Hilfe! Mein Stillkind soll Zwangsernährt werden

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Sibi
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Re: Hilfe! Mein Stillkind soll Zwangsernährt werden

Beitrag von Sibi »

Heidi,
entschuldige wenn ich jetzt flapsig werde, aber schalte doch bitte wieder Deinen Kopf ein, auch wenn die Angst ihn Dir vernebelt.

Stelle Dir vor, Du hast eine schwere Eisenmangelanämie und dir wird gesagt, Du musst 5 Steaks am Tag essen, sonst könne man für nichts garantieren. Würdest Du es glauben? Würdest Du das als Standard der Medizin im 20. Jahrhundert empfinden? Würdest Du zustimmen, wenn man dir diese Steaks hineinzwängt, wenn Du sie nicht schaffst?

Krankhafter Eisenmangel wird mit Eisensubstitution behandelt, nicht mit Essen. Punkt. Wenn es ganz schlimm wird, muss eine Bluttransfusion den Hb abstützen. Aber in den Hämatologien deutscher Krankenhäuser gibt es keine Steakküchen neben der Chemotherapie, wirklich nicht - weil es schlicht und ergreifend nicht, bzw. nicht genügend bringt im Krankheitsfall.

Du schreibst, Du hättest ihm "viel Zeit gegeben". Wofür? Das hört sich so an, er hatte seine Chance und nun musst du halt entscheiden, was er isst? Meinst du wirklich, Du weißt besser als er, was er braucht? Weder Du noch besserwisserische Familienangehörige wissen das besser als er.

Mein Kind hat im 13. Lebensmonat angefangen, ansatzweise Mahlzeiten zu ersetzen. Und sie hat immer mal wieder Phasen (Krankheit, Zähne, Vollmond, was weiß ich), wo sie kaum isst und viel stillt. Dein Sohn kann nichts dafür, dass viele Mediziner offenbar normales Kleinkind-Essverhalten nicht mehr kennen.

Zierbanane,
was soll der Hinweis? Zwangsernährung beim Kleinkind ist ok? Beim Erwachsenen auch? Und was zum Teufel soll es BRINGEN - außer der Ernährungsstörung?
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greenie bird
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Re: Hilfe! Mein Stillkind soll Zwangsernährt werden

Beitrag von greenie bird »

Ach, die Familie, die meinten ich solle ihm doch mal ordentlich Süßigkeiten geben, damit er überhaupt was ißt...

Im März waren wir im KH also der erste HB 8.-11.3. die Vergleichsabnahme war dann doch länger her als ich dachte- am 24.4. und so lange blieb er auch OHNE Substitution. Er war also 19 Monate alt und eigentlich voll gestillt :/. Dennoch hieß es immer der Wert 'passe nicht zum Kind'. Wir waren auch Kandidaten für die Thalassämie (Gendefekt, der zu besagter Zerstörung der Erythrozyten führt - die im Mittelmeerraum auftritt) die wird aber nun eher ausgeschlossen- in der minder schweren Form kann man damit aber gut leben bei der schweren Form wäre das sicher aufgefallen, wenn die Kinder überhaupt überleben.
Er fing sogar ohne Eisengabe ca. 2-3 Wochen vor dieser zufälligen Entdeckung an zu essen. Es wäre wohl nie jemandem aufgefallen, wenn wir nicht zufällig zur Abklärung eines Infekts diese BE gemacht hätten. Im KH aß er logischerweise gar nichts. Mandeln und Kürbiskerne fand er aber toll, weshalb ich ihm das immer zum Knabbern gab.
Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, wann es denn wirklich nennenswerte Portionen auch beim richtigen Essen wurden- ich meine aber ziemlich schnell. Auf einmal musste ich mich wirklich umstellen- Mahlzeiten einplanen, die vorher sowieso nur zerlegt wurden. Denn er braucht für das Essen schon länger als ich :oops:
Also ich denke, es wird kein Problem geben, dass er das Eisen nicht aufnehmen kann, das war wohl wieder ein Druckmittel um Dir Angst zu machen? Eisen ist ja im Essen noch viel niedriger dosiert an jeder Stelle wurde mir gesagt, dass das mit Essen nicht auszugleichen sei, daher finde ich die ärztlichen Ausführungen so haarsträubend.
Man geht ja auch nicht zum Augenarzt und bekommt Karotteneintopf verschrieben...

