Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Wiege oder Familienbett? Allein oder zusammen? Wie schlafen wir alle am besten?

Moderator: Giraeffchen

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Mel82
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Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von Mel82 »

Leyket hat geschrieben:Für mich steht auch ohne sichere Beweise fest, ich würde Juli niemals ferbern.
Ich selber leide unter einer psychischen Erkrankung, ich weiss also, in welcher Form sich Stress in jeder Form auswirken kann auf das gesamte Leben.

Ich selber bin geferbert worden. Meine Mutter empfahl mir am Anfang auch, man könne Babys auch mal schreien lassen. Ich hab das dan ohne große Diskussion natürlich nicht getan.
Ich würde ihr zwar niemals in dem Zusammenhang die "Schuld" an meiner Erkrankung geben, ausschließen würde ich das allerdings auch nicht. Sie hat alles immer mit bestem Gewissen und ohne besseres Wissen getan. Man tat das einfach so. Sie wollte uns ganz sicher nichts schleches, im Gegenteil hilft sie auch heute an allen Ecken... manchmal etwas zu viel für unseren Geschmack.
Gerade zum Thema Bindungstheorie, Vulnerabilität, Stress-Theorien usw hab ich in den letzten Jahren viel gelesen, nichtmal die Hälfte verstanden, aber beschlossen dieses Risiko nicht einzugehen, dass Schreien lassen evtl einer von vielen Auslösern sein könnte.

Das kann ich eins zu eins fast unterschreiben. Nur dass es nein Papa war, der meine Mama überredet hat mich weinen zu lassen :( Meine Mama hat mir erst letztens gesagt wie schlimm das für sie war. Aber sie dachte halt, dass es so richtig wäre.
Und ich denke auch, dass meine Depression und meine Unsicherheit daher kommen. Und das ich Lob und Anerkennung brauche. Ohne bin ich nicht glücklich und selbstbewusst...


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Gesendet vom Handy, Schreibfehler sind der Autokorrektur zuzuschreiben :)
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Minja
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von Minja »

Hatte mal einen kleinen Artikel gelesen "Früher Stress bremst das Gehirnwachstum" ist aber schon älter!

"...Unbestrittene Tatsache ist, dass Babys ihren eigenen Stress nicht abbauen können - sie können sich nicht bewusst ablenken, wenn sie erregt sind. In dieser Situation produziert der Hypothalamus Si-gnalstoffe, die zurAusschüttung des Stresshormons Kortisol führen. In späteren Jahren reagiert das Hirn dann auf Stresssituationen entweder mit hormoneller Überproduktion (Ängste und Depressionen sind die Folge) oder mit Unterversorgung(Aggression)."

LG Minja
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bienenmeister
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von bienenmeister »

Mayotte hat geschrieben:
MarzipanHerz hat geschrieben:Ich glaube, die die das tun, sehen die Angst die dahiner steckt nicht.... Sie denken meist, sie tun sich und ihren Kindern was Gutes, in dem sie das Kind erziehen.. denn für viele ist es eine Erziehungsfrage, ob das Kind durchschläft oder sozusgen seinen Willen durchsetzt....
Traurig aber wahr.... und noch trauriger finde ich ja,.. das diese Methode von Ärzten und Hebammen empfohlen wird....!!!!
Stimmt. Das Argument hört man auch öfter. "Sie wollte und tyrannisieren, aber das mache ich nicht mit."

Das steht ja auch so in der hiesigen Schrei-Literatur.
mit Äffchen (02/2012) und Sommerhoffnung (07/2015)
Tragen für Fortgeschrittene: Heute mal ohne Tuch!

.... lost in translation ....
Lösche Benutzer 7681

Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von Lösche Benutzer 7681 »

Ich kenne zwei geferberte Kinder, eins ist heute 11 und das andere 2.

