Jedoch essen sie alle Teile der erlegten Tiere, in denen viele Nährstoffe sind, die wir eher über Obst und Gemüse abdecken.)
Wie haben sich unsere Vorfahren ernaehrt?
Prinzipiel wissen wir, dass der Mensch die längste Zeit über Jäger und Sammler war. Sesshaffte oder halbsesshafte Lebensweisen gibt es erst seit ca. 10.000 Jahren. Jäger und Sammler ernähren sich von: erlegten Tieren, gesammelten tierischen Produkten (Eier, Honig) und gesammelten Wildpflanzen (Obst, Gemüse, Wurzeln). Welche Lebensmittel dies genau waren, in welchen Anteilen sie gegessen wurden und welche Zusammensetzung diese hatten, ist zum einen sehr unterschiedlich (je nach Klimazone z.B.), zum anderen aber auch unbekannt.
Bestimmte Lebensmittel, die für uns als Basisnahrung dienen, haben unsere Vorfahren nicht gegessen: z.B. Getreide und alles industriell Verarbeitete (Zucker und der Großteil der Sachen, die man in einem Karton kaufen kann

)
Das Problem mit den kohlenhydratreichen Lebensmitteln ist hier, dass wir (im Gegensatz zu unseren Vorfahren) grundlegend sehr viele Lebensmittel essen, die außer Kohlenhydraten so gut wie nichts (oder in nicht wesentlicher Menge) für den menschlichen Organismus Nennenswertes enthalten: Getreide und Zucker. Diese Lebensmittel stellen sehr viel, sehr schnell verfügbare Engergie in Form von Glukose zur Verfügung, sonst aber nichts. Esse ich also z.B. anteilsmäßig viel Getreide und Zucker, so nehmen ich sehr viel Energie zu mir, die mein Körper wahrscheinlich nicht benötigt (und dann als Fett anlagert). Trotzdem habe ich immer noch Hunger oder bin nicht satt, weil mir viele notwendige Nährstoffe fehlen.
Zudem haben diese Lebensmittel eher problematische Auswirkungen auf unseren Stoffwechsel.
So umgeht Zucker die üblichen Sattheitssignale des Gehirns und löst eine direkte Reaktion im "Lustzentrum" aus. Das führt dazu, dass wir Süßes auch dann noch essen können, wenn wir eigentlich pappsatt sind.
Getreide enthält verschiedene Stoffe, die die Aufnahme essentieller Nährstoffe blockieren können oder an Rezeptoren andocken, an denen sie eigentlich nichts zu suchen haben.
Dieses Thema ist sehr komplex und wird aktuell intensiv erforscht.
Nochmal also:
Problematisch sind nicht die Kohlenhydrate selber, sondern Lebensmittel, die fast nur Kohlenhydrate enthalten .