der vernachlässigte tragling

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Steff
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Re: der vernachlässigte tragling

Beitrag von Steff »

Dieser Aufopferungsschwachfug nur um den eigenen Egoismus schön zu reden...
Wieso opfere ich mich auf, wenn ich mal anderthalb Jahre meines ca. 80 Jahre langen Lebens nicht ins Kino gehe, wenn ich dafür ein für mein Kind existenzielles Bedürfnis befriedige? Ich kann noch tausendmal ins Kino gehen, wenn das Baby größer ist.
Es geht doch nicht darum, dass ich nicht ins Kino kann, weil mein 7-jähriger gerade mit mir Lego bauen möchte.

Wenn es deinem Baby in der Zeit wo du im Kino bist gut geht und es dich nicht vermisst und es keine Nachteile dadurch hat, prima. Dann viel Spaß. Aber es gibt eben Babys/Kleinkinder die würden die ganze Zeit nur weinen/brüllen, eben ohne die Mutter noch nicht auskommen. Käme ferbern gleich.
Es wäre also sehr zum Nachteil des Kindes. Da kann ich dann ja wohl locker abwägen. Und wer dann nicht gerne verzichtet, den kann ich nicht verstehen. Wobei das kein Verzicht ist. Leute, da hab ich doch eindeutig Prioritäten. Ich kauf mir doch auch keinen Hund und sag dann, also dreimal täglich Gassi gehen geht nicht, da opfere ich mich zu sehr auf und verzichte in der Zeit auf andere tolle Sachen. In der Welpenzeit noch öfter, wenn man nicht in die Bude gepinkelt haben will. Aber die Welpenzeit geht ja, wie die Babyzeit, vorbei.
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Steff
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Re: der vernachlässigte tragling

Beitrag von Steff »

Entschuldigt, wenn ich mich so an dem Kino-Beispiel festbeiße.

Aber mich regt der Tenor in den Medien derzeit so auf, dass Mütter nur glücklich sein können, wenn sie möglichst viele Dinge möglichst bald nach der Geburt ohne ihr Kind machen.

Ich hab überhaupt nicht das Gefühl als ich selbst, als Steff, zu kurz zu kommen, wenn ich die Bedürfnisse meiner Kinder befriedige. Ich habe es mir so ausgesucht. Das gehört eben dazu wie mit dem Hund spazieren zu gehen, auch wenn ich das oft lästig finde, bei Regen, Wind und Wetter oder wenn ich grad lieber etwas anderes machen möchte.
Als ich das erste Mal wieder im Kino war, konnte ich den Film kaum genießen, weil ich eben nicht bei meinem Kind war, und mich um sein Wohlergehen gesorgt habe. Mein erstes Kind war nach 6 Wochen Flaschenkind. Da war ich nicht die Oberüberbezugsperson, weil auch die Oma die Flasche geben konnte und der Krümel hat sich dort auch wohl gefühlt. Da waren solche Aktivitäten einfacher. Aber ich habe bei den Stillkindern die Erfahrung gemacht, dass sie sehr viel Mama-fixierter sind und waren. Ich bin nun mal die Hauptüberlebensquelle. In den Schlaf stillen kann die Oma eben nicht.

Also sorry für die scharfen Geschütze!

Ich möchte einfach als Vollblutmutter wahr und ernst genommen und nicht belächelt werden.
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sana
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AW: der vernachlässigte tragling

Beitrag von sana »

bienenmeister hat geschrieben:
Fliegenpilz hat geschrieben:I es gab insgesamt mehr "oO"-Momente als "AHA!".
Was meinst du damit?

Also ich bin da sehr aufgeschlossen rangegangen und habe es einfach die letzten Tage probiert, den Körperkontakt nicht abreißen zu lassen. Mein Baby (3 Monate) lässt sich ja überhaupt nicht ablegen, und wenn ich es öfter probiert habe oder ihn mehrmals ausgetrickst habe (weglegen, wenn er schläft), dann ist er abends voller Spannung und reagiert sich schreiender Weise stundenlang ab :cry: Er quält sich so.

Ich wollte gar nicht mehr alleine mit ihm zu Hause sein, da er da immer angefangen hat, hysterisch zu werden. Hatte ich viele Termine und war den ganzen Tag außer Haus, war er zufrieden und ist abends spannungsfrei eingeschlafen.