Der erlfjährige ist sehr in sich gekehrt, hat oft unerklärliche Wutausbrüche und hat neulich zu seiner Mutter gesagt, er mag sich selber gar nicht, am liebsten würde er sich vor einen Zug werfen. Mit elf!!!!
Dieser Junge hat wohl auch große Probleme mit dem einschlafen und oft Angst im Dunkeln.

Der zweijährige ist mein Neffe. Die Mama kann absolut nicht aus dem Raum gehen, ohne daß er panisch hinter ihr her rennt und weint.

Das ist jetzt vielleicht nicht für alle Kinder aussagekräftig, aber ich finde es schon sehr bezeichnend.
EhUSb

Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von EhUSb »

also, ich kenne zum glück niemanden, der ferbern würde, aber als wissenschaftlerin interessiert mich das thema. ich habe mal versucht, studien zum thema zu finden, aber das ist schwierig - offenbar wurden die folgen von ferbern noch nicht weiter untersucht. generell würde ich, wie hier ja auch schon geschrieben wurde, von einem ungünstigen bindungsverhalten als folge ausgehen, weil nicht feinfühlig auf das kind eingegangen wird. richtig erforscht zu sein scheint das aber bislang nicht... (allerdings habe ich von zuhause aus nicht wirklich zugriff auf alle wissenschaftlichen suchmaschinen/journals, da müsste ich schon in die uni...)

was ich gefunden habe, ist einmal ein poster (sowas stellt man gerne auf konferenzen vor), bei dem es v.a. um das ferbern von kindern unter einem jahr geht. man findet dort auch verweise auf einzelne studien - die habe ich mir aber noch nicht durchgesehen. das fazit hier ist aber, dass 1. "To date, no studies of CIO have employed objective,
observational assessments of changes in infant, caretaker, or dyadic behavior, or biobehavioral outcomes." das heißt, es existieren einfach noch keine studien, die die auswirkungen von ferbern (crying it out = CIO) auf kinder, eltern, deren beziehung etc. objektiv erfassen. und zudem heißt es : "In the absence of adequate data on the effects of prolongedcrying and extinction on infants, the safety of CIO in the first year cannot be supported." also:im zweifel lieber lassen!
hier der link zum poster:
http://nwjaa.org/lllnj/conference/files ... Poster.pdf

dann habe ich noch - das trifft das thema nicht 100%ig - einen review zum co-sleeping gefunden: http://www.naturalchild.org/james_mcken ... eeping.pdf
ich kenne die wissenschaftliche zeitschrift nicht, in der er erschienen ist (es gibt ja auch in der wissenschaft seriösere und weniger seriöse), da das leider nicht mein fachgebiet ist. also vielleicht erstmal mit vorsicht behandeln. hier heißt es jedenfalls auf S. 140: "The American Academy of Pediatrics’ Guide to Your Child’s Sleep moves from science to social opinion when they inform parents that infants should never be permitted to fall asleep at the breast or in the mother’s arms following a breast feed the very context within which the infant’s falling asleep evolved and is practically impossible to prevent! Parents are taught that to establish lifelong ‘healthy’ sleep habits, their infants ‘need’ and ‘should’ be ‘trained’ to sleep alone. Yet, according to the 2000 National Sleep Foundation Survey in the United States, 62% of American adults whose parents probably followed these general Dr
Spock-inspired recommendations currently report difficulties falling and staying asleep, 60% of children under the age of 18 have complained to their parents about being tired
during the day and 15% of children admit to falling asleep in school. These data suggest that there is either no simple correlation between early infant or childhood sleep patterns
and adulthood, or that the solitary infant and childhood sleep training model aimed at creating ‘healthy sleep habits’, advocated for over 60 years appears not only to
have failed miserably, but may have produced the opposite effects than were promised!"
ich stolpere hier sehr über das "probably", aber das war tatsächlich das einzige, was ich über die effekte von schlaftrainings finden konnte...

falls jemand fundiertere literatur hat, gerne her damit!
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Lea97
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von Lea97 »

Siijay hat geschrieben:Ich kenne zwei geferberte Kinder, eins ist heute 11 und das andere 2.