Also ALLES GUTE!!
Sprache ist ein mangelhaftes Instrument zum Ausdrücken von Gefühlen bzw. scheine ich schlecht darin zu sein, bitte fragt bei zweifelhaften Äußerungen von mir nach...

Gazelle (08/07)+Katerchen (07/10)
jusl
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Re: Hilfe! Mein Stillkind soll Zwangsernährt werden

Beitrag von jusl »

Liebe Heidi,

im Grunde gibt es doch nur zwei Möglichkeiten:

1. Möglichkeit:
Dein Kind hat seinen Eisenmangel "zufällig" entwickelt. Vielleicht gab es Risikofaktoren (z.B. nicht voll ausgetragen, Kaiserschnitt, kein Auspulsieren der Nabelschnur), vielleicht ist eine Kombi aus ungünstigen Umständen daran schuld. OK, kein Problem, dann wird die Eisensubstitution, die Du in der Tat jetzt beginnen solltest (Tropfen, Tablette, Sirup, was auch immer), ganz sicher bald Wirkung zeigen (dauert evtl. aber etwas länger als nur 2 Wochen...). Mit einem normalisierten Eisenspiegel wird sich sehr wahrscheinlich auch der Appetit Deines Kindes normalisieren (Eisenmangel verursacht Appetitlosigkeit), und dann wird Dein Kind mit Stillen und Beikost nach Belieben bestmöglich versorgt.
Hungernlassen (oder gar vorzeitiges Abstillen :shock: ) hat in diesem Fall keinerlei Sinn; im Gegenteil, davon würde Dein Kind logischerweise ja noch weniger Eisen aufnehmen. Es wäre ethisch höchst fragwürdig, ein gesundes Kind, das zufällig einen (problemlos behandelbaren) Eisenmangel hat, hungern zu lassen; wir sind hier nicht im Mittelalter. Ich habe relativ viel Kontakt mit (Kinder-)Ärzten, im Stillberatungskontext und privat, und da kann ich nur berichten: noch nie habe ich gehört, dass eine(r) von denen einen derart übergriffigen, gestrigen und sinnfreien Vorschlag gemacht hätte.

2. Möglichkeit:
Dein Kind hat seinen Eisenmangel wegen eines grundlegenden medizinischen Problems (das auch nicht unbedingt was mit Essen zu tun hat). Hier ist ärztliche Diagnostik notwendig, um diese auszuschließen (Blut- und Stoffwechselerkrankungen z.B.). Der Eisenmangel selbst müsste in diesem Fall ebenfalls mit Eisenpräparaten behandelt werden, zusätzlich zur behandlungsbedürftigen Grunderkrankung. Über die Ethik, ein krankes Kind mit Eisenmangel hungern zu lassen, muss ich wohl kaum äußern. :shock:

Zwangsernährung mag ein Thema sein bei im Hungerstreik befindlichen Psychopathen, aber keinesfalls bei einem Baby oder Kleinkind. Ob Deine Ärzte ansonsten nett und freundlich waren, wäre mir da schnurzpiepegal, ehrlich gesagt. Auch freundliche Menschen geben mitunter jede Menge Schwachsinn von sich, insbesondere im Themenfeld "Gestillte Kleinkinder". Das ist Fakt.

Klare Empfehlung also:
* Lass Dein Kind gründlich auf Grunderkrankungen untersuchen.
* Behandele seinen Eisenmangel mit Eisenpräparaten.
* Still ansonsten nach Bedarf weiter, GANZ NORMAL gemäß WHO-Empfehlung "[...] neben geeigneter Beikost bis zum Ende des 2. Lebensjahres und darüber hinaus, solange Mutter und Kind es wünschen."
* Genieße Deine Mahlzeiten im Beisein Deines Kindes, biete immer wieder zwanglos an; wenn sein Eisenmangel behoben ist, wird er irgendwann essen, ganz sicher.

LG und alles Gute,
Julia
Strelamelie
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Re: Hilfe! Mein Stillkind soll Zwangsernährt werden

Beitrag von Strelamelie »

Mein Sohn hat irgendwann nach dem 14 Lebensmonat angefangen nennenswerte Mengen zu essen.