Nun mag ich nicht jeden Tag um 9 Uhr das Haus verlassen und erst nach 20 Uhr wiederkommen. Nach der Liedloff Lektüre habe ich versucht, ihn einfach nicht mehr wegzulegen. Also auch auf dem Arm zu haben, wenn ich die Wäsche aus der Maschiene raushole, ihn mit die Wanne zu nehmen, wenn ich mich bade usw.

Es funktioniert. Es ist ihm total egal, in welcher Schräglage er 20cm über dem Fußboden schwebt, wenn ich im Schrank rumkramse, es stört ihn nicht, wenn ich ihn wie ein Baguette unter dem Arm geklemmt runterschleppe, um auf der Wiese ein Buch zu lesen, während ich ihn auf den Unterschenkel balanciere.

Nur mit Betten, Kinderwagen und Krabbeldecken brauche ich ihm nicht kommen :lol:

Redest du von meinem Kind? Leider hab ich es damals noch nicht so sehen können und mir so viel rein reden lassen. "Du kannst sie doch nicht immer rumtragen...." Ich häts viel einfacher haben können wenn ich früher auf mein Herz gehört hätte." Aber damals hatte ich noch das Bild von zufriedenen Babys im KiWa, in der Wiege oder im Maxicosi im Kopf. :lol: Meine Tochter wusste es schon damals besser.

Liebe Grüße von SaNa
Fliegenpilz
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der vernachlässigte tragling

Beitrag von Fliegenpilz »

Habe ich behauptet, dass das was Liedloff empfiehlt immer die mütterliche Selbstaufgabe ist? Nein. Empfinde ich auch nicht so, generell. Aber es wäre Fliegenpilzaufgabe.

Der autofahrende Fliegenpilz. Der brüllende Fliegenpilz. Der An-der-Bar-versacken-Fliegenpilz. Und dass mein Kind mal 4, 5 oder 18 sein wird und ich das dann in meinem Leben wieder frei entscheiden kann ist mir auch kein Trost.

Wem es gut geht damit, für den freue ich mich. Und derjenige möge sich bitte auch für mich freuen wenn ich ohne Kind am Wochenende Großeinkauf mache - vorher und nachher laut singend im Auto.

Liedloff so isoliert aufs Tragen zu beziehen finde ich auch ein bisschen scheinheilig. Die Yequana gehen komplett anders mit ihren Kindern um als hier und es unterscheidet uns so viel mehr von ihnen als dass man sagen könnte, dass das Tragen den Unterschied mache. Das könnte ein simpler Fehlschluss sein und deshalb stehe ich diesem Buch sehr kritisch gegenüber und empfehle es auch nicht.

Das ist nun aber wirklich völlig am Thema vorbei, sorry!
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bienenmeister
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Re: der vernachlässigte tragling

Beitrag von bienenmeister »

Fliegenpilz hat geschrieben: Die Yequana gehen komplett anders mit ihren Kindern um als hier und es unterscheidet uns so viel mehr von ihnen als dass man sagen könnte, dass das Tragen den Unterschied mache. Das könnte ein simpler Fehlschluss sein und deshalb stehe ich diesem Buch sehr kritisch gegenüber und empfehle es auch nicht.

Bitte fühle dich von mir nicht angegriffen, ich meine das nicht böse, auch wenn ich voll und ganz bei Steff unterschreibe. Den Tag über heute habe ich sehr daran geknabbert, was das mit Selbstaufgabe zu tun hat, dass ich nicht ins Kino gehe oder generell keine Lust auf Unternehmungen ohne Kind habe. So ein bisschen habe ich zwischen deine Zeilen auch reininterpretiert, dass du mich für eine bedürfnisarme Glucke hälst.
Steff hat geschrieben: Aber mich regt der Tenor in den Medien (bienenmeister ERGÄNZT um Freunde, Familie, Arbeitskollegen) derzeit so auf, dass Mütter nur glücklich sein können, wenn sie möglichst viele Dinge möglichst bald nach der Geburt ohne ihr Kind machen.


Ich möchte einfach als Vollblutmutter wahr- und ernstgenommen und nicht belächelt werden.