Der erlfjährige ist sehr in sich gekehrt, hat oft unerklärliche Wutausbrüche und hat neulich zu seiner Mutter gesagt, er mag sich selber gar nicht, am liebsten würde er sich vor einen Zug werfen. Mit elf!!!!
Oh mein Gott, wie schrecklich ist das denn??? Ich bin fassungslos....
Sie sagen, sie hätten so wenig Stress mit ihren Kindern (inzwischen sind es 3) wie sonst kaum jemand , den sie kennen und sind begeistert.
Ohne jemanden angreifen zu wollen, das muss man definitiv immer individuell betrachten. Für mich gehört "stressig sein" ein Stück weit auch zur normalen Entwicklung und ist ein Zeichen für Autonomieentwicklung bei meinem Kind. Wenn mein Kind total lieb und angepasst wäre, würde ich mir Sorgen machen. Vielleicht ist genau das ja auch eine Auswirkung von ferbern oder anderen Schlfprogrammen, dass die Kinder, wie auch oben beschrieben, sich zurückziehen, in sich gekehrt sind und wenig bis keine Ansprüche haben oder zeigen, weil sie gelernt haben, dass darauf niemand acht gibt.

Ich kann ohnehin nicht verstehen, wie eine Mutter oder Eltern ihr Kind schreien lassen können, einige schaffen es ja auch nur unter Zwang und heulen dabei. Ich bin ein totaler Bauchmensch und der zieht sich nach dem ersten Schrei meines Kindes schon sowas von zusammen. Ich werde automatisch nervös, kriege Schweißausbrüche und ALLES in und an mir zieht mich zu meinem Kind. Ich kann nicht nachvollziehen, wie Menschen so gegen ihre Urinstinkte ankämpfen können und dabei glauben oder hoffen das richtige zu tun.

Es fällt ja auch immer wieder das Argument, durchaus auch mal in meinem Familien-/Freudeskreis, dass das Kind lernen müsste sich selber zu beruhigen. Ich frage mich ernsthaft, was man da von diesen kleinen Menschen erwartet, denn noch nicht mal ich als erwachsener, nicht geferberter und gesunder Mensch schaffe es mich in wirklich beunruhigenden Situationen mich selbst zu beruhigen und auch in denen wo ich es vielleicht schaffen würde, habe ich gerne jmd an meiner Seite, der mir dabei hilft.
Liebe Grüße, Tine.

Wenn Sie beschließen, ein Kind zu bekommen,
dürfen Sie eines nicht vergessen:
Ihr Herz schlägt fortan außerhalb Ihres eigenen Körpers.
Katherine Hadley


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Lösche Benutzer 7681

Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von Lösche Benutzer 7681 »

Lea97 hat geschrieben: Ich bin ein totaler Bauchmensch und der zieht sich nach dem ersten Schrei meines Kindes schon sowas von zusammen. Ich werde automatisch nervös, kriege Schweißausbrüche und ALLES in und an mir zieht mich zu meinem Kind..
Genauso ist das bei mir auch. Tinde, wir beide sind aber auch sehr starke Charaktere, NIEMAND kann und IRGENDWAS vorschreiben.

Eine vielleicht unsichere junge Mutter liest drei Bücher, in denen mehr oder weniger dasselbe steht, fragt drei erfahrene Mütter, die das auch sagen und schon wird die junge Mama ihr Bauchgefühl ignorieren.
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Leyket
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von Leyket »

Unsichere Mütter brauchen keine 3 Bücher. Oftmals reicht schon eine drängende Oma oder Mutter oder aber auch gern genommen, die Nachbarn, die das Geschrei leid sind und der jungen Mami völlige Unfähigkeit an den Kopf werfen bzw hinter ihrem Rücken darüber sprechen (sowas kommt natürlich auch an, wenn es nicht direkt vor Kopf gesagt wird).