Mondenkind, Iris und Jusl haben es schon auf den Punkt gebracht.

Bitte laß Dich nicht beirren uns stille Dein Kind weiterhin nach Bedarf, gib ihm die Eisentropfen,biete ihm eisenhaltige Beikost, lese das Gonzales Buch zu Ende und warte ab.
Was besseres kannst Du jetzt nicht machen.

Ich wünsche Dir und Deinem Kind alles Gute.
viele Grüße
Christine mit H. 11/06 und L. 5/10
Ella1
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Re: Hilfe! Mein Stillkind soll Zwangsernährt werden

Beitrag von Ella1 »

Alle Beiträge habe ich nicht gelesen...
Meine Stillberaterin erzählte gerade von einem Kind, dass fast 2 1/2 Jahre voll gestillt wurde, weil es sein Bedürfnis gewesen sei und die Mutter habe im Bekanntenkreis unter enormen Rechtfertigungsdruck gestanden. Plötzlich hat sich dann das Kind selbst abgestillt.
Ich denke, uns gäbe es alle hier nicht, hätten unsere Vorfahren nicht lange, ausdauernd nach Bedürfnis gestillt. Wie haben die in der Höhle im Winter ohne Gläschen überlebt???
Meinen Sohn habe ich in dem Alter auch noch sehr häufig gestillt. Neben der Nahrungsaufnahme war für ihn das Stillen Nähe, Geborgenheit, Vertrauen, Schutz. Ich dachte immer, hoffentlich bleibe ich gesund und muss nicht aus irgendeinem Grund abstillen, denn das wäre ein Bruch gewesen.
Als er 1 1/2 Jahre alt war, waren wir wegen Noro/Rotaviren im Krankenhaus und trafen auf einen stillfreundlichen Oberarzt in der Kinderklinik. Das hat sehr viel ausgemacht bzgl. der Behandlung durch das weitere Klinikpersonal und deren Haltung uns gegenüber.
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Zierbanane
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Hilfe! Mein Stillkind soll Zwangsernährt werden

Beitrag von Zierbanane »

Sibi hat geschrieben:...

Zierbanane,
was soll der Hinweis? Zwangsernährung beim Kleinkind ist ok? Beim Erwachsenen auch? Und was zum Teufel soll es BRINGEN - außer der Ernährungsstörung?
Oh Gott, jetzt komm mal wieder runter! Niemals habe ich derartiges geäußert. Das Kind ist aber kein Säugling mehr und bei solchen Werten würde ich durchaus mehr feste Kost anbieten und nicht nur auf das Stillen beharren.
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4tiere
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Re: Hilfe! Mein Stillkind soll Zwangsernährt werden

Beitrag von 4tiere »

Ich kann dir noch folgenden Link nahe bringen:
http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... 176&t=6689 (Längeres Stillen vermindert das Risiko von Eisenmangel)
Und ich frage mal ketzerisch, wie würde es denn deinem Kind gehen, wenn du nicht mehr stillen würdest?!

Also bisher hast doch für dein Kind richtig entschieden und ich wünsche dir viel Kraft, dass du diesen Weg so weiter gehen kannst!
Bild-liche Grüße

Natalie
mit drei wundervollen Kindern!
Den beiden Großen (19m und 21w Jahre) und die kleine Maus (01.10.2011), die ich immer noch total genieße! Bild
Und das mit der Rechtschreibung lerne ich noch ... ;-)
(Manche andere Fähigkeiten erwerbe ich bestimmt auch noch, über Anregungen bin ich immer dankbar!)
jusl
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Re: Hilfe! Mein Stillkind soll Zwangsernährt werden

Beitrag von jusl »

Naja, selbst bei der herkömmlichen Nomenklatur gilt ein Kind immerhin bis 12 Monate als "Säugling". Und selbst der konservativste Stillkritiker kann kaum behaupten, dass ein Kind, das von 28 Tagen sogar höchst offiziell noch ein "Säugling" war, jetzt essen müsste wie ein Schulkind.

Medizinischer Standard (auch wenn der sich noch nicht überall herumgesprochen hat) ist heute ganz klar, dass ein Kind im zweiten Lebensjahr wenn möglich noch Muttermilch bekommen SOLLTE. Plus das Angebot einer abwechslungreichen Ernährung.