Dazu möchte in ausführen, dass ich vor meinem Kind eine anregende Freizeitgestaltung hatte. Auch Yoga, aber vor allem Klettern und Eskimotieren, was nun mit Baby (noch) nicht realisierbar ist. Ich empfinde jetzt meine Freizeitgestaltung als besonders reich und bunt. Ich bin selbst erstaunt, wieviel man mit Baby machen kann. Mein Leben ist vor allem genussvoller geworden. Die vielen sozialen Kontakte die ich nun knüpfen konnte, tun mir sehr gut. Ich sehe keine Nachteile.

Dass die Yequana komplett anders mit ihren Kindern umgehen als zivilisierte Menschen thematisiert Liedloff konkret und sie führt aus, dass sich dieser Umgang nicht auf ziviliserte Menschen überstülpen lässt. Deswegen haben mich deine Extrembeispiele wie das Beiwohnen bei Sex so gestört.

Das ist hier ein öffentlich lesbarer Teil des Forums und ich finde es nicht richtig, dass an dieser wichtigen Stelle (siehe Titel) das Buch auf besonders pikante Details reduziert und die Aussagen des Buches derart entfremdet werden. Natürlich sei es dir unbenommen, dich von den Inhalten zu distanzieren.

Dennoch interessiert mich, wie du nun zum Tragen und zeitintensiver Betreuung stehst und vorallem welchen simplen Fehlschluss du siehst. Wenn sich aus dem intensiven Tragen Nachteile für Säuglinge ergeben, dann lass uns doch bitte an diesen Erkenntnissen teilhaben.
mit Äffchen (02/2012) und Sommerhoffnung (07/2015)
Tragen für Fortgeschrittene: Heute mal ohne Tuch!

.... lost in translation ....
Fliegenpilz
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der vernachlässigte tragling

Beitrag von Fliegenpilz »

Ich trage mein Kind doch selbst - würde ich denken, dass ihr das schadet so würde ich es lassen ;-)

Liedloff schlussfolgert, offen oder versteckt, dass die Yequana WEGEN des Tragens so ausgeglichene, selbstständige Kinder usw. haben. Warum das so ist wissen wir nicht. Vielleicht ist es die Evolution, dass bei uns eher die stillen als die lauten Babys keine Nachkommen bekommen und dort ist es anders herum? Pure Spekulation. Mich erinnert sowas immer ein bisschen an "Wo viele Störche sind gibt es auch mehr Kinder" ergo gilt "Störche bringen Kinder".
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Fliegenpilz
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der vernachlässigte tragling

Beitrag von Fliegenpilz »

Man sollte hier nicht kritisch über ein Buch sprechen weil es ein falsches Bild vom Tragen erschaffen könnte?

Quatsch. Das hat das Tragen doch nicht nötig, dass man sich nicht kritisch damit auseinandersetzen dürfte.
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Fliegenpilz
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Beitrag von Fliegenpilz »

Und nochmal ich: Wo schreibt Liedloff denn, was bei uns dann anderes gilt? Ich hab mir das Buch gerade noch einmal geschnappt aber bin nicht fündig geworden auf die Schnelle.
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cher123blau
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Beitrag von cher123blau »

Fliegenpilz hat geschrieben:Für mich kommt Flimmerkiste mit Kind nicht in Frage, deshalb auch keine DVD-Abende ;-)
Ich steige hier jetzt auch aus, denn es gibt tatsächlich Mütter die nicht nur Grundbedürfnisse haben und zu denen gehöre ich. Meine Bedürfnisse können auch Rad fahren, ein lauter Streit oder Yoga sein. Das meiste mache ich mit meinem Kind, ja. Aber alles? Das passt nicht zu mir, zu uns.

Zu sehen wie sie mit 5 Monaten robben will, sich schon lange dreht und wie stolz sie dann guckt wenn was geklappt oder wie genüsslich sie sich nach 3h im Tuch streckt - auch das sind Momente, die ich vermissen würde.
Aber das seh ich doch auch, obwohl ich sie staendig trage.
"Wenn Mama ihr T-Shirt hochschiebt, werde ich vor Aufregung ganz zappelig, weil ich weiß: Jetzt darf ich an den schönsten Ort der Welt!"
:slürp*

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Fliegenpilz
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Beitrag von Fliegenpilz »

Wenn du sie IMMER trägst, wie geht das dann? Ganz ehrlich gemeinte Frage, denn wenn unser Kind den ganzen Tag im Tuch war legen wir sie hin und sie schläft. Nix mit strecken, robben, rollen. Das bisschen wickeln zählt für mich nicht dazu.
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