Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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jusl
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Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Beitrag von jusl »

Wer in Gottes Namen hat die 6 Monate festgelegt?!
Die hat niemand festgelegt, sondern: eben diese Empfehlung ist evidenzbasiert zustande gekommen. Sprich: die WHO hat ihre (hoffentlich ;-)) altbekannte Empfehlung "6M2J+" auf der Basis von Ergebnissen großer Studien formuliert (und alle paar Jahre neu beforscht und bestätigt), dass Babys 6 Monate lang ausschließtlich gestillt werden sollten, und danach neben geeigneter Beikost weiter gestillt bis mind. zum 2. Geburtstag und darüber hinaus so lange Mutter und Kind wünschen.

Diese Empfehlung gilt für ALLE Babys auf dieser Welt. Für europäische, wo gerne ZU FRÜH der Möhrchenlöffel geschwungen wird, als auch für Babys anderswo, wo die Message transportiert werden muss, dass die meisten Babys NACH den ersten 6 Monaten über das Vollstillen HINAUSGEHENDE Ernährungsbedürfnisse haben und nicht ewig vollgestillt werden können (wo Lebensmittelknappheit herrscht, spielt das eine ganz wesentliche Rolle, z.B. bzgl. der Einteilung von Lebensmittelmarken - Babys ab 6 M kriegen welche, weil sie sie i.A. BRAUCHEN, jüngere nicht).

LG
Julia
Fiddlegirl
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Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Beitrag von Fiddlegirl »

Morgaine47 hat geschrieben:Es gibt da wohl eine neue ominöse Studie, die herausgefunden hat, dass man ab 4 Monate Beikost geben sollte, da das Allergierisiko dann geringer ist. Gerüchteweise habe ich schon gehört, dass die Studie irgendwie von der Babykostlobby finanziert wurde, aber da ich nichts zu der Studie gefunden habe kann ich das nicht bestätigen.
Ich hab mich gestern soooo darüber aufgeregt, weil in unserem Geburtsvorbereitungskurs eine Kinderärztin nämlich genau von dieser Empfehlung sprach, also schon mit 4 Monaten zuzufüttern, um Allergien zu vermeiden. Hallloooo?! War es nicht immer genau umgekehrt? Muttermilch soll doch Allergien verhindern! Schade, dass ich nicht auf die Idee kam, mal nachzufragen, wer diese Empfehlung herausgegeben hat. Mich ärgert sowas dermaßen. Da sitzen ja auch Mütter, die das erste Kind bekommen und solchen Scheiß glauben!
Kurz vorher hatte ich noch ein Gespräch mit der Hebamme, die meinte, dass sie versucht, die Mütter in ihrer Entscheidung zu bestärken, auch, wenn sie manchmal anderer Meinung ist. Aber Mütter sollen auf ihr Bauchgefühl hören lernen und nicht irgendwelche Ratgeber lesen. Das fand ich total gut. Und ein paar Minuten später sitzt da diese Kinderärztin und sagt nicht nur, dass man mit 4 Monaten zufüttern KANN (man also nicht unbedingt dem Baby schadet, wenn es eben nicht anders geht), sondern es sogar SOLL. Wo bitte bleibt da das Bauchgefühl?
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Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Beitrag von femianca »

Irgendwo war mal der Link zu der ursprünglichen Veröffentlichung im Ärzteblatt, was die Ärzte den Patienten empfehlen sollen.
Da wurden die Ergebnisse dahingehend formuliert, dass sich herausgestellt hatte, dass es zur Allergievermeidung am wichtigsten sei, dass während der Beikosteinführung weiter gestillt wird.
Das ist die Kernerkenntnis.
Und dann ging es weiter, dass man deutschen Frauen ja nicht zumuten könne, länger als 6 Monate zu stillen, und DESHALB soll die Empfehlung gegeben werden, mit 4 Monaten mit der Beikost anzufangen, damit wenigstens zwei Monate lang Beikost und Stillen parallel laufen.
Ist ja auch tatsächlich so, dass viele nach 6 Monaten dann auf Flasche umsteigen, weil sie ihr "soll" ja erfüllt haben.
Das heißt, dass die Empfehlung mit den vier Monaten NUR dann gilt, wenn eine Stillmutter mit ca. 6 Monaten tatsächlich abstillen will.
Wenn sie gerne länger stillen will, ist die Empfehlung obsolet, und wenn sie sowieso Flasche gibt, ebenfalls.
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Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Beitrag von Seerose »

Völlig o. T., aber was bin ich froh, daß ich als meine Tochter Baby war, weder in einem Forum war noch auf die Idee kam Bücher über's Stillen zu lesen, da ich dachte, die Natur regelt das schon alles. (Klar, ich hab gut reden, hat alles GsD super geklappt)

Durch diese Überinformiertheit (für die ich niemandem die Schuld gebe, denn die Medien sorgen einfach für rasante Verbreitung) wird man ja heutzutage völlig verunsichert und der gesunde Menschenverstand wird automatisch ausgeschaltet. :?

(Wir haben die 6 Monate natürlich weit überschritten:)
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Liebe Grüße,
Seerose
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Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Beitrag von Fiddlegirl »

Nun ja, ich hab mich bei meinem ersten Kind auch überhaupt nicht informiert, hab dann aber mal meine Schwester gefragt und die hatte auch schon mit 4 Monaten zugefüttert. Ich hatte es dann mal probiert, aber es ging gar nicht, weil alles wieder nach draußen befördert wurde. Hab dann einfach so lange gestillt, bis Junior selbst soweit war. Will damit aber sagen, dass nicht nur die Medien schnell mal was verbreiten, sondern dass man in unmittelbarem Umfeld genauso fehlinformiert werden kann. Jeder macht es eben anders und jedes Kind ist anders. Die Empfehlung sollte eher lauten: Hört auf euer Bauchgefühl und stillt so lange, wie ihr wollt und könnt - ohne jegliche Zeitangabe.
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Re: Nur 6 Monate oder doch kürzer?!

Beitrag von Seerose »

Fiddlegirl hat geschrieben: Will damit aber sagen, dass nicht nur die Medien schnell mal was verbreiten, sondern dass man in unmittelbarem Umfeld genauso fehlinformiert werden kann.
Ja, klar. Aber wer sich vorher wenig um Medien und Lektüre gekümmert hat, der kümmert sich dann auch nicht um die Meinungen seines Umfelds. Sondern vertraut eben allein seinem Bauchgefühl.

Ist aber echt schwierig das Thema. Ich hab z. B. meine Schwangerschaft kaum bemerkt, aber was würd ich mir jetzt (mit dem Wissen und den nicht nur positiven Erfahrungen aus dem Forum) für nen Kopf machen, wenn ich nochmal schwanger wäre... :shock: :lol:
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Liebe Grüße,
Seerose
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