LG
Julia
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blueberry
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Re: Hilfe! Mein Stillkind soll Zwangsernährt werden

Beitrag von blueberry »

Ich bin ehrlich fassungslos :shock: :shock: Ich hab jetzt den ganzen Thread gelesen und möchte mich denjenigen anschließen, die folgendes Vorgehen vorschlagen:

1. Stillen nach Bedarf. In Muttermilch ist phantastisch bio-verfügbares Eisen enthalten - diese Eisenquelle würde ich bei einem bisherigen Wenig-Esser bei Eisenmangel auf KEINEN FALL auf einmal entziehen! Die restliche - zwanglos angebotene! - Beikost sollte eisenreich sein.

2. unbedingt die Eisentropfen geben, hoffen, dass diese schnell zu einer Verbesserung der Werte führen. Dabei aufpassen, dass man die Tropfen nicht gerade mit die Eisenaufnahme hemmenden Stoffen gleichzeitig gibt (Hier findest Du eine Liste mit Beispielen zum Eisengehalt einzelner Lebensmittel und auch eine Liste mit Hemmstoffen und was die Eisenaufnahme fördert).

3. wenn die Eisentropfen nicht gut/schnell genug wirken, sollte zu allererst eine Infusionstherapie in Betracht gezogen werden. [Ich möchte mich hier übrigens ausdrücklich Becka anschließen: wäre es wirklich bedrohlich, würde nicht erst mit Tropfen versucht sondern gleich eine Infusionstherapie gestartet. Da es so bedrohlich also offenbar nicht ist, versucht man Dich also mit fiesen Drohungen dazu zu bringen, Dein Kind nach deren Vorstellungen zu erziehen :? ]

4. Ganz wichtig: Ursache und Wirkung nicht verwechseln! Bedrohlich niedrige Eisenwerte lassen sich NICHT durch Nahrung ausgleichen!!! Eisenmangel macht aber seinerseits Appetitmangel bzgl. fester Kost. Sobald die Eisenwerte in Ordnung kommen, wird auch der Appetit sich normalisieren. (Evtl. kommen auch noch andere Werte infrage als Ursache: Zinkmangel kann meines Wissens auch Appetit hemmen)
Ein durch Eisenmangel appetitloses Kind durch menschenunwürdige Zwangsmaßnahmen zum Essen zwingen zu wollen (und darunter fallen sowohl die "Zwangsernährung" als auch Hungernlassen - oh Gott, ich mag da echt über beides nicht nachdenken: Wie grausam - egal, wie zuckersüß-verständnisheuchelnd man Dir das nahegelegt haben sollte! :shock: :? :cry: ) ist völlig sinnfrei. Im besten Falle würde Dein Kind ab morgen von früh bis Abend also für Kinder schaffbare Mengen an Fleisch und Orangen essen. Und was würde das an seinem Eisenspiegel kurzfristig ändern? So gut wie nichts!!

Bitte vergiss das nicht, egal ob nun zuhause mit Tropfen oder in der Klinik mit Infusion therapiert wird: niemand kann Dir vorschreiben, wie Du mit Deinem Kind umzugehen hast und wieviel Dein Kind nun während der akuten Substitutionstherapie isst, ist völlig zweitrangig!

5. Kommentare wie "damit er lernt, dass es zwischendurch nichts gibt" bitte gleich aus dem Gedächtnis streichen. Was soll denn so ein Quatsch? Wollen sie Dir ne Lektion in "wie erziehe ich mein Kind" erteilen, oder dass Dein Kind so viel wie möglich Eisen und Nahrung zu sich nimmt? Dann wären nämlich erst recht Zwischenmahlzeiten, Muttermilch etc. nach Bedarf sinnvoll - unabhängig von zufällig der deutschen Konvention entsprechenden Essenszeiten :roll: :?
blueberry mit großem und kleinem Frühlingskind (2010 und 2013)
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Re: Hilfe! Mein Stillkind soll Zwangsernährt werden

Beitrag von blueberry »

ich glaube, jetzt sind seit meinem Lesen des "ganzen" Threads und meinem Abschicken des Postings fast eine Seite neuer Beiträge dazugekommen... Darauf bin ich natürlich nun nicht eingegangen und lese erstmal nach.
blueberry mit großem und kleinem Frühlingskind (2010 und 2013)
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