Es ist schade, unsere Gesellschaft hat verlernt die Signale der Kinder zu achten. Unsere Generation ist da hineingewachsen, jedenfalls viele von uns...
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von miss_undercover »

Ich habe mich mit diesem Thema durch meinen Job auch sehr tiefgehend befasst und die Ergebnisse meiner Recherche lassen sich folgendermaßen zusammen fassen:

- Ferbern kann sich negativ auf die Eltern-Kind-Bindung sowie auf die psychische Stabilität im Erwachsenenalter auswirken. Schlaftrainierte Kinder haben ein höheres Risiko, drogen-, medikamenten- oder alkoholabhängig zu werden, sie kämpfen häufiger mit Panikattacken und Schlafstörungen. (siehe: Sutherland: Die neue Elterschule)

- Gestillte Kinder leiden stärker unter Schlaflernprogrammen als nicht gestillte Kinder. Hintergrund ist vermutlich, dass Flaschenbabys daran gewöhnt sind, immer mal einen Moment warten zu müssen, da das Fläschchenmachen ja auch etwas Zeit braucht. Außerdem ist für sie Trost und Beruhigung nicht ganz so unmittelbar mit Mama verknüpft wie bei Stillkindern. (siehe Renz-Polster: Kinder verstehen)

- Wie schädlich sich ein Schlaflernprogramm auf die Entwicklung eines Kindes auswirkt, hängt maßgeblich von drei Faktoren ab:
1. Wächst das Kind ansonsten in einem liebevollen und bedürfnisorientierten Elternhaus auf? Es scheint so, als würden sich negative Folgen des Ferberns durch einen ansonsten sehr liebevollen Umgang abmildern lassen. Das Gehirn speichert das Schlaflernprogramm als einmalige negative ERfahrung ab, nicht als "Art und Weise wie die Welt funktioniert". Umgekehrt verschlimmern sich die Folgen des Ferberns, wenn Kinder auchs onst im Alltag Zurückweisung, Lieblosigkeit und ein Ignorieren/Abwerten ihrer Bedürfnisse erfahren.
2. Sehr nähebedürftige Kinder leiden logischerweise stärker unter einem Schlaflernprogramm als Kinder, die ohnehin schon recht hohe Selbstberuhigungskompetenz haben. So gibt es auch Babys, bei denen ein Schlaflernprogramm etwa so abläuft, dass sie in die Wiege gelegt werden, kurz jammern, wenn die Eltern rausgehen, aber weder richtig schreien noch sich wirklich verlassen und verzweifelt fühlen, weil sie schon so weit sind, dass sie auch ohne Ferbern alleine einschlafen lernen könnten. Das Schlaflernprogramm gibt in diesem Fall nur den letzten Schubs.
3. Kinder mit einer ausgeprägten Resilienz (inneren Widerstandsfähigkeit) überstehen Ferbern nahezu oder gänzlich unbeschadet. Sie leiden zwar in dem Moment, verfügen aber über eine psychische Widerstandskraft, die ihnen hilft das Erlebte gänzlich oder fast gänzlich zu kompensieren. Diese Kinder sind allerdings kein Beweis dafür, dass "ferbern nicht schadet" - schließlich gibt es keine Möglichkeit, bereits im Baby- und Kleinkindalter herauszufinden, welches Kind über diese Resilienz verfügt. Kinder mit einer besonders schwach ausgeprägten Resilienz leiden überdurchschnittlich stark unter Spätfolgen des Ferberns. (Sutherland)

Liebe Grüße
Nora
Pauline2010
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von Pauline2010 »

hab jetzt die antworten nicht gelesen aber ich möchte allen die ihr Kind schreien lassen einfach die frage stellen: wie bringst du das übers Herz? Mir würde das Herz zerreißen. Egal ob es eine steif gibt oder nicht mein Mama Herz würde das nicht aushalten!
Mit Kindern vergehen die Jahre wie im Fluge, doch Augenblicke werden zu Ewigkeiten.
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